29.09.2016

Der Ausbildungsreport 2016

  • DGB Jugend

Was euch wirklich wichtig ist

Deine Ausbildung fetzt? Oder lassen dich Betrieb und Berufsschule an Abbruch denken? Vermutlich hängt deine Antwort nicht nur vom persönlichen Einsatz ab, sondern sehr stark davon, welche Rahmenbedingungen du im Betrieb vorfindest und in welcher Branche du dich ausbilden lässt. Das jedenfalls zeigt die aktuelle Studie des DGB und gibt damit Hinweise, wo wir nachbessern müssen – für eine qualitativ hochwertige Ausbildung für alle!
 
Was macht eine Ausbildung zu einer guten Ausbildung?
Die meisten Auszubildenden, immerhin 71,7 Prozent, sind mit ihrer Ausbildung »zufrieden« oder sogar »sehr zufrieden«. Das freut uns. Aber was ist mit den übrigen 28,3 Prozent?

Welche Branchen machen zufrieden?
Die unterschiedliche Zufriedenheit ist Branchenabhängig. Während beispielsweise Bankkaufleute, Mechatroniker_innen und Industriemechaniker_innen »sehr zufrieden« sind, ziehst du laut Statistik als zahnmedizinische_r Fachangestellte_r den Ausbildungs-fail.

Als Fachinformatiker_in, Elektroniker_in, KFZ-Mechatroniker_in, Fachkraft für Lagerlogistik und Metallbauer_in liegst du mit der Bewertung der Ausbildung im Mittelfeld.

Insgesamt zeigt der Report: Je größer der Betrieb, desto zufriedener die Auszubildenden. Woran das liegt? In großen Betrieben gibt es zum einen mehr Personal und Material, zum anderen aber auch häufiger Betriebs- und Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die für eine gute Ausbildung sorgen.

Was wirklich nervt
Ausbildungsfremde Tätigkeiten. Mit 10,6 Prozent müssen etwas mehr Auszubildende »immer« oder »häufig« ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen, als noch im Vorjahr.  

Keine_n Ausbilder_in vor Ort zu haben. Immerhin 8,2 Prozent der Auszubildenden haben überhaupt keine_n und weitere 10,1 Prozent sehen ihn oder sie »selten« oder »nie«.

Unsicherheit bei der Übernahme. 44,4 Prozent der Auszubildenden im dritten Lehrjahr wussten bei der Befragung noch nicht, ob sie übernommen werden. 42,8 Prozent hatten eine Zusage, die aber nur bei zwei Dritteln unbefristet war. 12,8 Prozent hatten eine Absage bekommen.

Schlechte Schule. Die Berufsschule ist für die Ausbildung genauso wichtig wie der Betrieb, aber nur knapp über die Hälfte der Auszubildenden finden den Unterricht qualitativ »sehr gut« oder »gut«. Wegen der Sparpolitik bleiben Stellen unbesetzt, was zuerst die Lehrer_innen und dann auch ihr spürt.

Fehlende Ausbildungsplätze. Nur jeder fünfte Betrieb bildet aus. Weniger als zwei Drittel der Interessent_innen können eine Ausbildung beginnen. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen funktioniert also nach wie vor nicht.

Regelmäßige Überstunden. Sie sind für viele Auszubildende leider Alltag. Ebenso wie das Nacharbeiten der Berufsschulzeiten und ein fehlender Ausgleich der Überstunden.

Reizthema Überstunden
34,8 Prozent der Auszubildenden leisten nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden. Von diesen schrubbt fast jede_r Fünfte fünf Stunden zusätzlich pro Woche. In der Probezeit und kurz vor einer möglichen Übernahme ist der Druck dabei am höchsten, weil man beeindrucken will. Allerdings machen wir die Ausbildung, um einen Beruf zu lernen und nicht um als billiger Lückenbüßer den Personalmangel zu kompensieren.

Unbezahlte Überstunden. Nur zwei Drittel der Auszubildenden bekommen Geld oder zumindest Urlaub für ihre Überstunden. 14,4 Prozent gehen ganz leer aus, vor allem Friseur_innen und zahnmedizinischen Fachangestellte. Die wenigsten Überstunden müssen übrigens Steuerfachangestellte und Bankkaufleute (ca. zwei Stunden) leisten.

Wochenendarbeit. Über 40 Prozent der Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk arbeiten an mehr als fünf Tagen.  Auszubildenden als Köch_innen, Industrie- und Einzelhandels-Kaufleute sowie Verkäufer_innen und Hotelfachleute müssen auch am Wochenende ran.

Überstunden machen Stress. Viele Auszubildenden können sich nach der aktuellen Studie des DGB in der knappen Freizeit nicht erholen. Freund_innen, Familie, ein freiwilliges Engagement in Vereinen und Verbänden – all dies fällt der Ausbildung zum Opfer. Zusätzlich gibt es zu wenig Zeit, um für die Schule zu lernen.  

Was macht eine miese Ausbildung mit euch?
Sie raubt den Schlaf. 56,5 Prozent der Auszubildenden leiden unter häufigen körperlichen und 46,1 Prozent unter psychischen Beschwerden wegen der Ausbildung.  

Ein Fünftel der Auszubildenden belastet das „immer mehr, immer schneller“ in ihrem Betrieb. Und wird die Ausbildung schlecht bewertet, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs.

Was hilft
Unterstützung durch andere. Auszubildende, die sich auf ihre Kolleg_innen verlassen können, bewerten ihre Ausbildung durchweg besser.

Jugend- und Auszubildendenvertretungen. In Betrieben mit Interessenvertretungen steigt die Zufriedenheit auf 78,3 Prozent, ohne liegt sie nur bei 34 Prozent. Nicht nur auf einen Betriebs- bzw. Personalrat, sondern speziell auf eine JAV zugehen zu können, macht dabei sogar noch zufriedener.

Eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit. Wie das Arbeitsschutzgesetz § 2 sie vorsieht.  

Was können wir als ver.di Jugend tun?
Nur für knapp die Hälfte der Befragten gilt ein Tarifvertrag. Gilt er, sind 76 Prozent mit ihrer Ausbildung »sehr zufrieden« oder »zufrieden«. Ohne Vertrag sind es nur 66,4 Prozent.

Zu viele, nämlich ein Fünftel der Befragten, wussten nicht, ob es in ihrem Ausbildungsbetrieb eine Interessenvertretung gibt. Das kann nicht sein!

Die Ausbildungsqualität lässt sich verbessern. Wir brauchen ganzheitlichen Arbeitsschutz und eine durchdachte Organisation und Durchführung der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, damit ihr Auszubildenden unter guten Bedingungen in euer zukünftiges Berufsleben starten könnt!

Als ver.di Jugend unterstützen wir dich bei der Durchsetzung deiner Rechte, machen deine Jugend- und Auszubildendenvertretung stark und kämpfen für Tarifverträge und Gesetze für eine gute Ausbildung. Gemeinsam sind wir stark. Ein Kontakt zu deiner ver.di Jugend vor Ort findest du hier.

31.08.2016

Home, sweet new home: Weiterziehen zum Ausbildungsstart

  • Junge Frau mit Schokolöffel in der Küche, dahinter ein Mitbewohner

Infos zum Mietrecht und Umzug

Oft ist mit dem Ausbildungsbeginn ein Umzug in eine andere Stadt verbunden. Für alle, die sich um eine neue Bleibe kümmern müssen, hat die ver.di Jugend hilfreiche Tipps und Informationen zusammengestellt. So klappt der Übergang reibungslos.

In diesen Wochen haben viele junge Menschen ihre Ausbildung angefangen. Wer dafür nicht weit fahren muss, kann vielleicht noch bei seinen Eltern oder in der bisherigen Wohnung bleiben. Alle anderen stehen vor der Aufgabe, eine neue Wohnung zu finden, die in der Nähe der Berufsschule bzw. des Ausbildungsbetriebs liegt.

