29.06.2018

Kurzgefasst: Deine Rechte im Praktikum

  • Gruppe aus verschiedenen Berufsbildern

Gut zu wissen, bevor du ein Praktikum startest

Ein Praktikum dient dazu, einen Einblick in ein bestimmtes Berufsfeld zu bekommen und etwas Praktisches zu lernen. Wir liefern dazu die wichtigsten Rahmenvorgaben.

Den Kopierer korrekt zu bedienen, gehört in den meisten Fällen nicht zu den vorrangigen Lernzielen im Praktikum… Sind solche Tätigkeiten etwa Pflicht für Praktikantinnen und Praktikanten? Eindeutig: Nein.

Wir haben dir die wichtigsten Rechte und Rahmenbedingungen im Praktikum zusammengetragen.

Der Sinn der Sache: Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis.
Für Arbeitgeber lohnt es sich vor allem, wenn es lange dauert und Beschäftigte im Praktikum nach einer Einarbeitungszeit als volle Arbeitskraft zur Verfügung stehen.

So ist das aber nicht gedacht. Hilfreich ist es, wenn du bereits zu Beginn des Praktikums klärst, was du im Praktikum lernen willst – denn genau darauf hast du Anspruch.

Allerdings können sich nicht alle in jedem Fall freiwillig für ein gutes oder gegen ein schlechtes Praktikum entscheiden. Im Studium, aber auch in schulischen Ausbildungen gehören Pflichtpraktika oftmals dazu – man muss sie machen, um einen Abschluss zu bekommen.

Der gesetzliche Rahmen: Ein Praktikum ist kein rechtsfreier Raum.
Auch das gehört zu den wichtigen Erfahrungen zu Beginn des Berufslebens: Informiere dich in Bezug auf Urlaub, Praktikumszeugnis und darüber hinaus.

Am besten wendest du dich dazu in der betreffenden Arbeitsstätte an die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder an den Betriebs- bzw. Personalrat. Mit einer Gewerkschaftsmitgliedschaft bist du sowieso immer auf der sicheren Seite.

Außerdem solltest du über einige Grundregeln Bescheid wissen.

Ob zum Beispiel ein Unternehmen ein Praktikum schamlos ausnutzt, erkennst du häufig schon daran, wie viele Beschäftigte im Praktikum es in der betreffenden Firma gibt:

  • Gibt es dort mehr Praktikantinnen und Praktikanten als Festangestellte?
  • Oder leitet gar der oder die Auszubildende die Beschäftigten im Praktikum an und die eigentliche Fachkraft ist nie ansprechbar?

In solchen Fällen empfiehlt es sich, nach Möglichkeit lieber woanders ein Praktikum zu machen. Schließlich willst und musst du bei einem Pflichtpraktikum ja was lernen und dich nicht ausbeuten lassen.

Der Vertrag: Ein erfolgreiches Praktikum braucht einen guten Rahmen.
Analog zum Arbeitsvertrag für Beschäftigte solltest du auch zu deinem Praktikumsverhältnis einen Vertrag bekommen, der die Rahmenbedingungen deines Praktikums klärt.

Ein Praktikumsvertrag sollte auf jeden Fall folgende Aspekte regeln:

  • die Dauer des Praktikums klären,
  • die Arbeitszeit in Wochenstunden, dazu Arbeitsbeginn und Arbeitsende,
  • die Dauer der Probezeit,
  • die Lernziele und Tätigkeiten im Praktikum,
  • deine Urlaubstage,
  • und deine Vergütung.

Der Output: Die Bezahlung ist abhängig von der Art des Praktikums.
Bei einem Pflichtpraktikum – also im Rahmen von Studien- und Ausbildungsordnung vorgeschrieben – gilt der Mindestlohn NICHT.

Bei einem freiwilligen Praktikum vor oder während der Ausbildung muss zwar kein Mindestlohn bezahlt werden, aber eine angemessene Vergütung. Das schreibt das Berufsbildungsgesetz vor.

Ab dem ersten Tag des vierten Monats muss bei einem freiwilligen Praktikum der Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro gezahlt werden (ab 01.01.2019 voraussichtlich 9,19 Euro).

Wenn du schon eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hast und danach ein entsprechendes Praktikum absolvierst, steht dir der Mindestlohn bereits ab dem ersten Tag zu!

Darüber hinaus kann im freiwilligen Praktikum ein Kindergeldanspruch bestehen:

  • wenn Kenntnisse vermittelt werden, die als Grundlagen für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind
  • wenn es sich nicht um ein (gering bezahltes) „normales“ Arbeitsverhältnis handelt.

Der Zeitfaktor: Zur Praktikumsdauer und Arbeitszeit gibt es Richtwerte.
Freiwillige Praktika sollten je nach Ausbildungsziel und -vielfalt höchstens drei Monate dauern. Diese zeitliche Begrenzung ermöglicht es Studierenden, während der Semesterferien praktische Erfahrungen zu sammeln – und zwar ohne ein Semester aussetzen zu müssen.

Bei einer längeren Praktikumsdauer besteht außerdem die Gefahr, dass nicht der Erwerb neuer Fähigkeiten, sondern routinierte Arbeit in den Vordergrund des Praktikums rückt.

Für Pflichtpraktika im Rahmen von Studiengängen gilt die in den Studienordnungen entsprechend festgesetzte Dauer von Praktika. Diese überschreitet derzeit ggf. die hier empfohlene Dauer von drei Monaten.

Und wie viel Stunden pro Woche? Auch junge Menschen dürfen nicht unter einem übergroßen Arbeitspensum leiden. Deswegen regelt das Jugendarbeitsschutzgesetz in § 8 JArbSchG die Dauer der Arbeitszeit: Demnach dürfen Jugendliche nicht über acht Stunden täglich und nicht über 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.

Der Sonderfall: Im Schulpraktikum entscheiden die Länder.
Das sogenannte Betriebspraktikum – also ein Praktikum von Schülerinnen und Schülern in Unternehmen – ist Bestandteil der schulischen Ausbildung.

Die Organisation der Schulausbildung und das allgemeine Schulwesen fallen unter die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer. In Berlin sind Schulpraktika „Schulveranstaltungen“ im Sinne des Schulgesetzes.

Nichtsdestotrotz muss in jedem Fall das Jugendarbeitsschutzgesetz in den betrieblichen Praxiszeiten angewendet werden.

Der Tipp zum Schluss: Eine gute Rückendeckung ist schon die halbe Miete.
Was beim Praktikum wie auch sonst im Berufsleben weiterhilft: Werde Gewerkschaftsmitglied – dann sind wir als Gewerkschaft an deiner Seite!

Wenn du z. B. wissen willst, wie viel Urlaub dir zusteht, wenn du Beratung zu deinem Praktikumsvertrag brauchst oder wenn du das Gefühl hast, dass du in deinem Praktikumszeugnis schlecht wegkommst, kannst du dich als ver.di-Mitglied an uns wenden und bekommst von uns professionelle Hilfe zu deinen Fragen. Und im Ernstfall sogar Unterstützung vor dem Arbeitsgericht.

Also nichts wie los, wir freuen uns auf dich!

Und in jedem Fall wünschen wir dir ein erfolgreiches und spannendes Praktikum!

Deine ver.di Jugend

14.06.2018

6 Punkte für die Fußball-WM am Arbeitsplatz

  • Junger Mann mit Fußball in der Hand am Arbeitsplatz

Spielregeln für Fußball-Übertragungen während der Arbeitszeit

Heute beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und viele Azubis fiebern eifrig mit bei den Spielen ihrer Lieblingsmannschaft. Aber schon jetzt ist klar: Viele Beschäftigte werden während der spannenden Turniere arbeiten müssen – ein Dilemma für Fußball-Fans?

Hier die sechs wichtigsten Spielregeln für Fußball-Übertragungen während der Arbeitszeit:

1. Public Viewing auf Arbeit?

Darf man im Büro die Übertragung der WM-Spiele schauen? Die Antwort ist leider eindeutig – nein.

Mit Ausnahme einer gesondert eingeholten Genehmigung ist es Beschäftigten und Auszubildenden nicht gestattet, während der Arbeitszeit die Fußball-WM zu verfolgen. Das liegt an der Klausel in eurem Arbeitsvertrag, die keine Freizeitbeschäftigungen während der Arbeitszeit zulässt.

Viele Arbeitgeber erlauben allerdings Ausnahmen. Wichtig dabei: Sucht so bald wie möglich das Gespräch mit den Vorgesetzten. Auch wer für ein Spiel früher nach Hause gehen möchte, sollte das mit der Chefetage absprechen.

Durch Gleitzeitmodelle, Arbeitszeitkonten oder das Verschieben der Pause gibt es oft eine ganz simple Lösung.

