02.01.2017

Neues Jahr, neue Gesetze

  • 2017 bringt einige neue Gesetze für Verbraucher

Die 16 wichtigsten Neuerungen ab Januar 2017

Du schönes neues Jahr: Tritt ein, bring Glück herein! Vielleicht können die neuen Gesetze und Regelungen ab 2017 schon etwas dazu beitragen. Und ein wenig Humor kann sowieso nie schaden…

Vorneweg: Die mit Sternchen versehenen Gesetze sind noch nicht endgültig verabschiedet, aber immerhin so weit gediehen, dass wir euch schon jetzt dazu informieren!

Die ultimative Übersicht – allgemeine News

1) Verdiene ich mit Mindestlohn jetzt so viel, dass ich Probleme beim Ausgeben bekomme?
Da musst du dir leider keine Sorgen machen. Es gibt nur mickrige 34 Cent mehr gesetzlichen Mindestlohn pro Stunde. Das bedeutet eine Anhebung von 8,50 auf 8,84 Euro pro Stunde, schnell verprasst. Wir nehmen an, du strotzt schon vor Ideen...

2) Weniger Kosten für Tapetenwechsel!
Wenn du für deinen Job umziehen musst, kannst du die Umzugskosten für dein Sofa und für Wellensittich Hansi als Werbungskosten geltend machen. Die entsprechenden Pauschalbeträge steigen zum 1. Februar 2017:

  • für Ledige auf 764
  • für Verheiratete auf 1.528 Euro
  • für jede weitere im Haushalt lebende Person auf 337 Euro.

Übrigens: Vögel, Hunde und Katzen gelten nicht als Personen.

3) Zum Reformationsjubiläum wird bundesweit gefeiert!
Vor genau 500 Jahren hat Luther angeblich seine Thesen in Wittenberg angeschlagen und damit den Protestantismus ins Leben gerufen. Der Thesenanschlag ist historisch umstritten. Ganz unstrittig ist jedoch, dass der 31. Oktober in 2017 in ganz Deutschland ein Feiertag ist. Für alle! Und dabei ist es ganz egal, welcher Glaubensrichtung du angehörst. Feiertag ist Feiertag!

Fluch und Segen – die Steuer

4) Muss ich wirklich diese öde Steuerklärung machen?*
Ja, zumindest, wenn bei deinem monatlichen Lohnsteuerabzug ein Freibetrag berücksichtigt wird. In diesem Fall musst du unter allen Umständen eine Einkommensteuererklärung abgeben. Einzige Ausnahme: Du verdienst so wenig, dass sich für den Fiskus die Mühe nicht lohnt. Liegt also dein Jahreseinkommen unter 11.200 Euro, sparst du dir immerhin die Steuererklärung.

5) Höherer Grundfreibetrag*
Erst bei einem Einkommen über dem Grundfreibetrag zieht der Fiskus Steuern ab. Diese Steuergrenze wandert 2017 nach oben, der Grundfreibetrag soll im neuen Jahr um 168 Euro steigen. Bist du ledig, zahlst du erst ab 8.820 Euro Steuern, lebst du in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, verdoppelt sich der Betrag entsprechend.

6) Sharing ist caring – Unterhalt wird absetzbar*
Unterhaltskosten für Dritte, die du mit deinem Gehalt über Wasser hältst, werden als außergewöhnliche Belastungen gewertet. Für 2017 sind maximal 8.820 Euro abziehbar. Das sind immerhin 168 Euro mehr als noch in 2016.

7) Kann ich meine Spende an „Rettet die Wombats“ irgendwie steuerlich nutzen?
Du kannst nur Spenden an kirchliche, mildtätige oder gemeinnützige Organisationen steuerlich geltend machen, hier gelten strenge Regeln. Die Nachweise dafür musst du allerdings nur vorlegen, wenn das Finanzamt nachfragt. Deswegen: Alle Belege aufheben, und zwar für mindestens ein Jahr nach Bekanntgabe deines Steuerbescheids.

Große Unbekannte – Rente und Sozialversicherung

8) Wie lange muss ich noch?
Manche denken ja schon beim Anfangen ans Aufhören. Du auch? Dann solltest du wissen, dass Arbeitnehmer jetzt flexibler aus dem Job aussteigen können – mit der sogenannten Flexi-Rente, die eine neu eingeführte Teilrente mit Teilzeitarbeit kombiniert. Dahinter steckt der Plan, dass du länger arbeiten WILLST. Gehst du in gefühlten 100 Jahren, also mit 63, in Teilrente, kannst du künftig deutlich mehr dazuverdienen.

9) Mehr Steuerfreiheit für Altersvorsorge
Wenn du für dein Alter vorsorgst, indem du in die gesetzliche Rentenkasse oder in Versorgungswerke einzahlst, kannst du dies ab sofort besser steuerlich absetzen. Der geförderte Höchstbetrag für dich steigt auf 3.048 Euro pro Jahr, steuerfrei sind unter bestimmten Voraussetzungen weitere 1.800 Euro jährlich. Der steuerfreie Arbeitgeberanteil wird allerdings abgezogen. Frag am besten im Personalbüro, bei deiner JAV oder bei deiner ver.di Jugend vor Ort, was für dich drin ist!

10) Relativ stabile Beitragssätze
Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung steigt auf 2,8 Prozent bei Kinderlosen. In der Krankenversicherung steht er unverändert bei 15,7 Prozent, ebenso unverändert bleiben die Rentenversicherung (18,7 Prozent) und Arbeitslosenversicherung (3,0 Prozent).

11) Bemessungsgrenzen steigen*
Die Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der auf Arbeitsentgelt oder Rente Beiträge zu zahlen sind, steigt bei der Rentenversicherung im Westen auf 6.350 Euro monatlich und im Osten auf 5.700.

Die bundeseinheitliche Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 52.200 Euro. Die Pflicht zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wird 2017 ausgeweitet auf Beschäftigte mit einem Arbeitsentgelt bis 57.600 Euro.

Family goodies – Kinder und Eltern

12) Unterhaltsvorschuss wird ausgeweitet*
Bist du alleinerziehend, sollst du künftig besser abgesichert, falls das Aas von Ex den Unterhalt für euer gemeinsames Kind verweigert... Der sogenannte Unterhaltsvorschusses wird endlich ausgeweitet! Die Begrenzung der Bezugsdauer auf sechs Jahre soll abgeschafft und die Altersgrenze der Kinder von 12 auf 18 Jahre erhöht werden.

13) Mehr Kinderfreibetrag, Kinderzuschlag und Kindergeld*
Der jährliche Kinderfreibetrag, ab dem Steuern zu zahlen sind, erhöht sich um 108 Euro auf 7.356 Euro. Verdienst du weniger, bekommst du einen Kinderzuschlag. Er wird Anfang 2017 um 10 Euro auf je 170 je Monat erhöht. Außerdem soll es monatlich pro Kind zwei Euro mehr Kindergeld geben. Für die ersten beiden Kinder beträgt das Kindergeld dann je 192 Euro pro Monat, für Kind Nummero drei 198 Euro. Ab dem vierten Kind gibt es jeweils 223 Euro.

14) Bessere Unterstützung für Pflegebedürftige und Pflegende
Du pflegst ein Familienmitglied? Ab 2017 gilt ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, der sich nach dem Grad der Selbstständigkeit von Betroffenen richtet und nicht nach dem Zeitaufwand für die Hilfe. Dabei soll niemand der rund 2,8 Millionen Leistungsbeziehenden schlechtergestellt werden, bei Sozialbeiträgen soll sich beispielsweise sogar eine Verbesserung einstellen.

15) Hartz-IV-Sätze steigen*
Zum Jahresstart 2017 sollen die Leistungen angehoben werden:

  • Der Regelsatz für Alleinstehende steigt um 5 Euro pro Monat.
  • Der Regelsatz für Kinder bis sechs Jahre bleibt unverändert. Jugendliche bis 18 Jahren bekommen ab Januar 311 Euro.
  • Die Grundsicherung für Kinder zwischen 6 und 13 erhöht sich um 21 auf 291 Euro.

Luft holen – Sonne, Wind und EEG-Umlage

16) Ökostrom-Umlage
Für die Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne musst leider immer noch du als Verbraucher zahlen. Die Ökostrom-Umlage wird von 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Du zahlst sie über deine Stromrechnung.

Und was ist diese Ökostrom-Umlage?
Die sogenannte EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Stromerzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den die Energiekonzerne zahlen, desto höher die Umlage. Was der Anstieg der Umlage für dich am Ende konkret bedeutet, lässt sich schwer prognostizieren. Es kommt darauf an, ob und wie die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Verbraucher weitergeben. So richtig sonnig finden wir das natürlich nicht…

Nichtsdestotrotz wird 2017 für dich hoffentlich zu einem ganz tollen Jahr! Wir drücken die Daumen, tragen auf jeden Fall unseren Teil dazu bei und laden dich herzlich zum Mitmachen ein: Schließlich gibt es viel zu tun, also packen wir’s an!

08.12.2016

14 Punkte für die letzten Wochen im Jahr

  • Genervte Frau vor dem Weihnachtsbaum

Sicher durch die Weihnachtszeit mit unserer rechtlichen Checkliste

Adventszeit – für manche die schönsten Wochen des Jahres, für andere der blanke Horror… Wir wünschen dir möglichst segenbringende Weihnachtstage in deinem Betrieb oder deiner Dienststelle und natürlich an den freien Tagen mit deiner Familie und im Freundeskreis. Dafür schenken wir dir Antworten auf die wichtigsten arbeitsrechtlichen Fragen rund um Weihnachten und das neue Jahr: 14 Tipps zum Arbeitsrecht in der Weihnachtszeit! Warum wir das tun? Aus Liebe.