WG oder eigene Wohnung?
Dabei steht am Anfang die Frage: Wohngemeinschaft oder eigene Bude? Hier können natürlich die Kosten ein ausschlaggebender Faktor für die Entscheidung sein. Für kleinere Budgets ist das WG-Zimmer möglicherweise die günstigere Alternative. Aber auch kleine Wohnungen sind mitunter durchaus bezahlbar.

Auch sollte man sich fragen: Bin ich der gesellige Typ, der gerne mit anderen zusammen wohnt? Wer gerne mit seinen Mitbewohner_innen kochen oder etwas unternehmen möchte und auch in der Wohnung gerne Menschen um sich hat, der ist in einer WG gut aufgehoben. Allerdings sind auch die sogenannten Zweck-WGs verbreitet, in denen die WG-Mitglieder (abgesehen vom Putzplan) wenig miteinander verbindet. Persönliche Wohn-Vorlieben – gemeinschaftlich oder eher zweckorientiert – sollte man bei der Zimmerbesichtigung durchblicken lassen, damit Gleichgesinnte zusammenfinden können.

Kleiner Tipp: Wer beim Wohnungsputz unbedingt auf seinem eigenen Standard bestehen möchte, der sollte vielleicht lieber alleine wohnen. Oder eben entsprechende Mitbewohner_innen finden. Dann ist am Ende niemand genervt. Und auch wer immer ein freies Bad vorfinden möchte und sich insgesamt in der Wohnung lieber alleine aufhält, ist wohl mit den eigenen vier Wänden besser beraten.

Wohnungssuche und Umzug
Die Wohnungs- bzw. Zimmersuche kann schnell gehen, aber auch aufwendiger sein. Am schwarzen Brett der Berufsschule oder im Betrieb eine Suchanzeige aufzuhängen, ist eine ebenso gute Idee wie die Suche auf einschlägigen Internetportalen. Schaut doch mal rein bei WG gesucht oder bei Immobilienscout 24.

Wenn beim Einzug eine offizielle Wohnungsübergabe ansteht und man nicht einfach seine sieben Sachen ins neue WG-Zimmer räumen kann, ist einiges zu beachten, damit der Umzug reibungslos abläuft.

Hier einige Details, die ihr vor Mietvertragsunterzeichnung und Einzug beachten solltet:

  • Übergabe der Wohnung: Gemeinsam mit der vermietenden Person sollte beim Einzug ein Übergabeprotokoll angefertigt werden. Dort werden Zustand der Wohnung und etwaige Mängel protokolliert. Und es wird eine Vereinbarung darüber getroffen, wer die Mängel zu welchem Anteil behebt bzw. bezahlt. Am Ende unterzeichnen beide Seiten das Übergabeprotokoll. Die Übergabe der Wohnung ist erst abgeschlossen, wenn die Schlüssel übergeben sind.
  • Umzugsmüll: Sofern es sich nicht um Sondermüll handelt, darf der Umzugsmüll in die Hausmülltonnen – auch kurz nach der letzten Leerung. Eine zusätzliche Leerung darf nicht umgerechnet werden, auch nicht auf die anderen Mietparteien.
  • Kaution: Es gibt zwei Möglichkeiten, die Kaution zu zahlen: Entweder wird ein Sparbuch eingerichtet, auf dem die Kaution liegt und das über eine Verpfändungserklärung an den oder die Vermieter_in abgetreten wird. Oder man vereinbart eine Barkaution, die in drei gleich hohen Raten gezahlt werden darf. Die erste Rate muss zu Beginn des Mietverhältnisses gezahlt werden, die weiteren beiden in den Folgemonaten.

    Die Rückzahlung der Kaution erfolgt nach Beendigung des Mietverhältnisses. Dabei haben Mietende auch Anspruch auf Zinsen. Der vermietenden Person wird aber ein angemessener Zeitraum – in der Regel drei bis sechs Monate – zugestanden, in der sie überprüfen kann, ob noch Ansprüche an die Mieter_innen bestehen. Kann davon ausgegangen werden, dass die Ansprüche geringer sind als die Kaution, darf die vermietende Person nur einen angemessenen Betrag zurückhalten. Alle Details sollten lückenlos im Vertrag festgehalten sein.

Außerdem muss euer neuer Mietvertrag noch einige weitere Aspekte enthalten bzw. regeln, insbesondere gegenseitige Rechte und Pflichten beim späteren Auszug aus der neuen Bleibe. Dazu findet ihr im Netz zahlreiche Checklisten – hier schon mal die wesentlichsten Punkte:

  • Kündigung: Entweder sind im Mietvertrag Fristen vereinbart oder es gilt die gesetzliche Frist von drei Monaten. Wenn es denn mal soweit ist, sollte die Kündigung persönlich abgegeben oder mit Empfangsbestätigung verschickt werden. Sie muss bis zum dritten Werktag eines Monats eingehen. Alternativ kann man auch selbst einen oder verschiedene Nachmieter_innen vorschlagen. Dann allerdings ist grünes Licht von Vermieterseite notwendig, bevor der neue Mietvertrag zustande kommen kann.
  • Renovierung: Schönheitsreparaturen sind erst einmal Vermietersache. Es kann jedoch per Mietvertrag vereinbart werden, dass die Mieterseite sich darum kümmern muss. Allerdings sind hier alle Regelungen ungültig, die Schönheitsreparaturen innerhalb einer feststehenden Zeitspanne vorgeben. Wenn es keine Regelung im Mietvertrag gibt, muss die Wohnung lediglich besenrein übergeben werden.
  • Einbauten: Eigens vorgenommene Einbauten müssen beim späteren Auszug wieder entfernt werden. Dasselbe gilt, wenn jetzt beim Einzug von der oder dem Vormieter_in Einbauten übernommen werden. Für beide Fälle kann man eine Sondervereinbarung mit der vermietenden Person bzw. der nachfolgenden Mietpartei treffen – diese dann unbedingt schriftlich, also auch im Mietvertrag festhalten.
  • Achtung Kostenfalle: Sind in den nächsten Jahren Mieterhöhungen geplant (sogenannte Staffel- oder Indexmiete)? Welche Nebenkosten muss der oder die Mieter_in übernehmen? Gehören dazu evtl. auch die Kosten für Kleinreparaturen, gibt es eine solche Klausel im Mietvertrag?
  • Formale Angaben: Sind alle Daten im Vertrag korrekt? Ist beispielsweise die vollständige Anschrift des Vermieters im Mietvertrag angegeben? Sind mitvermietete Nebenräume wie Keller und Garage genau eingetragen? Ist die angegebene Wohnungsgröße korrekt? Wurde die Nutzung von Hof bzw. Garten besprochen und schriftlich festgehalten?

Wenn es Ärger gibt, hilft ver.di
Und zwar mit der kostenlosen telefonischen Mietrechtsberatung!

08.07.2016

Gute Ausbildung: Immer noch Mangelware

  • Junge Aktive in Aktion für gute Ausbildung

Freie Ausbildungsstellen vor allem in Problembranchen

Die Bundesagentur für Arbeit meldet 5,4 Prozent mehr Ausbildungsplätze. Trotzdem suchen auch in diesem Jahr zu viele junge Menschen noch immer eine freie Stelle. Ein Überblick zur aktuellen Lage am Ausbildungsmarkt.

In manchen Branchen werden überdurchschnittlich viele Bewerbungen aussortiert, umgekehrt fühlen sich manche Interessierte von bestimmten Ausbildungsbedingungen einer Branche abgeschreckt.

