14.11.2014

Selbstständigkeit als Berufsperspektive

  • Junge Frau blickt optimistisch in die Zukunft

Wissenswertes für Selbstständige – und für alle, die es werden wollen

Ihr wollt den Sprung in die Selbstständigkeit wagen? Dann solltet ihr unbedingt über den genauen Status Bescheid wissen, der für euren Beruf und/oder euer Gewerbe zutrifft. Dazu hier die wichtigsten Infos – mit freundlicher Unterstützung von mediafon, unserem Beratungsnetzwerk für Selbstständige.

Gleich vorneweg: Es existiert leider keine klare gesetzliche Definition zur Selbstständigkeit. Arbeits-, Steuer- und Sozialrecht ticken teilweise sehr unterschiedlich. Die grundlegendsten Aspekte zu freien Berufen bzw. Gewerbetreibenden haben wir für euch zusammengetragen – und da taucht schon die erste Frage auf: Wer ist eigentlich freiberuflich tätig und wer betreibt ein Gewerbe?

Freier Beruf oder Gewerbe?
Wer auf Rechnung arbeitet, nicht weisungsgebunden oder in die Arbeitsorganisation eines Unternehmens eingebunden ist, ist selbstständige_r Unternehmer_in – und nicht etwa Arbeitnehmer_in oder scheinselbstständig. Selbstständige teilen sich rechtlich in zwei Gruppen: Freiberufler_innen und Gewerbetreibende.

Bei den freien Berufen stehen persönlich geleistete Arbeit und Dienstleistungen im Vordergrund. Das ist zum Beispiel der Fall bei Erziehungs- und Lehrkräften, Kunstschaffenden, im Bereich Design und im Krankenpflegedienst sowie bei Physiotherapeut_innen und Hebammen.

Typisch für Gewerbetreibende sind dagegen Handelsgeschäfte und Kapitaleinsatz wie beispielsweise im Handwerk oder bei Ladenbesitzer_innen.

Welche Pflichten sind zu beachten?
Alle Selbstständigen sind verpflichtet, sich bei einer Krankenkasse zu versichern und sich beim Finanzamt registrieren zu lassen.

In bestimmten freien Berufen kann es sein, dass ihr zusätzlich einer Kammer beitreten müsst. Gewerbe- oder Kleingewerbetreibende müssen sowohl ein Gewerbe anmelden als auch Mitglied einer Kammer werden. Gewerbetreibende müssen, Kleingewerbetreibende können sich außerdem ins Handelsregister eintragen lassen.

Bestimmte Berufe wie Hebammen oder Lehrkräfte sowie Selbstständige mit nur einem Auftraggeber müssen, andere können sich über die Deutsche Rentenversicherung versichern. Publizist_innen und Künstler_innen werden über die Künstlersozialkasse renten-, pflege- und krankenversichert.

Berufe wie im Bereich Fotografie und Grafikdesign, ebenso Tagesmütter oder -väter sowie einige Gesundheitsberufe fallen zusätzlich in die Pflichtversicherung bei der Berufsgenossenschaft. Fragt nach, ob euer Beruf dazugehört! Auch eine freiwillige Versicherung kann dort sinnvoll sein.

Macht eine Arbeitslosenversicherung Sinn?
Apropos freiwillige Versicherung: Auch Selbstständige können die „freiwillige Weiterversicherung“ in der Arbeitslosenversicherung in Erwägung ziehen. Voraussetzung dafür: Ihr habt in den zwei Jahren zuvor mindestens zwölf Monate lang Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung gezahlt oder unmittelbar vorher Arbeitslosengeld oder eine andere „Entgeltersatzleistung“ bezogen.

Ob diese Versicherung noch Sinn macht, ist durch die Verschlechterungen und Verteuerungen seit dem Jahr 2011 zumindest fraglich. Eure Entscheidung dazu müsst ihr in jedem Fall in den ersten drei Monaten nach Gründung treffen.

ver.di für Selbstständige!
Soviel ist jedenfalls klar: Auch als Selbstständige seid ihr bei ver.di aufgehoben – surft am besten gleich mal vorbei!

