Kündigung

Dein Arbeitgeber will dich feuern? Das heißt noch nicht, dass er das darf!

Zunächst solltest du entscheiden, ob du etwas gegen die Kündigung unternehmen willst – dafür sprechen ein paar gute Gründe:

  • Du hast die Chance, deinen Ausbildungsplatz zu behalten
  • Du kannst während der Verhandlung einen neuen Ausbildungsplatz suchen und gewinnst Zeit, um deinen Ausbildungsplatzwechsel zu organisieren
  • Eine fristlose Kündigung macht sich nicht gut im Lebenslauf

Wir empfehlen dir in jedem Fall unsere Tipps zur Kündigung als PDF!

Ob eine Kündigung möglich ist und welche Reaktionsmöglichkeiten du hast, erfährst du in den folgenden Abschnitten:

  • Vor und nach der Probezeit

    Während der Probezeit bist du gegen eine Kündigung in der Regel machtlos. Dein Betrieb darf (genauso wie du) jederzeit das Ausbildungsverhältnis beenden. Und dies ohne Angabe von Gründen und fristlos.

    Die Kündigung ist also zum angegebenen Zeitpunkt gültig, d. h. sie darf auch sofort in Kraft treten. Einzige Voraussetzung ist, dass du sie schriftlich bekommen hast. Ist dies geschehen, solltest du dich schnellstens nach einem neuen Ausbildungsplatz umsehen!

    Nach Ablauf der Probezeit darf dir dein Arbeitgeber nur dann außerordentlich und fristlos kündigen, wenn er einen "wichtigen Grund" angibt (siehe Abschnitt unten).

  • Wichtiger Grund & Unwirksamkeit

    Wichtige Kündigungsgründe sind zum Beispiel:

    • Mehrmals unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit oder Berufsschule
    • Häufiges Zuspätkommen
    • Trotz Aufforderung nicht geführtes Berichtsheft
    • Urlaubsantritt ohne Absprache mit Vorgesetzten
    • Diebstahl

    Dagegen ist die Kündigung unwirksam:

    • wenn sie nicht schriftlich erfolgt ist
    • wenn auch auf Nachfrage des Auszubildenden kein wichtiger Grund angegeben wurde (Ausnahme: während der Probezeit, siehe Abschnitt oben)
    • wenn deinem/r Ausbilder/-in der Kündigungsgrund schon über zwei Wochen bekannt war
    • wenn ein Betriebsrat existiert und dieser vor der Kündigung nicht angehört wurde

    Außerdem besagt eine Faustregel, dass einer Kündigung mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen sollten.

  • Aufhebungsvertrag

    Möglicherweise bekommst du statt der Kündigung einen Aufhebungsvertrag bzw. Auflösungsvertrag angeboten, dieser ist allerdings nur einvernehmlich gültig. Das bedeutet: Dein Arbeitgeber und auch du müssen schriftlich zustimmen, dass ihr getrennte Wege gehen wollt.

    Hier ist Vorsicht angesagt! Es geht dabei um eine freiwillige Vertragslösung, die beide Seiten unterschreiben - das entspricht quasi einer beiderseitigen Kündigung und kann daher zu einer Sperrfrist bei deinem Arbeitslosengeldanspruch führen!

    Für deine Entscheidung kannst du dir so lange Zeit lassen, wie du möchtest. Es gibt keine Fristen, es ist also dir und deinem Arbeitgeber überlassen, wann der Vertrag gültig wird. Und natürlich kann dich niemand zwingen, etwas zu unterschreiben, was du nicht willst.

    Unterschreibe den Vertrag also nur:

    • nachdem du mit deiner Interessenvertretung alle Möglichkeiten durchgespielt hast
    • wenn du sicher bist, dass du in deinem aktuellen Betrieb aufhören musst oder willst
    • sobald du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast oder
    • wenn du wirklich handfeste neue Pläne geschmiedet hast und dich darum für einen Ausbildungsabbruch entscheiden musst oder willst
    • wenn du bereits 18 Jahre bist, anderenfalls muss deine gesetzliche Vertretung (also vermutlich deine Mutter oder dein Vater) zustimmen und für dich unterschreiben

    Nach der Unterschrift kannst du nur noch Widerspruch einlegen, wenn du unter Druck gesetzt wurdest. In allen anderen Fällen ist der Aufhebungsvertrag mit der Unterschrift rechtsgültig und dein Ausbildungsplatz ist endgültig weg!

  • Schlichtung

    Mit einer Schlichtung kannst du eine Kündigung umwandeln:

    • in einen Aufhebungsvertrag (siehe Abschnitt oben) zu einem späteren Zeitpunkt. Damit gewinnst du Zeit, um einen neuen Ausbildungsplatz zu finden.
    • in eine Kündigung von deiner Seite, statt durch den Arbeitgeber. Das sieht im Lebenslauf besser aus, bedenke allerdings eine dann mögliche Sperrfrist bei deinem Arbeitslosengeldanspruch!

    Deine Interessenvertretung kann dir genau sagen, ob in deinem Fall eine Schlichtungsverhandlung möglich ist.

    Den zugehörigen Antrag stellst du über den so genannten „Schlichtungsausschuss“ in deiner zuständigen Stelle, also der Industrie- und Handelskammer (kurz IHK), oder einer Handwerkskammer.

    Sollte es dort keinen Schlichtungsausschuss geben, kann dein Fall auch direkt vor das Arbeitsgericht gehen.