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13.04.2017

Schweißperlen ade!

  • Illustration: aleutie, Fotolia.com

Mit unseren Tipps bekommst du deine Angst in den Griff, vor anderen zu reden!

In der Ausbildung, im Studium, im Beruf, im Ehrenamt - Egal wo, das Reden und Präsentieren vor anderen bringt uns oft ins Schwitzen. Dabei sieht es bei vielen immer so einfach aus: Erklärung von Sachverhalten in einfach verständlichen Sätzen, zwischendurch ein witziger Spruch, trockene Achseln und am Ende viel Applaus. Wie wird’s gemacht? Wie rede ich gut vor anderen? Und: Klappt es mit dem Trick, sich die anderen einfach nackt vorzustellen?

Wie bereite ich mich vor?
Wenn du eine Rede, ein Referat oder eine Präsentation hältst, unterstützt dich dabei die Wahl eines Themas, mit dem du dich identifizieren kannst. Das Thema solltest du leidenschaftlich bewegen können und damit auch vertreten können.

Du musst das Thema präsentieren, weil es dir z.B. durch die Ausbildung oder das Studium aufgedrückt wird? Versuche Teilaspekte aus dem Thema herauszuarbeiten, die dich interessieren und begeistern. Frage dich, was dich am Thema interessieren könnte und was dich motiviert, das Thema zu präsentieren. Wenn es nicht der Inhalt und das Thema ist, motiviert dich sicherlich deine Ausbildung, die du machst, zu dem das Thema nun mal gehört. Oder dich motiviert die Aussicht, dass wenn du das Thema innerhalb deiner Ausbildung geschafft hast, deinem Abschluss einen Schritt näher gekommen bist.

Also frag dich: Warum mache ich das? – dieses Referat, diese Präsentation, dieses Thema oder diese Ausbildung? Deine Motivation, das Thema zu bearbeiten, ist der Schlüssel zur guten Vorbereitung und damit auch dafür, einen super Vortrag zu halten. Was auch zur Vorbereitung gehört, ist die Klärung der Rahmenbedingungen:

Frage dich:

  • Vor wem spreche ich?
  • Wie muss mein Auftreten und meine Sprache sein? (In einer Prüfung redest du vielleicht anders als vor deinen Kolleg_innen in der Klasse oder im Hörsaal)
  • Wie viel Zeit habe ich zur Verfügung?
  • Was passt an Inhalten in diese (vorgegebene) Zeit?
  • Wo werde ich reden?
  • Welche Technik und Ausstattung steht mit da zur Verfügung?
  • Ist es ein Ort, den ich kenne und an dem ich mich wohlfühle?
  • Wenn nein, wie kann ich mich wohlfühlen? Was brauche ich dafür?

Bereite dich auf die Inhalte deines Parts gut vor. Stelle dir folgende Fragen: Worüber will ich reden? Was will ich mit meinem Vortrag rüber bringen? Verstehe ich alles, was ich vortrage? Wenn ich diesen Vortrag selber hören würde, würde ich das alles verstehen? Welche Fragen würde ich stellen? Welche Fragen könnten ggf. noch von anderen kommen?

Mache dir bewusst, was das Ziel und die zentrale Botschaft sein soll. Formuliere am besten einen Satz hierfür.
Die zentrale Botschaft und dein Ziel kannst du dann, wenn du weiter vorbereitest und auch beim Reden, dir  immer wieder vor Augen führen und abgleichen, ob du noch deinem Ziel folgst oder gerade eine Abbiegung nimmst.
Das Ziel und die zentrale Botschaft sind natürlich mit deinem Thema verknüpft. Dahinter steckt aber bestimmt auch noch andere Ziele , wie z.B. „Gib mir hierfür eine gute Note!“ „Seid von mir und dem Inhalt begeistert!“. Gibt es vielleicht auch verschiedene Ziele für die unterschiedlichen Zuhörer_innen?

Wie übe ich am besten?
Am besten bereitest du deinen Vortrag mit viel Vorlaufzeit vor. Wenn der soweit steht, kannst du Personen in deinem Umfeld bitten, sich das mal anzuhören und dir Feedback zu geben. Dabei sollten die Rahmenbedingungen denen beim eigentlichen Vortrag soweit wie möglich ähneln. Du kannst diese Personen auch bitten, auf etwas bestimmtest zu achten: Auf deine Aussprache, auf den Inhalt, auf deine Körpersprache.

Natürlich kannst du auch mit deinem Haustier den Vortrag üben.  Es geht nämlich um eins: Üben, üben, üben. Denn nur durch Übung verlierst du die Angst davor. Durch das Üben verlierst du die Angst. Vor anderen zu reden ist dann nichts mehr Außergewöhnliches. So bekommst du Routine. Also melde dich doch spontan für mehre Vorträge und nicht nur einen im Halbjahr oder Semester.

Und du kannst das Präsentieren und Vortragen auch gezielt lernen: Wir bieten Seminare unter der Woche als Bildungsurlaub oder auch am Wochenende zum Thema Kommunikation, Reden halten und Präsentieren an: Frag doch einfach mal bei deiner ver.di Jugend vor Ort nach, was wir anbieten: LINK

Was muss ich beim Reden beachten?
Vor allem gilt: Ruhe bewahren. Atme ruhig und tief und sprich verständlich. Die meisten Leute werden das, was du sagst, nicht als Text vorliegen haben. Gebe ihnen Zeit, dir zu folgen. Mache Pausen nach Gedankengängen, die du erläuterst. Am besten visualisierst du Ankerpunkte deines Vortrags. Das kannst du über PowerPoint, an der Tafel, auf einer Flipchart oder Pinnwand machen (Frage nach der Ausstattung und Technik bei den Rahmenbedingungen).