2. Geht ein Liveticker okay?

Wenn schon im Betrieb und nicht mit Freunden beim Public Viewing, so wollen doch viele Fans wenigstens wissen, was auf dem Spielfeld passiert und checken regelmäßig die Liveticker. Ist das erlaubt? Hier ist die Lage nicht eindeutig, sondern das Ausmaß entscheidet.

Wer minutenlang abgelenkt ist, kann für das Verfolgen des Livetickers abgemahnt werden. So geschehen bei Ford, als zwei Mitarbeiter ein Fußball-Spiel eben über einen solchen Ticker verfolgten. Die Zulässigkeit dieser Abmahnung wird aktuell vor dem Arbeitsgericht verhandelt, allerdings hat Ford in der ersten Instanz bereits Recht bekommen.

Wer dagegen den Liveticker nur ab und zu kurz checkt, um auf dem Laufenden zu bleiben, sollte jedoch keine Probleme bekommen.

3. Und was ist mit Radio hören?

Dazu gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 1986, nachdem das Radio hören gestattet ist, so lange Beschäftigte oder Azubis ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllen und nicht gegen ihre Pflichten verstoßen.

Diese Regel gilt allerdings nur unter zwei Bedingungen:

  • zum einen darf das Radio nicht zu laut oder störend sein (es empfehlen sich also Kopfhörer),
  • zum anderen darf es keine Kundengespräche behindern.

4. Darf ich mein Fan-Fieber im Büro offen ausleben?

Ob ihr in eurer Ausbildung mit dem Trikot in den Betrieb kommen dürft, entscheidet die Dienstvorschrift. Vorgaben zur Arbeitskleidung oder Schutzmaßnahmen dürfen auch während der Weltmeisterschaft nicht umgangen werden.

Wer seinen Arbeitsbereich mit Fahnen und Stickern schmücken will, sollte das vorher kurz mit den Vorgesetzten absprechen. Viele Arbeitgeber sind aber recht offen bei solchen Fragen und erlauben Fanartikel (in Maßen) am Arbeitsplatz.

5. Siegesfeier im Büro?

Das Spiel ist gewonnen – und jetzt hoch die Tassen?! Ob mit Sekt oder Bier im Büro angestoßen werden darf, entscheidet der Betrieb bzw. die bisherige Regel:

Gilt ein striktes Alkoholverbot, wird das auch während der WM-Sommertage nicht aufgehoben. Ein Verstoß kann sogar zu einer Kündigung führen.

Umgekehrt läuft es in Betrieben, in denen zu Festen traditionell zusammen angestoßen wird: Dann macht auch die WM keine Ausnahme. Ein gemeinsames Glas Sekt auf den Sieg der Lieblingsmannschaft ist hier also kein Problem – es sollte aber bei einer Runde bleiben.

6. Urlaub nehmen oder schwänzen?

Blaumachen ist eine ganz schlechte Idee! Besprecht lieber frühzeitig andere Möglichkeiten, um die Spiele nicht zu verpassen, anstatt das Vertrauen in euch aufs Spiel zu setzen.

Wenn Beschäftigte während einer Krankschreibung beim Public Viewing gesehen werden, muss das allerdings nicht direkt zur Kündigung führen. Die entscheidende Frage ist, ob das Fußballschauen die Genesung behindert.

Eine andere Option, damit ihr kein wichtiges Spiel verpasst: Urlaub an den Spieltagen beantragen. Arbeitgeber sind verpflichtet, eure Wünsche in die Urlaubsplanung einzubeziehen, auch wenn ihr keinen Anspruch auf WM-Urlaub habt.

Sollten alle Beschäftigten versuchen, zum Finalspiel einen freien Tag zu bekommen, kann der Arbeitgeber den Urlaubswunsch also auch zurückweisen. Wer daraufhin allerdings droht, einfach zu Hause zu bleiben, kann nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts fristlos entlassen werden.

Aber keine Angst: Nach einer aktuellen Umfrage freut sich die Mehrheit der Deutschen auf die Fußball-Weltmeisterschaft und will die Spiele live verfolgen. Dazu gehört sicher auch die eine oder der andere Vorgesetzte…

In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spaß in den nächsten Wochen!

Eure ver.di Jugend

30.05.2018

Mobbing in der Ausbildung

  • Junge, betrübte Frau, hinter ihr lästernde Kollegen

In Deutschland wurde 2015 jede vierte Ausbildung vorzeitig beendet. Mobbing spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Es gibt allerdings zahlreiche Interventionsmöglichkeiten, damit es bei Konflikten gar nicht so weit kommt. Ihr könnt gegen Mobbing vorgehen. Wehrt euch!

Nichts ist so wichtig für eine gute Ausbildung wie die kollegiale Unterstützung. Verkehrt sich diese ins Gegenteil und wird zur Schikane, scheint manchmal der Ausbildungsabbruch der einzige Ausweg zu sein.

Hast du das Gefühl, deine Kollegen und Kolleginnen wollen dich fertigmachen? Oder behandeln dich andere Ausbildende nicht korrekt? Wir erklären, was Mobbing genau ist und wie du dagegen aktiv werden kannst – auch als JAV.

Was genau ist Mobbing?
Der Begriff ist vom englischen „to mob“ entlehnt und meint „jemanden anpöbeln“. Arbeitsrechtlich bedeutet Mobbing, das Betroffene systematisch angefeindet, schikaniert oder diskriminiert werden. Und zwar vom Arbeitgeber, von Vorgesetzten oder auch von deinen Kolleginnen und Kollegen. Dabei wird Macht ausgespielt mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb oder Unternehmen hinauszuekeln.

Oft ist die Ursache von Mobbing ein unausgesprochener Konflikt. Dieser wird subtil ausgetragen, als scheinbar gut gemeinte Kritik, die jedoch versteckte Abwertungen beinhaltet. Aber auch die offene Verweigerung von Hilfestellung durch Kolleginnen und Kollegen ist Mobbing.

Bin ich zu empfindlich oder versucht jemand, mich fertigzumachen?
Wir alle sind in der Arbeit und im Privatleben in Beziehungen eingebunden, in denen Konflikte auftreten können. Diese auszutarieren ist eine dauerhafte Aufgabe.

Mobbing kann und darf dabei jedoch kein Mittel sein, um Machtpositionen durchzusetzen oder jemanden „auszuschalten“. Denn Betroffene leiden enorm und können großen Schaden davontragen.

Die medizinischen Folgen von Mobbing
Wenn du gemobbt wirst, reagiert dein Körper mit Angst- und Stresssymptomen. Das Wissen, sich am nächsten Tag neuen Angriffen aussetzen zu müssen, kann zu verschiedenen körperlichen Beschwerden führen, beispielsweise Kopf- und Magenschmerzen oder Übelkeit. Auch Rückenschmerzen können ein Anzeichen sein, dass jemandem eben nicht „der Rücken gestärkt“ wird.

Die Betroffenen selbst sehen psychische Beschwerden häufig nicht direkt im Zusammenhang mit erlittenen Schikanen. Wenn du aber Probleme hast, dich zu konzentrieren oder häufig unsicher bist, kann das daran liegen, dass du permanent angegriffen wirst.

Wird eine unerträgliche Situation von Opfern als ausweglos wahrgenommen, können sich sogar Depressionen und Antriebslosigkeit bis hin zu Gedanken an Selbstmord entwickeln. Wenn du betroffen bist, wende dich an deine JAV!

Gemobbt werden immer die anderen?
Niemand möchte gern als „schwaches Opfer“ von Mobbing dastehen und natürlich möchte auch niemand als fieser Mobber gelten. Aber Mobbing und das damit verbundene „unwohle Gefühl am Arbeitsplatz“ ist weit verbreitet.

Welche Handlungen gelten als Mobbing?
Wenn dich Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen nicht ausreden lassen oder auf deine Fragen nicht antworten, dann wirst du gemobbt. Auch unentwegte Kritik oder Kommentare zu deiner Arbeit oder deinem Privatleben sind ein Versuch, dich kleinzumachen. Extrem aggressive Akte von Mobbing sind schließlich Telefonterror, Drohungen oder Anschreien.

Vielleicht sieht deine Situation auch so aus: Bekommst du keine oder nur noch sinnlose Arbeitsaufgaben? Darfst du ohne zwingenden Grund keine Arbeiten machen, die deiner Qualifikation entsprechen? Werden dir Ausbildungsinhalte vorenthalten? Wirst du falsch beurteilt? Wirst du durch überfordernde Aufgaben als „dumm“ oder „unzuverlässig“ hingestellt? Wirst du obszön beschimpft oder sexuell belästigt? Wirst du lächerlich gemacht oder unterstellt dir jemand, psychisch labil zu sein?