Die Kontaktdaten zu unserem Beratungsnetzwerk und einen umfangreichen Ratgeber rund um die Selbstständigkeit, dazu spezielle Bildungsangebote und Termine regionaler Selbstständigen-Gruppen gibt es außerdem auf www.mediafon.net.

Wir wünschen euch schon jetzt einen erfolgreichen Start in eure neue berufliche Zukunft!

31.10.2014

Theorie oder Praxis? Einmal alles, bitte!

  • Zwei junge Frauen blicken lachend in die Zukunft

„Ausbildung spezial“ im Dualen Studium

Ein Duales Studium ist eine hervorragende Kombination aus wissenschaftlich-theoretischer und betrieblich-praktischer Ausbildung. Allerdings birgt diese Sonderform einer Ausbildung leider auch kritische Aspekte. Wir werfen einen Rundumblick auf Duale Studiengänge in Deutschland.

Duale Studiengänge (gelegentlich auch als „Studium im Praxisverbund“ bezeichnet) verknüpfen ein Studium an einer Hochschule oder (Berufs-)Akademie mit regelmäßigen ausgiebigen Praxisphasen in einem Betrieb – oder sogar mit einer anerkannten betrieblichen Berufsausbildung. Theoriephasen an der Hochschule oder Akademie und praktische Phasen im Ausbildungsbetrieb stehen im steten Wechsel.

Allerdings sind Duale Studiengänge auch zeitintensiver – weswegen die meisten Arbeitgeber ihren Dual-Studierenden eine Vergütung zahlen, damit die sich besser auf ihren Studiengang konzentrieren können. Bedeutet: Ein Dualer Studiengang sichert auch den eigenen Lebensunterhalt deutlich besser ab als ein „herkömmliches“ Studium.

Sicherheit schlägt Freiheit?
Ebenso sicher fühlen dürfen sich Absolvent_innen: Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werden rund 89 Prozent aller Dual-Studierenden nach ihrem Abschluss übernommen.

Also alles super? Jein. Dual-Studierende haben wie Auszubildende nur etwa 30 Urlaubstage pro Jahr, monatelange Semesterferien genießen sie also nicht. Ebenso wenig können sie ihre Zeit frei einteilen oder sich rein interessehalber mal in eine ganz andere Vorlesung setzen.

Ein Duales Studium ist eben durchgetaktet und hat sehr geregelte Strukturen. Sicherheit schlägt Freiheit? Aktuell sind rund 64.000 junge Leute in Deutschland dieser Ansicht und befinden sich in einem Dualen Studiengang. Und ihre Plätze sind begehrt: Nach BBIB-Studie bewerben sich auf einen dualen Studienplatz im Schnitt 33 Menschen. In den meisten Fällen sollte die Bewerbungsphase also mindestens ein Jahr vor Studienbeginn starten.

Und auch weitere Aspekte des dualen Studiums sind eher kritisch zu betrachten:

  • Keine Tarifregelung

Beim Thema Vergütung sind Dual-Studierende fast immer auf den guten Willen der Partnerbetriebe angewiesen, weil gesetzliche Regelungen dazu fehlen. Immer mehr Gewerkschaften versuchen daher, Dual-Studierende tariflich zu verankern. Noch besser wäre natürlich eine allgemeine staatliche Studienfinanzierung.

  • Keine Vergleichbarkeit

Duale Studiengänge fallen nicht in den Kompetenzbereich des Bundes. Konkrete Ausbildung und Abschlüsse sind länderspezifisch unterschiedlich geregelt. Darunter leiden Vergleichbarkeit und Anerkennnungsmöglichkeiten der dualen Abschlüsse – insbesondere bei einem anschließend geplanten Hochschulstudium.

Ebenso unterschiedlich sind anfallende Studiengebühren und ggf. ihre Höhe, auch hierüber entscheidet jedes Bundesland für sich. Entsprechend differenziert solltet ihr Informationen zum Dualen Studium betrachten.

Unterm Strich gilt: Welche Ausbildungsform für wen die richtige ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Doch ein Duales Studium kann eine gute Alternative sein für alle, die sich nicht zwischen Theorie und Praxis entscheiden wollen und lieber geregelte Strukturen haben, als ihre Zeit eigenverantwortlich einzuteilen.

