13.06.2014

Reif für die Insel

  • Jugendlicher ist im Sand eingebuddelt

Ausbildung, Berufsschule, arbeiten, lernen ... wie schön, wenn dann endlich der wohlverdiente Urlaub ansteht. Denn wer viel arbeitet, dem steht Erholung nicht nur zu, sondern der hat sie auch dringend nötig. Damit die schönste Zeit des Jahres ungetrübt genossen werden kann, hat ver.di Jugend die wichtigsten Infos für Auszubildende rund um das Thema zusammengestellt.

Wie lang darf der Urlaub sein? Und wie sieht es aus mit Entgeltbezügen in der freien Zeit? Die gesetzlichen Grundlagen für Urlaubslänge und -zeitpunkt sowie Urlaubsentgelt sind für Jugendliche in § 19 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) geregelt. Allerdings finden sich dort lediglich die Mindeststandards. Gibt es einen längeren tarifvertraglichen Urlaubsanspruch oder eine günstigere Regelung durch eine Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung, dann gelten diese besseren Regelungen.

24 Werktage – das ist die gesetzliche Mindesturlaubsdauer. Dieser Urlaubsanspruch ist nach Alter gestaffelt: Laut § 19 des JArbSchG muss der Arbeitgeber allen unter 16-Jährigen einen Jahresurlaub von 30 Werktage gewähren. Wer unter 17 Jahre alt ist, bekommt 27 Werktage Urlaub und alle unter 18-Jährigen 25 Werktage. Als Werktage gelten Montag bis Samstag. Achtung: Der volle Urlaubsanspruch besteht zum ersten Mal nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses.

Urlaubsabstimmung im Betrieb
Damit der Betrieb funktionieren kann, müssen die Urlaubswünsche der einzelnen Beschäftigten koordiniert werden. Deshalb bestimmt die betriebliche Interessenvertretung mit bei der zeitlichen Lage des Urlaubs sowie bei der Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze und des Urlaubsplans.

Der Arbeitgeber kann den Urlaub von Beschäftigten im gewünschten Zeitraum verweigern. Allerdings nur unter folgenden Voraussetzungen:

  • dringende betriebliche Gründe
  • Urlaubswünsche anderer Auszubildender, die aufgrund sozialer Aspekte den Vorzug bekommen können (beispielsweise Auszubildende mit Kindern)

In der Praxis schränkt das Gebot der Urlaubsgewährung während der Berufsschulferien die Wahlfreiheit der Auszubildenden in punkto Urlaub ein. Übrigens: Niemand muss an freien Tagen oder in seinem Erholungsurlaub erreichbar sein für den Arbeitgeber – wäre ja sonst auch wenig entspannend.

Gesetzliche Feiertage
Fallen gesetzliche Feiertage in den Urlaubszeitraum, dann werden sie nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet. Doch ob ein bestimmter Feiertag gesetzlich ist, hängt von der Region ab. Der Ort der Tätigkeit – der Sitz des Betriebs, in dem man arbeitet – ist in dieser Frage also ausschlaggebend.

Krank im Urlaub – was tun?
Blöd, wenn man im Urlaub krank wird. Bei Vorlage eines ärztlichen Attests bleibt der Urlaubsanspruch jedoch erhalten. Achtung: Die entsprechenden Tage dürfen Auszubildende nicht einfach an den Urlaub anhängen. Die zeitliche Lage muss neu mit dem Arbeitgeber vereinbart werden!

Verfall des Urlaubs
Der Urlaub muss in dem Kalenderjahr, in dem der Urlaubsanspruch entsteht, beantragt, gewährt und genommen werden. Diese Regelung findet sich in § 7 Abs. 3 des Bundesurlaubsgesetzes. Ausnahmsweise kann der Urlaub auch auf das folgende Jahr übertragen werden. Der Resturlaub des Vorjahres muss dann bis Ende März des Folgejahres genommen werden – es sei denn, es greift eine für den Auszubildenden günstigere tarifvertragliche Regelung. Bei nicht rechtzeitiger Beantragung verfällt der Urlaub ersatzlos.

Verzicht auf den Erholungsurlaub
Geht das? Auszubildende haben Anspruch auf ihren Erholungsurlaub. Zur Regeneration – und zwar in Freizeit. Kein Arbeits- oder Tarifvertrag kann diesen Anspruch ausschließen. Auch ein Ausgleich mit Geld ist während eines bestehenden Ausbildungsverhältnisses nicht möglich – das würde dem Erholungsgedanken ebenfalls entgegenstehen. Auch ist Urlaubsanspruch nicht übertragbar: Er kann weder vererbt noch auf andere Weise an andere abgetreten werden. Zum Glück. Welcher gesunde Mensch will schon freiwillig auf Erholung verzichten?

Widerruf des Urlaubs
Stehen Auftragsspitzen ins Haus oder gibt es Personalengpässe, versuchen Arbeitgeber gerne einen bereits genehmigten Urlaub zu widerrufen. Auf keinen Fall auf so etwas einlassen! Denn Arbeitgeber können nicht bereits gewährten Urlaub – egal ob durch Urlaubsplan oder genehmigten Urlaubsantrag – widerrufen. Auch im Urlaub selbst darf niemand zurückgepfiffen werden.

Auszubildende sollten auch hier natürlich nicht einfach in Urlaub gehen, sondern vorher mit der JAV oder dem Betriebsrat bzw. Personalrat sprechen, um den Urlaubswunsch abzuklären. Im Zweifel steht Auszubildenden im zweiten Schritt selbstverständlich auch der Weg zum ver.di Rechtsschutz offen. 

Mehr Infos und weitere Erläuterungen zum Thema gibt es bei ver.di b+b.

09.05.2014

Selbstständigkeit und Elternschaft – kann ich mir das leisten?!

  • Baby im Strampler mit Schriftzug NOTHING CAN STOP ME

Infos zum Elterngeld für Selbstständige

Wenn Selbstständige Nachwuchs bekommen und wissen möchten, wieviel Elterngeld ihnen zusteht, gibt es einige Fallstricke – zumal sich die zugehörigen Gesetzesvorgaben auch immer wieder ändern. mediafon, unser Beratungsnetzwerk für Selbstständige, bringt Licht ins Dunkel: mit seinem Ratgeber für werdende Eltern, die selbstständig arbeiten!