1. Darf ich im Büro Duftkerzen abbrennen?
Ja, solange der hauseigene Brandschutz nichts dagegen hat. Segnet niemand die Deko ab, sind Beschäftigte selbst verantwortlich. Fällt also eine brennende Kerze aus deinem Adventskranz und setzt euer Büro in Brand, dann haftest du dafür. Im Zweifel entscheiden übrigens deine Vorgesetzten, was du an stimmungsvoller Weihnachtsdeko aufbauen darfst. Hältst du dich nicht an deren Vorgaben – selbst wenn dein Geschmack unstrittig der bessere ist – droht dir eine Abmahnung.

2. Darf ich die Pralinen mit nach Hause nehmen?
Werden in deinem Betrieb oder deiner Dienststelle grundsätzlich keine Kundengeschenke angenommen, hältst du dich besser daran. In vielen Unternehmen regeln Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, wie du mit Kundengeschenken umgehen kannst. Lies dort nach oder frag deine Vorgesetzten, bevor du dir wegen einer süßen Kleinigkeit eine Abmahnung einhandelst.

3. Muss ich zur Weihnachtsfeier gehen?
Vielleicht ist die Stimmung in deinem Betrieb oder deiner Dienststelle schlecht und du hast deshalb echt keine Lust auf stundenlanges „Last Christmas“-Gedudel. Niemand kann dich zwingen, daran teilzunehmen. Wenn allerdings die Weihnachtsfeier während der Arbeitszeit stattfindet, musst du ggf. in dieser Zeit arbeiten oder freinehmen.
Hier also vielleicht zweimal nachdenken. Zumal absagen unhöflich ist und bei Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen oft nicht gut ankommt. Schlimmstenfalls wird dir deine Absage als mangelnde Teamfähigkeit ausgelegt. Und vielleicht sorgt ja auch das gemeinsame Feiern für bessere Stimmung bei euch.

4. Bin ich während der Weihnachtsfeier versichert?
Wenn dein Betrieb oder deine Dienststellen die Belegschaft offiziell zur Weihnachtsfeier einlädt oder ihr selbst eine solche Feier im Einvernehmen mit euren Vorgesetzten veranstaltet, bist du während der gesamten offiziellen Veranstaltungszeit versichert. Auch, wenn du dir bei einer Weihnachtsschneewanderung mit deinem Team die Haxen brichst.
Aber Achtung: Organisierst du mit Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Arbeitszeit eine Feier, ist das zwar eine schöne Idee, versichert seid ihr dabei allerdings nicht. In keinem Fall versichert sind außerdem betriebsfremde Gäste.

5. An Weihnachten und Silvester hab ich doch frei oder?
Jesus wurde erst in der Heiligen Nacht geboren. Deshalb ist der 24.12. trotz aller Vorfreude leider noch kein Feiertag. Ebenso wenig wie der 31.12., an dem wir erst in der Nacht das neue Jahr feiern. Gesetzliche Feiertage sind am 25. und 26.12. und an Neujahr, also am 01.01. An diesen Tagen kannst du in Ruhe mit deinen Lieben feiern und ausschlafen.
Obwohl es eine grundsätzliche Arbeitsverpflichtung an Heiligabend und Silvester gibt, hast du vielleicht trotzdem Glück. Denn viele Tarifverträge (z.B. § 6 Abs. 3 TVöD, soweit es die betrieblichen bzw. dienstlichen Verhältnisse zulassen), Betriebsvereinbarungen oder arbeitsvertragliche Regelungen sehen an diesen besonderen Tagen keine oder nur eine eingeschränkte Verpflichtung zur Arbeitsleistung vor, zum Beispiel bis mittags.

6. Kann ich zu Weihnachten und Silvester Urlaub beantragen?
Ja. Und nach § 7 Abs. 1 S. 1 BUrlG müssen deine Urlaubswünsche berücksichtigt werden. Ausnahmen: dringende betriebliche bzw. dienstliche Belange und die Wünsche von Kolleginnen oder Kollegen mit dringenderen sozialen Anliegen, z. B. kleinen Kindern. Am besten planst du frühzeitig und sprichst dich ab, da viele Beschäftigte an und zwischen den Feiertagen Urlaub wollen.

7. Dürfen Vorgesetzte bestimmen, dass Weihnachten und Silvester Betriebsferien sind?
Das kommt darauf an. Gibt es keinen Betriebs- oder Personalrat, dürfen Betriebs- bzw. Dienstferien angeordnet werden, auch an Weihnachten oder Silvester. Mit Interessenvertretung kann ein solcher „Zwangsurlaub“ für alle Beschäftigten nur mittels einer wirksamen Betriebs- oder Dienstvereinbarung durchgesetzt werden – und auch nur innerhalb der Schulferien, um Eltern nicht zu benachteiligen.

8. Bei uns war Heiligabend immer frei, jetzt plötzlich nicht mehr. Geht das denn?
Nein, das geht nicht! Durch betriebliche oder dienstliche Übung kann sich ein Anspruch auf (teilweise) Arbeitsbefreiung am 24. bzw. 31.12. ergeben. Wurde bei euch drei Jahre hintereinander an Heiligabend und/oder Silvester nicht oder nur halbtags gearbeitet, habt ihr dadurch auch einen Anspruch für die folgenden Jahre – es sei denn, die entsprechende Regelung galt ausdrücklich nur für ein Jahr.

9. Darf mein Weihnachtsgeld gestrichen werden?
Nein, selbst in „finanziell schwierigen Zeiten“ ist das nicht rechtens! Ob und wie viel du bekommst, hängt von deinem Arbeitsvertrag ab. Das Bundesarbeitsgericht erkennt mittlerweile nur noch sehr wenige Freiwilligkeits-, Vorbehalts-, oder Rückzahlungsklauseln als wirksam an.

10. Ich arbeite in Teilzeit, was habe ich von Weihnachten?
Bist du teilzeitbeschäftigt und arbeitest höchstens bis 12 Uhr, hast du leider Pech. Denn laut Bundesarbeitsgericht entfällt dann dein Anspruch auf bezahlte Freistellung an den Tagen, an denen dein Betrieb oder die Dienststelle ab 12 Uhr Arbeitsbefreiung bei Fortzahlung der Bezüge gewährt.

11. Bekomme ich mehr Geld, wenn ich an Weihnachten und Silvester arbeite?
In der Gastronomie, in Krankenhäusern, im Verkehrswesen oder in der öffentlichen Sicherheit wird an Weihnachten und Silvester nicht weniger, sondern sogar deutlich mehr als sonst gearbeitet. Feiertagszuschläge sind dafür gesetzlich nicht vorgesehen.
Aber laut § 11 ArbZG hast du Anspruch auf einen Ersatzruhetag, der dir innerhalb von zwei bzw. acht Wochen gewährt werden muss. Zusätzliche Zuschläge können sich aus deinem Arbeitsvertrag, aus betrieblicher bzw. dienstlicher Übung oder aus sonstigen arbeitsrechtlichen Regelungen (z. B. Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen) ergeben – hier also mal nachlesen!

12. Ich bekomme Zuschläge, wie werden die versteuert?
Für Arbeit am 25. und 26.12. und am 24.12. ab 14 Uhr sind Zuschläge in Höhe von 150 Prozent des Grundlohns steuerfrei. Für den 31.12. ab 14 Uhr und den 01.01. sind Zuschläge in Höhe von 125 Prozent steuerfrei.
Aber Vorsicht: Die Steuerfreiheit greift nur, wenn du keinen Freizeitausgleich bekommst! Arbeitest du am 25.12. und kassierst dafür 150 Prozent Zuschlag, hast aber dafür am 04.01. des Folgejahrs einen Ersatzruhetag beansprucht, sind im Ergebnis nur noch 50 Prozent des Zuschlags steuerfrei, da durch den Ersatzruhetag – steuerrechtlich – schon 100 Prozent „aufgebraucht“ sind.

13. Wie funktioniert die Sozialversicherungsfreiheit der Feiertagszuschläge?
Kompliziert: Feiertagszuschläge sind nur sozialversicherungsfrei, wenn du weniger als 25 Euro brutto pro Stunde verdienst. Bei einem höheren Stundenlohn hast du auf den Differenzbetrag über 25 Euro Bruttogrundgehalt Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen.

14. Muss ich ans Telefon gehen, wenn Vorgesetzte an Weihnachten anrufen?
Wenn statt Weihnachtsglocken dein Diensttelefon bimmelt, musst du nicht antworten. Es sei denn, in deinem Arbeits- oder Tarifvertrag ist eine Rufbereitschaft vereinbart. Eine solche ist aber normalerweise genau festgelegt und wird auch bezahlt. Und auch im Bereitschaftsdienst gelten gesetzliche Höchstarbeitszeiten und die Regelungen zu Ruhezeit und Nachtarbeit!

In diesem Sinne: Eine geruhsame Weihnachtszeit – und einen guten Rutsch nach 2017!

28.10.2016

Was ist das für 1 Kontostand?

  • Junges Pärchen sitzt ratlos vor der Gehaltsabrechnung

Abzüge für Steuer und Sozialversicherungen

Auf deinem Konto kommt von der Ausbildungsvergütung das an, was nach Abzug der Sozialabgaben und der Lohnsteuer von deinem Bruttoeinkommen übrig bleibt. Was genau wird da eigentlich abgezogen? Wofür wird dieses Geld verwendet? Und wie kann man einen Teil davon zurückbekommen?

Sozialabgaben
Wenn du mehr als 325 Euro brutto verdienst, zahlst du Sozialabgaben. Diese Abgaben dienen der Sozialversicherung. (Stand September 2016)

Sozialversicherung – was ist das?
Die Sozialversicherung sind in mehrere Einzelversicherungen unterteilt: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung und Unfallversicherung.

Für die Unfallversicherung zahlen nur die Arbeitgeber_innen. Sie ist für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten da. Hier geht es um Vorbeugung und darum, die Arbeitsfähigkeit nach einem Unfall schnellstmöglich wiederherzustellen.