Wir wünschen euch in jedem Fall eine erfolgreiche Ausbildung!

Mehr Infos zu den verschiedenen Erscheinungsformen und Fachrichtungen, zu Vergütungen, Zahlen und Fakten des Dualen Studiums gibt es auf ausbildung.info – unserem Serviceportal zur Ausbildung.

17.07.2015

Durchgefallen – und jetzt?

  • Schultafel mit Kreide-Handschrift SCHOOL SUCKS

Wie es weiter geht

Wer durch eine Abschlussprüfung fällt, steckt erst mal in einer sehr ärgerlichen und unschönen Lage. Nach dem ersten Schock gibt es aber keinen Grund mehr, den Kopf hängen zu lassen oder in fortwährende Panik zu verfallen! Eine Prüfung kann Jede_r mal versemmeln, doch das heißt nicht, dass alles umsonst war. Es gibt immer konkrete Handlungsansätze, die Situation zum Guten zu wenden. Die ver.di Jugend hat unterstützende Tipps zum Thema zusammengestellt.

Warum Auszubildende eine Prüfung nicht bestehen, kann unterschiedliche Gründe haben: Prüfungsangst, Blackout während der Prüfung, ungeeignete Lernformen, aber auch schlechte Prüfungsvorbereitung durch die Berufsschule oder den Betrieb gehören dazu.

Wer an Prüfungsangst leidet, sollte sich nach Anlaufstellen erkundigen, mit deren Hilfe man mit solchen Situationen besser umgehen und Prüfungsangst abbauen kann. Um möglichst entspannt in die Prüfung zu gehen, ist gute Vorbereitung die erste wichtige Voraussetzung.

Nützliche Links zum Thema Prüfungsvorbereitung
Pauken, aber richtig: Hier geht’s zu hilfreichen Tipps zur Prüfungsvorbereitung. Für die Unterstützung von Auszubildenden bietet auch die Agentur für Arbeit kostenlose Prüfungsvorbereitungen, die beim Lernen für die Prüfung helfen können.

Fehlende Vorbereitung durch den Betrieb? Negatives Prüfungsergebnis ungültig!
Prüfung nicht bestanden, weil Dinge gefragt wurden, die zwar im Ausbildungsplan stehen, aber nicht im Betrieb erklärt wurden? Gegen so ein Prüfungsergebnis kann man vorgehen - es gehört schließlich zu den Pflichten des Ausbildungsbetriebs, die zur Prüfung nötigen Ausbildungsinhalte zu vermitteln.

Wenn aus dem Berichtsheft hervorgeht, dass bestimmte Dinge während der Ausbildung nicht vermittelt wurden, so ist das negative Prüfungsergebnis ungültig. Die Prüfung kann nachgeholt werden und unter Umständen gibt es sogar Schadensersatz wegen Verdienstausfall. Auszubildende können die Differenz zwischen Ausbildungsvergütung und eigentlichem Verdienst verlangen – wenn die Prüfung regulär bestanden worden wäre. Zur Unterstützung bitte auf jeden Fall an das Jugendsekretariat vor Ort wenden!

Wiederholung der Prüfung? Ist möglich!
Die Abschlussprüfung kann insgesamt zwei Mal wiederholt werden (§37 Berufsbildungsgesetz). Auszubildende können dafür entweder im Betrieb bleiben oder die Prüfung selbstständig organisieren.

Wenn sie sich entscheiden, zur Prüfungswiederholung im Betrieb zu bleiben, verlängert sich ihr Ausbildungsvertrag. Dafür muss lediglich dem Ausbildungsbetrieb – und zur Sicherheit auch der zuständigen Kammer – schriftlich die Absicht mitgeteilt werden, die Ausbildung wegen nicht bestandener Prüfung verlängern zu wollen.

Kündigung wegen nicht bestandener Prüfung? Nicht erlaubt!
Der Arbeitgeber darf wegen nicht bestandener Abschlussprüfung nicht kündigen.

Auszubildende, die ihre Abschlussprüfung nicht bestanden haben,

  • bekommen weiterhin ihre Ausbildungsvergütung,
  • können weiterhin die Berufsschule besuchen,
  • werden von der IHK bzw. Handwerkskammer informiert, wann ein zweiter oder dritter Prüfungstermin stattfindet.