Elterngeld auszurechnen ist leider ein Kapitel für sich… Je nach Versichertenstatus oder Steuerklassenwahl ergeben sich Vorteile oder Nachteile beispielsweise beim pauschalen Abzug von Steuern und Sozialversicherungen. Laut eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung „kapituliert mitunter sogar der Elterngeldrechner des Familienministeriums und liefert falsche Ergebnisse“.

Die mediafon-Broschüre "Wenn Selbstständige Kinder kriegen" schafft Klarheit und erläutert seit Jahren die Berechnungen zum Elterngeld. Der Ratgeber beschreibt sowohl alle Grundlagen, die werdende Eltern kennen sollten, als auch alle Änderungen der jüngsten Gesetzesreform.

Die jeweils neueste Ausgabe enthält somit alle aktuellen Regelungen zum Mutterschaftsgeld, Kindergeld und zu Freibeträgen bei der Einkommensteuer. Obendrauf gibt es Erläuterungen zum Kinderzuschlag, zum neuen Betreuungsgeld, zum Kinderkrankengeld und zum Landeserziehungsgeld in drei Bundesländern.

Eine 2013 gestaltete Reform zweier Regelungen zum Elterngeld benachteiligt leider Selbstständige mit Kindern:

  • Seither gilt bei ihnen als Bemessungszeitraum für die Elterngeldberechnung immer das Jahr vor der Geburt des Kindes.
  • Für die Einkommensberechnung kommt es jetzt strikt nicht mehr darauf an, wann die Arbeit geleistet wurde. Entscheidend ist allein, wann das Geld auf dem Konto eingeht. Dasselbe gilt beim Elterngeldbezug.

Rüdiger Lühr ist mediafon-Berater und Autor des Ratgebers und durchforstet für jede neue Auflage unter anderem die neuen Richtlinien zum Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit und ggf. auch die Elterngeld-Formulare der Bundesländer. Berücksichtigt werden natürlich auch erste Erfahrungsberichte aus der mediafon-Beratung und aktuelle Gerichtsurteile.

Die Broschüre 'Wenn Selbstständige Kinder kriegen – mediafon-Ratgeber zu Mutterschafts-, Elterngeld und weiteren Leistungen“ gibt es für alle Besitzerinnen und Besitzer des gedruckten Ratgebers für Selbstständige von mediafon kostenlos zum Download als PDF. Wer den Ratgeber noch nicht besitzt, kann ihn kostenpflichtig anfordern. Die Broschüre umfasst 28 Seiten und ist auf dem Stand von Frühjar 2014.

Übrigens: Für ver.di sind Solo-Selbstständige ein selbstverständlicher Teil der Arbeitswelt und der Mitgliedschaft. Selbstständige können sich daher in ver.di in verschiedenen Bereichen informieren und engagieren:

  • Die Selbstständigenarbeit kümmert sich berufsübergreifend um alle Themen und Probleme von Selbstständigen, hier geht es zum Beispiel um Fragen der sozialen Sicherung.
  • Berufsbezogene Spezialfragen sind also kein Teil der Selbstständigenarbeit. Solche Themen diskutieren und bestimmen ver.di-Selbstständige in ihren Fachgruppen.

Zusätzliche Beratung gibt es von Mediafon.

Wir wünschen euch viel Erfolg und Spaß mit eurer Doppelrolle als Selbstständige und (werdende) Eltern!

24.04.2014

Ausbildungsplatz gesucht?

  • Junge Frau blickt optimistisch in die Zukunft

Jetzt durchstarten – mit Input und Tipps von eurer ver.di Jugend

Wer gerade auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, bekommt jetzt den passenden Lesestoff: Wir liefern euch gute Anlaufstellen und handfeste Tipps, die euch zum Ziel führen!

Manchmal klappt es nicht sofort mit einem passenden Ausbildungsplatz. Nur keine Panik – bewerbt euch einfach unbeirrt weiter! Eine Ausbildung könnt ihr jederzeit starten, also nicht nur zum 1. September! Gerade zwischen September und Dezember werden immer wieder Ausbildungsplätze frei, weil in der Probezeit manche Auszubildende ihren Ausbildungsplatz selbst kündigen oder aber vom Ausbildungsbetrieb gekündigt werden. Aber auch jetzt noch gibt es Bewegung bei den Ausbildungsplätzen und freie Stellen.

Eure Bewerbungschancen sind auf jeden Fall größer mit einem höheren allgemeinen Schulabschluss. Mit einem (Fach-)Abitur ist auch ein Studium möglich. Vielleicht ist es also eine Option, erstmal weiter zur Schule zu gehen und einen höheren Abschluss zu machen.

Weitere gute „Lückenfüller“ für die Wartezeit bis zum passenden Ausbildungsplatz findet ihr auf unserem Serviceportal rund um die Ausbildung.

Ran an die Suche!
Als Allererstes solltet ihr euch zwei Fragen beantworten:

  1. Habt ihr einen ganz bestimmten Ausbildungsberuf im Visier oder könnt ihr euch auch Alternativen dazu vorstellen?
  2. Wäre es denkbar, außerhalb der heimischen Region eine Ausbildung anzutreten, z. B. in einer anderen Stadt?

Unter Umständen erweitern sich damit schon mal euer „Suchradius“ und damit das in Frage kommende Ausbildungsplatzangebot.

Übrigens: Die Region, in der ihr euch nach Stellen umseht, ist erfolgsentscheidend. Während sich in manchen Gegenden viele Bewerber_innen um denselben Ausbildungsplatz rangeln, gibt es in anderen Regionen mehr Plätze als Interessenten, insbesondere in größeren Städten und Ballungsgebieten. Es kann also tatsächlich sein, dass ihr für eure Wunschausbildung den Wohnort wechseln müsst.