Wieviel geht von meiner Vergütung ab?
Das Geld, das du für die gesetzliche Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung einzahlst, macht ungefähr 21 Prozent deines Bruttoeinkommens aus.

Früher haben Arbeitgeber_innen und Beschäftigte jeweils die Hälfte der Sozialabgaben übernommen.

  • Das System des Halbe-Halbe bei den Sozialabgaben wurde durch die Einführung der Pflegeversicherung durchbrochen, als zur Finanzierung der Buß- und Bettag als Feiertag abgeschafft wurde.
  • Bei der Rentenversicherung ist es das Gleiche: Seit der so genannten Riester-Reform musst du als Auszubildende_r oder Beschäftigte_r – mit staatlicher Unterstützung – einen wesentlich höheren Eigenbeitrag zahlen, um später eine Rente zu erhalten, die für ein gutes Leben reicht.
  • Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Krankenversicherung: Als Auszubildende_r oder Beschäftigte_r zahlst du einen höheren Beitrag als dein_e Arbeitgeber_in. Zusätzlich zahlt jede_r Beschäftigte einen Zusatzbeitrag allein, ohne Beteiligung der_des Arbeitgebers_in. Der Arbeitgeber_innen-Anteil wurde eingefroren. Das heißt, weitere Erhöhungen gehen allein zu Lasten der Versicherten. Und Zuzahlungen zu Medikamenten musst du als Arbeitnehmer_in und Auszubildende_r auch alleine bezahlen.

Lohnsteuer

Ab einer bestimmten Einkommensgrenze musst du auch als Auszubildende_r Lohnsteuer zahlen. Das bedeutet konkret: Vom Einkommen, das über dem Grundfreibetrag liegt – zurzeit 8.652 Euro –, muss ein Teil ans Finanzamt abgeführt werden. Die Lohnsteuer behält der Arbeitgeber automatisch ein: Sie wird bei der monatlichen Gehaltsabrechnung vom Bruttolohn abgezogen. Der Arbeitgeber überweist das Geld dann direkt ans Finanzamt.

Geld zurück?
Es besteht die Möglichkeit, einen Teil der gezahlten Steuern vom Staat wiederzubekommen. Hierzu kannst du beim zuständigen Finanzamt eine Steuererklärung einreichen. Darin können auch Auszubildende Kosten von ihrem Bruttoeinkommen abziehen, die ihnen im Zusammenhang mit ihrer Berufsausbildung entstanden sind – auf diese Kosten muss dann keine Lohsteuer gezahlt werden.

Steuerlich absetzbar sind unter anderem:

  • Arbeitsmittel: z. B. Computer, Fachliteratur, Werkzeuge, typische Berufskleidung etc.
  • Aufwendungen für einen beruflich veranlassten Umzug
  • Fortbildungskosten
  • Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte
  • Reisekosten
  • Mitgliedsbeiträge für Gewerkschaften

Ist das nicht kompliziert?
ver.di-Mitglieder bekommen bei ihrer Steuererklärung kostenlose Unterstützung. Dafür hat ver.di ausgebildete Fachleute, die kompetent informieren und auch ganz konkret beim Ausfüllen der Steuererklärung zur Seite stehen. Meist brauchst du auch einfach nur die notwendigen Unterlagen mitbringen und du bekommst dann deine Steuererklärung zur Unterschrift fertig überreicht.

Mehr Infos zum Lohnsteuerservice findest du hier.

14.10.2016

7 Tipps, mit denen du die Probezeit überstehst

  • Apfel und Block für die Ausbildung

Wichtige Infos für einen guten Start in die Ausbildung

Du hast deine Ausbildung begonnen und steckst noch in der Probezeit? Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengetragen, damit du ohne Zittern durch diese Monate der Unsicherheit kommst.

Das sagt das Gesetz:
Die Länge deiner Probezeit ist in deinem Ausbildungsvertrag festgeschrieben. Sie ist je nach Gesetzen unterschiedlich lang, z.B. dauert bei einer Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) die Probezeit einen bis maximal vier Monate. Im Bereich der Gesundheitsberufe sind es sechs Monate.

Was das soll:
In der Probezeit merken du und dein Arbeitgeber, ob es für beide Seiten passt:

  • Du kannst prüfen, ob du dich mit dem gewählten Beruf und deinem Ausbildungsplatz wohlfühlst.
  • Dein Betrieb bzw. deine Dienststelle prüft, ob sie dich für den Beruf geeignet sieht und, ob du ins Unternehmen bzw. in die Verwaltung passt.

Wenn’s nicht passt:
Während dieser Zeit kann dir dein Ausbildungsträger jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen. Du kannst das aber auch, wenn dir die Ausbildung nicht gefällt oder du sie aus anderen Gründen beenden willst.

Eine Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Auszubildende können auch nach der Probezeit noch kündigen. Dagegen darf das der Ausbildungsträger danach nur noch in besonders begründeten Fällen. Deshalb ist es wichtig, dass du die Probezeit „überstehst“.

Mehr zur Kündigung

Erst mal ankommen
Wenn du im Betrieb bzw. in der Dienststelle bleiben willst, ist die Probezeit oft eine Belastung und du fühlst dich womöglich ständig beobachtet. Fehlender Kündigungsschutz, Kontrolle und Versagensangst gehören in dieser Zeit oft zum Alltag.

Komme ich gut bei den Kollegen_innen an? Erledige ich die mir übertragenen Aufgaben richtig? War meine letzte Nachfrage gerechtfertigt oder halten die mich für blöd? Solche Fragen stellst du dir bestimmt häufig. Aber ganz ruhig bleiben: Eine erste Orientierung und das „Ankommen“ im Betrieb oder in der Dienststelle dauern einfach ein paar Wochen.

Allgemein lässt sich die Probezeit in drei Phasen unterteilen, die du bewusst für dich nutzen kannst:

1. Orientierung 

In dieser Phase lernst du den Betrieb bzw. die Dienststelle und andere Beschäftigte kennen und bekommst einen Überblick zu den Inhalten und Abläufen deiner Ausbildung. Du wirst dabei mit sehr unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert: mit denen deiner Kolleginnen und Kollegen, aber auch deines Chef oder deiner Chefin, deiner Ausbildungskräfte oder Praxisanleitenden oder ggf. auch mit denen deiner Kundschaft oder deiner Patientenschaft.

Frag dich, was dein jeweiliges Gegenüber von dir erwartet. Frag dich aber auch, was du von diesen Personen und von deiner Ausbildung erwartest! Auch du darfst Ansprüche stellen, gerade an die Qualität deiner Ausbildung. Denn du bist keine Hilfskraft! Und du hast ein Recht auf gute Ausbildung!

2. Anpassung

Nach den ersten Tagen und Wochen entwickelst du ein Gespür für die Kultur im Betrieb oder in der Dienststelle. Du analysierst Arbeitsabläufe, Zusammenhänge, Beziehungen und die Kommunikation untereinander und du bekommst eine Vorstellung davon, welche Erwartungen du erfüllen kannst und welche du erfüllen musst.

Was braucht es dafür, damit du nicht Gefahr läufst, dich zu verbiegen oder in der Probezeit bzw. im weiteren Verlauf deiner Ausbildung schlecht dazustehen? In dieser Phase deiner Probezeit brauchst du nicht mehr zu beobachten und abzuwarten, sondern du kannst Informationen umsetzen, die du dir bereits angeeignet hast.

3. Integration

Wenn du vorher noch mal nachgefragt hast, weißt du jetzt bestimmte Dinge und einiges geht wie von selbst. Klar, du bist in der Ausbildung und lernst täglich neue Dinge. Aber du kennst Abläufe, an die du dich halten kannst – ohne groß nachzudenken, wie das noch mal war.

Du kennst deine Kolleginnen und Kollegen und ihre Kommunikation untereinander. Du trittst vielleicht weniger oder gar nicht mehr in Fettnäpfchen.

7 Tipps und Tricks für souveräne Azubis – auch in der Probezeit
Je nachdem in welcher Phase deiner Probezeit du bist, achtest du also auf bestimmte Dinge. Was aber immer geht und was du auf dem Schirm behalten solltest, haben wir hier noch mal aufgelistet:

1. Kommunikation in alle Richtungen
Du bist der oder die Neue in deinem Ausbildungs- und Arbeitsumfeld. Das fühlt sich meist etwas unangenehm an, geht aber vorbei. Wichtig ist in den ersten Wochen, dass du offen und freundlich auf deine neuen Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten zugehst. Dafür eignet sich vor allem eine gemeinsame Mittagspause oder die Arbeit an gemeinsamen Projekten.

Verwende im Gespräch besser zunächst das Sie, auch wenn sich die alteingesessenen Kolleginnen und Kollegen untereinander duzen. Warte besser, bis sie dir selber das Du anbieten.
Lästereien in jedem Fall vermeiden! Für die Beurteilung unterhalten sich Ausbildungskräfte oft mit vielen Personen und ein gutes Arbeitsklima erleichtert dir nicht nur die Probezeit, sondern deine gesamte Ausbildung.

2. Betrieb bzw. Dienststelle kennenlernen
Kennenlernen steht in den ersten Wochen und Monaten deiner Ausbildung ganz oben auf der Agenda! Dabei geht es nicht nur um die einzelnen Personen in den Abteilungen oder Teams, sondern auch um den Betrieb bzw. um die Dienststelle selbst. Schließlich sollst du in der Probezeit ja auch herausfinden, ob du hier wirklich deine Berufsausbildung machen willst!

Wie ist das Betriebsklima? Gibt es Konkurrenzkämpfe, starke oder flache Hierarchien, ist der Umgang der Kolleginnen und Kollegen untereinander eher offen oder wird viel hintenherum erzählt?

Und natürlich ist die Betreuung durch qualifiziertes Ausbildungspersonal für dich besonders wichtig. Hast du konkrete Anlaufstellen und nehmen sich diese Personen ausreichend Zeit für deine Fragen?

