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02.03.2017

Alles, was recht ist am Arbeitsplatz

  • Foto: Irina Kozorog, Shutterstock.com

Privatkram erledigen, Firmenmaterial mitnehmen... Was ist erlaubt?

Fast alle haben schon mal private Kopien und E-Mails am Arbeitsplatz erledigt. Oder haben vielleicht auch ausrangiertes Firmenmaterial mit nach Hause genommen. Was davon ist eigentlich erlaubt, wann riskiert ihr arbeitsrechtliche Konsequenzen? Und wie weit darf die Überwachung gehen?

Zugegeben: Wenn ihr euer Smartphone an die Firmensteckdose anschließt, hält sich das Risiko auf größeren Ärger mit Vorgesetzten normalerweise in Grenzen. Aber es gibt durchaus Verstöße am Ausbildungs- und Arbeitsplatz, die ihr besser bleiben lassen solltet. Denn im Ernstfall droht eine Abmahnung – oder sogar eine Kündigung. Hier eine kleine Übersicht zu euren Rechten als Auszubildende und Beschäftigte.

Nur ne Runde surfen, ein kurzer Anruf zu Hause und zwei private E-Mails?!
Hier kommt es darauf an, ob ihr während der Arbeitszeit privat surfen dürft. Wenn in eurem Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag ein Surf-Verbot während der Arbeitszeit ausgesprochen wird, droht zumindest eine Abmahnung, wenn ihr trotzdem ins Netz geht.

Falls ihr euren Dienstrechner auch privat nutzen dürft, könnt ihr natürlich ab und zu mal im Netz shoppen. Oder eine private E-Mail beantworten. Bei Straftaten hört der Spaß allerdings auf, illegale Downloads oder Raubkopien solltet ihr euch also schenken. Insgesamt kann alles, was dem Arbeitgeber Schaden zufügt, ein Grund für eine fristlose Kündigung sein – also auch Spam oder Viren, die ihr beim privaten Surfen auf den Dienstrechner ladet!

Achtet außerdem darauf, nicht Zeit und Raum zu verlieren: Auch wenn es euer Arbeitsvertrag erlaubt, dürfen ihr nur in geringem Umfang privat chatten, mailen, telefonieren oder surfen. Am besten nur in eurer Pause, damit ihr jede Diskussion von vornherein vermeidet. Denn auch durch Arbeitszeitbetrug riskiert ihr theoretisch eine Abmahnung. Wer privat E-Mails schreibt, surft oder telefoniert, arbeitet eben nicht.

Übrigens: Euer Arbeitgeber darf euch stichprobenartig kontrollieren. Eine Totalüberwachung ist zwar nicht zulässig und es gilt immer das Fernmeldegeheimnis der Beschäftigten – also ein Abhörverbot. Das gilt allerdings nicht, wenn bei euch die private Internetnutzung generell verboten ist. Dann sind also auch Stichproben zulässig, wobei z.B. eure Dienstrechner durchsucht werden dürfen.

Selbst wenn es im Unternehmen eine Betriebsvereinbarung gibt, die Privat-Surfen erlaubt, ist nichtsdestotrotz Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall fragt ihr am besten die Datenschutzbeauftragten eures Betriebs oder eurer Dienststelle, den Betriebs- oder Personalrat.

Das bisschen Büromaterial?!
Schnell mal einen Kugelschreiber oder einen leeren Aktenordner aus dem Firmenbestand mitnehmen oder eine private Kopie am Firmendrucker machen – alles halb so wild?! Leider überhaupt nicht.

Viele Beschäftigte und Auszubildende haben dafür zwar wenig Verständnis, aber sowas ist und bleibt Unterschlagung betrieblichen Eigentums. Ihr beklaut damit sozusagen eure Arbeitgeberin oder euren Arbeitgeber und begeht quasi Diebstahl, wenn auch geringfügig.

Sowas solltet ihr also wirklich bleiben lassen oder in höchster Not unbedingt vorher eure Vorgesetzten um Erlaubnis fragen – denn ihr riskiert dabei mitunter eine Abmahnung oder sogar eine fristlose Kündigung, je nach Höhe des entstandenen Schadens.