Wo gibt es Stellenangebote?
Für eine duale Ausbildung sucht ihr am besten im Netz nach Stellenanzeigen, beispielsweise über eine große Suchmaschine wie Google und über renommierte Jobbörsen wie Stepstone oder Monster.

Bundesweite Angebote gibt es auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit. Meldet euch außerdem unbedingt bei der Arbeitsagentur in eurer Nähe, damit sie euch auf geeignete Angebote aufmerksam machen kann.

Manchmal hat eure Arbeitsagentur auch spezielle Stellen „auf den letzten Drücker“ anzubieten – hierbei ist allerdings Vorsicht geboten: Oft bleiben Ausbildungsstellen deswegen offen, weil hier schlechtere Bezahlung oder Ausbildungsbedingungen an der Tagesordnung sind (etwa in der Gastronomie oder Hotelbranche).

Zusätzlich könnt ihr euch im Berufsinformationszentrum (kurz BIZ) eurer Arbeitsagentur vor Ort informieren. Und auch in regionalen Zeitungen gibt es häufig Stelleninserate für Ausbildungsplätze.

Falls ihr eine Stelle bei einem ganz bestimmten Unternehmen im Visier habt, könnt ihr den jeweiligen Arbeitgeber fast immer direkt über die Firmenwebsite kontaktieren (Stichwort „Initiativbewerbung“). Oder ihr wagt euch auf einer Berufsmesse an die Stände von spannenden Arbeitgebern und sprecht sie direkt auf einen Ausbildungsplatz an.

Und zu guter Letzt sind auch die örtlichen Handwerkskammern immer eine gute Anlaufstelle für eure Suche.

Sonderformen einer Ausbildung
Ihr könnt natürlich auch eine duale Ausbildung mit einem Studium kombinieren. Voraussetzung dafür ist das (Fach-) Abitur. Auf ausbildung.info findet ihr auch passende Infos und Angebote zu dualen Studiengängen!

Einige Berufe könnt ihr auch oder ausschließlich an Fachschulen oder Berufsakademien in Form einer schulischen Ausbildung erlernen. Angebote dazu gibt es ebenfalls auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.

Und sonst noch?
Auf unserem Serviceportal ausbildung.info gibt es außerdem auch Tipps für die Wohnungssuche oder zu Wohnheimen.

Ebenfalls dort findet ihr eine schrittweise Anleitung zu eurer kompletten Bewerbungsmappe.

Wir wünschen euch viel Erfolg bei eurer Suche nach einem Ausbildungsplatz!

16.04.2014

Lage am Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt

  • Jugendliche mit ver.di Fahnen beim Sprechchor auf einer Demo

Zahlen und Fakten: Bewertung der Situation im März 2014

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat zum ersten Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Damit liegen nun die Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt mit Stand Ende März vor – wir lesen daraus erste Tendenzen.

Insgesamt haben 416.944 junge Menschen bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz die BA eingeschaltet. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland ist dabei ähnlich.

Bundesweit hat die BA zum 27. März 2014 insgesamt 416.944 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz registriert (plus 11.403 Personen bzw. plus 2,8 Prozent gegenüber den Zahlen von März 2013).

Ihnen allen steht ein Angebot von aktuell 412.286 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (plus 7.606 Stellen bzw. plus 1,9 Prozent im Vergleich zu März 2013), darin enthalten sind 405.843 betriebliche Ausbildungsstellen.

Und noch etwas differenzierter: In Westdeutschland stieg damit das Ausbildungsplatzangebot leicht um 1,8 Prozent, in Ostdeutschland um 2,2 Prozent.

Regionale Zahlen nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit

Was die Statistik abbildet – und was sie nicht zeigt
Zwischen der Anzahl der Bewerber_innen und denen der Ausbildungsplätze ergibt sich damit zu Beginn des Ausbildungsjahres 2014 eine leichte Differenz – und zwar zu Ungunsten derjenigen, die einen Ausbildungsplatz suchen.

„Und leider sind sogar noch mehr Ausbildungsinteressierte in einer schwierigen Lage, als es diese Zahlen auf den ersten Blick zeigen“, kommentiert Jan Duscheck, Bundesjugendsekretär der ver.di. „Die BA hat sie bisher lediglich in einer Maßnahme oder einer anderen Alternative ‘geparkt‘ – aber damit fallen diese jungen Menschen bereits aus der Statistik.“

Ebenfalls problematisch: Obwohl sie ausdrücklich weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen, zählt die BA 32.905 Bewerber_innen („Bewerber_innen mit Alternative zum 30.9.“) als versorgt. Dasselbe gilt für weitere 55.965 erfolglose Bewerber_innen („andere ehemalige Bewerber_innen“), obwohl diese eigentlich auch eine Ausbildung beginnen wollten, auch wenn sie laut BA eine Alternative haben – gemeint sind Übergangsmaßnahmen, deren Sinn und Zweck für Ausbildungssuchende wir von der ver.di Jugend kritisch sehen. Mehr zu den sogenannten berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

Deutschlandweit werden demnach 340.565 Ausbildungsplätze gesucht und momentan sind 260.909 Ausbildungsstellen unbesetzt. Allein für die registrierten Bewerber_innen fehlen also rein rechnerisch weitere 79.656 Ausbildungsstellen.

Was genau bedeuten diese Zahlen für das Gesamtjahr 2014?
Grundsätzlich haben diese ersten Zahlen im Jahr nur eine eingeschränkte Aussagekraft und können bestenfalls erste grobe Anhaltspunkte liefern. Wie sich die tatsächliche Situation am Ausbildungsstellenmarkt bis Jahresende noch entwickelt, lässt sich erst gegen Ende des Berufsberatungsjahres einschätzen.

Was sich allerdings abzeichnet: Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt! Deutschlandweit suchen 340.565 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, das entsprechende Angebot umfasst aktuell nur 260.909 unbesetzte Ausbildungsstellen. Immer noch werden viele junge Menschen ins sogenannte Übergangssystem vermittelt (insgesamt 257.600 in 2013), obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Übergangsmaßnahme benötigen. Und immer noch haben 1,4 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 keinen qualifizierenden Berufsabschluss – das entspricht 14 Prozent von dieser Altersgruppe.

