Mutterschutz

Das Mutterschutzgesetz (kurz MuSchG, Gesamtausgabe) soll dir ermöglichen, während deiner Schwangerschaft und auch nach der Geburt Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Dein Arbeitgeber ist den Bestimmungen des MuSchG verpflichtet, sobald er von deiner Schwangerschaft erfährt. Es ist also ratsam, den Betrieb so früh wie möglich über deine Schwangerschaft zu informieren!

Das MuSchG schützt dich und dein Kind vor gesundheitlichen Schäden und erleichtert dir deine Aufgaben als (werdende) Mutter.

Die wichtigsten Gesetzesvorgaben haben wir in den folgenden Abschnitten zusammengetragen. Sie gelten gleichermaßen für alle Beschäftigten - auch während der Ausbildung oder im Studium.

  • Arbeitszeit

    Während der Schwangerschaft und Stillzeit gelten strenge Regeln für Überstunden, abhängig von deinem Alter:

    • Wenn du unter 18 Jahre alt bist, darfst du nicht mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten;
    • Für über 18-Jährige ist ein Arbeitspensum verboten, das in zwei aufeinanderfolgenden Kalenderwochen einschließlich der Sonntage über 80 Stunden hinausgeht (kurz "Doppelwoche").

    Ausnahmen davon gibt es nicht.

    Anders bei der Beschäftigung in der Nachtzeit, hier wurde das strikte Nachtarbeitsverbot gelockert: Wenn die werdende Mutter ausdrücklich damit einverstanden ist, kann sie bis 22 Uhr arbeiten.

    Dieses Einverständnis kann sie jederzeit rückgängig machen. Die 2018 in Kraft getretene Reform des MuSchG verlangt außerdem eine ärztliche Bestätigung ihrrer Arbeitsfähigkeit. 

    Zusätzlich wichtig:

    • Es muss eine Ruhezeit von mindestens acht Stunden eingehalten werden.
    • Es muss sichergestellt sein, dass die werdende Mutter nicht alleine arbeitet. Das heißt: Sie muss jederzeit den Arbeitsplatz verlassen können und im Notfall muss Hilfe erreichbar sein.
  • Gesundheitliche Gefahren am Arbeitsplatz

    Je nach Beruf kannst du während der Schwangerschaft möglicherweise nicht mehr deine vollständige Arbeitsleistung erbringen. Jede Beschäftigung, die deine Gesundheit oder die deines Kindes gefährden könnte, ist laut MuSchG verboten - das betrifft auch die Stillzeit! 

    Alles, was dir körperliche Beschwerden bereitet, gilt als gesundheitsgefährdend. Sollte das der Fall sein, lass dir ggf. bis zum Ende der Schwangerschaft ein ärztliches Attest ausstellen.

    Dein Arbeitgeber muss dir dann entgegenkommen, zum Beispiel eine Liege zum Ausruhen aufstellen, dich in einem anderen Bereich oder einer anderen Abteilung einsetzen – oder deine volle Arbeitskraft durch eine Schwangerschaftsvertretung ersetzen.

    Deine Ausbildungsvergütung kann dir deswegen nicht gekürzt werden!

    Folgende Aufgaben dürfen Schwangere oder stillende Frauen grundsätzlich nie ausführen:

    • Heben, Bewegen oder Befördern von Gegenständen per Hand, die (regelmäßig) mehr als fünf oder (gelegentlich) mehr als zehn Kilogramm wiegen;
    • Nach dem fünften Schwangerschaftsmonat auch solche Tätigkeiten, bei denen ständig länger als vier Stunden gestanden werden muss;
    • Tätigkeiten, die häufiges Strecken, Beugen oder Bücken erfordern;
    • Tätigkeiten, die mit extremem Lärm oder dem Kontakt mit Gefahrstoffen verbunden sind (zum Beispiel Lacke, Chemikalien etc.).
  • Kündigungsschutz

    Ganz grundsätzlich ist während der Ausbildung eigentlich nur eine außerordentliche Kündigung möglich.

    Falls dein Arbeitgeber zum Kündigungszeitpunkt noch nichts von deiner Schwangerschaft weiß, hast du bis zwei Wochen danach Zeit, um das zu ändern.

    Holst du innerhalb dieser zwei Wochen die Mitteilung an deinen Ausbildungsbetrieb nach, gilt für dich bis vier Monate nach der Geburt der besondere Kündigungsschutz (§17 Abs. 1 MuSchG).

    Nach Ablauf dieser zweiwöchigen Frist greift der Kündigungsschutz nur, wenn du deine Mitteilung unverschuldet versäumt hast (z. B. weil du selbst noch nicht wusstest, dass du schwanger bist) und du sodann deinen Arbeitgeber unverzüglich in Kenntnis setzt.

    Neu ab 2018 ist der viermonatige Kündigungsschutz nun auch bei einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche.

    Wenn du in dieser Zeit dennoch eine Kündigung bekommst, solltest du schnell handeln: Du hast nur drei Wochen Zeit, um gegen die Kündigung Klage einzureichen!

    Wende dich ggf. an deine Jugend- und Auszubildendenvertretung (kurz JAV), an den Betriebs- bzw. Personalrat oder an deine ver.di Jugend vor Ort.