Das Ziel ist in jedem Fall immer gleich: Betroffene sollen verunglimpft, ihr Selbstbewusstsein soll gebrochen werden. Dafür können beleidigende Kommentare zu persönlichen Einschränkungen, zur Nationalität oder auch zum Privatleben herhalten. Dagegen kannst und musst du dich wehren!

Was kannst du als Azubi tun?
Erkenntnis ist der erste Schritt zur Hilfe. Siehst du selbst die Situation klar, hast du vielleicht schon einen Ansatzpunkt, um sie zu verändern. Die Analyse kann dir helfen, dich weniger bedroht zu fühlen und bei Angriffen klarer zu kommunizieren.

Stell dir dazu folgende Fragen:

  • Warum verhält sich jemand dir gegenüber aggressiv?
  • Wo störst du mit deinem Verhalten vielleicht Interessen, Kompetenzbereiche oder Arbeitsperformance?
  • Kannst du einschätzen, ob du gemobbt wirst, weil sich jemand selbst verteidigen will oder ob jemand schlicht seine Macht an dir demonstrieren will?
  • Bist du persönlich mit den Angriffen gemeint oder geht es darum, dass du dich vielleicht besonders gut mit Chef, Chefin oder Vorgesetzten im Unternehmen verstehst?
  • Gibt es Konflikte auf persönlicher Ebene, die im Unternehmen ausgetragen werden?

Rein in die Offensive, raus aus der Opferhaltung!
Mobbing lässt in der Regel nicht aussitzen. Du solltest das Gespräch mit dem oder den Angreifenden suchen. Versuche dabei, sachlich zu bleiben und niemanden zu beleidigenden. Frag dein Gegenüber, warum es sich so verhält und zeig deine eigene Perspektive im Konflikt.

Manche Täterinnen und Täter lassen bereits von ihren Opfern ab, wenn sie so direkt konfrontiert werden. Denn sie merken in diesem Moment, dass das Opfer sich nicht in seine Rolle zwingen lässt und ihre Taten Konsequenzen haben kann.

Deine JAV kann dir bei der Vorbereitung dieses wichtigen Gesprächs helfen.

Einen Schritt voraus: das Mobbing-Tagebuch
Für den Fall, dass der Konflikt eskaliert, sind genaue Aufzeichnungen von Vorteil, die du ggf. beim Arbeitsgericht vorlegen kannst.

Deine Aufzeichnungen sollten dokumentieren:

  • Wer, wann, was, wie wo, warum: Beantworte diese Fragen möglichst genau und bei Aussagen wortwörtlich.
  • Notiere die Namen von Zeuginnen und Zeugen (z. B. deine ärztliche Praxis, Partnerin oder Partner, jemand aus deinem Betrieb oder deinem Freundeskreis), am besten gleich mit Anschrift.
  • Gibt es weitere Beweismittel? Auch Notizen, Briefe und E-Mails sagen viel aus.
  • Dokumentiere deine körperlichen, seelischen und sozialen Mobbing-Folgen.

Die JAV als Klimaschützer
Arbeitgeber müssen ihre Beschäftigten schützen. Und wer den eigenen Betrieb nicht so organisiert, dass niemandes Persönlichkeitsrechts durch Mobbing verletzt werden kann, muss nach §75 BetrVG dafür haften: „Alle im Betrieb arbeitenden Personen müssen nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden.“

Aber auch als JAV könnt ihr proaktiv gegen Mobbing vorgehen:

  • Schafft im Betrieb eine Anlaufstelle für Opfer.
  • Fordert von Täterinnen und Tätern, dass sie aufhören.
  • Schließt eine Betriebsvereinbarung gegen Mobbing ab und gestaltet einzelne Arbeitsverträge entsprechend mit.
  • Tretet dem Arbeitgeber bei Mobbing-Vorfällen auf die Füße und erinnert ihn an seine Pflichten.
  • Unterstützt Opfer ggf. beim Prozess vor dem Arbeitsgericht.
  • Fordert Schadenersatz wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten und gesundheitlichen Schäden.
  • Wendet euch an den Betriebs- oder Personalrat und pocht auf die Einhaltung von Anti-Mobbing-Vereinbarungen.
    Der Betriebs- bzw. Personalrat kann berechtigte Beschwerden weiterverfolgen (§§ 84, 85 BetrVG).
    Kommt es zu keiner Einigung, kann er die Einigungsstelle anrufen. Auch gegen den Willen des Arbeitgebers.
    Im Extremfall kann der Betriebs- oder Personalrat auch vom Arbeitgeber verlangen, dass betriebsstörende Beschäftigte entlassen werden (§104 BetrVG).

Und: Mobbing ist oft eine fehlgeleitete „Lösung“ von vorhandenen Konflikten. Wenn ihr also das Klima im Unternehmen oder Betrieb verbessert, tut ihr das Bestmögliche, damit es gar nicht erst zu Fällen von Mobbing kommt.

Größte Konfliktfreiheit ist garantiert, wenn ihr:

  • Fehler in der Arbeitsorganisation erkennt und dafür sorgt, dass sie behoben werden;
  • kontrolliert, ob Arbeitsaufgaben und einzelne Verantwortlichkeiten klar sind;
  • darauf pocht, dass Entscheidungen im Betrieb so transparent wie möglich getroffen werden;
  • an entsprechenden Schulungen teilnehmt (§37 Abs. 6 BetrVG): Es gehört zwar nicht zum Grundwissen von JAVen, aber betriebliche Konfliktlagen reichen aus, um Schulungen zum Thema Mobbing als notwendig durchzuführen (BAG v. 15.1.1997, AiB 1997, 410).

Unterstützung gegen Mobbing durch deine Gewerkschaft
Nicht immer reicht in einer Konflikt- oder Mobbingsituation eine arbeitsrechtliche Beratung aus. Vor allem, wenn du selbst betroffen bist und deshalb sehr gestresst bist.

Wenn du gemobbt wirst oder Betroffene kennst, dann bleib damit nicht allein, sondern nimm Kontakt mit deiner JAV auf! Mit unserer Beratung und im gemeinsamen Austausch erkennst du Vieles klarer und findest bessere Lösungen.

Wir können dir im persönlichen Gespräch helfen, deine Situation zu klären und entwickeln in einem weiteren Schritt gemeinsam mit dir Handlungsmöglichkeiten. Alle Informationen, die im Rahmen einer solchen Konfliktberatung von dir offengelegt werden, unterliegen selbstredend dem Gebot der Vertraulichkeit und Diskretion.

Und selbst wenn es bis zum Äußersten kommt: Als Mitglied von ver.di helfen wir dir auch, deinen Fall vor dem Arbeitsgericht auszutragen!

Deswegen lautet unser erster Tipp gegen Mobbing am Arbeits- oder Ausbildungsplatz: Komm vorbei und sprich mit uns!

Immer für dich da, deine ver.di Jugend

23.05.2018

Arbeiten in der Hitze

  • Glas mit eiskaltem Wasser, Aufdruck: Che Guevara / ver.di Jugend Logo

Coole Tipps für kühle Köpfe

Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad arbeiten zu müssen, kann ganz schön herausfordernd sein. Hitzefrei wie in der Schule gibt’s nicht. Was tun? Für kühle Köpfe präsentiert ver.di Jugend hier einige erfrischende Tipps.

Bei so extremer Hitze reagiert der Körper mit erhöhter Schweißproduktion (was den Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen bedeutet) und sinkendem Blutdruck. Die Folgen: Kopfschmerzen, Unwohlsein und Schwindel. Deshalb verweist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aktuell auf die Leitlinien aus dem Arbeitsschutzgesetz. Besonders Menschen, die im Freien arbeiten, müssen vor direkter Sonne geschützt werden.

Maßnahmen, die der Arbeitgeber ergreifen kann:

  • Sonnensegel aufspannen
  • Schutzkleidung bereitstellen
  • Sonnencreme zur Verfügung stellen
  • Ausreichend kostenlose Getränke bereithalten

Wenn das Thermometer über 30 Grad klettert, sollten Arbeitgeber die Arbeitszeiten flexibler gestalten. Gemeinsam mit dem Betriebs- bzw. Personalrat kann eine Betriebs- bzw. Dienstvereinbarung zur Sommergleitzeit abgeschlossen werden. Wichtig: Genügend und längere Pausen als sonst! Mittagspausen müssen bei Hitze länger als eine halbe Stunde dauern.