Handlungsbedarf – jetzt!
Fachkräftemangel hin oder her: Dringend nötig ist eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie – nur so wird sichergestellt, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen wirklich einen Ausbildungsplatz bekommen.

„Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus, als es die Zahlen von März 2014 zeigen“, kritisiert Duscheck. „Hier besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf und zwar so schnell wie möglich. Junge Menschen haben schließlich ein Recht auf gute Ausbildung!“

15.04.2014

Chancengleichheit der Geschlechter beim Berufseinstieg? Fehlanzeige!

  • Schild MEN AT WORK mit Kreide ergänzt zu WOMEN AT WORK

Frauen haben immer noch das Nachsehen

Der Berufs(wieder)einstieg ist oft von Schwierigkeiten geprägt. Ob Gehalt, Stellung oder Arbeitszeiten: Frauen kommen dabei meist schlechter weg als ihre männlichen Kollegen. Die ver.di Jugend mit Hintergrundinfos zum Thema – und einem passenden Wochenendseminar für junge Frauen: Gleich mal anmelden, alle Infos dazu gibt es hier zum Nachlesen!

Der Übergang in den Beruf ist eine zentrale Weichenstellung – auch in Sachen Gleichstellung. Nach wie vor sind unsere Arbeitswelt und auch unser Berufsbildungssystem von der Unterteilung in männlich oder weiblich dominierte Berufe geprägt. Entscheiden sich Jugendliche für einen „nicht-traditionellen“ Beruf, steht ihre Berufswahl also im Gegensatz zu den herrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen und Geschlechterleitbildern. Es braucht daher eine ordentliche Portion Überzeugung und Selbstvertrauen, um sich in der Ausbildung und im künftigen Erwerbsleben als „Exot_in“ durchsetzen.

Woran liegt das eigentlich und wie lässt sich das umgehen?

Frauen im Nachteil
Junge Frauen dringen mit der Wahl eines männlich dominierten Berufs in eine „Männerwelt“ vor, in der sie häufig nicht nur gegen Vorurteile kämpfen müssen, sondern mitunter auch gegen sexistische Abwertungen. Eine „nicht-traditionelle“ Berufswahl ist also nicht nur eine Frage der eigenen Interessen, sondern verlangt jungen Frauen und Männern außerdem einiges an Überzeugung und Selbstvertrauen ab.

Aber auch das Einstellungsverhalten von (Ausbildungs-)Betrieben hat entscheidenden Einfluss auf den Berufseinstieg. Oft haben junge Frauen, die eine Ausbildung in einem männlich dominierten Beruf anstreben, größere Schwierigkeiten, im ihrem Wunschberuf tatsächlich einen Ausbildungsplatz zu finden. Und auch nach der Ausbildung können sich rauen in männlich dominierten Berufen schwerer etablieren und sind deutlich seltener als Männer ausbildungsadäquat beschäftigt.

Natürlich spielt auch der Bildungsabschluss eine große Rolle – allerdings brauchen Frauen bessere Karten als Männer. Frauen mit geringen Bildungsabschlüssen haben seltener Erfolg, eine Berufsausbildung bzw. ein (ausbildungsadäquates) Beschäftigungsverhältnis zu finden als ihre männlichen Kollegen mit vergleichbarem Abschluss. Entsprechend ist der Anteil junger Frauen an den Schulabgängen ohne oder nur mit geringem Abschluss unterdurchschnittlich.

Noch schlechtere Chancen – beispielsweise auf eine duale Berufsausbildung – haben junge Frauen mit Migrationshintergrund, und das selbst mit einem mittleren Schulabschluss.

ver.di für mehr Chancengleichheit
Um die Gleichstellung der Geschlechter beim Berufseinstieg zu fördern, gibt es also drei Stellschrauben, an denen vor allem gedreht werden muss:

  • chancengleich orientierte schulische Bildung
  • Förderung der Berufsausbildung in „nicht-traditionellen“ Berufen
  • Abbau der traditionellen Aufspaltung am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Der Bereich Frauen- und Gleichstellungspolitik in ver.di bietet außerdem in diesem Jahr für junge Frauen zwei Wochenendseminare am Wannsee an. Unter dem Motto „We can do it! Erfolgreich mitbestimmen im Berufs(wieder)einstieg!“ setzen sich die Teilnehmerinnen – junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren – damit auseinander, wie sie typische Fallen überwinden und das betriebliche Arbeitsleben aktiv mitgestalteten können. In gleicher Weise können sie eigene, persönliche „Fallen“ bearbeiten, um sich selbstbewusst vertreten zu können.

Die Seminartermine in 2014:
04.07.2014–06.07.2014 Berlin-Wannsee
12.09.2014–14.09.2014 Berlin-Wannsee

Einen Seminarflyer gibt es hier als PDF.

Das Anmeldeformular für unsere Seminare könnt ihr direkt am Bildschirm ausfüllen, hier gibt es die Datei zum Download.

Weitere Infos für Berufeinsteiger_innen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

01.04.2014

Mindestlohn auch unter 18 – ohne Wenn und Aber!

  • Wortwolke aus Begriffen zum Thema Ausschluss der Jugend

ver.di Jugend kritisiert geplante Diskriminierung von Jugendlichen beim Mindestlohn

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plant bei der Einführung des Mindestlohns die Ausgrenzung von minderjährigen Beschäftigten. Nach ihrer Auffassung würden junge Menschen dadurch eher angeregt, eine Ausbildung zu beginnen, statt einen besser bezahlten Aushilfsjob anzunehmen. Die ver.di Jugend kritisiert Nahles und fordert einen flächendeckenden Mindestlohn ohne Ausnahmen und für alle Beschäftigten.

Bei der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland ab 2015 sollen einige Beschäftigtengruppen ausgenommen werden – auch Jugendliche unter 18 Jahren. Rechtfertigen soll das der beträchtliche Unterschied zwischen einer Ausbildungsvergütung und einem mit Mindestlohn erzielbaren Einkommen. Hierdurch werden negative Anreize befürchtet und somit ein Rückgang der ausbildungswilligen Jugendlichen.

