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22.06.2017

Euer Urlaub ist Gesetz

  • Sommer, Sonne, ver.di Jugend

Es ist vielleicht das schönste Recht der Welt - das Recht auf Erholungsurlaub. Aber wer bestimmt, wann Urlaub ist? Und wie lange? Und was, wenn die Kollegen und Kolleginnen euch immer die besten Ferientermine wegschnappen? Damit dein Urlaub nicht in Stress ausartet, haben wir die wichtigsten Regelungen zusammengestellt. Übrigens, wir arbeiten daran, dass dein Urlaubsrecht noch besser gewahrt wird – damit du nicht nur entscheiden kannst, wohin es geht.    

Wie lange habe ich eigentlich Urlaub?

Die Mindeststandards von Urlaubslänge,  -zeitpunkt und -entgelt regelt für Jugendliche das  Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG). Wenn du einen Ausbildungsvertrag mit Tarifbindung hast, gilt die dort festgehaltene, meist bessere Regelung.

24 Werktage sind die gesetzliche Mindestdauer an Urlaubstagen. Der Anspruch staffelt sich dabei – gegenläufig zum körperlichen Verfall - nach dem Alter: Unter 16-Jährige haben einen Jahresurlaubsanspruch von 30 Werktagen. Wer unter 17 Jahre alt ist, bekommt 27 Werktage Urlaub. Alle unter 18-Jährigen haben nur noch Anspruch auf 25 Werktage Urlaub. Werktage gelten dabei von Montag bis Samstag (§ 19 JArbSchG).

Hier ein Bsp. aus einem Tarifvertrag einfügen, zB TVöD.

Weil man einige Zeit Urlaub braucht, um überhaupt „runter“ zu kommen, solltest du deinen Urlaub grundsätzlich möglichst zusammenhängend nehmen. Das empfiehlt auch das Bundesurlaubsgesetz (§ 7 Abs. 2 BurlG). Dein Chef kann dir jedoch dabei in die Quere kommen, wenn betriebliche oder in deiner Person liegende Gründe dagegen sprechen.
Und ja, Regenerationszeit ist Arbeitszeit: Dein Urlaub wird also auf deine Ausbildungszeit angerechnet.

Ich habe meine Ausbildung gerade erst angefangen – was nun?

Du hast trotzdem ein Recht auf Urlaub. Für jeden vollen Monat deiner Ausbildung bekommst du nach Gesetz insgesamt 1/12 deines Jahresurlaubs angerechnet (§ 5 BurlG). Dabei wird ab halben Tagen auf volle Urlaubstage aufgerundet. Auch in der Probezeit. Zum Beispiel: 28 Urlaubstage pro Jahr geteilt durch 12 = 2,33 Urlaubstage pro Monat.

Das Zwischenergebnis (bitte noch nicht aufrunden!) multiplizierst du mit deiner Beschäftigungszeit im laufenden Jahr: Beispiel: 01.02.2017 bis 31.6.2017 = fünf Monate
Daraus ergibt sich dein Urlaubsanspruch im laufenden Jahr (ab mindestens einem halben Tag rundet man auf volle Urlaubstage auf): Beispiel: 2,333 Urlaubstage pro Monat mal fünf Monate = 11,66 = 12 Urlaubstage in 2017.

Das Gesetz besagt jedoch auch, dass du erst nach sechs Monaten deines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf vollen Urlaub hast. Du kannst ihn also erst ab dem siebten Monat beantragen. „Urlaub im Voraus“ gibt es leider nicht (§ 4 BurlG)

Gehen mir durch gesetzliche Feiertage Urlaubstage verloren?
Liegen innerhalb deines Urlaubs gesetzliche Feiertage, werden diese nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet. Du solltest dabei aber beachten, dass Feiertage regional geregelt sind. Je nachdem, wo du arbeitest, hast du also ohnehin frei oder nicht.

Wie kann ich die Urlaubsplanung mitbestimmen?
Viele Betriebe und Dienststellen stimmen jetzt schon die Urlaubsplanung für das nächste Jahr ab. Das ist notwendig, damit es eine echte Chance gibt, die Wünsche von allen zu vereinbaren. In der Regel gilt: Wer zuerst kommt, hat die größte Wahlfreiheit.

Um Streit und Unzufriedenheit zu verhindern, gibt es in manchen Betrieben vom Betriebs-, bzw. Personalrat festgelegte Grundsätze für die Urlaubsplanung. Beschäftigte mit Kindern dürfen ihren Urlaub gesetzlich verankert ohnehin bevorzugt in der Zeit der Schulferien nehmen. Auch wenn sie ihn erst nach dir eingereicht haben.