Es entsteht ein Missverhältnis: Zu viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, gleichzeitig suchen zu viele Bewerber immer noch einen freien Platz.

Daten und Fakten
Info vorab: Ausbildungsinteressierte werden von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihren Statistiken nur erfasst, wenn sie sich bei der BA als Suchende gemeldet haben.

Die Dunkelziffer, also alle, die auf eigene Faust nach einer geeigneten Ausbildung suchen, dürfte sehr viel höher liegen – und damit auch der tatsächliche Bedarf an Stellen.

  • Zahlen laut BA

Offiziell meldet die BA bis Ende Mai 2016 insgesamt 464.723 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das sind 815 Bewerber (+0,2%) mehr als bis Ende Mai 2015.

Ihnen standen bundesweit 24.572 mehr Ausbildungsplätze (+5,4%) zur Verfügung als im Vorjahresmonat. Von den insgesamt 478.211 gemeldeten Plätzen waren fast alle (469.485) betriebliche Ausbildungsplätze.

Bereits im Dezember 2014 wurde im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die „Allianz für Aus-und Weiterbildung“ geschaffen. Mit ihr will die Bundesregierung die Bedingungen für eine bessere Ausbildung auf den Weg bringen – gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit.

Dabei sollen u.a. mehr betriebliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Die Zielmarke von über 500.000 wurde in 2016 allerdings nicht erreicht, laut BA fehlen noch rund 32.000 Plätze.

Und dabei entspricht selbst diese Statistik nicht der Realität:

  • Zahlen jenseits der Statistik

38.553 „Bewerber mit Alternative zum 30.9.“ registriert die BA – also Leute, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben und sich nach einer Alternative umsehen müssen. Als Alternativen zählen zum Beispiel das Nachholen eines Schulabschlusses, das Absolvieren eines freiwilligen sozialen Jahres oder andere Maßnahmen.

86.653 „andere ehemalige Bewerber“ gelten laut BA als versorgt – was sie keineswegs sind.

Die meisten dieser jungen Menschen halten ausdrücklich an ihrem Wunsch nach einer Ausbildung fest, fallen aber trotzdem aus der Statistik.

Trauriger Rekord
In Deutschland haben aktuell 337.896 gemeldete Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Ihnen stehen 229.040 unbesetzte Stellen gegenüber – ein neues Hoch in diesem Jahr, doch das löst das Problem nicht.

Diese freien Plätze mitgerechnet, fehlen allein für registrierte Bewerber immer noch 108.856 Ausbildungsstellen – und selbst dann stehen pro Bewerber immer noch nicht mehrere Angebote zur Auswahl.

Dieses Missverhältnis liegt unter anderem an der Besten-Auslese, die einige Unternehmen weiterhin betreiben. So verstärken sie selbst den bestehenden Fachkräftemangel, indem sie nicht oder zu wenig ausbilden.

Ein weiterer Faktor sind die jeweiligen Bedingungen der Ausbildung, je nach Branche und Region gibt es dabei große Unterschiede. Laut Ausbildungsreport der DGB-Jugend lassen die Ausbildungsbedingungen vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe und in Teilen des Handwerks sehr zu wünschen übrig.

Es überrascht wenig, dass sich kaum jemand in einer Branche ausbilden lassen will, die für ihre schlechten Bedingungen verschrien ist. Dass Auszubildende ihre Verträge vorzeitig lösen oder sogar ihre Ausbildung abbrechen, wenn sie die Missstände nicht mehr aushalten, ist vorhersehbar – und vermeidbar.

Wo Auszubildende fehlen
Wer selbst noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, findet vielleicht in der folgenden Liste einen interessanten Beruf. Hier stehen die Chancen gut, denn hier wurden in 2015 die meisten Auszubildenden gesucht:

  • Restaurantfachmann/frau 35,2%
  • Fleischer_in 35,1%
  • Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk 33,0%
  • Klempner_in 30,6%
  • Fachmann/frau für Systemgastronomie 29,8%
  • Bäcker_in 27,2%
  • Gerüstbauer_in 22,0%
  • Tierwirt_in 21,3%
  • Gebäudereiniger_in 20,9%
  • Koch/Köchin 19,5%

Tipp dazu: Es macht es weder für die Wirtschaft, noch für die Jugendlichen Sinn, sie zu einer Ausbildung zu überreden, die ihren Interessen nicht entspricht und die sie nicht wollen.

Als Reaktion wird häufig entweder die Ausbildung schnell abgebrochen oder es kommt nach der Ausbildung überdurchschnittlich schnell zu einer beruflichen Neuorientierung.

In beiden Fällen war die Ausbildung für die Katz.

Wofür wir kämpfen
Die aktuellen Zahlen machen es klar: Dank dem Druck der Gewerkschaften gibt es positive Entwicklungen, doch wir sind noch weit entfernt von unseren Zielen.

Wir von ver.di können und müssen als Gewerkschaft noch stärker gemeinsam mit euch und den Sozialpartnern für eine bessere Ausbildung kämpfen!

Unsere Forderungen sind:

  • Eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, die allen Bewerberinnen und Bewerbern eine Stelle zusichert. Unternehmen müssen mehr ausbilden!
  • Eine Ausbildungsstatistik, die Suchende unabhängig von ihrem Status bei der BA erfasst!
  • Benachteiligte Jugendliche müssen durch größere ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und assistierte Ausbildungen unterstützt werden! Zum Beispiel mit Nachhilfen in Theorie und Praxis oder Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Prüfungen.
  • Das Ausbildungsplatzangebot muss deutlich wachsen, denn die Nachfrage wird auch weiterhin größer als das Angebot sein – gerade durch den Zuzug junger geflüchteter Menschen!
  • Beschwerden müssen problemlos möglich sein, um einen Abbruch der Ausbildung zu verhindern!
  • Zuständige Stellen (i.d.R. die Kammern) müssen besser kontrolliert werden!
  • Die Vermittlung von Bewerbern auf freie Ausbildungsstellen muss effizienter werden!
  • Wir brauchen bessere Übernahmeregelungen, damit Auszubildende ihre Zukunft planen können!
  • Die Ausbildungsqualität muss gerade in unbeliebten Branchen deutlich steigen, um diese Berufe attraktiver zu machen! Ansatzpunkte sind hier Überstunden, Arbeitszeiten, psychische Belastung und natürlich die Ausbildungsvergütung.

Seid dabei!
Wir machen uns stark für mehr betriebliche Ausbildungsplätze und für bessere Bedingungen in der Ausbildung. Niemand soll sich mit Restposten begnügen müssen!

Dabei freuen wir uns über jede Unterstützung, also bringt gerne eure Ideen ein und engagiert euch mit uns – für eine bessere Ausbildung und eine bessere Zukunft!

Eure ver.di Jugend vor Ort freut sich auf euch!

01.06.2016

Her mit der guten Ausbildung!

  • Durchstarten für ein neues und besseres BBiG!

Zeit für eine Neuauflage: Was das neue BBiG braucht

Unser Forderungskatalog zur Reform des BBiG ist die Grundlage für eine gesetzliche verankerte, bessere Ausbildungsqualität!

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist das zentrale, aber noch immer veraltete und mangelhafte Gesetz für die berufliche und duale Ausbildung in Deutschland. CDU/CSU und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt, die Ausbildungsqualität für Auszubildende und dual Studierende zu verbessern.

Die Jugend von ver.di und DGB pochte gemeinsam beim zuständigen Ministerium für Bildung und Forschung auf die Einhaltung dieses Versprechens – das zeigte Wirkung: Derzeit spricht die Gewerkschaftsjugend mit den Bundestagsfraktionen, um die Eckpunkte für die neue Gesetzgebung in 2016 durchzusetzen.