Sofortmaßnahmen: Jalousien und Markisen
Auch in geschlossenen Räumen macht die Hitze zu schaffen. Arbeitnehmer_innen haben zwar nach wie vor keinen rechtlichen Anspruch auf ein klimatisiertes Büro. Doch laut Arbeitsstättenregel müssen Arbeitgeber ihren schwitzenden Beschäftigten schon ab einer Raumtemperatur von 26 Grad Linderung verschaffen – beispielsweise mit geeignetem Sonnenschutz wie Jalousien oder Markisen.

Wenn es über 30 Grad werden sollten, empfiehlt sich kräftiges Durchlüften schon am Morgen – beispielsweise durch den oder die Hausmeister_in – damit die Beschäftigten bei Dienstantritt nicht von einer Hitzewand erschlagen werden. Auch in Büros tun Chefinnen und Chefs gut daran, ihren Angestellten zusätzliche Getränke bereitzustellen, im Zweifel auch die Bekleidungsregelungen zu lockern sowie für Gleitzeitregelungen und ausreichende Pausen zu sorgen. Oder mal ein Eis auszugeben.

Auch wenn jetzt schon der Schweiß rinnt: Ein Mindestmaß an Bewegung ist wichtig, um den Kreislauf in Gang zu halten und die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Das können schon ein paar simple, wenig anstrengende Dehnübungen sein.

Cooler Tipp: Kaltes Wasser über die Handgelenke und Arme laufen lassen oder sich zwischendurch damit Gesicht und Nacken erfrischen.

Klimaanlagen nicht zu kalt einstellen
In vielen Büros bereiten den Beschäftigten auch zu kalte Klimaanlagen Beschwerden. Gerade, wenn man verschwitzt von draußen reinkommt, kann das zu Erkältungen führen. Klimaanlagen sollten generell nicht unter 20 Grad eingestellt sein – eine leicht höhere Temperatur ist besser. Da das Immunsystem durch große Temperaturwechsel stark belastet wird, sollten zwischen der Außen- und Innentemperatur nur einige wenige Grad Unterschied bestehen.

Eine gute Alternative zur Klimaanlage sind Ventilatoren. Ebenfalls klug: Elektrische Geräte, Lampen, Drucker und Kopierer nur bei Bedarf in Betrieb nehmen, um die Raumtemperatur nicht zusätzlich anzuheizen.

Gemeinsam gegen die Hitze
Wenn der Arbeitgeber nicht für Linderung sorgt, dann ist ein Gang zur betrieblichen Interessenvertretung ratsam. Am besten mit JAV und Betriebs- bzw. Personalrat mögliche Maßnahmen überlegen und diese dann zusammen mit dem Arbeitgeber abstimmen.

Zwar liegt es im Ermessen des Arbeitgebers, welche Vorkehrungen er für eine erträgliche Raumtemperatur trifft. Er ist allerdings verpflichtet, so schnell wie möglich zu reagieren. Tut er das nicht, gilt das "Zurückbehaltungsrecht": Dann dürfen Beschäftigte zu Hause bleiben.

17.05.2018

Ohne Abi zur Uni? Klaro geht das!

  • Auszubildende überlegt.

Viele Wege führen zur Uni

Ausbildung geschafft?! Warum nicht noch was draufsetzen – wie wär’s mit einem Studium? Ja, das geht auch ohne Abitur! Dazu gibt es beispielsweise von der Hans-Böckler-Stiftung ein spezielles Förderprogramm nach der Ausbildung. In bestimmten Fällen könnt ihr sogar ohne abgeschlossene Berufsausbildung ein Studium starten. Wir haben euch passende Infos zusammengetragen.

Mit einem Studium eröffnen sich vielfältige Karrierechancen. Insofern nützt es all jenen, die beruflich höher hinaus wollen bzw. später eher selbstbestimmt arbeiten möchten. Zugang zum Studiensystem gibt es allerdings in Deutschland grundsätzlich nur mit Abitur – eigentlich.

Bei genauerer Betrachtung könnt ihr durchaus auch ohne Hochschulreife studieren. Für alle mit abgeschlossener Berufsausbildung gibt es zum Beispiel spezielle gewerkschaftliche Unterstützung.

Förderprogramm der Hans-Böckler-Stiftung
Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Beruflich Qualifizierten aus dem Gesundheits- und dem gewerblich-technischen Bereich erleichtert die HBS den Weg vom Beruf ins Studium – auch ohne Abitur.

Dazu bietet die Stiftung vorbereitende Seminarangebote und Vorbereitungskurse an der Universität, die exakt auf eure Bedürfnisse zugeschnitten sind. Obendrauf gibt es ab drei Monate vor Studienbeginn ein Stipendium und Unterstützung beim Lernen bis ins dritte Semester.

Das neue Förderprogramm ist auf neun Vollzeit-Studiengänge der Gesundheits- und Ingenieurwissenschaften ausgerichtet und euer maßgeschneiderter Weg ins Studium! Alle Studiengänge werden mit dem "Bachelor of Science" abgeschlossen.

Mehr Details zu diesem Förderprogramm findet ihr auf der HBS-Website – gleich mal vorbeisurfen!

Support von deiner Gewerkschaft
Die HBS bietet übrigens noch weitere Stipendien und Studienförderungen. Bei der Vergabe von Stipendien gibt es außerdem ein Verfahren für Gewerkschaftsmitglieder, die sich gewerkschaftlich oder gesellschaftspolitisch engagieren.

Und auch für alle Fragen und Hürden, die sich während des Studiums auftun, gibt es gewerkschaftliche Unterstützung. Je nach Thematik stehen euch verschiedene gewerkschaftliche Anlaufstellen mit Rat und Tat zur Seite.

Studentische Interessen kommuniziert und koordiniert in ver.di die AG Studierende. Diese bundesweite Arbeitsgemeinschaft besteht aus Schüler_innen, Studierenden und Promovierenden aus ganz Deutschland.

Und wer sich für Studiengänge zur Gewerkschaftsarbeit interessiert, surft am besten auf unser Service-Portal ausbildung.info.

Weitere Wege zur Hochschule
Alternative Wege ins Studium führen zum Beispiel über:

Für die zuletzt genannte Variante – denn sogenannten dritten Bildungsweg – eignen sich besonders auch duale Studiengänge und entsprechende Angebote von Fachhochschulen.

Weitere wichtige Details zur Hochschulzulassung ohne Abitur und zum dritten Bildungsweg findet ihr natürlich auch auf unserem Info-Portal rund um Ausbildung und Studium.

Last but not least
Bevor ihr euch für ein Studium entscheidet, solltet ihr euch über zwei weitere grundlegende Aspekte Gedanken machen:

  • Die Qual der Wahl

Natürlich sollte euch das Studienfach auf den Beruf vorbereiten, den ihr später ausüben wollt. Doch so genaue Vorstellungen haben nicht alle. Die grundsätzlichen Fragen nach den eigenen Interessen und Fähigkeiten können eine gute Hilfe sein.

Beim weiteren Entscheidungsprozess für ein Studienfach hilft euch ebenfalls unser Info-Portal.

  • Ohne Moos nix los

Stipendien oder Förderprogramme wie das der HBS sind eine gute Option, um finanziell über die Runden zu kommen. Ansonsten muss klassischerweise ein Studentenjob oder vielleicht BaföG bzw. ein staatlicher Bildungskredit her.

Weitere Links und Infos zu den Themen Studienkredite und Stipendien gibt es auch auf unserem Info-Portal.

Wir wünschen euch einen reibungslosen Start und ein erfolgreiches Studium!

28.03.2018

Chancen und Risiken im Social Web

  • Soziale Netze bieten Chancen, bergen aber auch Risiken

Gut zu wissen über soziale Medien

Facebook, Instagram, Twitter & Co.: Heutzutage kennt jeder mindestens drei soziale Netzwerke und fast jeder von uns ist dort auch selbst aktiv. Jugendliche und junge Erwachsene organisieren im Social Web ganz selbstverständlich ihren Alltag und knüpfen dort Kontakte. Eigentlich eine super Sache – wäre da nicht die Frage nach dem Datenschutz...

Um sich mit Freunden in sozialen Netzen auszutauschen und als Teil der Community wahrgenommen zu werden, geben User zahlreiche persönliche Informationen preis. Wer dabei zu sorglos mit eigenen Angaben und den Daten Dritter umgeht, riskiert nicht nur seine eigene Privatsphäre. Auch die Urheber- und Persönlichkeitsrechte anderer können dadurch verletzt werden.

Problematisch werden können außerdem Kommentare über den eigenen Arbeitgeber oder die offensichtliche Aktivität in sozialen Netzen während der Arbeitszeit.

Keinen Plan mehr? Hier ein kleiner Wegweiser durch die sozialen Medien.