Warum Nahles schief gewickelt ist
„Diese Begründung ist absurd“, kommentiert ver.di Bundesjugendsekretär Jan Duscheck. „Wenn junge Menschen heute einen Aushilfsjob annehmen, dann nur, weil zu wenig gute Ausbildungsplätze angeboten werden“, so Duscheck weiter. In der Tat bestätigt eine genauere Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland die Argumentation der Bundesarbeitsministerin nicht. Zumal der Einkommensunterschied bereits heute in vielen Branchen besteht – auch ohne Mindestlohn.

Vielmehr wären von der geplanten Ausnahmeregelung vorwiegend junge Minijobber_innen mit geringem Zuverdienst betroffen. Von ihnen befinden sich in der Altersgruppe bis 21 Jahre momentan rund 75 Prozent in einer Ausbildung. Das stetig anwachsende Bildungsniveau zeigt eindeutig, dass junge Menschen viel Wert auf eine gute Ausbildung legen, um das Risiko auf nur prekäre Arbeitsplatzangebote zu minimieren. Jan Duscheck bringt es auf den Punkt: „Jungen Menschen per se zu unterstellen, sie würden derart kurzfristig angelegte Entscheidungen treffen, ist eine Frechheit!“

Argumentation hinkt auch beim Vergleich mit EU-Nachbarstaaten
Und auch in europäischen Nachbarländern ist die Ursache für höhere Jugendarbeitslosigkeit nicht der Mindestlohn. Vielmehr haben es Berufsanfänger_innen in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche einfach schwerer, ein Beschäftigungsverhältnis zu finden. Und es gibt im europäischen Ausland kein duales Ausbildungssystem, dass zu einem leichteren Übergang zwischen Ausbildung und Berufseinstieg beiträgt. Probleme, nach der Ausbildung eine Beschäftigung zu finden, werden allerdings nicht durch Lohndumping gelöst.

Viel eher sind durch die geplante Ausnahme unerwünschte Effekte zu erwarten, die einen „Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt“ schaffen und zur Verdrängung älterer Arbeitnehmer_innen führen: Diese könnten dann verstärkt durch billigere, minderjährige Arbeitskräfte ersetzt werden.

Davon abgesehen bedeutet eine solche Ausnahme eine Altersdiskriminierung, die nach Europarecht unzulässig ist. Zwischen Alter und Produktivität besteht kein direkter Zusammenhang, Jugendliche sind ebenso produktiv wie alle anderen Arbeitnehmer_innen. Somit ist nicht nachvollziehbar, weswegen Minderjährige für die gleichen Tätigkeiten weniger Lohn erhalten sollen als Volljährige. „Jugendliche dürfen nicht zu Beschäftigten zweiter Klasse gemacht werden“, bekräftigt Duscheck.

Weiterer Zeitablauf zum Gesetzesbeschluss
Laut Zeitplanung für das Gesetzgebungsverfahren ist die Verabschiedung des Kabinettsentwurfs am 02. April 2014 vorgesehen. Weitere Meilensteine sind geplant am:

  • 23. Mai 2014 – Erster Durchgang des Gesetzesentwurfs im Bundesrat
  • 05. oder 06. Juni 2014 – Erste Lesung im Bundestag
  • 25. Juni 2014 – Ausschusseinführung, gegebenenfalls mit Anhörung am 30. Juni 2014
  • 04. Juli 2014 – Zweite oder dritte Lesung im Bundestag
  • 19. September 2014 – Zweiter Durchgang im Bundesrat
  • 01. Januar 2015 – Inkrafttreten

Die ver.di Jugend fordert die sofortige Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns ohne Ausnahmeregelungen. Hierfür wollen wir vor allem die Zeit bis zum 23. Mai nutzen, also zwischen der Verabschiedung des Kabinettsentwurfes und dem ersten Durchgang im Bundesrat.

In diesem Zeitraum werden wir gemeinsam mit den anderen Mitgliedsgewerkschaften im DGB vor Ort auf die eigene Landesregierung zugehen und Lobbyarbeit gegen die geplanten Mindestlohnausnahmen betreiben. Genauso werden wir gezielt die Bundestagsabgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis ansprechen.

Würde kennt keine Ausnahmen: Gegen Diskriminierung von Jugendlichen beim Mindestlohn – gemeinsam stark!

14.03.2014

Rund um die JAV-Wahl

  • Für eine JAV mit Biss: mitdenken, mitbestimmen, wählen gehen!

Was eure JAV für euch tut und wie ihr sie wählt

Jugend- und Auszubildendenvertretungen, kurz JAVen in Betrieben oder Dienststellen – wozu sind die eigentlich gut? Ganz einfach: Sie engagieren sich für eure Themenbereiche und Interessen als Auszubildende, sorgen für die korrekte Umsetzung aller für euch geltenden Gesetze und sind eure erste Stimme und Anlaufstelle vor Ort, falls in eurer Ausbildung mal irgendetwas schief läuft. Gute Gründe also, euch an der JAV-Wahl 2014 zu beteiligen. Wann und wie das genau abläuft – hier im Überblick.

Bei der JAV-Wahl entscheidet ihr, wer die Interessen der Auszubildenden und jungen Beschäftigten an eurem Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz für die nächsten zwei Jahre vertritt, schützt und durchsetzt. Und dieses Jahr ist es in vielen Bereichen wieder soweit: 2014 ist das Jahr der JAV-Wahlen! Nach Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) sind die Wahlen bereits seit 01. März in vollem Gange und das noch bis 31. Mai. Nach Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) liegt der Wahlzeitraum zwischen 01. Oktober und 31. November.

Zum Ablauf der JAV-Wahl haben wir euch hier die wichtigsten Fragen, Antworten und Infos zusammengestellt:

Unter welchen Voraussetzungen kann überhaupt eine JAV-Wahl stattfinden?
Damit eine JAV gewählt werden darf, muss im Betrieb bereits ein Betriebsrat (BR) bzw. in der Dienststelle eine Personalrat (PR) existieren und in der Regel müssen mindestens fünf Wahlberechtigte dort beschäftigt sein.