Basierend auf dem DGB-Ausbildungsreport und der Zuarbeit sämtlicher Jugendgremien der Landesbezirke und Fachbereiche haben wir ein Positionspapier und einen Forderungskatalog erarbeitet. Letzterer dient als Grundlage für die derzeitigen Gespräche mit den Bundestagsfraktionen.

Was wir für alle Auszubildenden und dual Studierenden bei den zentralen Themen „Arbeitszeit“ und „Berufsschule“ konkret fordern

  • Verbindlich geregelte Arbeitszeiten

Die Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Überstunden sind in einem solchen nicht vorgesehen, schon gar nicht in den Ausbildungsrahmenplänen. Wir fordern daher die Ergänzung von §17 Abs. 3, so dass künftig keine Beschäftigung, die über die vereinbarte wöchentliche Ausbildungszeit hinausgeht, erfolgen darf!

Auch an den Wochenenden sollen Auszubildende und dual Studierende nur dann arbeiten, wenn die Ausbildungsinhalte nicht in der normalen Arbeitszeit, das heißt unter der Woche, vermittelt werden können.

  • Berufsschulzeit ist Ausbildungszeit

Die Berufsschulpflicht soll auf alle Auszubildenden ausgeweitet werden – unabhängig vom Alter!

Wir fordern die vollständige Anrechnung der Berufsschulzeiten auf die betriebliche Ausbildungszeit, auch für volljährige Auszubildende. Dafür muss §9 Abs. 3 JArbSchG ins BBiG übernommen werden.

Die Wege- und Pausenzeit von Berufsschule in den Betrieb kosten Zeit, die zur Ausbildung gehört. Wir fordern daher ihre Anrechnung auf die betriebliche Ausbildungszeit. Die Rückkehrpflicht nach der Berufsschule in den Betrieb soll abgeschafft werden.

Vor den Abschlussprüfungen brauchen Auszubildende und dual Studierende mehr Zeit, um sich gründlich vorbereiten zu können. Wir fordern daher, den Anspruch auf fünf Tage Sonderurlaub vor den Abschlussprüfungen in der Gesetzesnovelle festzuschreiben.

Die Lernortkooperation ist ein Modell der Zukunft. Und die muss gestaltet werden. Wir fordern daher die Entwicklung von lernortübergreifenden Berufsbildungs- und Rahmenlehrplänen.

Was im neuen Gesetz festgeschrieben werden soll

  • Die Arbeitszeit für Auszubildende und dual Studierende bedarf einer einheitlichen Regelung. Wir fordern: Keine Überstunden und Wochenendeinsätze für Auszubildende!
  • Die Berufsschulzeit soll voll als Ausbildungszeit angerechnet werden!
  • Wir fordern die Lehr- und Lernmittelfreiheit. Alle entstehenden Kosten wie Ausbildungsmittel, Schutzausrüstung, Fachliteratur, Fahrtkosten oder ähnliches muss der Ausbildungsbetrieb übernehmen!
  • Ausbildungsgänge, für die Auszubildende bezahlen sollen, lehnen wir ab!
  • Ausbildungskräfte sollen verbindliche und höhere Eignungsstandards erfüllen als bisher. Sie müssen sich durch pädagogische und psychologische Weiterbildungen besser für ihre Rolle als Ausbildende qualifizieren. Dafür sollen sie auf Kosten des Arbeitgebers von diesem freigestellt werden!
  • Die Übernahme nach der Ausbildung soll garantiert werden – in Vollzeit und unbefristet!
  • Die Teilzeitausbildung soll weiterhin möglich sein und dabei voll vergütet werden. In der Praxis kommt es hier oft zu Streitigkeiten. Deshalb soll diese Regelung neu ins Berufsbildungsgesetz aufgenommen werden!

Das Gesetzgebungsverfahren – step by step

  • Bereits vor zwei Jahren, in der Evaluierungsphase, hatten die DGB-Gewerkschaften eine Arbeitsgruppe für die Gestaltung der Gesetzesnovelle gebildet.
  • Im Mai 2015 fand ein Werkstatt-Gespräch im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit allen Akteuren statt. Dabei wurde ein Evaluationsbericht für den Herbst 2015 angekündigt.
  • Seit Ende 2015 führt die DGB Jugend Gespräche mit den Bundestagfraktionen. In den Runden wurden die Schwachstellen im dualen Ausbildungssystem identifiziert und das Positionspapier der DGB Jugend geschärft.
  • Ende März 2016 wurde dem BMBF der Evaluationsbericht vorgelegt.
  • Die anstehenden Änderungen und Verbesserungen des BBiG werden aktuell von den Bundestagsfraktionen und den Arbeitsgruppen diskutiert. Die DGB Jugend rechnet mit einem Referentenentwurf des BMBF zur Gesetzesnovelle noch vor der Sommerpause 2016.

Wir sind im Gespräch – redet mit!
Auszubildende und dual Studierende, die unsere gewerkschaftliche Initiative unterstützen und sich einbringen möchten, sind herzlich eingeladen, direkt an die Mitglieder des Bundestages zu schreiben!

Wir freuen uns auf eure Beiträge – gemeinsam stark für eine gute Ausbildung!

Die DGB Jugend versorgt euch mit aktuellsten News rund um die BBiG-Reform auf ihrer Brennpunktseite zum Thema.

11.01.2016

Was sich 2016 alles ändert

  • Alles, was neu ist in 2016!

Hä, schon wieder alles neu? Stimmt – die Politik schläft nie! Pünktlich zum Jahreswechsel treten zahlreiche Änderungen für Beschäftigte und Studierende in Kraft. Damit ihr den Durchblick behaltet, hat die DGB-Jugend die wichtigsten Neuerungen zusammengestellt. (Quelle: DGB Jugend)

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Ab Januar 2016 gibt es einen neuen Mustervordruck der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung), die der Arzt erkrankten Beschäftigten ausstellt.

Die Krankmeldung besteht aus einem gelben Formular aus selbstdurchschreibendem Papier und Ausfertigungen für die Krankenkasse, den Arbeitgeber, den Versicherten und den Arzt.

Die Bescheinigung wird für die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit ausgestellt.

BAföG
Hier steigt ab Herbst 2016 beim Grundbedarf der Satz von 373 auf 399 Euro monatlich. Beim Regelbedarf für außerhalb wohnende Studierende gilt dann ein Satz von 649 Euro statt bisher 597 Euro.

Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung

  • 74.400 Euro (West)
  • 64.800 Euro (Ost)

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 18,7 Prozent, der Höchstbeitrag (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil monatlich) liegt bei 1.159,40 (West) bzw. bei 1.009,80 Euro (Ost).

Hartz IV
Empfänger_innen von Grundsicherungsleistungen (für Arbeitsuchende, im Alter und bei Erwerbsminderung) erhalten monatlich zwischen drei und fünf Euro mehr.

Die monatlichen Regelsätze ab 2016:

  • Alleinstehender Erwachsener: 404 Euro
  • Paare in einer Bedarfsgemeinschaft: 364 Euro
  • Kinder 0 bis 5 Jahre: 237 Euro
  • Kinder 6 bis 13 Jahre: 270 Euro
  • Kinder 14 bis 17 Jahre: 306 Euro

Außerdem endet die Familienversicherung. Seit Januar 2016 wird jeder Arbeitslosengeld II-Empfänger inkl. Jugendliche ab 15 Jahre eigenständiges Mitglied einer Kranken- und Pflegekasse.

Gesundheit
Seit Beginn dieses Jahres müssen viele gesetzlich Krankenversicherte mit einem Zusatzbeitrag von im Schnitt 1,1 Prozent rechnen. Über die genaue Höhe des Zusatzbeitrages müssen die Krankenkassen ihre Mitglieder bis Ende 2015 informieren.