Oftmals müssen Auszubildende nur die nicht bestandenen Fächer wiederholen. Das müssen sie aber im Einzelfall abklären. Allerdings kann die Ausbildung nur um maximal ein Jahr verlängert werden (§21 Berufsbildungsgesetz).

Prüfung nachholen außerhalb des Betriebs
Das schlechte Prüfungsergebnis hat auch etwas mit dem Ausbildungsbetrieb zu tun? Oder Auszubildende wollen aus anderen Gründen den Betrieb verlassen? In diesen Fällen kann die Abschlussprüfung selbstständig organisiert bei der zuständigen Kammer zwei Mal nachgeholt werden. Jedoch haben Auszubildende dann offiziell keinen Auszubildendenstatus mehr.

Holen Auszubildende die Abschlussprüfung außerhalb des Betriebs nach,

  • dürfen sie nicht mehr die Berufsschule besuchen,
  • bekommen sie keine Ausbildungsvergütung mehr,
  • müssen sie sich selbstständig um die Prüfungsanmeldung bei der zuständigen Kammer kümmern,
  • müssen sie die Kosten der Prüfung selbst tragen,
  • werden die Berufsausbildungsbeihilfe oder das Kindergeld nicht mehr gezahlt.

Wenn nur Teile der Prüfung wiederholt werden, muss das innerhalb von zwei Jahren geschehen. Die gesamte Abschlussprüfung kann innerhalb von fünf Jahren wiederholt werden.

Regelungen in der Pflege
Für Auszubildende, die eine Ausbildung nach dem Krankenpflegegesetz begonnen haben, gelten besondere Regeln für die Prüfungswiederholung. Bei nicht bestandener Prüfung können Auszubildende diese zwar wiederholen, sie müssen aber weiterhin an der Ausbildung teilnehmen wenn sie die praktische Prüfung oder alle Teile wiederholen müssen. Auf einen schriftlichen Antrag der Auszubildenden verlängert sich die Ausbildung bis zum nächstmöglichen Prüfungstermin, maximal allerdings bis zu einem Jahr.

Jede Aufsichtsarbeit der schriftlichen Prüfung, jeder Themenbereich der mündlichen Prüfung und die praktische Prüfung können jeweils einmal wiederholt werden. Zur Anmeldung für einen Wiederholungstermin muss der Verbleib in der Ausbildung nachgewiesen werden.

Weitere Möglichkeiten
Auszubildende, die auch zum dritten Mal die Prüfung nicht bestehen, haben erst mal keine Chance, in diesem Beruf einen Abschluss zu machen. Sie können aber trotzdem darin weiterarbeiten – allerdings mit einer niedrigeren Entgeltgruppe und meist schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt.

Zum anderen gibt es natürlich die Möglichkeit, in einem ähnlichen Ausbildungsberuf erneut eine Ausbildung zu beginnen. Aufgrund der Ähnlichkeit können häufig einige Ausbildungsinhalte anerkannt werden, was die neue Ausbildung verkürzt.

In jeden Fall hilft es, sich an die örtliche ver.di Jugendsekretär_in zu wenden, um die konkrete Situation durchzusprechen und Unterstützung zu holen.

Die ver.di Jugend drückt euch die Daumen und steht für alle Rückfragen gerne zur Verfügung!

13.06.2014

Reif für die Insel

  • Jugendlicher ist im Sand eingebuddelt

Ausbildung, Berufsschule, arbeiten, lernen ... wie schön, wenn dann endlich der wohlverdiente Urlaub ansteht. Denn wer viel arbeitet, dem steht Erholung nicht nur zu, sondern der hat sie auch dringend nötig. Damit die schönste Zeit des Jahres ungetrübt genossen werden kann, hat ver.di Jugend die wichtigsten Infos für Auszubildende rund um das Thema zusammengestellt.