Die Probezeit ist wichtig, um diese Fragen für dich zu klären. Im schlimmsten Fall kannst du jetzt noch die Reißleine ziehen und einen neuen Ausbildungsplatz suchen.

3. Pünktlichkeit ist das A und O
Pünktlichkeit wird in der Ausbildung vom ersten Tag an erwartet. Wer zu spät kommt, macht keinen guten Eindruck bei den Ausbildungskräften. Plane also immer einen Puffer ein – falls dein Rad einen Platten hat, der Bus mal länger braucht oder du mit dem Auto im Stau steckenbleibst.

Und wenn es doch mal passiert, sag im Betrieb oder in der Dienststelle Bescheid, wann du ankommen wirst. So zeigst du Souveränität!

4. Lernbereitschaft – ohne geht es nicht
Zeige Interesse für die neuen Aufgaben und frag gezielt nach – das gehört zur Ausbildung dazu! Schreib dabei am besten alles auf, was dir erklärt wird, damit du nicht dieselbe Frage nochmal stellst. Und was du dir notiert hast, kannst du auch vor einer Prüfung noch mal nachlesen.

5. Engagement und Motivation
Mit Hilfsbereitschaft kannst du nicht nur bei anderen Auszubildenden punkten. Du machst auch bei deinen Ausbilder_innen einen guten Eindruck, wenn du mit deiner Aufgabe fertig bist und dann anderen deine Hilfe anbietest oder selbstständig nach neuen Aufgaben fragst.

6. Kritik: Wichtig, um besser zu werden
Fehler gehören auch zur Ausbildung! Aus Fehlern kannst du lernen und dafür bist du in der Ausbildung. Du musst allerdings auch zu deinen Fehlern stehen. Die Schuld bei anderen zu suchen, bringt dich nicht weiter. Nimm also gut gemeinte Ratschläge an und versuche einfach, es beim nächsten Mal besser zu machen.

7. Zuhören ist mehr als nur Hinhören
Einfach hinhören ist nicht dasselbe wie richtig zuhören. Unter aktivem Zuhören versteht man eine offene Grundhaltung gegenüber der redenden Person. Natürlich solltest du ausreden lassen und sowohl mit Mimik und Körpersprache als auch mit Worten signalisieren, dass du den Worten deines Gegenübers folgst.

Hast du eine andere Meinung, musst du das Gesagte nicht akzeptieren, aber respektiere es. Stelle anschließend Verständnisfragen, anstatt direkt in die Widerrede zu gehen.

Läuft? Nicht.
Es läuft nicht alles ganz rund? Das geht nicht nur dir so. Laut einer Studie der DGB Jugend sind viele Auszubildenden unzufrieden mit ihrer Ausbildung. Hier auf unserem Serviceprotal zur Ausbildung findest du wichtige Infos und Tipps zu konkreten Problemen in der Probezeit.

Wenn du im Betrieb oder in der Dienststelle bleiben möchtest, solltest du Probleme aktiv angehen. Gerade in deiner Probezeit ist es aber auch wichtig, dass du nicht zu viel riskierst.
Sprich am besten mit deiner JAV und deinem Betriebs- bzw. Personalrat oder mit der Mitarbeitervertretung, wenn dir was stinkt. Sie alle sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. So wird dein Feedback gesammelt, aber nicht direkt öffentlich, so dass auch in deiner Probezeit Kritik nicht direkt auf dich zurückzuführen ist.

Übrigens: Für eine Beratung zur Probezeit oder Ausbildungsqualität steht dir auch deine ver.di Jugend vor Ort mit Rat und Tat zur Seite!

29.09.2016

Der Ausbildungsreport 2016

  • DGB Jugend

Was euch wirklich wichtig ist

Deine Ausbildung fetzt? Oder lassen dich Betrieb und Berufsschule an Abbruch denken? Vermutlich hängt deine Antwort nicht nur vom persönlichen Einsatz ab, sondern sehr stark davon, welche Rahmenbedingungen du im Betrieb vorfindest und in welcher Branche du dich ausbilden lässt. Das jedenfalls zeigt die aktuelle Studie des DGB und gibt damit Hinweise, wo wir nachbessern müssen – für eine qualitativ hochwertige Ausbildung für alle!
 
Was macht eine Ausbildung zu einer guten Ausbildung?
Die meisten Auszubildenden, immerhin 71,7 Prozent, sind mit ihrer Ausbildung »zufrieden« oder sogar »sehr zufrieden«. Das freut uns. Aber was ist mit den übrigen 28,3 Prozent?

Welche Branchen machen zufrieden?
Die unterschiedliche Zufriedenheit ist Branchenabhängig. Während beispielsweise Bankkaufleute, Mechatroniker_innen und Industriemechaniker_innen »sehr zufrieden« sind, ziehst du laut Statistik als zahnmedizinische_r Fachangestellte_r den Ausbildungs-fail.

Als Fachinformatiker_in, Elektroniker_in, KFZ-Mechatroniker_in, Fachkraft für Lagerlogistik und Metallbauer_in liegst du mit der Bewertung der Ausbildung im Mittelfeld.

Insgesamt zeigt der Report: Je größer der Betrieb, desto zufriedener die Auszubildenden. Woran das liegt? In großen Betrieben gibt es zum einen mehr Personal und Material, zum anderen aber auch häufiger Betriebs- und Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die für eine gute Ausbildung sorgen.

Was wirklich nervt
Ausbildungsfremde Tätigkeiten. Mit 10,6 Prozent müssen etwas mehr Auszubildende »immer« oder »häufig« ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen, als noch im Vorjahr.  

Keine_n Ausbilder_in vor Ort zu haben. Immerhin 8,2 Prozent der Auszubildenden haben überhaupt keine_n und weitere 10,1 Prozent sehen ihn oder sie »selten« oder »nie«.

Unsicherheit bei der Übernahme. 44,4 Prozent der Auszubildenden im dritten Lehrjahr wussten bei der Befragung noch nicht, ob sie übernommen werden. 42,8 Prozent hatten eine Zusage, die aber nur bei zwei Dritteln unbefristet war. 12,8 Prozent hatten eine Absage bekommen.

Schlechte Schule. Die Berufsschule ist für die Ausbildung genauso wichtig wie der Betrieb, aber nur knapp über die Hälfte der Auszubildenden finden den Unterricht qualitativ »sehr gut« oder »gut«. Wegen der Sparpolitik bleiben Stellen unbesetzt, was zuerst die Lehrer_innen und dann auch ihr spürt.

Fehlende Ausbildungsplätze. Nur jeder fünfte Betrieb bildet aus. Weniger als zwei Drittel der Interessent_innen können eine Ausbildung beginnen. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen funktioniert also nach wie vor nicht.

Regelmäßige Überstunden. Sie sind für viele Auszubildende leider Alltag. Ebenso wie das Nacharbeiten der Berufsschulzeiten und ein fehlender Ausgleich der Überstunden.

Reizthema Überstunden
34,8 Prozent der Auszubildenden leisten nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden. Von diesen schrubbt fast jede_r Fünfte fünf Stunden zusätzlich pro Woche. In der Probezeit und kurz vor einer möglichen Übernahme ist der Druck dabei am höchsten, weil man beeindrucken will. Allerdings machen wir die Ausbildung, um einen Beruf zu lernen und nicht um als billiger Lückenbüßer den Personalmangel zu kompensieren.

Unbezahlte Überstunden. Nur zwei Drittel der Auszubildenden bekommen Geld oder zumindest Urlaub für ihre Überstunden. 14,4 Prozent gehen ganz leer aus, vor allem Friseur_innen und zahnmedizinischen Fachangestellte. Die wenigsten Überstunden müssen übrigens Steuerfachangestellte und Bankkaufleute (ca. zwei Stunden) leisten.

Wochenendarbeit. Über 40 Prozent der Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk arbeiten an mehr als fünf Tagen.  Auszubildenden als Köch_innen, Industrie- und Einzelhandels-Kaufleute sowie Verkäufer_innen und Hotelfachleute müssen auch am Wochenende ran.

Überstunden machen Stress. Viele Auszubildenden können sich nach der aktuellen Studie des DGB in der knappen Freizeit nicht erholen. Freund_innen, Familie, ein freiwilliges Engagement in Vereinen und Verbänden – all dies fällt der Ausbildung zum Opfer. Zusätzlich gibt es zu wenig Zeit, um für die Schule zu lernen.  

Was macht eine miese Ausbildung mit euch?
Sie raubt den Schlaf. 56,5 Prozent der Auszubildenden leiden unter häufigen körperlichen und 46,1 Prozent unter psychischen Beschwerden wegen der Ausbildung.  

Ein Fünftel der Auszubildenden belastet das „immer mehr, immer schneller“ in ihrem Betrieb. Und wird die Ausbildung schlecht bewertet, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs.

Was hilft
Unterstützung durch andere. Auszubildende, die sich auf ihre Kolleg_innen verlassen können, bewerten ihre Ausbildung durchweg besser.

Jugend- und Auszubildendenvertretungen. In Betrieben mit Interessenvertretungen steigt die Zufriedenheit auf 78,3 Prozent, ohne liegt sie nur bei 34 Prozent. Nicht nur auf einen Betriebs- bzw. Personalrat, sondern speziell auf eine JAV zugehen zu können, macht dabei sogar noch zufriedener.

Eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit. Wie das Arbeitsschutzgesetz § 2 sie vorsieht.  

Was können wir als ver.di Jugend tun?
Nur für knapp die Hälfte der Befragten gilt ein Tarifvertrag. Gilt er, sind 76 Prozent mit ihrer Ausbildung »sehr zufrieden« oder »zufrieden«. Ohne Vertrag sind es nur 66,4 Prozent.

Zu viele, nämlich ein Fünftel der Befragten, wussten nicht, ob es in ihrem Ausbildungsbetrieb eine Interessenvertretung gibt. Das kann nicht sein!