Die neue Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigt auf jährlich 50.850 Euro, bzw. auf monatlich 4.237,50 Euro. Bis zu dieser Einkommensgrenze müssen Arbeitnehmer_innen Beiträge zur GKV abführen.

  • Beitragsbemessungsgrenze GKV: 50.850 Euro
  • Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze): 56.250 Euro

Für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen soll das sogenannte E-Health-Gesetz sorgen. Es enthält den Fahrplan für die Einführung einer digitalen Infrastruktur mit bestimmten Sicherheitsstandards und die Einführung spezieller Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte.

Kindergeld
Die Regierung hat schon vor ein paar Monaten beschlossen, das Kindergeld in zwei Stufen anzuheben. So stieg das Kindergeld rückwirkend zum 1. Januar 2015 um vier Euro. 
Die zweite Stufe bringt ab dem 1. Januar 2016 weitere zwei Euro.

Nun erhöht sich das Kindergeld ab 2016 von 188 Euro auf 190 Euro für das erste und zweite Kind, von 194 Euro auf 196 Euro für das dritte Kind und von 219 Euro auf 221 Euro ab dem vierten Kind.

Hier die wichtigsten FAQs zum Kindergeld:

  • Was ändert sich konkret zum 1. Januar 2016? Wer Kindergeld erhalten möchte, muss seiner Familienkasse seine Steuer-Identifikationsnummer und die Steuer-Identifikationsnummer des Kindes angeben.
  • Wessen Steuer-Identifikationsnummern müssen angegeben werden? Benötigt werden die Steuer-Identifikationsnummern des Kindes, für das Kindergeld beantragt wird, und des Elternteils, der den Kindergeldantrag stellt oder bereits Kindergeld bezieht.
  • Wann und wie muss ich meiner Familienkasse die Steuer-Identifikationsnummern mitteilen, damit Kindergeld weitergezahlt wird? Um den Kindergeldbezug sicherzustellen und Rückfragen zu vermeiden, können Ratsuchende/ihre Eltern der zuständigen Familienkasse die Steuer-Identifikationsnummern einfach schriftlich mitteilen. Wenn ihr ohnehin Belege oder Nachweise einreichen müsst, teilt die ab 2016 erforderlichen Steuer-Identifikationsnummern bei dieser Gelegenheit am besten gleich mit. Die Familienkassen werden es aber grundsätzlich nicht beanstanden, wenn die Angaben im Laufe des Jahres 2016 nachgereicht werden. Und Neuanträge müssen ohnehin die Steuer-Identifikationsnummern enthalten.
  • Wo finde ich die Steuer-Identifikationsnummer von mir und meinem Kind? Ihre Steuer-ID sowie ggf. die ihres Kindes finden Ratsuchende im jeweiligen Mitteilungsschreiben des Bundeszentralamts für Steuern. Außerdem ist ihre Nummer auch auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers oder im Einkommensteuerbescheid verzeichnet.
  • Stellt die Familienkasse die Kindergeldzahlung ein, wenn ihr die Steuer-Identifikationsnummern am 1. Januar 2016 nicht vorliegen? Ohne Vorliegen der Steuer-Identifikationsnummern sind die gesetzlichen Voraussetzungen zum Kindergeldbezug zwar nicht erfüllt, bevor es jedoch zu einer Einstellung der Kindergeldzahlungen kommt, werden Ratsuchende/ihre Eltern in der Regel erst von der Familienkasse zur Mitteilung der Steuer-ID aufgefordert. Erhält die Familienkasse diese dann nicht, ist sie gesetzlich verpflichtet, die Kindergeldzahlung rückwirkend zum 1. Januar 2016 aufzuheben und das seit Januar 2016 gezahlte Kindergeld zurückzufordern.

Weitere Infos auf www.arbeitsagentur.de 

Mindestlohn
Einen Überblick über Veränderungen beim Mindestlohn in einzelnen Branchen findet ihr auf den Websites des DGB-Rechtsschutzes.

Rentenversicherung
Die neue monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung steigt für Westdeutschland ab Januar 2016 von 6.050 auf 6.200 Euro (74.400 Euro/Jahr). Im Osten liegt sie ab Januar 2016 bei 5.400 Euro im Monat (64.800 Euro/Jahr). Bis zu diesen Einkommensgrenzen müssen Arbeitnehmer im nächsten Jahr Beiträge zur Rentenversicherung abführen.

Steuerfreibeträge
Der Grundfreibetrag liegt derzeit bei 8.472 Euro und steigt 2016 um 180 Euro auf 8.652 Euro. Der Kinderfreibetrag beträgt momentan 7.152 Euro und steigt 2016 auf 7.248 Euro. Die Freibeträge stellen sicher, dass der Staat das Einkommen für den notwendigen Lebensunterhalt von Erwachsenen und Kindern nicht besteuert.

Wohngeld
Seit 1. Januar 2016 gelten Leistungsverbesserungen beim Wohngeld. Ein Gesetzentwurf zur Wohngeldreform wurde im Juli beschlossen. Ein Zwei-Personen-Haushalt erhielt 2013 durchschnittlich 115 Euro Wohngeld monatlich. Durch die Reform soll dieser Haushalt künftig durchschnittlich 186 Euro monatlich erhalten.

Und zum Schluss…

  • Das Porto für Standardbriefe hat sich von 0,62 auf 0,70 Cent erhöht.
  • Die Angabe der IBAN bei Überweisungen wird zwingend.

 

12.11.2015

Das ABC der Bewerbung

  • Junger Mann lächelt freundlich durch einen Bilderrahmen

Tipps zur erfolgreichen Stellenbewerbung

Fünfzig Bewerbungen und keine Einladung zum Vorstellungsgespräch – das ultimative Horrorszenario zum Berufseinstieg. ausbildung.info liefert das Know-how für eine erfolgreiche Bewerbung.

Nach Ausbildung oder Studium kann in vielen Branchen die Bewerbung um die Traumposition zu einem Hürdenlauf mit vielen Enttäuschungen werden. Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung ist allerdings nicht allein die berufliche Qualifikation. Auch vollständige und einwandfreie Bewerbungsunterlagen sind ein Schlüssel zur Pforte der Personalverantwortlichen.

Erste Bewährungsprobe
Jeder Arbeitgeber möchte sicher sein, dass die oder der zukünftige Mitarbeiter_in sorgfältig und zufriedenstellend arbeiten wird. Und das beginnt mit einer perfekten Bewerbung, denn diese gilt grundsätzlich als „Visitenkarte“. Sie sollte also den bestmöglichen Eindruck hinterlassen und individuelle Fähigkeiten herausstellen. 

Stellenanzeige und Unternehmen gründlich studieren
Die Stellenanzeige entscheidet über die Art der Bewerbung – nämlich schriftlich, persönlich oder telefonisch. Enthält die Stellenausschreibung einen Satz wie beispielsweise „Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen“, erwartet das Unternehmen eine schriftliche Bewerbung.

Im Zweifelsfall bringt ein Anruf beim Unternehmen Licht ins Dunkel – mit positiven Nebeneffekten: Das eigene Interesse und Engagement für die Stelle wird deutlich und die erste persönliche Vorstellung ist geschafft.

Fünf Basics einer schriftlichen Bewerbung
Ob per Post, per E-Mail oder über eine spezielle Eingabemaske auf der Firmenwebsite – die einzelnen Elemente einer schriftlichen Bewerbung sind grundsätzlich immer gleich:

  • Bewerbungsmappe

Zettelwirtschaft ist tabu. Alle Unterlagen gehören zusammen und ordentlich in eine Bewerbungsmappe, nur das Anschreiben kommt gesondert vorweg. Geeignete Mappen sind in jedem gut sortierten Schreibwarenladen erhältlich.