Die 5 wichtigsten „Dos & Don'ts“ in sozialen Netzwerken:

  1. Klar trennen zwischen beruflichen und privaten Kontakten!
  2. Sensibel mit persönlichen Daten umgehen!
  3. Privatsphäre so einstellen, dass eigene Posts und Fotos nur für Freunde sichtbar sind!
  4. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, trotzdem dürfen weder fremde Persönlichkeitsrechte noch Schweigepflichten verletzt werden. Direkte Beleidigungen o.ä. sind also absolut tabu, Schnappschüsse z.B. von der letzten Betriebsfeier dürfen nur nach Absprache mit den Fotografierten ins Netz!
  5. Am Schluss immer vollständig ausloggen!

Surfen auf Arbeit?
Darfst du während deiner Arbeitszeit privat surfen, also mit deinem Smartphone, Dienst-Laptop oder Arbeits-PC z.B. auf Facebook, Twitter oder YouTube unterwegs sein? Das solltest du unbedingt vorher abklären, denn sonst kann schnell die Kündigung ins Haus flattern!

Vielleicht gibt es in deinem Unternehmen oder Ausbildungsbetrieb eine betriebliche Regelung zur Nutzung der Social Media während der Arbeitszeit? Falls du keine Infos findest, frag einfach die JAV, den Betriebs- oder Personalrat in deinem Betrieb – oder deine ver.di Jugend vor Ort!

Achtung: Arbeitgeber liest mit!
Wer in sozialen Netzen sehr aktiv ist, sollte sich bewusst sein, dass gepostete News, Fotos, Videos und Statements mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von Vorgesetzten entdeckt und gelesen werden. Selbst wenn du einen Beitrag in deiner privaten Zeit veröffentlichst, könntest du trotzdem bei deinem Arbeitgeber in Misskredit geraten.

Das falsche Statement in deinem Facebook-Profil, einen fragwürdigen Beitrag gelikt oder ein umstrittenes Bild hochgeladen… Je nach Inhalt deines Beitrags und Bezug zu deinem Arbeitsplatz kann dich dein Arbeitgeber dafür durchaus zum Personalgespräch bitten, sogar abmahnen oder kündigen!

So wurde beispielsweise ein Arbeitnehmer nach dem folgenden Post auf seiner privaten Facebook-Pinnwand fristlos gekündigt: „Das einzige, was für die Betreiber, die Familie, zählt, ist Kohle, egal zu welchem Preis. Würde mich auch nicht wundern, wenn die Kellertanks illegal wären“.

Das Arbeitsgericht Iserlohn erklärte glücklicherweise am 9. März 2010 die fristlose Kündigung für unwirksam. Begründung: Der Arbeitnehmer hatte weder die Ehre seines Arbeitgebers verletzt, noch strafrechtlich zu ahndende Äußerungen getroffen.

Rechtliche Rückendeckung Wer hilft im Falle eines Falles?
Wenn ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber noch ansteht, sprich sofort mit deiner JAV, deinem Betriebs- oder Personalrat! Sie können dir nicht nur mit gutem Rat vor Ort helfen, sondern dich auch zum Personalgespräch begleiten und notfalls eingreifen.

Falls das nicht reicht, bekommst du außerdem rechtliche Hilfe von deiner ver.di Jugend vor Ort! Als unser Mitglied genießt du Arbeitsrechtschutz und wir lassen deinen Fall von der ver.di Rechtsabteilung prüfen. Besteht Aussicht auf Erfolg, werden mit deiner Zustimmung rechtliche Schritte eingeleitet.

Das Netz ist kein rechtsfreier Raum!
Auch in sozialen Netzen gelten natürlich unsere Gesetze, beispielsweise das Grundgesetz: „Schutz nach Art. 5 Abs. 1 GG – Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“

Grundsätzlich darfst du Social Media Plattformen in deiner Freizeit nutzen und dort auch Beiträge über deine Arbeit posten – dabei solltest du jedoch sehr genau auf deine Wortwahl achten! Denn nach Art. 5 Abs. 5 II GG gilt: „Das Recht auf Meinungsfreiheit wird begrenzt durch die allgemeinen Gesetze und das Recht der persönlichen Ehre eines jeden Menschen.“ Du musst dich also fragen, ob deine „Meinung“ legitim ist oder eine Beleidigung mit „erheblichem ehrverletzendem Inhalt“ darstellt.

Wenn du deinen Arbeitgeber in einem sozialen Netzwerk so grob beleidigst, dass seine Ehre verletzt ist, gilt dasselbe wie in der realen Offline-Welt und du kannst dafür eine gerechtfertigte, außerordentliche Kündigung kassieren – sogar ohne vorherige Abmahnung!

So wurde vor dem LAG Hamm am 10. Oktober 2012 eine außerordentliche fristlose Kündigung bestätigt, da eine „ehrverletzende Darstellung des Arbeitgebers“ vorlag: Der betroffene 26-jährige Auszubildende hatte auf seinem privaten Facebook-Profil in der gleichnamigen Rubrik seinen Arbeitgeber als „Menschenschinder und Ausbeuter“ eingetragen.

Fazit: Dein Grundrecht auf Meinungsfreiheit schützt weder Formalbeleidigungen noch Schmähungen oder bewusst falsche Tatsachenbehauptungen!

Die populärsten Kanäle
Neben Facebook, dem derzeit beliebtesten und einflussreichsten sozialen Netzwerk, gibt es noch viele weitere, die eine große Rolle im Social Web spielen. Die wichtigsten im Überblick:

  • Facebook: Die weltweit größte Community bietet mehr Möglichkeiten zum Austausch von Informationen, Fotos, Videos, Meinungen, Einladungen und Kontakten als jedes andere Netzwerk. Wegen seiner komplizierten und unsicheren Privatsphäre- und Datenschutz-Einstellungen steht das Unternehmen jedoch regelmäßig in der Kritik von Datenschutzbeauftragten und Usern.
  • Instagram: Ebenfalls ein Teil des Facebook-Imperiums, insofern mit Facebook vernetzt und ebenso kritisch hinsichtlich Datenschutz. Auf Instagram geht es dabei weniger um Dialoge, sondern vor allem um das Teilen von Fotos und Videos, die mit (möglichst vielen) Filtern, den sogenannten Hashtags, versehen werden.  
  • Twitter: Der Kurznachrichtendienst eignet sich am besten zur schnellen Verbreitung von News. Er ist schlichter designt als Facebook, bietet dafür aber auch weniger Möglichkeiten – insbesondere nur 280 Zeichen pro Beitrag. Auch der User-Dialog ist eingeschränkt.
  • YouTube: Über diese Plattform lassen sich Videos durch unkomplizierte Handhabung sehr simpel verbreiten oder z.B. in die eigene Website einbinden. Beispielsweise sind hier Mobilisierungsclips für Aktionen gut aufgehoben und werden optimal viral verbreitet.
  • XING: In Deutschland DIE Plattform für alle Berufstätigen und Arbeitssuchenden, denn bei XING stehen Business-Kontakte und Berufsprofile im Fokus.
  • Blogs: Hier werden längere Texte veröffentlicht, in die auch Video-, Bild- und Audio-Dateien eingebunden werden können. Beiträge können in der Regel kommentiert werden und sind stark verlinkt. Oft macht es Sinn, die behandelten Themen in Kurzfassung bei Facebook oder Twitter zu posten und von dort aus zum ausführlichen Blog-Beitrag zu verlinken.

Vor- und Nachteile des Social Web
Soziale Netze bieten unendlichen Raum zur freien Persönlichkeitsentfaltung, jeder kann sich so präsentieren, wie es ihm oder ihr gefällt. Welche Veranstaltungen jemand besucht, in welchen Gruppen jemand organisiert ist, welche Meinung er oder sie zu bestimmten Themen und Ereignissen hat und die Diskussion dieser Meinungen sind heute ein wichtiger Bestandteil von sozialer Kommunikation und Gemeinschaftsbildung. Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist dabei als rechtlicher Rahmen das höchste Gut im Netz.

Deutlich zeigen sich allerdings auch die Schattenseiten des Social Web – in Form von Mobbing und Ausgrenzung (Stichwort "Hatespeech"), Shitstorms und des Verlusts der informationellen Selbstbestimmung. Persönlichkeitsrechte sind durch einen unbedachten Post ganz schnell verletzt, der resultierende Schaden kann dagegen für alle Beteiligten sehr nachhaltig sein.

Deswegen: Augen auf im Social Web! Wenn du ein paar wesentliche Regeln beachtest, hast du sicherlich trotzdem jede Menge Spaß in deinen Netzwerken!

02.03.2018

Mutterschutz in der Ausbildung

  • Welche Schutzvorschriften gelten für Schwangere?

Eine Schwangerschaft während der Ausbildung oder im Studium ist ein Grund zur Freude, bringt allerdings auch einige Hürden mit sich. Hier kommen die wichtigsten Infos zum neuen Mutterschutz ab 2018 für Auszubildende und Studierende.