Merkt doch niemand? Moderne Kopierer speichern jedes Dokument und eure Buchhaltungsabteilung ist auch nicht blind. Und es wäre ein gefundenes Fressen, falls eure Vorgesetzten euch sowieso schon „auf dem Kieker haben“.

Meine Gesundheit geht ja wohl vor?!
Prinzipiell ja – wenn ihr akut krank und damit arbeitsunfähig seid. Dann dürft ihr vom Arbeits- und Ausbildungsplatz in einer Arztpraxis anrufen und euch nach einem Besuch vor Ort krankschreiben lassen.

In allen anderen Fällen ist auch ein Arztbesuch Privatsache, genauso wie die telefonische Terminvereinbarung. Dann also besser auf die Pause warten und mit dem eigenen Telefon einen Termin in eurer Freizeit vereinbaren. Nur wenn die Öffnungszeiten das nicht zulassen und ein Besuch zwingend notwendig ist, dürft ihr den Termin ausnahmsweise auch in die Arbeits- und Ausbildungszeit legen. Das solltet ihr euch dann allerdings durch ein ärztliches Attest bestätigen lassen!

Mehr Infos zur Krankschreibung haben wir euch als eigene Meldung zusammengetragen.

Noch was: Das Attest muss zwar unbedingt auch zu eurer Krankenkasse – aber auch das ist Privatsache und gehört daher nicht in die Firmenpost. Auch hier droht eine Abmahnung und bei Wiederholung ist es sogar ein Kündigungsgrund.

Sie haben Post!
Bevor ihr eure privaten Pakete in die Arbeit bestellt, solltet ihr bei euren Vorgesetzen fragen, ob das okay geht. Immerhin stört das aus ihrer Sicht den Arbeitsablauf und kostet Arbeitszeit. Wer sich ohne Erlaubnis hier und da neue Klamotten in die Arbeit liefern lässt, riskiert nicht nur Ärger, sondern auch das Misstrauen vom Chef oder der Chefin: Womöglich habt ihr ja auch die Schuhe während eurer Arbeitszeit bestellt?!

Die kleine Rauchpause?!
Falls in eurem Betrieb ein Zeiterfassungssystem verwendet wird, müsst ihr euch selbst für eine kurze Raucherpause ordentlich ausstempeln. Alles andere kann ebenfalls eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung zur Folge haben. Denn auch wer raucht, arbeitet nicht! Fragt auch dazu im Zweifelsfall eure JAV, den Betriebs- oder Personalrat oder lest die bei euch geltenden Betriebs- oder Dienstvereinbarungen.  

Der will doch nur spielen?!
Euren Hund dürft ihr selbstverständlich nur nach Erlaubnis eurer Vorgesetzten mitnehmen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob euer Hund einen echten Schaden anrichtet: Wenn er den Arbeitsablauf stört oder jemanden im Team einfach nervös macht, darf euch die Mitnahme des Hundes untersagt werden – selbst wenn sie vorrübergehend erlaubt war.

Bloß ein Foto?!
Ihr dürft euch prinzipiell eine persönliche Atmosphäre am Arbeitsplatz schaffen – allerdings kommt es auf die Lage eures Schreibtischs und auch auf die Art eurer Deko an. Wenn ihr euer Büro mit anderen Beschäftigten oder gar mit Kundinnen und Kunden teilt, können gewisse Grenzen bestehen oder private Gegenstände ganz verboten sein. Deswegen besser erst nachfragen und dann Deko aufstellen.

Ein Zuckerschlecken ist das also nicht unbedingt. Trotzdem: Wir wünschen euch eine gute und erfolgreiche Arbeits- und Ausbildungszeit!

Und falls doch was schiefgeht, findet ihr in unserem A-Z für die Ausbildung mehr Infos zur Abmahnung und Kündigung.

Bei allen Fragen stehen wir euch natürlich auch vor Ort gerne zur Verfügung!

Eure ver.di Jugend