  • Anschreiben

Das Anschreiben ist das zentrale Element, daher ist hier besondere Sorgfalt geboten. In der Regel fällt anhand dieser ersten „Visitenkarte“ bereits die Entscheidung, ob die restlichen Bewerbungsunterlagen „lesenswert“ sind.

Ein Anschreiben sollte realistisch sein, sich ggf. auf die Stellenausschreibung beziehen und Selbstbewusstsein ausstrahlen – es ist eine Art Plattform für eine überzeugende, möglichst individuelle Vorstellung der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse. Kurze und prägnante Formulierungen sind angesagt. Eine Textvorlage hilft bei der Orientierung.

  • Lebenslauf

Im Lebenslauf (manchmal auch „curriculum vitae“, kurz CV) möchte der Arbeitgeber den bisherigen Werdegang nachvollziehen. Hier stehen die „hard facts“ - also Angaben zu Alter, Herkunftsort, Ausbildung, Berufserfahrung, Spachkenntnissen und besonderen Aktivitäten (z. B. ein Ehrenamt).

Diese Infos entscheiden maßgeblich über die Annahme oder Ablehnung einer Bewerbung. Hier gibt es zusätzliche Tipps zum Lebenslauf als PDF.

  • Bewerbungsfoto

Das Bewerbungsfoto ist eine etwas spezielle Angelegenheit: Mittlerweile sollte es als überholt gelten, weil es kaum zur sachlichen Beurteilung der Qualifikationen dient. Dennoch wird es immer noch von vielen Unternehmen erwartet, da es sehr direkt einen ersten Eindruck vermittelt. Deswegen sollte das Foto ein aussagekräftiger Blickfang sein.

  • Zeugnisse und Nachweise

Grundsätzlich gehören alle Kopien in die Bewerbung, die einen Nachweis der persönlichen Eignung für die angestrebte Stelle liefern. Dazu zählen alle Schul-, Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse, aber auch Belege zu ehrenamtlichen Tätigkeiten oder Interessen.

Manchmal müssen Zeugnisse beglaubigt sein. Im Zweifelsfall telefonisch beim Unternehmen nachfragen!

Übrigens: Das Zeugnis mit dem jüngsten Datum gehört nach vorne, das älteste nach hinten.

Noch mehr Hinweise rund um das Thema Bewerbung beim Berufseinstieg gibt es hier auf ausbildung.info.

18.06.2015

Studieren nach der Ausbildung

  • Jemand trägt einen Stapel Ordner

Die Uni als Option

Wenn das Ausbildungsende naht und auch die Übernahme gesichert ist, gibt es doppelten Grund zur Freude. Doch die bleibt leider den meisten verwehrt: Nur 40 Prozent der Auszubildenden werden übernommen. Alle anderen müssen sich entweder einen anderen Job suchen oder sich weiterbilden. Zum Beispiel mit einem Studium. In der Regel eröffnet einem das Studium viele berufliche Perspektiven. Die wichtigsten Infos rund ums Thema hat die ver.di Jugend hier zusammengefasst.

Den erlernten Beruf zu verlassen und ein Studium zu beginnen, ist keine leichte Entscheidung. Davor sind folgende Fragen zu klären:

  • Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es?
  • Welches Studium passt zu mir?
  • Kann ich mir ein Studium leisten?
  • Was nützt mir ein Studium?

Mit einem Studium eröffnen sich vielfältige Karrierechancen. Insofern nützt all jenen ein Studium, die beruflich höher hinaus wollen bzw. später eher selbstbestimmt arbeiten möchten.

Studieren ohne Abitur
Normalerweise bedeutet das Abitur eine unbeschränkte Hochschulzugangsberechtigung, mit der grundsätzlich jedes Studium aufgenommen werden kann. Doch auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung kann man – unter bestimmten Bedingungen – studieren.

Auch mit abgeschlossener Berufsausbildung und etwas Praxiserfahrung steht der Weg in ein Studium offen – häufig müssen Bewerber_innen dafür allerdings eine gesonderte Prüfung ablegen. So kann man z. B. an der Europäischen Akademie der Arbeit in Frankfurt/Main nach abgeschlossener Berufsausbildung auch ohne Abitur studieren. Auch in Hamburg gibt es so eine Möglichkeit: Ohne Abi Sozialökonomie studieren. Für diesen sogenannten dritten Bildungsweg eignen sich besonders auch duale Studiengänge und entsprechende Angebote von Fachhochschulen.

Die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium ohne Abitur sind je nach Bundesland, Hochschule und Studienfach sehr unterschiedlich. Für nähere Informationen am besten an das Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes wenden!

Gewerkschaftliche Unterstützung
Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB. Mit speziellen Starthilfen, Stipendien und Lernunterstützung erleichtert die HBS beruflich Qualifizierten den Weg vom Beruf ins Studium – auch ohne Abitur. Das neue Förderprogramm ist auf neun Studiengänge der Gesundheits- und Ingenieurwissenschaften ausgerichtet.

Hier gibt es einen Überblick der HBS-Stipendien und -Studienförderungen. Bei der Vergabe von Stipendien gibt es auch ein Verfahren für Gewerkschaftsmitglieder, die sich gewerkschaftlich oder gesellschaftspolitisch engagieren.

Auch wenn sich während des Studiums Fragen oder Hürden auftun, gibt es gewerkschaftliche Unterstützung. Je nach Thematik stehen dann verschiedene gewerkschaftliche Anlaufstellen mit Rat und Tat zur Seite. Studentische Interessen kommuniziert und koordiniert in ver.di die AG Studierende. Diese bundesweite Arbeitsgemeinschaft besteht aus Schüler_innen, Studierenden und Promovierenden aus ganz Deutschland.

Ohne Moos nix los
Stipendien sind eine Möglichkeit, sich fördern zu lassen. AnsonstEn muss klassischerweise ein Studentenjob her. Wenn die Eltern nichts oder nur wenig zum Studium dazugeben können, kann man mit BaföG einen staatlichen Bildungskredit bekommen. Weitere Links und Infos zu den Themen Studienkredite und Stipendien gibt es hier.

Welches Studium?
Die bunte Vielfalt der Möglichkeiten bedeutet für einige die Qual der Wahl. Denn natürlich ist es klug, ein Studienfach zu wählen, dass einen auf den Beruf vorbereitet, den man später ausüben will. Auch kommt man schneller ans Ziel, wenn man weiß, wofür man studiert. Doch so genaue Vorstellungen haben nicht alle. Und während sich die einen nicht recht für ein Studienfach entscheiden können, wissen andere nicht, ob sie sich ein Studium überhaupt zutrauen.

Wer die Wahl eines Studiums eingrenzen möchte, sollte sich diese grundsätzlichen Fragen beantworten:

  • Welche Interessen habe ich?
  • Was sind meine Fähigkeiten?

Beim weiteren Entscheidungsprozess für ein Studienfach sind auch diese Infos sehr hilfreich: Studienangebote.

Und wer sich für Studiengänge zur Gewerkschaftsarbeit interessiert, findet hier viele Informationen. Ist ein Studium überhaupt das Richtige für einen? Als Gasthörer_in kann man sich unverbindlich Uni-Luft um die Nase wehen lassen und schauen, ob einem diese Art zu lernen liegt.

22.05.2015

Oft könnt ihr mehr fordern!

  • Eine Auszubildende fordert 100 Euro mehr

Neues Urteil zur Ausbildungsvergütung

Bekommt ihr während eurer Ausbildung das Geld, das euch zusteht? Ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts zeigt: Liegt eure Ausbildungsvergütung unter einer bestimmten Grenze, habt ihr das Recht, mehr zu verlangen. Falls notwendig, könnt ihr sogar eine höhere Vergütung einklagen. Das gilt auch bei öffentlich geförderten Ausbildungsplätzen.