Achtung: Du kannst deinen Urlaub nur mit wichtigem Grund ins nächste Jahr übertragen. Diesen musst du dann bis zum 31. März des Folgejahres „aufbrauchen“. Steht in deinem Ausbildungsvertrag eine günstigere tarifliche Regelung, so gilt diese. Beantragen musst du deinen Urlaub aber dennoch. Sonst verfällt er ersatzlos. Sicher dich also auf jeden Fall vorher durch Rücksprache ab.

Wie reiche ich meinen Urlaub ein?

Am besten schriftlich. Dein Antrag auf Erholungsurlaub muss grundsätzlich genehmigt werden. Er kann nur wegen betrieblicher,  in deiner Person liegende  oder aus sozialen Gründen abgelehnt werden, wie etwa dem Vorrang von Eltern in der Wahl der Urlaubszeit.

Bekommst du nicht innerhalb eines Monats eine Antwort, darfst du - zumindest rein rechtlich - deinen Urlaub antreten. Frag aber besser nach. Kommt es doch zum Streit, hilft dir deine JAV weiter. Du kannst deinen Anspruch sogar gerichtlich einfordern.

Wurde dein Urlaub bewilligt, kann dein Arbeitgeber ihn nicht mehr kurzfristig zurückziehen. Für dich gilt das aber auch. Deshalb ein Tipp: Heb den Antrag und die Genehmigung auf.  
Da habe ich endlich Urlaub und dann werde ich krank.
Das passiert, mach dir keine Sorgen. Wenn du ein ärztliches Attest vorlegst, bleibt dein Urlaubsanspruch bestehen. Du kannst allerdings die entsprechenden Tage nicht einfach hinten anhängen. Sprich die neuen Urlaubsdaten mit deinem Arbeitgeber ab.

Ich bin so gut drauf, ich brauch gar keinen Urlaub! 
Auch wenn du damit bei einigen vielleicht punkten könntest. Es ist verboten, auf den Urlaub zu verzichten. Du brauchst Regenerationszeit. Kein Arbeits- oder Tarifvertrag kann diesen Anspruch ausschließen, zum Glück!  

Dein Urlaub kann daher übrigens auch nicht mit Geld ausgeglichen werden. All das würde deiner Erholung im Wege stehen!

Widerruf des Urlaubs - Holen aus dem Frei

Stehen Auftragsspitzen ins Haus oder gibt es Personalengpässe, sind Arbeitgeber schnell versucht, einen bereits genehmigten Urlaub zu widerrufen. Auch das ist nicht erlaubt. Lass dich also nicht darauf ein! 

Du darfst auch nicht aus dem Urlaub zurück in den Betrieb geholt werden. Dein Urlaub – Dein  Gesetz! Lass dich im Fall der Fälle von deiner JAV oder deiner ver.di Jugend beraten, was zu tun ist.

Ich will Meer und mehr wissen – geht das?

Ja. Du kannst auch Urlaub für deine persönliche Entwicklung in Anspruch nehmen,  zum Beispiel für eine Weiterbildung oder für politische Bildung. Dafür bekommst du sogra extra Tage Urlaub obendrauf! In immerhin vierzehn Bundesländern haben Beschäftigte und Auszubildenden sowie Anwärter_innen Anspruch auf diese Art von Bildungsurlaub. In der Regel sind dafür fünf Arbeitstage pro Jahr vorgesehen. Was für dich gilt, kannst du hier einsehen.

Urlaub in der Krankenpflege – Mein Urlaub. Mein Plan.

Die Urlaubsbedingungen für Azubis in der Pflege sind häufig besonders angespannt. Versucht dein Ausbildungsträger dir deinen Urlaub einfach vorzugeben, um einen möglichst reibungslosen Arbeitsablauf zu garantieren? Wenn dein Chef oder deine Chefin dabei mit Personalengpässen argumentiert, ist er im Unrecht. Als Auszubildende_r bist du kein_e Lückenbüßer_in. Eine Vorgabe der Urlaubszeit ist verboten. Wir von ver.di arbeiten daran, dass sich Arbeitgeber daran halten. Wende dich im Zweifel an deine JAV oder an deine ver.di Jugend vor Ort. 

Nimmst du deinen Urlaub während kürzerer Praxiseinsätze, solltest du darauf achten, dass kein Einsatzgebiet, das von der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vorgeschrieben ist, ganz ausfällt. Sollte dies doch passieren, musst du dich darum kümmern, dass du es nachholen kannst.

Gleicher Urlaubsanspruch für alle in der Pflege!
Für Auszubildende im Geltungsbereich des TVAöD BT-Pflege gibt es keinen nach Alter gestaffelten Urlaubsanspruch. Alle haben Anspruch auf 27 freie Ausbildungstage, bezogen auf die Fünf-Tage-Woche.

Wir machen uns stark für euren frei planbaren Urlaub! 
Deine JAV und ver.di wollen verbindliche Regelungen, damit du deinen Urlaub nehmen kannst, wann du willst. Unterstütz uns dabei. Sprich uns an!