Die Ausbildungsqualität lässt sich verbessern. Wir brauchen ganzheitlichen Arbeitsschutz und eine durchdachte Organisation und Durchführung der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, damit ihr Auszubildenden unter guten Bedingungen in euer zukünftiges Berufsleben starten könnt!

Als ver.di Jugend unterstützen wir dich bei der Durchsetzung deiner Rechte, machen deine Jugend- und Auszubildendenvertretung stark und kämpfen für Tarifverträge und Gesetze für eine gute Ausbildung. Gemeinsam sind wir stark. Ein Kontakt zu deiner ver.di Jugend vor Ort findest du hier.

31.08.2016

Home, sweet new home: Weiterziehen zum Ausbildungsstart

  • Junge Frau mit Schokolöffel in der Küche, dahinter ein Mitbewohner

Infos zum Mietrecht und Umzug

Oft ist mit dem Ausbildungsbeginn ein Umzug in eine andere Stadt verbunden. Für alle, die sich um eine neue Bleibe kümmern müssen, hat die ver.di Jugend hilfreiche Tipps und Informationen zusammengestellt. So klappt der Übergang reibungslos.

In diesen Wochen haben viele junge Menschen ihre Ausbildung angefangen. Wer dafür nicht weit fahren muss, kann vielleicht noch bei seinen Eltern oder in der bisherigen Wohnung bleiben. Alle anderen stehen vor der Aufgabe, eine neue Wohnung zu finden, die in der Nähe der Berufsschule bzw. des Ausbildungsbetriebs liegt.

WG oder eigene Wohnung?
Dabei steht am Anfang die Frage: Wohngemeinschaft oder eigene Bude? Hier können natürlich die Kosten ein ausschlaggebender Faktor für die Entscheidung sein. Für kleinere Budgets ist das WG-Zimmer möglicherweise die günstigere Alternative. Aber auch kleine Wohnungen sind mitunter durchaus bezahlbar.

Auch sollte man sich fragen: Bin ich der gesellige Typ, der gerne mit anderen zusammen wohnt? Wer gerne mit seinen Mitbewohner_innen kochen oder etwas unternehmen möchte und auch in der Wohnung gerne Menschen um sich hat, der ist in einer WG gut aufgehoben. Allerdings sind auch die sogenannten Zweck-WGs verbreitet, in denen die WG-Mitglieder (abgesehen vom Putzplan) wenig miteinander verbindet. Persönliche Wohn-Vorlieben – gemeinschaftlich oder eher zweckorientiert – sollte man bei der Zimmerbesichtigung durchblicken lassen, damit Gleichgesinnte zusammenfinden können.

Kleiner Tipp: Wer beim Wohnungsputz unbedingt auf seinem eigenen Standard bestehen möchte, der sollte vielleicht lieber alleine wohnen. Oder eben entsprechende Mitbewohner_innen finden. Dann ist am Ende niemand genervt. Und auch wer immer ein freies Bad vorfinden möchte und sich insgesamt in der Wohnung lieber alleine aufhält, ist wohl mit den eigenen vier Wänden besser beraten.

Wohnungssuche und Umzug
Die Wohnungs- bzw. Zimmersuche kann schnell gehen, aber auch aufwendiger sein. Am schwarzen Brett der Berufsschule oder im Betrieb eine Suchanzeige aufzuhängen, ist eine ebenso gute Idee wie die Suche auf einschlägigen Internetportalen. Schaut doch mal rein bei WG gesucht oder bei Immobilienscout 24.

Wenn beim Einzug eine offizielle Wohnungsübergabe ansteht und man nicht einfach seine sieben Sachen ins neue WG-Zimmer räumen kann, ist einiges zu beachten, damit der Umzug reibungslos abläuft.

Hier einige Details, die ihr vor Mietvertragsunterzeichnung und Einzug beachten solltet:

  • Übergabe der Wohnung: Gemeinsam mit der vermietenden Person sollte beim Einzug ein Übergabeprotokoll angefertigt werden. Dort werden Zustand der Wohnung und etwaige Mängel protokolliert. Und es wird eine Vereinbarung darüber getroffen, wer die Mängel zu welchem Anteil behebt bzw. bezahlt. Am Ende unterzeichnen beide Seiten das Übergabeprotokoll. Die Übergabe der Wohnung ist erst abgeschlossen, wenn die Schlüssel übergeben sind.
  • Umzugsmüll: Sofern es sich nicht um Sondermüll handelt, darf der Umzugsmüll in die Hausmülltonnen – auch kurz nach der letzten Leerung. Eine zusätzliche Leerung darf nicht umgerechnet werden, auch nicht auf die anderen Mietparteien.
  • Kaution: Es gibt zwei Möglichkeiten, die Kaution zu zahlen: Entweder wird ein Sparbuch eingerichtet, auf dem die Kaution liegt und das über eine Verpfändungserklärung an den oder die Vermieter_in abgetreten wird. Oder man vereinbart eine Barkaution, die in drei gleich hohen Raten gezahlt werden darf. Die erste Rate muss zu Beginn des Mietverhältnisses gezahlt werden, die weiteren beiden in den Folgemonaten.

    Die Rückzahlung der Kaution erfolgt nach Beendigung des Mietverhältnisses. Dabei haben Mietende auch Anspruch auf Zinsen. Der vermietenden Person wird aber ein angemessener Zeitraum – in der Regel drei bis sechs Monate – zugestanden, in der sie überprüfen kann, ob noch Ansprüche an die Mieter_innen bestehen. Kann davon ausgegangen werden, dass die Ansprüche geringer sind als die Kaution, darf die vermietende Person nur einen angemessenen Betrag zurückhalten. Alle Details sollten lückenlos im Vertrag festgehalten sein.

Außerdem muss euer neuer Mietvertrag noch einige weitere Aspekte enthalten bzw. regeln, insbesondere gegenseitige Rechte und Pflichten beim späteren Auszug aus der neuen Bleibe. Dazu findet ihr im Netz zahlreiche Checklisten – hier schon mal die wesentlichsten Punkte:

  • Kündigung: Entweder sind im Mietvertrag Fristen vereinbart oder es gilt die gesetzliche Frist von drei Monaten. Wenn es denn mal soweit ist, sollte die Kündigung persönlich abgegeben oder mit Empfangsbestätigung verschickt werden. Sie muss bis zum dritten Werktag eines Monats eingehen. Alternativ kann man auch selbst einen oder verschiedene Nachmieter_innen vorschlagen. Dann allerdings ist grünes Licht von Vermieterseite notwendig, bevor der neue Mietvertrag zustande kommen kann.
  • Renovierung: Schönheitsreparaturen sind erst einmal Vermietersache. Es kann jedoch per Mietvertrag vereinbart werden, dass die Mieterseite sich darum kümmern muss. Allerdings sind hier alle Regelungen ungültig, die Schönheitsreparaturen innerhalb einer feststehenden Zeitspanne vorgeben. Wenn es keine Regelung im Mietvertrag gibt, muss die Wohnung lediglich besenrein übergeben werden.
  • Einbauten: Eigens vorgenommene Einbauten müssen beim späteren Auszug wieder entfernt werden. Dasselbe gilt, wenn jetzt beim Einzug von der oder dem Vormieter_in Einbauten übernommen werden. Für beide Fälle kann man eine Sondervereinbarung mit der vermietenden Person bzw. der nachfolgenden Mietpartei treffen – diese dann unbedingt schriftlich, also auch im Mietvertrag festhalten.
  • Achtung Kostenfalle: Sind in den nächsten Jahren Mieterhöhungen geplant (sogenannte Staffel- oder Indexmiete)? Welche Nebenkosten muss der oder die Mieter_in übernehmen? Gehören dazu evtl. auch die Kosten für Kleinreparaturen, gibt es eine solche Klausel im Mietvertrag?
  • Formale Angaben: Sind alle Daten im Vertrag korrekt? Ist beispielsweise die vollständige Anschrift des Vermieters im Mietvertrag angegeben? Sind mitvermietete Nebenräume wie Keller und Garage genau eingetragen? Ist die angegebene Wohnungsgröße korrekt? Wurde die Nutzung von Hof bzw. Garten besprochen und schriftlich festgehalten?

Wenn es Ärger gibt, hilft ver.di
Und zwar mit der kostenlosen telefonischen Mietrechtsberatung!

08.07.2016

Gute Ausbildung: Immer noch Mangelware

  • Junge Aktive in Aktion für gute Ausbildung

Freie Ausbildungsstellen vor allem in Problembranchen

Die Bundesagentur für Arbeit meldet 5,4 Prozent mehr Ausbildungsplätze. Trotzdem suchen auch in diesem Jahr zu viele junge Menschen noch immer eine freie Stelle. Ein Überblick zur aktuellen Lage am Ausbildungsmarkt.

In manchen Branchen werden überdurchschnittlich viele Bewerbungen aussortiert, umgekehrt fühlen sich manche Interessierte von bestimmten Ausbildungsbedingungen einer Branche abgeschreckt.

Es entsteht ein Missverhältnis: Zu viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, gleichzeitig suchen zu viele Bewerber immer noch einen freien Platz.

Daten und Fakten
Info vorab: Ausbildungsinteressierte werden von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihren Statistiken nur erfasst, wenn sie sich bei der BA als Suchende gemeldet haben.

Die Dunkelziffer, also alle, die auf eigene Faust nach einer geeigneten Ausbildung suchen, dürfte sehr viel höher liegen – und damit auch der tatsächliche Bedarf an Stellen.

  • Zahlen laut BA

Offiziell meldet die BA bis Ende Mai 2016 insgesamt 464.723 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das sind 815 Bewerber (+0,2%) mehr als bis Ende Mai 2015.

Ihnen standen bundesweit 24.572 mehr Ausbildungsplätze (+5,4%) zur Verfügung als im Vorjahresmonat. Von den insgesamt 478.211 gemeldeten Plätzen waren fast alle (469.485) betriebliche Ausbildungsplätze.