Vor Beginn eurer Ausbildung ist im Vertrag vereinbart worden, wie hoch eure Vergütung ist. Manchmal ist diese in einem Tarifvertrag festgelegt. Doch ist die Höhe des Betrags, den ihr tatsächlich bekommt, auch rechtens? Das Bundesarbeitsgericht hat im März 2015 entschieden: Auch wenn der Ausbilder nur beschränkte finanzielle Mittel hat, muss er eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen.

„Angemessen“ – was bedeutet das?
Was heißt nun genau „angemessen“? Erst einmal vorweg: Die Ausbildungsvergütung stellt einen Beitrag zu den Lebenshaltungskosten des Auszubildenden dar und beinhaltet ein Taschengeld. Sie ist also kein Lohn oder Gehalt. Im Streitfall zieht das Gericht den BAföG-Satz als Bemessungshilfe hinzu um zu entscheiden, ob Auszubildenden eine höhere Vergütung zusteht. Auch wenn BAföG alleine oft nicht ausreicht, um im Alltag über die Runden zu kommen. Der aktuelle BAföG-Satz ist also eine Orientierungshilfe für euch, um zu prüfen: Erhaltet ihr in der Ausbildung das Geld, das euch gesetzlich zusteht?

Tarifvertrag schreibt Höhe der Ausbildungsvergütung fest
Oder ihr schaut im geltenden Tarifvertrag nach, falls dieser für eure Branche vorliegt: Hier ist festgelegt worden, wie hoch eure Ausbildungsvergütung ausfallen muss. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass eine an den Tarifverträgen ausgerichtete Ausbildungsvergütung „stets angemessen“ ist. Vergleicht am besten, ob ihr auch tatsächlich das bekommt, was im Tarifvertrag steht. Übrigens: Die Gewerkschaften kämpfen dafür, dass die Höhe der Ausbildungsvergütungen regelmäßig an die tatsächlichen Lebenshaltungskosten angepasst wird. Sie sind sind der Meinung: Eure Vergütung muss die steigenden Lebenshaltungskosten auffangen können!

Untergrenze gilt auch bei öffentlich geförderten Ausbildungsplätzen
In einem aktuellen Fall sollte das Bundesarbeitsgericht darüber urteilen, ob auch für überbetriebliche und öffentlich geförderte Ausbildungsplätze Untergrenzen bei den Ausbildungsvergütungen gelten. In diesen Bereichen gibt es Besonderheiten.

„Öffentlich gefördert“ bedeutet zunächst einmal: Euren Ausbildungsplatz gäbe es nicht, wenn der Staat ihn nicht mindestens zum Teil finanzieren würde. Und/oder: Der Ausbilder verwertet die Leistungen, die ihr als Auszubildende erbringt, nicht selbst.

Das Gericht hat aktuell entschieden: Auch wenn dein Ausbildungsplatz mit öffentlichen Geldern gefördert worden ist, hast du Anspruch auf eine angemessene Vergütung! (laut § 17 Abs. 1 Satz 1 BBiG)

Streitfall: Auszubildende fordert tarifliche Ausbildungsvergütung
Im konkreten Fall hat eine Auszubildende geklagt, weil sie ihre monatliche Ausbildungsvergütung nicht angemessen fand: Sie hat im ersten Ausbildungsjahr monatlich 210 Euro und im zweiten Ausbildungsjahr 217 Euro erhalten. Stattdessen hat sie verlangt, dass ihr die tariflich festgelegte Ausbildungsvergütung gezahlt wird.

Hintergrund: Ihr Ausbilder organisiert als überörtlicher Ausbildungsverbund Förderprogramme für zusätzliche Ausbildungsplätze und die Ausbildung erfolgt bei Praxispartnern in der Privatwirtschaft. Die Klägerin hat eine Ausbildung zur Verkäuferin im Einzelhandel absolviert.

Urteil: Untergrenze für Ausbildungsvergütungen auch im überbetrieblichen Bereich
Das Ergebnis: Das Arbeitsgericht hat der Klägerin teilweise zugestimmt und entschieden: Ihr steht ihr eine höhere Ausbildungsvergütung als bisher zu. Ihr Ausbilder muss der Klägerin zwei Drittel des einschlägigen BAfög-Satzes zahlen. Eine deutliche Steigerung: Denn bisher hatte ihre Ausbildungsvergütung nur einem Drittel der tariflich vereinbarten Höhe entsprochen.

Das bedeutet: Auch im überbetrieblichen Bereich und bei öffentlich geförderten Ausbildungsplätzen gibt es eine Untergrenze bei der Höhe der Ausbildungsvergütung. So hat das Arbeitsgericht im März 2015 entschieden.

Sich informieren und in Sachen Ausbildungsvergütung genauer hinschauen lohnt sich also!

Mehr Infos für Mitglieder

ver.di Mitglieder sind besser informiert. Weitere Informationen zum Thema Ausbildungsvergütung findest du hier und in unserem A bis Z. Oder du fragst direkt bei deiner ver.di Jugend vor Ort nach. Als ver.di Mitglied kannst du dir bei der ver.di-Rechtsberatung auch kostenlos Tipps holen. Im Ernstfall kann geklärt werden, ob dein Vertragsbestandteil zur Ausbildungsvergütung gesetzeswidrig ist und ob sich eine Klage lohnt, für die ggf. die ver.di-Rechtschutzversicherung aufkommen würde. Weitere Infos erhältst du auch bei jugend@verdi.de.

12.12.2014

Urlaub übrig?

  • Wecker am Sandstrand mit Schild ACHTUNG: RESTURLAUB?

So rettet ihr eure restlichen Urlaubstage ins neue Jahr!

Der Jahreswechsel steht kurz bevor und ihr habt noch Urlaubstage übrig? Dann gelten ein paar Regeln, damit ihr keine wertvolle Urlaubszeit verschenkt. Die wichtigsten haben wir hier für euch zusammengetragen.

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber nach § 7 Abs. 1 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) verpflichtet, eure Urlaubswünsche zu berücksichtigen – das gilt auch für den gewünschten Urlaubzeitraum. Wenn ihr allerdings am Jahresende noch Urlaubstage übrig habt, wird die Sache etwas komplizierter.

Resturlaub ins neue Jahr übertragen – wie läuft das?
Euren Urlaub bekommt ihr prinzipiell im laufenden Kalenderjahr gewährt und müsst ihn auch bis Jahresende in Anspruch nehmen (§ 7 Abs. 3 BurlG). Auf das nächste Kalenderjahr dürft ihr ihn nur übertragen, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist und im Arbeitsvertrag nichts anderes vereinbart wurde.

In der Praxis gewähren Arbeitgeber ihren Mitarbeitern häufig eine Übertragung bis zum 31. März des Folgejahres. Der übertragene Urlaub muss dann in den ersten drei Monaten vollständig genommen werden, es reicht nicht, den Urlaub erst Ende März anzutreten.

Wenn ihr das schriftlich mit eurem Arbeitgeber vereinbart, habt ihr im Fall eines Konflikts gute Karten – eine simple E-Mail genügt. Sollte es nämlich später doch zum Streit kommen, habt ihr einen klaren Beweis und damit einen Rechtsanspruch auf euren Resturlaub.

Meistens dürft ihr auch Urlaubstage übertragen, wenn:

  • dringende betriebliche Gründe vorliegen, wenn ihr also beispielsweise einen Auftrag fristgerecht (noch im alten Jahr) erfüllen müsst. Das gilt ebenso bei personellen Engpässen in Saisonbetrieben, bei plötzlich erhöhter Produktionsnachfrage, bei Jahresabschlussarbeiten oder, weil euch Betriebsferien oder krankheitsbedingte personelle Ausfälle eure Planung durchkreuzen.