Wann wird gewählt?
Die JAV-Wahlen finden alle zwei Jahre statt: bundesweit und in allen Branchen bzw. in allen Dienststellen und Verwaltungen.

Warum soll ich wählen gehen?
Weil eine JAV allen Auszubildenden und jugendlichen Beschäftigten im Betrieb bzw. in der Dienststelle die Möglichkeit zur Mitbestimmung bietet, zum Beispiel:

  • damit die Ausbildungsqualität passt
  • damit es genügend Ausbildungsplätze gibt
  • damit die Chancen auf Übernahme steigen
  • damit Arbeitszeit, Urlaub und Vergütung stimmen

Wer darf wählen gehen?
Alle jugendlichen Beschäftigten unter 18 und alle Auszubildenden unter 25 Jahren dürfen bei der JAV-Wahl ihre Stimme abgeben.

Wer darf gewählt werden?
Hier bestehen Unterschiede zwischen BetrVG und BPersVG:

  • Nach BetrVG dürfen alle Beschäftigten unter 25 Jahre für die JAV-Wahl kandidieren. Allerdings dürfen sie nicht gleichzeitig Mitglied im BR sein.
  • Nach BPersVG dürfen alle Beschäftigten unter 26 Jahre kandidieren – und zwar auch solche, die schon ausgelernt haben und über 18 Jahre alt sind. Kandidierende müssen allerdings seit sechs Monaten dem Geschäftsbereich der obersten Dienstbehörde angehören.

Wie wird gewählt?
Auch beim Wahlverfahren wird differenziert:

  • Nach BetrVG wird in Betrieben mit fünf bis 50 Wahlberechtigten das vereinfachte Wahlverfahren (Personen- oder Mehrheitswahl) angewendet. Dabei haben alle Wahlberechtigten jeweils so viele Stimmen, wie JAV-Mitglieder gewählt werden.
    Ab 50 Jugendlichen und Auszubildenden empfehlen wir das normale Wahlverfahren und ab 100 Wahlberechtigten ist das normale Wahlverfahren sogar zwingend vorgeschrieben.
  • Nach BPersVG wird in Dienststellen mit fünf bis 20 Wahlberechtigten das vereinfachte Wahlverfahren (Personen- oder Mehrheitswahl) angewendet. Dabei haben alle Wahlberechtigten jeweils so viele Stimmen, wie JAV-Mitglieder gewählt werden.
    Sind mehr jugendliche Beschäftigte in der Dienststelle, entscheidet die Anzahl der Wahlvorschläge: Liegt nur einer vor, gibt es ebenfalls eine Mehrheitswahl. Dagegen wird bei mehreren Vorschlägen eine Listenwahl durchgeführt, bei der Wahlberechtigte nur eine Stimme für genau eine der Listen vergeben können.

Wie wird die Wahl vorbereitet und durchgeführt?
Die JAV-Wahl wird von einem Wahlvorstand organisiert und geleitet. Dieser wird vom BR bzw. PR bestellt und besteht üblicherweise aus drei Mitgliedern.

Der Wahlvorstand ist verantwortlich für die Auflistung aller Wahlberechtigten, er bestimmt die Größe und Verteilung der JAV, kümmert sich um die Ausschreibung der Wahl, sammelt und prüft die Wahlvorschläge.

Was passiert nach der Wahl?
Nachdem das Wahlergebnis feststeht, erstellt der Wahlvorstand die Wahlniederschrift u. a. mit Details zu Stimmzahlen und Stimmverteilungen.

Wenn ihr es etwas genauer wissen wollt, findet ihr auf unserem Service-Portal für JAVen weitere Details:

Und für alle, die bei der JAV-Wahl aktiv mitgestalten möchten, gibt es unsere Arbeitshilfe mit dem kommentierten BetrVG!

Wir wünschen euch gelungene JAV-Wahlen und ggf. eine erfolgreiche Kandidatur!

26.02.2014

Ausbildungsqualität im Handel? Das muss besser werden!

  • Transparent ÜBERNAHME IST KEIN VERBRECHEN!

Handelssonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports deckt gravierende Mängel auf

Für eine bundesweite Auswertung der Ausbildungsqualität im Handel hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Februar 2014 vier Handelsberufe aus Einzel-, Groß- und Außenhandel unter die Lupe genommen. Das Ergebnis alarmiert: Überstunden, fehlende Ausbildungspläne und ausbildungsfremde Tätigkeiten sind für viele Auszubildende gang und gäbe!

Handelsriesen malen in hochpreisiger Werbung für ihre Ausbildungsplätze mit bunten Farben eine schöne Welt der besonders guten Ausbildungsqualität, Karriere- und Aufstiegschancen. Offenbar erfolgreich: Handelsberufe belegen zum 30. September 2013 die ersten zwei Plätze unter den am häufigsten abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, so die neuste Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Ganz anders sieht es allerdings nach der Befragung von 3.765 Auszubildenden aus dem Handel durch den DGB aus. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, hat ein Drittel der Befragten keine Grundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung, also keinen Ausbildungsplan. 17,7 Prozent der Befragten verrichten auch ausbildungsfremde Tätigkeiten, davon 6,5 Prozent sogar häufig – der tatsächliche Lerngehalt ihrer Ausbildung ist damit fraglich. 13,2 Prozent haben nur manchmal, 8,4 Prozent sogar nur selten einen Ausbilder oder eine Ausbilderin in der Nähe. Viele Faktoren also, welche die Ausbildungsqualität erheblich in den Keller drücken.

„Die Sonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports für die Handelsbranche vom Februar 2014 zeigt, dass es bei der Qualität von Ausbildung noch erheblichen Nachholbedarf gibt“, sagt auch Franziska Foullong, Fachbereichsjugendsekretärin im Handel bei der ver.di. „Das Ziel ist eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung in Vollzeit und unbefristet, denn nur so können junge Menschen ihre Zukunft planen“, so Foullong weiter.