Bereits im Dezember 2014 wurde im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die „Allianz für Aus-und Weiterbildung“ geschaffen. Mit ihr will die Bundesregierung die Bedingungen für eine bessere Ausbildung auf den Weg bringen – gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit.

Dabei sollen u.a. mehr betriebliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Die Zielmarke von über 500.000 wurde in 2016 allerdings nicht erreicht, laut BA fehlen noch rund 32.000 Plätze.

Und dabei entspricht selbst diese Statistik nicht der Realität:

  • Zahlen jenseits der Statistik

38.553 „Bewerber mit Alternative zum 30.9.“ registriert die BA – also Leute, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben und sich nach einer Alternative umsehen müssen. Als Alternativen zählen zum Beispiel das Nachholen eines Schulabschlusses, das Absolvieren eines freiwilligen sozialen Jahres oder andere Maßnahmen.

86.653 „andere ehemalige Bewerber“ gelten laut BA als versorgt – was sie keineswegs sind.

Die meisten dieser jungen Menschen halten ausdrücklich an ihrem Wunsch nach einer Ausbildung fest, fallen aber trotzdem aus der Statistik.

Trauriger Rekord
In Deutschland haben aktuell 337.896 gemeldete Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Ihnen stehen 229.040 unbesetzte Stellen gegenüber – ein neues Hoch in diesem Jahr, doch das löst das Problem nicht.

Diese freien Plätze mitgerechnet, fehlen allein für registrierte Bewerber immer noch 108.856 Ausbildungsstellen – und selbst dann stehen pro Bewerber immer noch nicht mehrere Angebote zur Auswahl.

Dieses Missverhältnis liegt unter anderem an der Besten-Auslese, die einige Unternehmen weiterhin betreiben. So verstärken sie selbst den bestehenden Fachkräftemangel, indem sie nicht oder zu wenig ausbilden.

Ein weiterer Faktor sind die jeweiligen Bedingungen der Ausbildung, je nach Branche und Region gibt es dabei große Unterschiede. Laut Ausbildungsreport der DGB-Jugend lassen die Ausbildungsbedingungen vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe und in Teilen des Handwerks sehr zu wünschen übrig.

Es überrascht wenig, dass sich kaum jemand in einer Branche ausbilden lassen will, die für ihre schlechten Bedingungen verschrien ist. Dass Auszubildende ihre Verträge vorzeitig lösen oder sogar ihre Ausbildung abbrechen, wenn sie die Missstände nicht mehr aushalten, ist vorhersehbar – und vermeidbar.

Wo Auszubildende fehlen
Wer selbst noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, findet vielleicht in der folgenden Liste einen interessanten Beruf. Hier stehen die Chancen gut, denn hier wurden in 2015 die meisten Auszubildenden gesucht:

  • Restaurantfachmann/frau 35,2%
  • Fleischer_in 35,1%
  • Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk 33,0%
  • Klempner_in 30,6%
  • Fachmann/frau für Systemgastronomie 29,8%
  • Bäcker_in 27,2%
  • Gerüstbauer_in 22,0%
  • Tierwirt_in 21,3%
  • Gebäudereiniger_in 20,9%
  • Koch/Köchin 19,5%

Tipp dazu: Es macht es weder für die Wirtschaft, noch für die Jugendlichen Sinn, sie zu einer Ausbildung zu überreden, die ihren Interessen nicht entspricht und die sie nicht wollen.

Als Reaktion wird häufig entweder die Ausbildung schnell abgebrochen oder es kommt nach der Ausbildung überdurchschnittlich schnell zu einer beruflichen Neuorientierung.

In beiden Fällen war die Ausbildung für die Katz.

Wofür wir kämpfen
Die aktuellen Zahlen machen es klar: Dank dem Druck der Gewerkschaften gibt es positive Entwicklungen, doch wir sind noch weit entfernt von unseren Zielen.

Wir von ver.di können und müssen als Gewerkschaft noch stärker gemeinsam mit euch und den Sozialpartnern für eine bessere Ausbildung kämpfen!

Unsere Forderungen sind:

  • Eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, die allen Bewerberinnen und Bewerbern eine Stelle zusichert. Unternehmen müssen mehr ausbilden!
  • Eine Ausbildungsstatistik, die Suchende unabhängig von ihrem Status bei der BA erfasst!
  • Benachteiligte Jugendliche müssen durch größere ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und assistierte Ausbildungen unterstützt werden! Zum Beispiel mit Nachhilfen in Theorie und Praxis oder Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Prüfungen.
  • Das Ausbildungsplatzangebot muss deutlich wachsen, denn die Nachfrage wird auch weiterhin größer als das Angebot sein – gerade durch den Zuzug junger geflüchteter Menschen!
  • Beschwerden müssen problemlos möglich sein, um einen Abbruch der Ausbildung zu verhindern!
  • Zuständige Stellen (i.d.R. die Kammern) müssen besser kontrolliert werden!
  • Die Vermittlung von Bewerbern auf freie Ausbildungsstellen muss effizienter werden!
  • Wir brauchen bessere Übernahmeregelungen, damit Auszubildende ihre Zukunft planen können!
  • Die Ausbildungsqualität muss gerade in unbeliebten Branchen deutlich steigen, um diese Berufe attraktiver zu machen! Ansatzpunkte sind hier Überstunden, Arbeitszeiten, psychische Belastung und natürlich die Ausbildungsvergütung.

Seid dabei!
Wir machen uns stark für mehr betriebliche Ausbildungsplätze und für bessere Bedingungen in der Ausbildung. Niemand soll sich mit Restposten begnügen müssen!

Dabei freuen wir uns über jede Unterstützung, also bringt gerne eure Ideen ein und engagiert euch mit uns – für eine bessere Ausbildung und eine bessere Zukunft!

Eure ver.di Jugend vor Ort freut sich auf euch!

16.06.2016

Chancen und Risiken im Social Web

  • Soziale Netze bieten Chancen, bergen aber auch Risiken

Gut zu wissen über soziale Medien

Facebook, Instagram, Twitter & Co.: Heutzutage kennt jeder mindestens drei soziale Netzwerke und fast jeder von uns ist dort auch selbst aktiv. Jugendliche und junge Erwachsene organisieren im Social Web ganz selbstverständlich ihren Alltag und knüpfen dort Kontakte. Eigentlich eine super Sache – wäre da nicht die Frage nach dem Datenschutz...

Um sich mit Freunden in sozialen Netzen auszutauschen und als Teil der Community wahrgenommen zu werden, geben User zahlreiche persönliche Informationen preis. Wer dabei zu sorglos mit eigenen Angaben und den Daten Dritter umgeht, riskiert nicht nur seine eigene Privatsphäre. Auch die Urheber- und Persönlichkeitsrechte anderer können dadurch verletzt werden.

Problematisch werden können außerdem Kommentare über den eigenen Arbeitgeber oder die offensichtliche Aktivität in sozialen Netzen während der Arbeitszeit.

Keinen Plan mehr? Hier ein kleiner Wegweiser durch die sozialen Medien.

Die 5 wichtigsten „Dos & Don'ts“ in sozialen Netzwerken:

  1. Klar trennen zwischen beruflichen und privaten Kontakten!
  2. Sensibel mit persönlichen Daten umgehen!
  3. Privatsphäre so einstellen, dass eigene Posts und Fotos nur für Freunde sichtbar sind!
  4. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, trotzdem dürfen weder fremde Persönlichkeitsrechte noch Schweigepflichten verletzt werden. Direkte Beleidigungen o.ä. sind also absolut tabu, Schnappschüsse z.B. von der letzten Betriebsfeier dürfen nur nach Absprache mit den Fotografierten ins Netz!
  5. Am Schluss immer vollständig ausloggen!

Surfen auf Arbeit?
Darfst du während deiner Arbeitszeit privat surfen, also mit deinem Smartphone, Dienst-Laptop oder Arbeits-PC z.B. auf Facebook, Twitter oder YouTube unterwegs sein? Das solltest du unbedingt vorher abklären, denn sonst kann schnell die Kündigung ins Haus flattern!

Vielleicht gibt es in deinem Unternehmen oder Ausbildungsbetrieb eine betriebliche Regelung zur Nutzung der Social Media während der Arbeitszeit? Falls du keine Infos findest, frag einfach die JAV, den Betriebs- oder Personalrat in deinem Betrieb – oder die ver.di Jugendsekretäre bei dir vor Ort!

Achtung: Arbeitgeber liest mit!
Wer in sozialen Netzen sehr aktiv ist, sollte sich bewusst sein, dass gepostete News, Fotos, Videos und Statements mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von Vorgesetzten entdeckt und gelesen werden. Selbst wenn du einen Beitrag in deiner privaten Zeit veröffentlichst, könntest du trotzdem bei deinem Arbeitgeber in Misskredit geraten.

Das falsche Statement in deinem Facebook-Profil, einen fragwürdigen Beitrag gelikt oder ein umstrittenes Bild hochgeladen… Je nach Inhalt deines Beitrags und Bezug zu deinem Arbeitsplatz kann dich dein Arbeitgeber dafür durchaus zum Personalgespräch bitten, sogar abmahnen oder kündigen!

So wurde beispielsweise ein Arbeitnehmer nach dem folgenden Post auf seiner privaten Facebook-Pinnwand fristlos gekündigt: „Das einzige, was für die Betreiber, die Familie, zählt, ist Kohle, egal zu welchem Preis. Würde mich auch nicht wundern, wenn die Kellertanks illegal wären“.

Das Arbeitsgericht Iserlohn erklärte glücklicherweise am 9. März 2010 die fristlose Kündigung für unwirksam. Begründung: Der Arbeitnehmer hatte weder die Ehre seines Arbeitgebers verletzt, noch strafrechtlich zu ahndende Äußerungen getroffen.