Wie lang darf der Urlaub sein? Und wie sieht es aus mit Entgeltbezügen in der freien Zeit? Die gesetzlichen Grundlagen für Urlaubslänge und -zeitpunkt sowie Urlaubsentgelt sind für Jugendliche in § 19 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) geregelt. Allerdings finden sich dort lediglich die Mindeststandards. Gibt es einen längeren tarifvertraglichen Urlaubsanspruch oder eine günstigere Regelung durch eine Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung, dann gelten diese besseren Regelungen.

24 Werktage – das ist die gesetzliche Mindesturlaubsdauer. Dieser Urlaubsanspruch ist nach Alter gestaffelt: Laut § 19 des JArbSchG muss der Arbeitgeber allen unter 16-Jährigen einen Jahresurlaub von 30 Werktage gewähren. Wer unter 17 Jahre alt ist, bekommt 27 Werktage Urlaub und alle unter 18-Jährigen 25 Werktage. Als Werktage gelten Montag bis Samstag. Achtung: Der volle Urlaubsanspruch besteht zum ersten Mal nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses.

Urlaubsabstimmung im Betrieb
Damit der Betrieb funktionieren kann, müssen die Urlaubswünsche der einzelnen Beschäftigten koordiniert werden. Deshalb bestimmt die betriebliche Interessenvertretung mit bei der zeitlichen Lage des Urlaubs sowie bei der Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze und des Urlaubsplans.

Der Arbeitgeber kann den Urlaub von Beschäftigten im gewünschten Zeitraum verweigern. Allerdings nur unter folgenden Voraussetzungen:

  • dringende betriebliche Gründe
  • Urlaubswünsche anderer Auszubildender, die aufgrund sozialer Aspekte den Vorzug bekommen können (beispielsweise Auszubildende mit Kindern)

In der Praxis schränkt das Gebot der Urlaubsgewährung während der Berufsschulferien die Wahlfreiheit der Auszubildenden in punkto Urlaub ein. Übrigens: Niemand muss an freien Tagen oder in seinem Erholungsurlaub erreichbar sein für den Arbeitgeber – wäre ja sonst auch wenig entspannend.

Gesetzliche Feiertage
Fallen gesetzliche Feiertage in den Urlaubszeitraum, dann werden sie nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet. Doch ob ein bestimmter Feiertag gesetzlich ist, hängt von der Region ab. Der Ort der Tätigkeit – der Sitz des Betriebs, in dem man arbeitet – ist in dieser Frage also ausschlaggebend.

Krank im Urlaub – was tun?
Blöd, wenn man im Urlaub krank wird. Bei Vorlage eines ärztlichen Attests bleibt der Urlaubsanspruch jedoch erhalten. Achtung: Die entsprechenden Tage dürfen Auszubildende nicht einfach an den Urlaub anhängen. Die zeitliche Lage muss neu mit dem Arbeitgeber vereinbart werden!

Verfall des Urlaubs
Der Urlaub muss in dem Kalenderjahr, in dem der Urlaubsanspruch entsteht, beantragt, gewährt und genommen werden. Diese Regelung findet sich in § 7 Abs. 3 des Bundesurlaubsgesetzes. Ausnahmsweise kann der Urlaub auch auf das folgende Jahr übertragen werden. Der Resturlaub des Vorjahres muss dann bis Ende März des Folgejahres genommen werden – es sei denn, es greift eine für den Auszubildenden günstigere tarifvertragliche Regelung. Bei nicht rechtzeitiger Beantragung verfällt der Urlaub ersatzlos.

Verzicht auf den Erholungsurlaub
Geht das? Auszubildende haben Anspruch auf ihren Erholungsurlaub. Zur Regeneration – und zwar in Freizeit. Kein Arbeits- oder Tarifvertrag kann diesen Anspruch ausschließen. Auch ein Ausgleich mit Geld ist während eines bestehenden Ausbildungsverhältnisses nicht möglich – das würde dem Erholungsgedanken ebenfalls entgegenstehen. Auch ist Urlaubsanspruch nicht übertragbar: Er kann weder vererbt noch auf andere Weise an andere abgetreten werden. Zum Glück. Welcher gesunde Mensch will schon freiwillig auf Erholung verzichten?