Regionale Befragung in vier Bundesländern
Bei seiner Sonderauswertung für die Ausbildungsqualität im Handel hat der DGB neben den bundesweiten Ergebnissen zusätzlich auch regionale Befragungen in den Bundesländern Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und NRW berücksichtigt. Hier wurden die fünf wichtigsten Themenbereiche für Auszubildende abgefragt, nämlich:

  • Vergütung – Höhe der Bruttovergütung in Euro während der Ausbildung
  • Interessenvertretung – Betriebe mit Jugend- und Auszubildendenvertretung, Betriebs- bzw. Personalrat in Prozent
  • Ausbildungsfremde Aufgaben – Auszubildende in Prozent, die eindeutig nicht zur Ausbildung zugehörige Tätigkeiten verrichten müssen (befragt wurden nur Auszubildende, die ihren Ausbildungsplan „gut“ oder „sehr gut“ kennen)
  • Wunsch nach weiterer Beschäftigung im erlernten Beruf – Auszubildende in Prozent, die nach der Ausbildung weiterhin im erlernten Beruf tätig sein möchten
  • Übernahme – Auszubildende in Prozent, die nach der Ausbildung von ihrem Betrieb übernommen werden

Besonders schockierend: 14,2 Prozent der Befragten können sich ganz klar NICHT vorstellen, nach ihrer Ausbildung im erlernten Beruf weiterzuarbeiten. Weitere 28,1 Prozent wissen es noch nicht…

Vor allem die Befragungsergebnisse der Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk fallen konstant schlechter aus als in den anderen Handelsberufen – und das, obwohl genau hier die meisten Fachkräfte fehlen!

Arbeitgeber müssen reagieren
Die Fachbereichssekretärin für die Jugend im Handel bewertet die Resultate eindeutig: „All das spricht gegen das tolle Bild der guten Ausbildungsbedingungen mit Aufstiegschancen. Eine gute Ausbildung bedeutet, dass Auszubildende einen strukturierten und gehaltvollen Ausbildungsplan haben, der auch befolgt wird. Auszubildende dürfen auch nicht als reguläre Arbeitskraft ausgebeutet werden oder Überstunden leisten müssen – hier sind die Arbeitgeber dringend gefordert nachzubessern.“

Mittlerweile haben selbst die Arbeitgeberverbände begriffen, dass durch den demografischen Wandel ein Fachkräftemangel droht. Dagegen wollen sie nun gemeinsam mit den Gewerkschaften an einem Strang ziehen, um jungen Menschen eine sichere berufliche Perspektive zu bieten. Die Tarif- und Sozialpartner haben daher vor kurzem einen Beirat gegründet, der über tarifpolitische Anforderungen an eine alternsgerechte und lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung im Einzelhandel beraten wird.

„Ein wichtiger Schritt“, bestätigt Foullong, „denn gerade im Hinblick auf die jungen Menschen in der Branche gibt es erheblichen Nachbesserungsbedarf.“ Wir als ver.di Jugend schließen uns an – und fordern eine deutlich bessere Ausbildungsqualität für junge Menschen im Handel!

Den vollständigen Ausbildungsreport gibt es auf der Website der ver.di im Handel zum Download als PDF.

29.01.2014

Mehr Geld für Auszubildende!

  • Auszubildender mit Schild GEMEINSAM STARK FÜR MEHR GELD

Tarifliche Ausbildungsvergütungen In 2013 wieder gestiegen

Nach Auswertung der Ausbildungsvergütungen vermeldet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für 2013 erneut einen kräftigen Anstieg in Ost und West. Erfasst wurde dabei das jeweilige Entgelt von knapp 90 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass sich eine Gewerkschaftsmitgliedschaft auszahlt – auch in barem Geld!

Das BIBB ermittelte für seine diesjährige Auswertung die Durchschnittsvergütungen für 184 Berufe in Westdeutschland sowie 152 Berufe im Osten der BRD. Damit wurden 88 % aller Auszubildenden aus den nach Beschäftigtenzahlen größten Tarifbereichen Deutschlands erfasst.

Erstes erfreuliches Ergebnis: In Ost und West ging es aufwärts – und zwar im jeweils gleichen Ausmaß, wie schon im Jahr zuvor. In einigen von ver.di betreuten Tarifbereiche wurden die Ausbildungsvergütungen sogar überdurchschnittlich angehoben, beispielsweise im öffentlichen Dienst der Länder und im Einzelhandel.

Die Zahlen im Einzelnen:

Durchschnittsvergütung pro Monat

  • West: 767 € brutto, also ein Anstieg um 4,1 Prozent gegenüber 2012
  • Ost: 708 € brutto, was einem Plus von 5,0 Prozent im Vergleich zu 2012 entspricht
  • Gesamt-BRD: 761 € brutto oder 4,2 Prozent mehr als in 2012

Damit wurde im Osten 92 Prozent des westlichen Tarifniveaus erreicht und der Abstand um immerhin einen Prozentpunkt verringert.

Allerdings gab es dabei deutliche Unterschiede der Vergütungssätze je nach Ausbildungsberuf und auch nach Ausbildungsbereichen:

Schlusslichter

  • Florist_in: 571 € im Westen und sogar nur 312 € im Osten
  • Maler_in und Lackierer_in: 558 € „hier wie dort“
  • Bäcker_in: 550 € im Westen wie auch im Osten
  • Friseur_in: 469 € im Westen und leider nur 269 € im Osten
  • Vergütungen im Handwerk: Hier wurden im Westen 638 € bezahlt, im Osten 542 €

Spitzenreiter

  • Mechatroniker_in: 938 € im Westen und 921 € im Osten
  • Kaufmann_frau für Versicherungen und Finanzen: 935 € „hüben wie drüben“
  • Medientechnologe_in Druck: 905 € im Westen wie auch im Osten
  • Maurer_innen konnten sich ebenfalls freuen: 999 € gab es für sie – allerdings nur im Westen. In Ostdeutschland hatte dieselbe Berufsgruppe mit 803 € pro Monat deutlich weniger in der Tasche.
  • Industrie und Handel: Hier gab es im Westen 839 € und im Osten 764 €
  • Öffentlicher Dienst: 830 € im gesamten Bundesgebiet

Zugpferde der Entwicklung
Einerseits geht es der deutschen Wirtschaft vergleichsweise gut, wodurch auch Tariflöhne und -gehälter einen ähnlichen Anstieg wie schon in 2012 hinlegten. Andererseits spielt offenbar auch die demografische Entwicklung eine wichtige Rolle: Sie macht es mittlerweile deutlich schwerer, die betrieblichen Ausbildungsstellen zu besetzen.