Das Wichtigste zuerst: Dein Arbeitgeber muss wissen, dass du schwanger bist. Allerdings ist eine entsprechende Frage an dich – speziell im Vorstellungsgespräch – nicht zulässig.

Nichtsdestotrotz: Gib deiner Ausbildungskraft rechtzeitig Bescheid, dass du Nachwuchs erwartest. Das sichert dir alle Rechte, die dir nach dem neuen Mutterschutzgesetz (MuSchG // Gesamtausgabe) zustehen, dient also zu deinem eigenen und zum Schutz des Kindes.

Kündigung
Falls dir gerade gekündigt wurde: Ganz grundsätzlich ist während der Ausbildung eigentlich nur eine außerordentliche Kündigung möglich.

Und wenn in deinem Fall der Arbeitgeber noch nichts von deiner Schwangerschaft weiß, hast du noch zwei Wochen nach Erhalt der Kündigung Zeit, um das zu ändern. Holst du innerhalb dieser zwei Wochen die Mitteilung an deinen Ausbildungsbetrieb nach, gilt für dich bis vier Monate nach der Geburt der besondere Kündigungsschutz (§17 Abs. 1 MuSchG).

Nach Ablauf dieser zweiwöchigen Frist greift der Kündigungsschutz nur, wenn du deine Mitteilung unverschuldet versäumt hast (z. B. weil du selbst noch nicht wusstest, dass du schwanger bist) und du sodann deinen Arbeitgeber unverzüglich in Kenntnis setzt.

Neu ab 2018 ist der viermonatige Kündigungsschutz nun auch bei einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche.

Ausbildungsvergütung
Während du im gesetzlichen Mutterschutz bist, also das allgemeine Beschäftigungsverbot für dich gilt (§3 MuSchG), bekommst du Mutterschaftsgeld (§19 MuSchG) (von deiner Krankenkasse bzw. vom Bund).

Falls sich dabei eine Differenz zu deiner normalen Ausbildungsvergütung ergibt, legt die dein Arbeitgeber als Zuschuss zum Mutterschaftsgeld (§20 MuSchG) obendrauf.

Ausbildungszeit und Prüfungen
Falls du dich während deines allgemeinen Beschäftigungsverbotes dazu in der Lage fühlst, darfst du zwar trotzdem nicht arbeiten, aber immerhin eine Prüfung mitschreiben.

Das kann Zeit sparen, denn deine Ausbildungszeit verlängert sich nicht etwa automatisch um die Dauer deines Beschäftigungsverbotes. Über einen entsprechenden Antrag kannst du aber bei deiner zuständigen Stelle um Verlängerung deiner Ausbildungszeit bitten (§8 Abs. 2 BBiG).

Eine gute Option ist auch die Ausbildung in Teilzeit.

  • Spezialfall Pflegeberufe
    Wenn du eine Ausbildung in der Kranken-, Kinder- oder Altenpflege machst, darfst du jeweils maximal zehn Prozent der theoretischen und auch der praktischen Ausbildungszeit verpassen, um noch zur Prüfung zugelassen zu werden.

    Diese starre Regelung kritisieren wir von ver.di scharf (Auszubildende nach BBiG werden stattdessen individuell zugelassen oder nicht, nämlich bei Erreichen ihres Ausbildungsziels) und in der Schwangerschaftsphase sind diese Fehlzeiten auch ziemlich fix ausgereizt.

    Immerhin sieht hier die Fehlzeitenregelung vor, dass Schwangere ihre Ausbildung bis zu 14 Wochen unterbrechen dürfen. Diese Zeit wird nicht auf die Fehlzeiten angerechnet (KrPflG §7).

    Und selbst, wenn du noch länger fehlen musst, gibt es Härtefallregelungen (und zwar ganz allgemein, nicht nur für Schwangere). Ob eine besondere Härte vorliegt oder nicht, entscheidet die zuständige Landesbehörde. Sie kann dich auch zur Prüfung zulassen, sobald du einen entsprechenden Antrag stellst.

    Schriftlich beantragen kannst du außerdem auch eine Verlängerung deiner Ausbildungszeit (§7 KrPflG, vgl. Komm. Dielmann S. 132).

Übernahme
Etwas haarig wird es, falls deine Ausbildung endet, während du noch im Mutterschutz bist: Dann hast du leider keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung.

Allerdings darf deine Übernahme nicht einfach deswegen platzen, weil du eben schwanger bist, denn das verstößt gegen das allgemeine Diskriminierungsverbot (§24 BBiG, vgl. Rn 4 Basiskommentar Lakies/Nehls 2013).

Noch mehr Input zum neuen Mutterschutz ab 2018 bekommst du hier auf unserem Serviceportal zur Ausbildung.

Auch deine ver.di Jugend vor Ort hilft gerne bei allen Fragen!

Und in jedem Fall drücken wir dir die Daumen und wünschen dir in und nach der Ausbildung eine tolle Zeit als frisch gebackene Mutter!

07.02.2018

7 Fakten zu allem, was (Streik-)Recht ist

  • Die EnBW Jugend im Warnstreik für einen #tarifdeluxe!

Dürfen Auszubildende streiken?

In Tarifrunden geht es auch um wichtige Verbesserungen für Auszubildende. Doch wie sieht es aus, wenn die Arbeitgeberseite keine Kompromisse eingehen will? Dürft ihr als Auszubildende überhaupt streiken? Und deswegen in der Berufsschule fehlen? Ganz klar: JA! Hier für euch die wichtigsten Fakten zum Streikrecht für Auszubildende.

Verhandeln ist gut, handeln ist besser: Wenn Tarifverhandlungen und Schlichtungsrunde gescheitert sind, bleibt nur der gemeinsame Arbeitskampf!

Der Streik ist unsere schärfste Waffe im Kampf für bessere Arbeits-, Ausbildungs- und damit auch Lebensbedingungen. Denn indem wir unsere Arbeitskraft zurückhalten, läuft es im Betrieb und in der Dienststelle nicht mehr rund – und damit treffen wir Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber an ihrer empfindlichsten Stelle.

Dem Management passt das freilich überhaupt nicht, also verdrehen Unternehmen gerne die Realität und verbreiten Falschaussagen zum angeblichen Streikverbot für Auszubildende. Wir räumen auf, hier sind sieben Fakten zum Streikrecht:

  1. Auszubildende dürfen generell nicht streiken!
    Falsch! In Deutschland ist das Streikrecht ein Grundrecht, das sich aus dem Grundgesetz ergibt. Damit steht es natürlich auch Auszubildenden zu. In der Praxis heißt das:

    Wenn es in der Tarifauseinandersetzung auch um eure Ausbildungsbedingungen (wie z. B. um Ausbildungszeiten, Ausbildungsvergütungen) oder um die Übernahme geht, dürft ihr als Auszubildende auf jeden Fall streiken!

  2. Auszubildende sind keine Beschäftigte und dürfen deshalb auch nicht streiken!
    Falsch! Auch Auszubildende sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sie werden im Gesetz als „zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte“ bezeichnet. Somit gilt das grundgesetzlich verankerte Streikrecht auch für Auszubildende.

  3. Auszubildende dürfen an Berufsschultagen nicht streiken!
    Falsch! Streik geht vor Berufsschule, denn das Streikrecht topt das Ausbildungsrecht und damit die Berufsschulpflicht. Diese ist für die Dauer der Streikteilnahme somit ausgesetzt. Das Fehlen von Auszubildenden aufgrund ihrer Streikteilnahme gilt als entschuldigt und auch das Ausbildungsziel ist dadurch keinesfalls gefährdet.

    Um unnötigen Ärger zu vermeiden: Sagt eurer Berufsschule vorher Bescheid, dass ihr wegen eurer Teilnahme am Streik im entsprechenden Zeitraum nicht am Unterricht teilnehmen werdet.

  4. Auszubildende in der Pflege dürfen nicht streiken!
    Falsch! Das Grundrecht zu streiken gilt selbstverständlich auch für Auszubildende in Pflegeberufen. Um die Versorgung von Patientinnen und Patienten während eines Streiks zu gewährleisten, vereinbart ver.di mit der Arbeitgeberseite extra eine Notdienstbesetzung.

    Einseitige Notdienstanordnungen sind dagegen unzulässig und unwirksam. Auszubildende dürfen nicht zu Notdienstarbeiten herangezogen werden, denn das dient nicht dem Ausbildungszweck.

    Wenn ihr unsicher seid oder unter Druck gesetzt werdet, fragt einfach die Streikleitung in eurer Klinik!