Bei jeder Kommunikation gilt: Dein Körper erzählt mehr über dich als das, was du sagst. Die Körpersprache ist eins der zentralen Elemente bei Vorträgen. Dabei gilt: Nur wenn du dich souverän und wohl fühlt, nehmen dich auch andere so wahr. Wir können dir hier keine pauschalen Tipps geben, wie du dich am besten hinstellen und reden sollst, um souverän zu wirken. Das ist sehr individuell und einfach Typsache: was für den einen gut klappt, ist für die andere gar nicht geeignet. Was auf jeden Fall hilft, ist üben, üben, üben.

Dein Redepart sollte in verschiedene Phasen eingeteilt sein. Wir empfehlen dir grob die Folgenden:

1. Beziehung aufbauen
Hier nimmst du Kontakt zu deinen Zuhörenden auf. Sympathie ist der Schlüssel für eine gute Basis bei deinem Vortrag. Denn wer sympathisch erscheint, dem wir auch mal einen Ausetzer leichter verziehen. Erzähle am besten in dieser Phase, warum du jetzt den Redepart hältst, gib einen kurzen Überblick über die nachfolgenden Inhalte und welches Ziel dein Vortrag hat. Hier sollte auch deutlich werden, warum es sich lohnt, dir zuzuhören. Werde also mit den Leuten warm.

2. Sachinfos
Es folgende die Sachinfos zu deinem vorbereitetem Thema. Stelle dir die Frage: willst du, dass Nachfragen direkt oder erst im Anschluss gestellt werden? Sag den Leuten, wie du es handhaben willst, damit sie sich drauf einstellen können.

3. Abschluss

Am Ende solltest du nochmal die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassen und mit einem Apell enden. Dieser sollte einen klaren Bezug zu deinem Ziel haben und deiner von dir vorher festgesetzten zentralen Botschaft zusammen hängen. Dein letzter Satz mit deinem Apell solltest du dir am besten vorher zurecht legen. Dieser bildet den Abschluss deines Redeparts und sollte von dir laut und klar gesagt werden.

Je nachdem, wie viel Zeit du zur Verfügung hast und wie viel Inhalt du darin verpacken musst, hier noch ein Tipp zum Vortrag: Rede nicht länger als 15 Minuten am Stück. Nach 15 Minuten Vortrag sinkt die Aufmerksamkeitsspanne deiner Zuhörenden. Sie werden sich dann wahrscheinlich mit etwas anderem beschäftigen, zum Beispiel auf ihr Handy gucken oder sich unterhalten. Versuch daher nach rund 15 Minuten, die Methode zu wechseln und am besten deine Zuhörenden einzubeziehen und zu aktivieren. Stelle eine Frage in die Runde, die sie diskutieren können, lass kleine Arbeitsgruppen mit einer Fragegestellung bilden oder nutze andere Medien: Zeig einen kurzen Filmausschnitt zum Thema oder, oder, oder. Sei kreativ!

Ich stelle mir meine Zuhörenden nackt vor. Hilft das bei Lampenfieber?
Ja, immer  Nein, Scherz bei Seite. Ob dieser Trick, sich die Zuhörenden nackt vorzustellen, um dein Lampenfieber zu senken, hilft, musst du für dich selber ausprobieren. Bei einigen klappt das, bei anderen nicht. Finde dein eigenes Ding, was dich runterbringt!

Gibt es andere Tipps und Tricks?
Überlege dir, was dich in bestimmten Situationen beruhigt und was dir gut tut. Ist es vielleicht die Kette, die du geschenkt bekommen hast, den Plüschschlüsselanhänger, den du seit Jahren hast oder vielleicht ein bestimmtes Lied? Versuche, das was dich stärkt, bei den Vorbereitungen aber auch beim Reden bei dir zu haben. In der Hosentasche, als Hingucker, der nur in deinem Sichtfeld ist. Probier es aus.

Tipps, die viele nutzen, ist sich Folgendes klar zu machen:

  1. Die anderen wissen in der Regel nicht, was ich sagen will.
Die anderen haben meist nicht deine vorbereiteten Blätter oder Visualisierungen vorher gesehen. Das heißt, sie sind gespannt, was du zu sagen hast. Und zudem merken sie auch nicht unbedingt, wenn du etwas vergessen hast oder es an einer anderen Stelle einschiebst.
  2. Mache dir bewusst: Die anderen hätten auch Muffensausen, wenn sie da stehen würden, wo du jetzt stehst. Sie können sich gut in die Lage versetzen, dass du aufgeregt bist. Das bringt dir Verständnis und Sympathie für deine Lage. Nutze das.
  3. Deine Zuhörenden sind froh, dass sie selber jetzt nicht gerade vorne stehen und reden müssen.

Mache ruhig offen, dass du nervös bist.
Viele können verstehen, dass du beim Reden nervös bist. Das ist keine Schwäche, sondern ganz normal. Mache es zu deiner Stärke und benenne es ruhig. Verbinde es mit ein bisschen Humor und gleich sind die Sympathien bei dir.

Suche die eine Person im Publikum aus, an der du dich orientieren kannst. Spreche die Person gerne vorher an, dass du sie als „Anker“ nutzen möchtest. Diese Person könnte dich dann zum Beispiel unterstützen, in dem sie dir Zeichen gibt, dass alles gut verständlich ist oder du langsamer reden sollst.

Jetzt wünschen wir die viel Erfolg bei deinem nächsten Vortrag!
Deine ver.di Jugend!