Übrigens: Die Situation am Ausbildungsmarkt beeinflusste immer wieder auch die Entwicklung der tariflichen Ausbildungsvergütungen. Bei höheren Schulabgängerzahlen standen grundsätzlich viel zu wenige betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung und der Anstieg der Ausbildungsvergütungen hielt sich in deutlichen Grenzen.

Andersherum hatte eine niedrigere Nachfrage nach Ausbildungsplätzen Probleme bei Besetzung der offenen Stellen zur Folge – gegengesteuert wurde dann immer mit deutlich höheren Vergütungssätzen.

Eins bleibt aber auf jeden Fall unverändert: Gewerkschaft lohnt sich. Wie die Zahlen für 2013 mal wieder beweisen.

Super – ich will Mitglied werden!

07.11.2013

Situation am Ausbildungsmarkt bleibt angespannt

  • Auszubildende haben auf Bodenplatten Missstände ihrer Ausbildung festgehalten

Ausbildungsplatzgarantie dringend erforderlich

Die Zwischenbilanz zum bisherigen Ausbildungsjahr 2013 zeigt eine anhaltende Schieflage am Stellenmarkt. So blieben die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze nahezu unverändert, während das gegenüberstehende Angebot leicht sank. Oftmals unangemessene Warteschleifen zwischen Schule und Ausbildung verschärfen die Situation zusätzlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht von einer "krisenhaften Entwicklung".

Letztmalig in 2013 veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit (BA) die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt. Das vorläufige Fazit zum aktuellen Ausbildungsjahr verzeichnet einen – leider negativen – Rekord, denn die Zahl der Ausbildungsverträge droht auf den niedrigsten Wert seit der Deutschen Einheit zu sinken. Die Ausbildungspakt-Partner wurden ihrer Zusage nicht gerecht, neue Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsplätze zu schaffen. Und die BA registriert allzu viele Bewerber_innen gar nicht erst als Ausbildungsplatzsuchende.

Statistik…
Mit 21,7 Prozent liegt die aktuelle Quote der ausbildenden Betriebe auf dem tiefsten Stand seit 1999. Speziell kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe werden immer seltener. Nach den Zahlen für September 2013 wurden insgesamt 504.542, davon 472.260 betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Das entspricht 12.560 Ausbildungsplätzen weniger oder einem Rückgang von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (West: minus 2 Prozent, Ost: minus 4,3 Prozent).

Demgegenüber standen im Jahr 2013 insgesamt 561.168 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz (West: unverändert, Ost: minus 2 Prozent). Unterm Strich fehlen damit 50.289 Ausbildungsstellen. Und zwar allein für diejenigen jungen Menschen, die bei der BA registriert wurden. Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack schlägt Alarm: "Der Ausbildungsmarkt nimmt krisenhafte Züge an. Obwohl die Bewerberzahlen im Jahr 2013 stabil geblieben sind, bleiben mehr junge Menschen als im Vorjahr ohne Ausbildungsplatz. Mehr als 83.500 Bewerber suchen noch einen Ausbildungsplatz – und das bei rund 33.500 offenen Stellen."

… versus Realität
Tatsächlich ist der Ausbildungsplatzmangel sogar noch größer, denn nicht mal die Hälfte der Interessierten wird überhaupt in eine Ausbildung vermittelt. Während 62.530 Bewerber_innen im September 2013 weiterhin eine Ausbildungsstelle brauchen, gelten sie aus Sicht der BA als "versorgt" ("Bewerber mit Alternative zum 30.9."). Deutschlandweit meldeten sich jedoch immer noch 83.564 junge Menschen ausdrücklich als „ausbildungsplatzsuchend“.

Weitere 202.262 rechnet die BA unter "andere ehemalige Bewerber" und damit auch als "versorgt", obwohl sie trotz intensiver Suche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Stattdessen landen nach wie vor viele junge Menschen in Übergangsmaßnahmen, aktuell befinden sich 267.000 Jugendliche "in der Warteschleife". Besonders häufig vertreten sind hier diejenigen mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss. Und noch immer haben 14 Prozent bzw. 1,4 Millionen aller 20- bis 29-jährigen keinen qualifizierenden Berufsabschluss.

Während noch weitaus mehr Ausbildungsplätze gesucht werden, gibt es gleichzeitig immerhin 33.275 unbesetzte Ausbildungsstellen, die meisten davon in Problembranchen mit schlechter Ausbildungsqualität. So bleiben beispielsweise in Gaststätten- und Hotelbetrieben die angebotenen Ausbildungsplätze häufig unbesetzt.

Konsens für gute Ausbildung
Diese Zahlen zeigen die Dringlichkeit, die duale Berufsausbildung wieder auszubauen. Hierfür müssen sich Bund, Länder und Sozialpartner zusammenschließen. Auch eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie ist überfällig, denn nur sie sichert allen Ausbildungsinteressierten einen Ausbildungsplatz zu. Junge Menschen haben ein Recht auf Ausbildung und dürfen nicht in Warteschleifen oder ungewünschte Alternativen abgeschoben werden. Betriebe müssen endlich wieder mehr ausbilden, statt immer nur über vermeintlichen Fachkräftemangel zu jammern.

"Wir brauchen einen neuen Konsens für eine gute Ausbildung, der den Jugendlichen einen Ausbildungsplatz sichert, der die Ausbildungsbetriebe stärkt und der die Warteschleifen im Übergang von der Schule in die Ausbildung abbaut", erklärt Elke Hannack. "Wir müssen attraktive Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte eröffnen und die Qualität der Ausbildung auf die Tagesordnung setzen. Auf diesem Auge war der Ausbildungspakt bisher weitgehend blind."

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