Rechtliche Rückendeckung Wer hilft im Falle eines Falles?
Wenn ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber noch ansteht, sprich sofort mit deiner JAV, deinem Betriebs- oder Personalrat! Sie können dir nicht nur mit gutem Rat vor Ort helfen, sondern dich auch zum Personalgespräch begleiten und notfalls eingreifen.

Falls das nicht reicht, bekommst du außerdem rechtliche Hilfe von deinen ver.di Jugendsekretären vor Ort! Als unser Mitglied genießt du Arbeitsrechtschutz und wir lassen deinen Fall von der ver.di Rechtsabteilung prüfen. Besteht Aussicht auf Erfolg, werden mit deiner Zustimmung rechtliche Schritte eingeleitet.

Das Netz ist kein rechtsfreier Raum!
Auch in sozialen Netzen gelten natürlich unsere Gesetze, beispielsweise das Grundgesetz: „Schutz nach Art. 5 Abs. 1 GG – Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“

Grundsätzlich darfst du Social Media Plattformen in deiner Freizeit nutzen und dort auch Beiträge über deine Arbeit posten – dabei solltest du jedoch sehr genau auf deine Wortwahl achten! Denn nach Art. 5 Abs. 5 II GG gilt: „Das Recht auf Meinungsfreiheit wird begrenzt durch die allgemeinen Gesetze und das Recht der persönlichen Ehre eines jeden Menschen.“ Du musst dich also fragen, ob deine „Meinung“ legitim ist oder eine Beleidigung mit „erheblichem ehrverletzendem Inhalt“ darstellt.

Wenn du deinen Arbeitgeber in einem sozialen Netzwerk so grob beleidigst, dass seine Ehre verletzt ist, gilt dasselbe wie in der realen Offline-Welt und du kannst dafür eine gerechtfertigte, außerordentliche Kündigung kassieren – sogar ohne vorherige Abmahnung!

So wurde vor dem LAG Hamm am 10. Oktober 2012 eine außerordentliche fristlose Kündigung bestätigt, da eine „ehrverletzende Darstellung des Arbeitgebers“ vorlag: Der betroffene 26-jährige Auszubildende hatte auf seinem privaten Facebook-Profil in der gleichnamigen Rubrik seinen Arbeitgeber als „Menschenschinder und Ausbeuter“ eingetragen.

Fazit: Dein Grundrecht auf Meinungsfreiheit schützt weder Formalbeleidigungen noch Schmähungen oder bewusst falsche Tatsachenbehauptungen!

Die populärsten Kanäle
Neben Facebook, dem derzeit beliebtesten und einflussreichsten sozialen Netzwerk, gibt es noch viele weitere, die eine große Rolle im Social Web spielen. Die wichtigsten im Überblick:

  • Facebook: Die weltweit größte Community bietet mehr Möglichkeiten zum Austausch von Informationen, Fotos, Videos, Meinungen, Einladungen und Kontakten als jedes andere Netzwerk. Wegen seiner komplizierten und unsicheren Privatsphäre- und Datenschutz-Einstellungen steht das Unternehmen jedoch regelmäßig in der Kritik von Datenschutzbeauftragten und Usern.
  • Twitter: Der Kurznachrichtendienst eignet sich am besten zur schnellen Verbreitung von News. Er ist schlichter designt als Facebook, bietet dafür aber auch weniger Möglichkeiten – insbesondere nur 140 Zeichen pro Beitrag. Auch der User-Dialog ist eingeschränkt.
  • YouTube: Über diese Plattform lassen sich Videos durch unkomplizierte Handhabung sehr simpel verbreiten oder z.B. in die eigene Website einbinden. Beispielsweise sind hier Mobilisierungsclips für Aktionen gut aufgehoben und werden optimal viral verbreitet.
  • Google+: Übersichtlicher als Facebook, speziell die Privatsphäre-Einstellungen sind bei Google+ einfacher und leichter zu finden. Die Reichweite von Beiträgen ist jedoch nach wie vor begrenzt, was an der vergleichsweise geringen Anzahl aktiver User liegt.
  • XING: In Deutschland DIE Plattform für alle Berufstätigen und Arbeitssuchenden, denn bei XING stehen Business-Kontakte und Berufsprofile im Fokus.
  • Blogs: Hier werden längere Texte veröffentlicht, in die auch Video-, Bild- und Audio-Dateien eingebunden werden können. Beiträge können in der Regel kommentiert werden und sind stark verlinkt. Oft macht es Sinn, die behandelten Themen in Kurzfassung bei Facebook oder Twitter zu posten und von dort aus zum ausführlichen Blog-Beitrag zu verlinken.

Vor- und Nachteile des Social Web
Soziale Netze bieten unendlichen Raum zur freien Persönlichkeitsentfaltung, jeder kann sich so präsentieren, wie es ihm oder ihr gefällt. Welche Veranstaltungen jemand besucht, in welchen Gruppen jemand organisiert ist, welche Meinung er oder sie zu bestimmten Themen und Ereignissen hat und die Diskussion dieser Meinungen sind heute ein wichtiger Bestandteil von sozialer Kommunikation und Gemeinschaftsbildung. Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist dabei als rechtlicher Rahmen das höchste Gut im Netz.

Deutlich zeigen sich allerdings auch die Schattenseiten des Social Web – in Form von Mobbing und Ausgrenzung, Shitstorms und des Verlusts der informationellen Selbstbestimmung. Persönlichkeitsrechte sind durch einen unbedachten Post ganz schnell verletzt, der resultierende Schaden kann dagegen für alle Beteiligten sehr nachhaltig sein.

Deswegen: Augen auf im Social Web! Wenn du ein paar wesentliche Regeln beachtest, hast du sicherlich trotzdem jede Menge Spaß in deinen Netzwerken!

Mehr zum Thema:

01.06.2016

Her mit der guten Ausbildung!

  • Durchstarten für ein neues und besseres BBiG!

Zeit für eine Neuauflage: Was das neue BBiG braucht

Unser Forderungskatalog zur Reform des BBiG ist die Grundlage für eine gesetzliche verankerte, bessere Ausbildungsqualität!

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist das zentrale, aber noch immer veraltete und mangelhafte Gesetz für die berufliche und duale Ausbildung in Deutschland. CDU/CSU und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt, die Ausbildungsqualität für Auszubildende und dual Studierende zu verbessern.

Die Jugend von ver.di und DGB pochte gemeinsam beim zuständigen Ministerium für Bildung und Forschung auf die Einhaltung dieses Versprechens – das zeigte Wirkung: Derzeit spricht die Gewerkschaftsjugend mit den Bundestagsfraktionen, um die Eckpunkte für die neue Gesetzgebung in 2016 durchzusetzen.

Basierend auf dem DGB-Ausbildungsreport und der Zuarbeit sämtlicher Jugendgremien der Landesbezirke und Fachbereiche haben wir ein Positionspapier und einen Forderungskatalog erarbeitet. Letzterer dient als Grundlage für die derzeitigen Gespräche mit den Bundestagsfraktionen.

Was wir für alle Auszubildenden und dual Studierenden bei den zentralen Themen „Arbeitszeit“ und „Berufsschule“ konkret fordern

  • Verbindlich geregelte Arbeitszeiten

Die Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Überstunden sind in einem solchen nicht vorgesehen, schon gar nicht in den Ausbildungsrahmenplänen. Wir fordern daher die Ergänzung von §17 Abs. 3, so dass künftig keine Beschäftigung, die über die vereinbarte wöchentliche Ausbildungszeit hinausgeht, erfolgen darf!

Auch an den Wochenenden sollen Auszubildende und dual Studierende nur dann arbeiten, wenn die Ausbildungsinhalte nicht in der normalen Arbeitszeit, das heißt unter der Woche, vermittelt werden können.

  • Berufsschulzeit ist Ausbildungszeit

Die Berufsschulpflicht soll auf alle Auszubildenden ausgeweitet werden – unabhängig vom Alter!

Wir fordern die vollständige Anrechnung der Berufsschulzeiten auf die betriebliche Ausbildungszeit, auch für volljährige Auszubildende. Dafür muss §9 Abs. 3 JArbSchG ins BBiG übernommen werden.

Die Wege- und Pausenzeit von Berufsschule in den Betrieb kosten Zeit, die zur Ausbildung gehört. Wir fordern daher ihre Anrechnung auf die betriebliche Ausbildungszeit. Die Rückkehrpflicht nach der Berufsschule in den Betrieb soll abgeschafft werden.

Vor den Abschlussprüfungen brauchen Auszubildende und dual Studierende mehr Zeit, um sich gründlich vorbereiten zu können. Wir fordern daher, den Anspruch auf fünf Tage Sonderurlaub vor den Abschlussprüfungen in der Gesetzesnovelle festzuschreiben.

Die Lernortkooperation ist ein Modell der Zukunft. Und die muss gestaltet werden. Wir fordern daher die Entwicklung von lernortübergreifenden Berufsbildungs- und Rahmenlehrplänen.

Was im neuen Gesetz festgeschrieben werden soll

  • Die Arbeitszeit für Auszubildende und dual Studierende bedarf einer einheitlichen Regelung. Wir fordern: Keine Überstunden und Wochenendeinsätze für Auszubildende!
  • Die Berufsschulzeit soll voll als Ausbildungszeit angerechnet werden!
  • Wir fordern die Lehr- und Lernmittelfreiheit. Alle entstehenden Kosten wie Ausbildungsmittel, Schutzausrüstung, Fachliteratur, Fahrtkosten oder ähnliches muss der Ausbildungsbetrieb übernehmen!
  • Ausbildungsgänge, für die Auszubildende bezahlen sollen, lehnen wir ab!
  • Ausbildungskräfte sollen verbindliche und höhere Eignungsstandards erfüllen als bisher. Sie müssen sich durch pädagogische und psychologische Weiterbildungen besser für ihre Rolle als Ausbildende qualifizieren. Dafür sollen sie auf Kosten des Arbeitgebers von diesem freigestellt werden!
  • Die Übernahme nach der Ausbildung soll garantiert werden – in Vollzeit und unbefristet!
  • Die Teilzeitausbildung soll weiterhin möglich sein und dabei voll vergütet werden. In der Praxis kommt es hier oft zu Streitigkeiten. Deshalb soll diese Regelung neu ins Berufsbildungsgesetz aufgenommen werden!