  5. Auszubildende in Pflegeberufen können bei einer Streikteilnahme nicht zum Examen zugelassen werden!
    Falsch! Im Kranken- und Altenpflegegesetz gibt es Regelungen zu Fehlzeiten. Diese sind von Warnstreiks unberührt. Bedeutet: Wenn ihr streikt, dürfen euch dafür keine Fehlzeiten angerechnet werden. Die Teilnahme am Streik ist die Ausübung eines höherrangigen Grundrechts, das euch niemand verwehren darf!

    Darüber hinaus vereinbart ver.di ein Maßregelungsverbot bei allen Tarifverträgen, die unter möglicher Streikbeteiligung von Auszubildenden in der Pflege verhandelt werden. Das heißt, euch dürfen keine Benachteiligungen wegen einer Streikteilnahme entstehen.

  6. Für die Beteiligung an (Warn-)Streiks können Auszubildende abgemahnt werden!
    Falsch! Dazu ist die Arbeitgeberseite in keinem Fall berechtigt. Solltet ihr dennoch eine Abmahnung, eine Rüge oder eine Eintragung in der Personalakte kassieren, wird jedes Arbeitsgericht eine solche Maßnahme umgehend für nichtig erklären.

  7. Wenn die Beschäftigten streiken, müssen die Auszubildenden dafür sorgen, dass die Arbeit weiter verrichtet wird!
    Falsch! Auszubildende dürfen nicht als Streikbrecher missbraucht werden. Ein derart unsolidarisches Verhalten gegenüber den Beschäftigten kann niemand von euch verlangen.

    Außerdem ist in diesem Fall auch die notwendige sorgfältige Anleitung durch die Ausbildungskräfte nicht mehr gewährleistet.

Zu allen sieben Fakten und noch vielen weiteren Aspekten eines Streiks findet ihr umfassende Details in unserem 1x1 des Streiks für JAVen (PDF/4,55MB).

Und wozu gleich Mitglied werden?
Wie erfolgreich eine Gewerkschaft in Tarifauseinandersetzungen ist, hängt ganz wesentlich von ihrer Mitgliederstärke ab.

Und warum solltet ihr Mitglieder bei ver.di werden? Weil es sich immer für euch lohnt:

  • Als Mitglieder bestimmt ihr von Anfang an mit, was in den Tarifrunden verhandelt und ob gegebenenfalls gestreikt wird.
  • Nur Mitglieder haben einen Rechtsanspruch auf tarifvertragliche Leistungen wie zum Beispiel höhere Ausbildungsvergütungen, mehr Urlaub, Sonderzahlungen oder Übernahmeregelungen. Alle Nicht-Mitglieder sind vom Wohlwollen der Arbeitgeberseite abhängig.
  • Im Streikfall bekommt ihr als Mitglieder eine finanzielle Streikunterstützung.
  • Sollten wegen des Streiks Disziplinarmaßnahmen gegen euch ergriffen werden, genießt ihr als Mitglied den kostenlosen Rechtsschutz von ver.di.
  • Und dann noch? Jede Menge weitere Vorteile: ein umfangreiches kostenloses Fortbildungsprogramm, ein vielfältiges Beratungsangebot, reichlich Vergünstigungen, jede Menge coole Events und vieles mehr.

Fazit: Ihr habt nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen!
Tarifauseinandersetzungen sind immer ein Kräftemessen zwischen Arbeitgeberseite, Beschäftigten und Auszubildenden. Doch warum sollte ein Arbeitgeber nachgeben, wenn wir nicht deutlich sichtbar hinter unseren Forderungen stehen?

Eben – je stärker und geschlossener wir als Beschäftigte auftreten, je mehr Druck wir durch unsere Aktionen bis hin zu Streiks aufbauen, desto besser wird es uns gelingen, unsere Forderungen durchzusetzen.

Dasselbe gilt natürlich auch für euch als Auszubildende: Wenn eure Interessen in der Tarifrunde berücksichtigt werden sollen, müsst ihr euch aktiv am Streik beteiligen! Keine Gewerkschaft der Welt kann Verbesserungen für Leute erreichen, die sich nicht dafür einsetzen.

Also, Leute: Mischt euch ein, macht bei uns mit und nutzt eure Rechte. Für bessere Ausbildungsbedingungen – es geht um eure Zukunft!

Eure ver.di Jugend

01.02.2018

Lernstress? Is‘ nich!

  • Weg mit dem Lernstress!

Weg mit den Vermeidungstaktiken! Es gibt sehr effektive Mittel gegen Lernstress: Mit unseren 10 Tipps geht ihr entspannt in jede Prüfung.

Prüfungen oder Klausuren können uns ganz schön ins Schwitzen bringen. Leider schieben wir die unbequeme Lernerei auch gerne vor uns her: Wäsche waschen und Wohnung putzen erscheint jetzt erstmal viel dringender... Und wir alle kennen wohl das unangenehme Gefühl, das vor allem Prüfungsvorbereitungen „auf den letzten Drücker“ erzeugen. Häufig mischt sich dann noch Prüfungsangst dazu.

Das muss nicht sein: Erstmal tief durchatmen! So banal, wie das klingt – es hilft immer, sich zu beruhigen und die Dinge sachlich zu betrachten. Denn Stress beginnt im Kopf. Und genau da beginnt auch das erfolgreiche Überwinden von Hürden: in diesem Fall, den Lernstoff zu bewältigen und die Prüfungen zu bestehen.

Wie lernt es sich am besten?
Deutlich entspannter läuft das Ganze, wenn ihr diese zehn Punkte auf dem Schirm habt:

  1. Rechtzeitig anmelden
    Für viele Prüfungen müsst ihr euch offiziell anmelden. Informiert euch genau zu den Formalitäten, sonst dürft ihr womöglich nicht an der Prüfung teilnehmen! Und sollte die Anmeldefrist schon abgelaufen sein, wendet euch sofort an eure Ausbildenden, eure Jugend- und Auszubildendenvertretung oder euren Betriebs- bzw. Personalrat. Vielleicht lässt sich noch was drehen und ihr dürft trotzdem mitschreiben.

  2. Überblick verschaffen
    Geht mindestens zwei Monate vor der Prüfung den Lernstoff durch und macht euch eine Liste zu den wichtigen Lerninhalten. Vielleicht findet ihr auch Kolleg_innen, die genau diese Prüfung vor kurzem selbst erfolgreich abgelegt haben? Dann bittet sie um Infos und ihre Einschätzung zum Lehrstoff und ggf. auch zur Person, die euch prüfen wird! Möglicherweise sind bestimmte Inhalte besonders wichtig und bei anderen reicht es, sie lediglich „quer“ zu lesen?

  3. Lernplan schreiben
    Dazu empfiehlt sich außerdem ein Lernplan mit eurem täglichen Lernpensum. Überlegt euch dabei, wie viel Zeit ihr bei vergangenen Prüfungen benötigt habt (oder eigentlich benötigt hättet). Bedeutet: Macht aus dem großen Berg viele handliche Häppchen! Das verschafft euch schon auf dem Weg zur Prüfung kleine Erfolgserlebnisse.

  4. Arbeitsumfeld aufräumen
    An einem aufgeräumten, hellen Schreibtisch lernt es sich viel besser als in einer chaotischen, dunklen Ecke. Genügend Platz und Licht sind ebenso wichtig wie ein bequemer Stuhl – und natürlich Ruhe. Alles was ablenkt, gehört während eurer Vorbereitungsphase weg aus eurem Lernbereich! Verbannt Musik, Facebook und das Smartphone oder ähnliche „Berieselungsgerätschaften“ und bittet auch alle Leute in eurem Umfeld, auf eure Vorbereitungsphase Rücksicht zu nehmen.

  5. Notizen machen
    Notiert euch zu jedem Lernthema die wichtigsten Punkte, ebenso zu jedem Lerninhalt, den ihr euch nur schwer merken könnt. Karteikarten sind dabei eine gute Hilfe: Immer wieder lesen – irgendwann fällt der Groschen!

  6. Abwechslung reinbringen
    Gebt eurem Kopf die Chance, jeden Themenbereich richtig sacken zu lassen. Also ruhig erstmal in ein anderes Fach oder Thema vertiefen, anstatt immer nur ein- und denselben Stoff zu beackern.

  7. Pausen machen
    Spätestens nach 45 Minuten solltet ihr eine Pause von mindestens fünf Minuten einlegen. Wenn eure Lernphase sich über einen längeren Zeitraum zieht, dürfen die Pausen auch etwas größer sein. Und dann braucht ihr am besten ein bisschen Bewegung, entspannt euch bei Musik oder besorgt euch neue Energie durch einen kleinen Snack.