Widerruf des Urlaubs
Stehen Auftragsspitzen ins Haus oder gibt es Personalengpässe, versuchen Arbeitgeber gerne einen bereits genehmigten Urlaub zu widerrufen. Auf keinen Fall auf so etwas einlassen! Denn Arbeitgeber können nicht bereits gewährten Urlaub – egal ob durch Urlaubsplan oder genehmigten Urlaubsantrag – widerrufen. Auch im Urlaub selbst darf niemand zurückgepfiffen werden.

Auszubildende sollten auch hier natürlich nicht einfach in Urlaub gehen, sondern vorher mit der JAV oder dem Betriebsrat bzw. Personalrat sprechen, um den Urlaubswunsch abzuklären. Im Zweifel steht Auszubildenden im zweiten Schritt selbstverständlich auch der Weg zum ver.di Rechtsschutz offen. 

Mehr Infos und weitere Erläuterungen zum Thema gibt es bei ver.di b+b.

09.05.2014

Selbstständigkeit und Elternschaft – kann ich mir das leisten?!

  • Baby im Strampler mit Schriftzug NOTHING CAN STOP ME

Infos zum Elterngeld für Selbstständige

Wenn Selbstständige Nachwuchs bekommen und wissen möchten, wieviel Elterngeld ihnen zusteht, gibt es einige Fallstricke – zumal sich die zugehörigen Gesetzesvorgaben auch immer wieder ändern. mediafon, unser Beratungsnetzwerk für Selbstständige, bringt Licht ins Dunkel: mit seinem Ratgeber für werdende Eltern, die selbstständig arbeiten!

Elterngeld auszurechnen ist leider ein Kapitel für sich… Je nach Versichertenstatus oder Steuerklassenwahl ergeben sich Vorteile oder Nachteile beispielsweise beim pauschalen Abzug von Steuern und Sozialversicherungen. Laut eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung „kapituliert mitunter sogar der Elterngeldrechner des Familienministeriums und liefert falsche Ergebnisse“.

Die mediafon-Broschüre "Wenn Selbstständige Kinder kriegen" schafft Klarheit und erläutert seit Jahren die Berechnungen zum Elterngeld. Der Ratgeber beschreibt sowohl alle Grundlagen, die werdende Eltern kennen sollten, als auch alle Änderungen der jüngsten Gesetzesreform.

Die jeweils neueste Ausgabe enthält somit alle aktuellen Regelungen zum Mutterschaftsgeld, Kindergeld und zu Freibeträgen bei der Einkommensteuer. Obendrauf gibt es Erläuterungen zum Kinderzuschlag, zum neuen Betreuungsgeld, zum Kinderkrankengeld und zum Landeserziehungsgeld in drei Bundesländern.

Eine 2013 gestaltete Reform zweier Regelungen zum Elterngeld benachteiligt leider Selbstständige mit Kindern:

  • Seither gilt bei ihnen als Bemessungszeitraum für die Elterngeldberechnung immer das Jahr vor der Geburt des Kindes.
  • Für die Einkommensberechnung kommt es jetzt strikt nicht mehr darauf an, wann die Arbeit geleistet wurde. Entscheidend ist allein, wann das Geld auf dem Konto eingeht. Dasselbe gilt beim Elterngeldbezug.

Rüdiger Lühr ist mediafon-Berater und Autor des Ratgebers und durchforstet für jede neue Auflage unter anderem die neuen Richtlinien zum Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit und ggf. auch die Elterngeld-Formulare der Bundesländer. Berücksichtigt werden natürlich auch erste Erfahrungsberichte aus der mediafon-Beratung und aktuelle Gerichtsurteile.

Die Broschüre 'Wenn Selbstständige Kinder kriegen – mediafon-Ratgeber zu Mutterschafts-, Elterngeld und weiteren Leistungen“ gibt es für alle Besitzerinnen und Besitzer des gedruckten Ratgebers für Selbstständige von mediafon kostenlos zum Download als PDF. Wer den Ratgeber noch nicht besitzt, kann ihn kostenpflichtig anfordern. Die Broschüre umfasst 28 Seiten und ist auf dem Stand von Frühjar 2014.