Achtung: Unter Umständen können auch die Urlaubswünsche eurer Kolleg_innen relevant sein, falls andere Beschäftigte nach sozialen Gesichtspunkten Vorrang bei der Wahl ihres Urlaubstermins haben. Soziale Kriterien sind zum Beispiel die Anzahl schulpflichtiger Kinder, die Dauer der Betriebszugehörigkeit oder familienbedingte Zwänge wie etwa eine Krankheit oder eine Berufstätigkeit des Partners.

  • persönliche Gründe vorliegen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ihr oder ein Familienmitglied eine langanhaltende Krankheit bekommt, die es euch unmöglich macht, euren Urlaub fristgerecht zu nehmen.

Achtung: Falls der zwingende Grund im Laufe des Jahres irgendwann nicht mehr vorliegt, müsst ihr euren Resturlaub antreten – auch dann, wenn das dann nur noch teilweise möglich ist.

Außerdem gibt es natürlich Tarifverträge mit Regelungen, die den Urlaubsanspruch anders befristen oder eben festschreiben, dass der Anspruch mit dem Ende des Jahres erlischt. Fragt am besten eure_n zuständige_n Jugendsekretär_in, ob ein entsprechender Tarifvertrag für euren Betrieb vereinbart wurde.

Darf der Arbeitgeber Urlaub verweigern oder selbst bestimmen?
Unter bestimmten Umständen kann der Arbeitgeber den Zeitraum eures Urlaubs eigenverantwortlich festlegen. Wenn ihr dann nicht widersprecht, ist der Urlaub gewährt und auch erfüllt.

Hierbei spielen ebenfalls soziale Kriterien eine Rolle, falls zu viele Beschäftigte auf einmal Urlaub haben möchten. Ebenso können dringende betriebliche Gründe vorliegen, etwa abzusehende Produktionsschwankungen.

In Ausnahmefällen nach § 7 Abs. 1 Halbsatz 2 BurlG gilt für den Arbeitgeber

  • das sogenannte Leistungsverweigerungsrecht: Kann er nachweisen, dass der Betrieb unter erheblichen personellen Engpässen leidet – das gilt etwa in Saisonbetrieben während der Saison – dann darf er euren gewünschten Urlaubszeitpunkt verweigern. Ein solches Recht steht dem Arbeitgeber jedoch nur bei erheblichen Gründen zu, also nicht etwas schon dann, wenn nur der regelmäßige Betriebsablauf gestört würde.

Allerdings müsst ihr diese einseitige Festlegung durch euren Arbeitgeber nicht akzeptieren, denn für Beschäftigte gilt

  • das sogenannte Annahmeverweigerungsrecht: Euer Arbeitgeber muss dann ggf. nochmal einen alternativen Urlaubszeitraum festlegen – wenn möglich, sollte er dabei die dann vorliegenden Erkenntnisse berücksichtigen.

Übrigens: Habt ihr euch schließlich auf einen ordnungsgemäß erteilten Urlaubszeitraum geeinigt, gilt der unumstößlich für beide Seiten! Es ist dann also wegen der Planungssicherheit grundsätzlich nicht mehr möglich, den gewährten Urlaub einseitig zu widerrufen.

Passende Infos findet ihr auch in unserem Artikel zur Urlaubsplanung.

14.11.2014

Selbstständigkeit als Berufsperspektive

  • Junge Frau blickt optimistisch in die Zukunft

Wissenswertes für Selbstständige – und für alle, die es werden wollen

Ihr wollt den Sprung in die Selbstständigkeit wagen? Dann solltet ihr unbedingt über den genauen Status Bescheid wissen, der für euren Beruf und/oder euer Gewerbe zutrifft. Dazu hier die wichtigsten Infos – mit freundlicher Unterstützung von mediafon, unserem Beratungsnetzwerk für Selbstständige.

Gleich vorneweg: Es existiert leider keine klare gesetzliche Definition zur Selbstständigkeit. Arbeits-, Steuer- und Sozialrecht ticken teilweise sehr unterschiedlich. Die grundlegendsten Aspekte zu freien Berufen bzw. Gewerbetreibenden haben wir für euch zusammengetragen – und da taucht schon die erste Frage auf: Wer ist eigentlich freiberuflich tätig und wer betreibt ein Gewerbe?

Freier Beruf oder Gewerbe?
Wer auf Rechnung arbeitet, nicht weisungsgebunden oder in die Arbeitsorganisation eines Unternehmens eingebunden ist, ist selbstständige_r Unternehmer_in – und nicht etwa Arbeitnehmer_in oder scheinselbstständig. Selbstständige teilen sich rechtlich in zwei Gruppen: Freiberufler_innen und Gewerbetreibende.

Bei den freien Berufen stehen persönlich geleistete Arbeit und Dienstleistungen im Vordergrund. Das ist zum Beispiel der Fall bei Erziehungs- und Lehrkräften, Kunstschaffenden, im Bereich Design und im Krankenpflegedienst sowie bei Physiotherapeut_innen und Hebammen.

Typisch für Gewerbetreibende sind dagegen Handelsgeschäfte und Kapitaleinsatz wie beispielsweise im Handwerk oder bei Ladenbesitzer_innen.

Welche Pflichten sind zu beachten?
Alle Selbstständigen sind verpflichtet, sich bei einer Krankenkasse zu versichern und sich beim Finanzamt registrieren zu lassen.

In bestimmten freien Berufen kann es sein, dass ihr zusätzlich einer Kammer beitreten müsst. Gewerbe- oder Kleingewerbetreibende müssen sowohl ein Gewerbe anmelden als auch Mitglied einer Kammer werden. Gewerbetreibende müssen, Kleingewerbetreibende können sich außerdem ins Handelsregister eintragen lassen.

Bestimmte Berufe wie Hebammen oder Lehrkräfte sowie Selbstständige mit nur einem Auftraggeber müssen, andere können sich über die Deutsche Rentenversicherung versichern. Publizist_innen und Künstler_innen werden über die Künstlersozialkasse renten-, pflege- und krankenversichert.

Berufe wie im Bereich Fotografie und Grafikdesign, ebenso Tagesmütter oder -väter sowie einige Gesundheitsberufe fallen zusätzlich in die Pflichtversicherung bei der Berufsgenossenschaft. Fragt nach, ob euer Beruf dazugehört! Auch eine freiwillige Versicherung kann dort sinnvoll sein.

Macht eine Arbeitslosenversicherung Sinn?
Apropos freiwillige Versicherung: Auch Selbstständige können die „freiwillige Weiterversicherung“ in der Arbeitslosenversicherung in Erwägung ziehen. Voraussetzung dafür: Ihr habt in den zwei Jahren zuvor mindestens zwölf Monate lang Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung gezahlt oder unmittelbar vorher Arbeitslosengeld oder eine andere „Entgeltersatzleistung“ bezogen.

Ob diese Versicherung noch Sinn macht, ist durch die Verschlechterungen und Verteuerungen seit dem Jahr 2011 zumindest fraglich. Eure Entscheidung dazu müsst ihr in jedem Fall in den ersten drei Monaten nach Gründung treffen.

ver.di für Selbstständige!
Soviel ist jedenfalls klar: Auch als Selbstständige seid ihr bei ver.di aufgehoben – surft am besten gleich mal vorbei!

Die Kontaktdaten zu unserem Beratungsnetzwerk und einen umfangreichen Ratgeber rund um die Selbstständigkeit, dazu spezielle Bildungsangebote und Termine regionaler Selbstständigen-Gruppen gibt es außerdem auf www.mediafon.net.

Wir wünschen euch schon jetzt einen erfolgreichen Start in eure neue berufliche Zukunft!

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