  8. Kreativ lernen
    Regt beim Lernen unterschiedliche Hirnregionen an, indem ihr den Lernstoff mit verschiedenen Sinnen erfasst, denn das prägt sich noch besser ein. Ihr könnt zum Beispiel jedem Thema eine bestimmte Melodie oder einen Rhythmus verpassen. Genauso funktionieren Eselsbrücken oder Bilder. Oder ihr bastelt aus schwierigen Vokabeln ein Plakat und hängt es über den Schreibtisch. Wenn ihr lieber laut lest, nehmt euch dabei auf und hört alles nochmal an, wenn ihr im Bus sitzt oder bevor ihr schlafen geht.

  9. Verstärkung suchen
    Pauken geht manchmal besser in einer Lerngruppe. Dort könnt ihr euch gegenseitig abfragen, auf Fehler aufmerksam machen oder gemeinsam eine Lösung erarbeiten und euch mit Wissen ergänzen.

  10. Belohnung gönnen
    In eurer Lernphase dürft und solltet ihr euch immer wieder belohnen, sobald ihr ein bestimmtes Lernpensum geschafft habt oder der Stoff langsam besser sitzt. Gute Ideen sind dafür beispielsweise Hobbys oder ein leckeres Essen. In jedem Fall sollte es etwas sein, was euch Spaß macht und motiviert – denn darauf könnt ihr euch schon während des Lernens freuen!

Wer lernt wie am besten?
Das mulmige Gefühl zu versagen müsste sich mit diesen Tipps schnell verflüchtigen. Für optimale Lernerfolge solltet ihr außerdem euren Lerntyp kennen – es gibt im Allgemeinen vier verschiedene Typen, die sich auch überschneiden können:

  • Der auditive Lerntyp
    behält Informationen am besten, wenn er sie hört. Auditive Lerntypen mögen Hörbücher, sprechen Vokabeln am liebsten vor sich hin und erinnern sich gut an Referate. Lautes Vorlesen oder eine Aufnahme von sich selbst (siehe oben „kreativ lernen“) sind für diesen Lerntyp optimal.

  • Der visuelle Lerntyp
    merkt sich Lernstoff am besten, wenn er ihn sieht oder liest. Visuelle Lerntypen merken sich Grafiken oder Tabellen besonders leicht, lesen gerne und erinnern sich gut an schriftliche Notizen beim Lernen. Der beste Tipp für den visuellen Typ ist also, sich bestimmte Bilder zu den Lerninhalten ausdenken oder Karteikarten dazu zu schreiben.

  • Der kommunikative Lerntyp
    behält Informationen am besten über Diskussionen oder Gespräche. Für diesen Lerntyp gilt also: Das Gespräch mit anderen suchen, Fragen stellen – und unbedingt eine Lerngruppe gründen!

  • Der motorische Lerntyp
    lernt durch Bewegung. Er probiert außerdem Dinge am liebsten selbst aus, experimentiert damit und er isst auch gerne beim Lernen. Diesem Lerntyp hilft es also, während des Lernens durchs Zimmer zu laufen oder den Stoff durch Gestik und Mimik zu unterstreichen. Und für die nächste Experimentierrunde nicht vergessen, einen Snack bereitzustellen!

Wann lernt es sich am besten?
Was auch noch hilft: Lernt nach eurem persönlichen Biorhythmus! „Frühe Vögel“ lernen also morgens am leichtesten und „Nachteulen“ verlegen ihr Lernpensum ruhig in die späteren Stunden – richtet euch also nach den Zeiten, in denen ihr euch am leistungsfähigsten fühlt!

Der große Tag
Am Prüfungstag steht ihr am besten rechtzeitig auf und plant genügend Zeit für den Weg zu eurer Prüfung ein. Bitte mit ausreichendem Puffer, denn es kann immer was dazwischenkommen. Zeitstress auf dem Weg zur Prüfung macht nervös und das wäre äußerst kontraproduktiv!

Sobald die Prüfungsaufgaben vor euch liegen, keine Panik: Erstmal sichten. Dann als Erstes die Aufgaben vorknöpfen, die euch leicht fallen. Im Anschluss bearbeitet ihr die schwierigeren Teile und wendet dazu einfach das Gelernte so gut an, wie es eben geht. Und falls dann doch wieder der altbekannte Stress in eurem Kopf startet, immer dran denken: Durchatmen hilft!

Ihr braucht noch mehr Ideen zum Umgang mit Lernstress? Informiert euch bei eurer ver.di Jugend vor Ort über Seminare zum Thema.

Wir drücken alle Daumen und wünschen euch viel Erfolg für eure Lernphase und die anstehenden Prüfungen!

25.01.2018

Überstunden gehören nicht zur Ausbildung

  • Megafone mit Schriftzug KNOW YOUR RIGHTS!

Kenne deine Rechte!

Überstunden gehören nicht zur Ausbildung, auch wenn die Realität für viele Azubis anders aussieht. Das muss aber nicht sein – Gesetz und Gewerkschaft sind auf deiner Seite!

Überstunden sind in vielen Branchen üblich. In der Gastronomie und Hotellerie gelten sie sogar als „ungeschriebenes Gesetz“ – häufig auch noch ohne jeden Ausgleich. Das zeigte kürzlich auch wieder der DGB-Ausbildungsreport.

Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben bekommen viele Auszubildende weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung für geleistete Überstunden. Das ist nicht legal und du kannst dich dagegen wehren – es ist dein gutes Recht!

Zeit zum Lernen
Grundsätzlich sind für Auszubildende keine Überstunden vorgesehen. Du bist im Betrieb, um einen Beruf zu erlernen, und dazu sollte die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit auch ausreichen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Beschäftigten dürfen Auszubildende lediglich freiwillig und auch nur solche Überstunden leisten, die tatsächlich ihrer Ausbildung dienen. Eine ausbildungsbeauftragte Person muss gleichzeitig anwesend sein.

Gesetz hat Vorfahrt!
Überstunden sind gesetzlich geregelt – für unter 18-Jährige im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und für Volljährige im Arbeitszeitgesetz (ArbZG).

Für viele Ausbildungsberufe gelten zusätzliche Tarifverträge mit eigenen Regelungen zur Ausbildungszeit.

Überstunden nur mit Ausgleich!
Diese Grenzen für Minder- und Volljährige dürfen grundsätzlich nicht überschritten werden bzw. nur in absoluten Notfällen. Solche Ausnahmen sind beispielsweise ein Brand oder eine erhebliche Störung einer Betriebsanlage – Personalknappheit gehört allerdings nicht dazu!

Und selbst im Notfall müssen zuerst die ausgelernten Beschäftigten anpacken. Auszubildende – insbesondere minderjährige – dürfen erst ganz zum Schluss herangezogen werden.

Im Gegenzug wird entweder ein entsprechender Zuschlag fällig, besser ist aber, wenn die Überstunden zur Erholung „abgefeiert“ werden. In diesem Fall wird das eigene Überstundenkontingent gegen zusätzliche Freizeit eingetauscht – ein genaues Überstundenprotokoll ist also sehr empfehlenswert!

Berufsschulzeit gleich Arbeitszeit
Dein Ausbildungsbetrieb muss dich für die Berufsschule freistellen und dir außerdem diese Unterrichtszeit auf deine Arbeitszeit anrechnen. Berufsschulzeit zählt also wie reguläre Arbeitszeit.

Minderjährige Auszubildende dürfen nach dem Unterricht nur dann noch im Betrieb beschäftigt werden, falls sie am jeweiligen Tag noch keine fünf Berufsschulstunden von jeweils mindestens 45 Minuten hinter sich haben.

Bei Blockunterricht von mindestens 25 Berufsschulstunden an fünf Tagen dürfen minderjährige Auszubildende zu maximal zwei weiteren betrieblichen Ausbildungsveranstaltungen in den Ausbildungsbetrieb.

Für volljährige Auszubildende geht es im Anschluss an den Unterricht auch nur dann noch im Betrieb weiter, falls noch mindestens 30 Minuten Ausbildungszeit möglich sind.

Oft gibt es betriebliche Regelungen, die die Freistellung an Berufsschultagen grundsätzlich regeln.

Den Rücken stärken
Falls dein Betrieb gegen die gesetzlichen Vorgaben verstößt oder dich unter Druck setzt, darfst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen. Du musst dann zwar mit deinem Ausbildungsbetrieb in die Auseinandersetzung gehen, die Alternative wäre allerdings, dass du alles hinnimmst und auf deine Rechte verzichtest.

Lass dich auf keinen Fall einschüchtern, sondern hol dir unbedingt Unterstützung – deine Interessenvertretung kämpft an deiner Seite für dein gutes Recht in der Ausbildung!

Hier gibt es weitere Informationen zur Arbeitszeitregelung während der Ausbildung.

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