Übrigens: Für ver.di sind Solo-Selbstständige ein selbstverständlicher Teil der Arbeitswelt und der Mitgliedschaft. Selbstständige können sich daher in ver.di in verschiedenen Bereichen informieren und engagieren:

  • Die Selbstständigenarbeit kümmert sich berufsübergreifend um alle Themen und Probleme von Selbstständigen, hier geht es zum Beispiel um Fragen der sozialen Sicherung.
  • Berufsbezogene Spezialfragen sind also kein Teil der Selbstständigenarbeit. Solche Themen diskutieren und bestimmen ver.di-Selbstständige in ihren Fachgruppen.

Zusätzliche Beratung gibt es von Mediafon.

Wir wünschen euch viel Erfolg und Spaß mit eurer Doppelrolle als Selbstständige und (werdende) Eltern!

24.04.2014

Ausbildungsplatz gesucht?

  • Junge Frau blickt optimistisch in die Zukunft

Jetzt durchstarten – mit Input und Tipps von eurer ver.di Jugend

Wer gerade auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, bekommt jetzt den passenden Lesestoff: Wir liefern euch gute Anlaufstellen und handfeste Tipps, die euch zum Ziel führen!

Manchmal klappt es nicht sofort mit einem passenden Ausbildungsplatz. Nur keine Panik – bewerbt euch einfach unbeirrt weiter! Eine Ausbildung könnt ihr jederzeit starten, also nicht nur zum 1. September! Gerade zwischen September und Dezember werden immer wieder Ausbildungsplätze frei, weil in der Probezeit manche Auszubildende ihren Ausbildungsplatz selbst kündigen oder aber vom Ausbildungsbetrieb gekündigt werden. Aber auch jetzt noch gibt es Bewegung bei den Ausbildungsplätzen und freie Stellen.

Eure Bewerbungschancen sind auf jeden Fall größer mit einem höheren allgemeinen Schulabschluss. Mit einem (Fach-)Abitur ist auch ein Studium möglich. Vielleicht ist es also eine Option, erstmal weiter zur Schule zu gehen und einen höheren Abschluss zu machen.

Weitere gute „Lückenfüller“ für die Wartezeit bis zum passenden Ausbildungsplatz findet ihr auf unserem Serviceportal rund um die Ausbildung.

Ran an die Suche!
Als Allererstes solltet ihr euch zwei Fragen beantworten:

  1. Habt ihr einen ganz bestimmten Ausbildungsberuf im Visier oder könnt ihr euch auch Alternativen dazu vorstellen?
  2. Wäre es denkbar, außerhalb der heimischen Region eine Ausbildung anzutreten, z. B. in einer anderen Stadt?

Unter Umständen erweitern sich damit schon mal euer „Suchradius“ und damit das in Frage kommende Ausbildungsplatzangebot.

Übrigens: Die Region, in der ihr euch nach Stellen umseht, ist erfolgsentscheidend. Während sich in manchen Gegenden viele Bewerber_innen um denselben Ausbildungsplatz rangeln, gibt es in anderen Regionen mehr Plätze als Interessenten, insbesondere in größeren Städten und Ballungsgebieten. Es kann also tatsächlich sein, dass ihr für eure Wunschausbildung den Wohnort wechseln müsst.

Wo gibt es Stellenangebote?
Für eine duale Ausbildung sucht ihr am besten im Netz nach Stellenanzeigen, beispielsweise über eine große Suchmaschine wie Google und über renommierte Jobbörsen wie Stepstone oder Monster.

Bundesweite Angebote gibt es auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit. Meldet euch außerdem unbedingt bei der Arbeitsagentur in eurer Nähe, damit sie euch auf geeignete Angebote aufmerksam machen kann.

Manchmal hat eure Arbeitsagentur auch spezielle Stellen „auf den letzten Drücker“ anzubieten – hierbei ist allerdings Vorsicht geboten: Oft bleiben Ausbildungsstellen deswegen offen, weil hier schlechtere Bezahlung oder Ausbildungsbedingungen an der Tagesordnung sind (etwa in der Gastronomie oder Hotelbranche).

Zusätzlich könnt ihr euch im Berufsinformationszentrum (kurz BIZ) eurer Arbeitsagentur vor Ort informieren. Und auch in regionalen Zeitungen gibt es häufig Stelleninserate für Ausbildungsplätze.