    Du selbst darfst übrigens während der Schwangerschaft und innerhalb der Mutterschutzfristen jederzeit fristlos kündigen.

  • Mutterschutz & Urlaub

    Die Mutterschutzfrist – umgangssprachlich der Mutterschaftsurlaub – beginnt sechs Wochen vor und dauert bis acht Wochen nach der Entbindung. Während dieser Zeit bist du von der Arbeit befreit.

    In der Zeit vor der Geburt gilt das sogenannte relative Beschäftigungsverbot. Das bedeutet: Die Mutter kann entscheiden, ob sie - wie vom Gesetzgeber angesetzt – bis sechs Wochen vor der Geburt arbeitet oder doch länger.

    Nach der Geburt besteht weiterhin ein absolutes Beschäftigungsverbot. Eine Beschäftigung in diesen acht Wochen ist also auf jeden Fall ausgeschlossen.

    Bei Früh- oder Mehrlingsgeburten beträgt die Schutzfrist zwölf Wochen nach der Geburt und verlängert sich um die Tage, die du vor der Entbindung nicht in Anspruch nehmen konntest.

    Trotz Mutterschutz steht dir auch dein Erholungsurlaub in voller Höhe zu.

    Wenn du wegen Schwangerschaft oder Mutterschutz deinen Resturlaub im laufenden Jahr nicht nehmen konntest, bleibt er dir sogar noch nach dem 30. März des darauffolgenden Jahres erhalten.

    Mehr zum Mutterschutz während der Ausbildung findest du auch bei uns im Blog!

  • Praktikum

    Das MuSchG gilt seit 2018 auch für Praktikantinnen und Beschäftigte,

    • die in betrieblicher Berufsbildung sowie Praktikantinnen im Sinne von § 26 des Berufs­bildungsgesetzes (BBiG) sind;
    • die mit persönlicher Einschränkung in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt sind;
    • die als Entwicklungshelferinnen tätig sind;
    • die als Freiwillige nach dem Bundesfreiwilligendienstgesetz beschäftigt sind;
    • die als Mitglieder einer geistlichen Genossenschaft, Diakonissen oder Angehörige einer ähnlichen Gemeinschaft auf einer Planstelle oder aufgrund eines Gestellungsvertrags für diese tätig sind, auch während der Zeit ihrer dortigen außerschulischen Ausbildung;
    • die in einer arbeitnehmerähnlichen Position tätig sind (z.B. Fremdgeschäftsführerin);
    • die Schülerinnen und Studentinnen unter bestimmten Voraussetzungen sind, etwa wenn die Ausbildungsstelle Ort, Zeit und Ablauf der Ausbildungsveranstaltung verpflichtend vorgibt.
  • Stillpause

    Wenn du dein Baby stillst, muss dich dein Arbeitgeber während der Arbeitszeit dafür freistellen und zwar:

    • bei bis zu acht Stunden Arbeitszeit für mindestens zweimal 30 Minuten oder einmal 60 Minuten.
    • bei über acht Stunden Arbeitszeit für mindestens zweimal 45 Minuten oder einmal 90 Minuten (wenn in der Nähe deines Arbeitsplatzes keine Stillmöglichkeit vorhanden ist).

    Du musst die Stillzeiten nicht vor- oder nacharbeiten und dein Arbeitgeber darf sie dir auch nicht auf die Ruhepausen anrechnen.

    Wie lange ein Kind tatsächlich gestillt werden darf, beantwortet § 7 MuSchG nicht. Es gibt also keine zeitliche Obergrenze für die Länge der Stillperiode.

  • Vorsorgeuntersuchungen

    Dein Arbeitgeber muss dich für alle Vorsorgeuntersuchungen freistellen. Die dadurch entstehenden Fehlzeiten musst du weder vor- noch nacharbeiten.

    Während der Schwangerschaft finden die Vorsorgeuntersuchungen in der Regel einmal im Monat statt – falls sie öfter notwendig sein sollten, lass dich keinesfalls unter Druck setzen. Nicht dein Arbeitgeber, sondern du und deine Frauenarztpraxis bestimmen den Abstand zwischen deinen Untersuchungen!

    Übrigens: Alle medizinischen Maßnahmen, die wegen deiner Schwangerschaft stattfinden (also Kranken- und Arztbesuche, Medikamente, Heilmaßnahmen, usw.) sollten von der Zuzahlungspflicht befreit sein!

  • Gesetzestexte

    Die wichtigsten Paragrafen im Mutterschutzgesetz findest du hier in der Übersicht.

    • Freistellung für Untersuchungen und zum Stillen:
      § 7 MuSchG
    • Arbeitszeitliche Schutzfristen vor und nach der Entbindung:
      § 3 MuSchG
    • Verbot der Mehrarbeit; Ruhezeit:
      § 4 MuSchG
    • Verbot der Nachtarbeit:
      § 5 MuSchG
    • Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit:
      § 6 MuSchG
    • Beschränkung von Heimarbeit:
      § 8 MuSchG
    • Unverantwortbare Gefährdungen:
      § 9 MuSchG
    • Unzulässige Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen für Schwangere:
      § 11 MuSchG
    • Unzulässige Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen für Stillende:
      § 12 MuSchG
    • Fortbestehen des Erholungsurlaubs bei Beschäftigungsverboten:
      § 24 MuSchG