Das Gesetzgebungsverfahren – step by step

  • Bereits vor zwei Jahren, in der Evaluierungsphase, hatten die DGB-Gewerkschaften eine Arbeitsgruppe für die Gestaltung der Gesetzesnovelle gebildet.
  • Im Mai 2015 fand ein Werkstatt-Gespräch im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit allen Akteuren statt. Dabei wurde ein Evaluationsbericht für den Herbst 2015 angekündigt.
  • Seit Ende 2015 führt die DGB Jugend Gespräche mit den Bundestagfraktionen. In den Runden wurden die Schwachstellen im dualen Ausbildungssystem identifiziert und das Positionspapier der DGB Jugend geschärft.
  • Ende März 2016 wurde dem BMBF der Evaluationsbericht vorgelegt.
  • Die anstehenden Änderungen und Verbesserungen des BBiG werden aktuell von den Bundestagsfraktionen und den Arbeitsgruppen diskutiert. Die DGB Jugend rechnet mit einem Referentenentwurf des BMBF zur Gesetzesnovelle noch vor der Sommerpause 2016.

Wir sind im Gespräch – redet mit!
Auszubildende und dual Studierende, die unsere gewerkschaftliche Initiative unterstützen und sich einbringen möchten, sind herzlich eingeladen, direkt an die Mitglieder des Bundestages zu schreiben!

Wir freuen uns auf eure Beiträge – gemeinsam stark für eine gute Ausbildung!

Die DGB Jugend versorgt euch mit aktuellsten News rund um die BBiG-Reform auf ihrer Brennpunktseite zum Thema.

11.01.2016

Was sich 2016 alles ändert

  • Alles, was neu ist in 2016!

Hä, schon wieder alles neu? Stimmt – die Politik schläft nie! Pünktlich zum Jahreswechsel treten zahlreiche Änderungen für Beschäftigte und Studierende in Kraft. Damit ihr den Durchblick behaltet, hat die DGB-Jugend die wichtigsten Neuerungen zusammengestellt. (Quelle: DGB Jugend)

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Ab Januar 2016 gibt es einen neuen Mustervordruck der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung), die der Arzt erkrankten Beschäftigten ausstellt.

Die Krankmeldung besteht aus einem gelben Formular aus selbstdurchschreibendem Papier und Ausfertigungen für die Krankenkasse, den Arbeitgeber, den Versicherten und den Arzt.

Die Bescheinigung wird für die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit ausgestellt.

BAföG
Hier steigt ab Herbst 2016 beim Grundbedarf der Satz von 373 auf 399 Euro monatlich. Beim Regelbedarf für außerhalb wohnende Studierende gilt dann ein Satz von 649 Euro statt bisher 597 Euro.

Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung

  • 74.400 Euro (West)
  • 64.800 Euro (Ost)

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 18,7 Prozent, der Höchstbeitrag (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil monatlich) liegt bei 1.159,40 (West) bzw. bei 1.009,80 Euro (Ost).

Hartz IV
Empfänger_innen von Grundsicherungsleistungen (für Arbeitsuchende, im Alter und bei Erwerbsminderung) erhalten monatlich zwischen drei und fünf Euro mehr.

Die monatlichen Regelsätze ab 2016:

  • Alleinstehender Erwachsener: 404 Euro
  • Paare in einer Bedarfsgemeinschaft: 364 Euro
  • Kinder 0 bis 5 Jahre: 237 Euro
  • Kinder 6 bis 13 Jahre: 270 Euro
  • Kinder 14 bis 17 Jahre: 306 Euro

Außerdem endet die Familienversicherung. Seit Januar 2016 wird jeder Arbeitslosengeld II-Empfänger inkl. Jugendliche ab 15 Jahre eigenständiges Mitglied einer Kranken- und Pflegekasse.

Gesundheit
Seit Beginn dieses Jahres müssen viele gesetzlich Krankenversicherte mit einem Zusatzbeitrag von im Schnitt 1,1 Prozent rechnen. Über die genaue Höhe des Zusatzbeitrages müssen die Krankenkassen ihre Mitglieder bis Ende 2015 informieren.

Die neue Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigt auf jährlich 50.850 Euro, bzw. auf monatlich 4.237,50 Euro. Bis zu dieser Einkommensgrenze müssen Arbeitnehmer_innen Beiträge zur GKV abführen.

  • Beitragsbemessungsgrenze GKV: 50.850 Euro
  • Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze): 56.250 Euro

Für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen soll das sogenannte E-Health-Gesetz sorgen. Es enthält den Fahrplan für die Einführung einer digitalen Infrastruktur mit bestimmten Sicherheitsstandards und die Einführung spezieller Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte.

Kindergeld
Die Regierung hat schon vor ein paar Monaten beschlossen, das Kindergeld in zwei Stufen anzuheben. So stieg das Kindergeld rückwirkend zum 1. Januar 2015 um vier Euro. 
Die zweite Stufe bringt ab dem 1. Januar 2016 weitere zwei Euro.

Nun erhöht sich das Kindergeld ab 2016 von 188 Euro auf 190 Euro für das erste und zweite Kind, von 194 Euro auf 196 Euro für das dritte Kind und von 219 Euro auf 221 Euro ab dem vierten Kind.

Hier die wichtigsten FAQs zum Kindergeld:

  • Was ändert sich konkret zum 1. Januar 2016? Wer Kindergeld erhalten möchte, muss seiner Familienkasse seine Steuer-Identifikationsnummer und die Steuer-Identifikationsnummer des Kindes angeben.
  • Wessen Steuer-Identifikationsnummern müssen angegeben werden? Benötigt werden die Steuer-Identifikationsnummern des Kindes, für das Kindergeld beantragt wird, und des Elternteils, der den Kindergeldantrag stellt oder bereits Kindergeld bezieht.
  • Wann und wie muss ich meiner Familienkasse die Steuer-Identifikationsnummern mitteilen, damit Kindergeld weitergezahlt wird? Um den Kindergeldbezug sicherzustellen und Rückfragen zu vermeiden, können Ratsuchende/ihre Eltern der zuständigen Familienkasse die Steuer-Identifikationsnummern einfach schriftlich mitteilen. Wenn ihr ohnehin Belege oder Nachweise einreichen müsst, teilt die ab 2016 erforderlichen Steuer-Identifikationsnummern bei dieser Gelegenheit am besten gleich mit. Die Familienkassen werden es aber grundsätzlich nicht beanstanden, wenn die Angaben im Laufe des Jahres 2016 nachgereicht werden. Und Neuanträge müssen ohnehin die Steuer-Identifikationsnummern enthalten.
  • Wo finde ich die Steuer-Identifikationsnummer von mir und meinem Kind? Ihre Steuer-ID sowie ggf. die ihres Kindes finden Ratsuchende im jeweiligen Mitteilungsschreiben des Bundeszentralamts für Steuern. Außerdem ist ihre Nummer auch auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers oder im Einkommensteuerbescheid verzeichnet.
  • Stellt die Familienkasse die Kindergeldzahlung ein, wenn ihr die Steuer-Identifikationsnummern am 1. Januar 2016 nicht vorliegen? Ohne Vorliegen der Steuer-Identifikationsnummern sind die gesetzlichen Voraussetzungen zum Kindergeldbezug zwar nicht erfüllt, bevor es jedoch zu einer Einstellung der Kindergeldzahlungen kommt, werden Ratsuchende/ihre Eltern in der Regel erst von der Familienkasse zur Mitteilung der Steuer-ID aufgefordert. Erhält die Familienkasse diese dann nicht, ist sie gesetzlich verpflichtet, die Kindergeldzahlung rückwirkend zum 1. Januar 2016 aufzuheben und das seit Januar 2016 gezahlte Kindergeld zurückzufordern.

Weitere Infos auf www.arbeitsagentur.de 

Mindestlohn
Einen Überblick über Veränderungen beim Mindestlohn in einzelnen Branchen findet ihr auf den Websites des DGB-Rechtsschutzes.

Rentenversicherung
Die neue monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung steigt für Westdeutschland ab Januar 2016 von 6.050 auf 6.200 Euro (74.400 Euro/Jahr). Im Osten liegt sie ab Januar 2016 bei 5.400 Euro im Monat (64.800 Euro/Jahr). Bis zu diesen Einkommensgrenzen müssen Arbeitnehmer im nächsten Jahr Beiträge zur Rentenversicherung abführen.

Steuerfreibeträge
Der Grundfreibetrag liegt derzeit bei 8.472 Euro und steigt 2016 um 180 Euro auf 8.652 Euro. Der Kinderfreibetrag beträgt momentan 7.152 Euro und steigt 2016 auf 7.248 Euro. Die Freibeträge stellen sicher, dass der Staat das Einkommen für den notwendigen Lebensunterhalt von Erwachsenen und Kindern nicht besteuert.

Wohngeld
Seit 1. Januar 2016 gelten Leistungsverbesserungen beim Wohngeld. Ein Gesetzentwurf zur Wohngeldreform wurde im Juli beschlossen. Ein Zwei-Personen-Haushalt erhielt 2013 durchschnittlich 115 Euro Wohngeld monatlich. Durch die Reform soll dieser Haushalt künftig durchschnittlich 186 Euro monatlich erhalten.

Und zum Schluss…

  • Das Porto für Standardbriefe hat sich von 0,62 auf 0,70 Cent erhöht.
  • Die Angabe der IBAN bei Überweisungen wird zwingend.

 

Seiten

Subscribe to www.ausbildung.info RSS