Falls ihr eine Stelle bei einem ganz bestimmten Unternehmen im Visier habt, könnt ihr den jeweiligen Arbeitgeber fast immer direkt über die Firmenwebsite kontaktieren (Stichwort „Initiativbewerbung“). Oder ihr wagt euch auf einer Berufsmesse an die Stände von spannenden Arbeitgebern und sprecht sie direkt auf einen Ausbildungsplatz an.

Und zu guter Letzt sind auch die örtlichen Handwerkskammern immer eine gute Anlaufstelle für eure Suche.

Sonderformen einer Ausbildung
Ihr könnt natürlich auch eine duale Ausbildung mit einem Studium kombinieren. Voraussetzung dafür ist das (Fach-) Abitur. Auf ausbildung.info findet ihr auch passende Infos und Angebote zu dualen Studiengängen!

Einige Berufe könnt ihr auch oder ausschließlich an Fachschulen oder Berufsakademien in Form einer schulischen Ausbildung erlernen. Angebote dazu gibt es ebenfalls auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.

Und sonst noch?
Auf unserem Serviceportal ausbildung.info gibt es außerdem auch Tipps für die Wohnungssuche oder zu Wohnheimen.

Ebenfalls dort findet ihr eine schrittweise Anleitung zu eurer kompletten Bewerbungsmappe.

Wir wünschen euch viel Erfolg bei eurer Suche nach einem Ausbildungsplatz!

16.04.2014

Lage am Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt

  • Jugendliche mit ver.di Fahnen beim Sprechchor auf einer Demo

Zahlen und Fakten: Bewertung der Situation im März 2014

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat zum ersten Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Damit liegen nun die Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt mit Stand Ende März vor – wir lesen daraus erste Tendenzen.

Insgesamt haben 416.944 junge Menschen bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz die BA eingeschaltet. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland ist dabei ähnlich.

Bundesweit hat die BA zum 27. März 2014 insgesamt 416.944 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz registriert (plus 11.403 Personen bzw. plus 2,8 Prozent gegenüber den Zahlen von März 2013).

Ihnen allen steht ein Angebot von aktuell 412.286 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (plus 7.606 Stellen bzw. plus 1,9 Prozent im Vergleich zu März 2013), darin enthalten sind 405.843 betriebliche Ausbildungsstellen.

Und noch etwas differenzierter: In Westdeutschland stieg damit das Ausbildungsplatzangebot leicht um 1,8 Prozent, in Ostdeutschland um 2,2 Prozent.

Regionale Zahlen nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit

Was die Statistik abbildet – und was sie nicht zeigt
Zwischen der Anzahl der Bewerber_innen und denen der Ausbildungsplätze ergibt sich damit zu Beginn des Ausbildungsjahres 2014 eine leichte Differenz – und zwar zu Ungunsten derjenigen, die einen Ausbildungsplatz suchen.

„Und leider sind sogar noch mehr Ausbildungsinteressierte in einer schwierigen Lage, als es diese Zahlen auf den ersten Blick zeigen“, kommentiert Jan Duscheck, Bundesjugendsekretär der ver.di. „Die BA hat sie bisher lediglich in einer Maßnahme oder einer anderen Alternative ‘geparkt‘ – aber damit fallen diese jungen Menschen bereits aus der Statistik.“

Ebenfalls problematisch: Obwohl sie ausdrücklich weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen, zählt die BA 32.905 Bewerber_innen („Bewerber_innen mit Alternative zum 30.9.“) als versorgt. Dasselbe gilt für weitere 55.965 erfolglose Bewerber_innen („andere ehemalige Bewerber_innen“), obwohl diese eigentlich auch eine Ausbildung beginnen wollten, auch wenn sie laut BA eine Alternative haben – gemeint sind Übergangsmaßnahmen, deren Sinn und Zweck für Ausbildungssuchende wir von der ver.di Jugend kritisch sehen. Mehr zu den sogenannten berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

Deutschlandweit werden demnach 340.565 Ausbildungsplätze gesucht und momentan sind 260.909 Ausbildungsstellen unbesetzt. Allein für die registrierten Bewerber_innen fehlen also rein rechnerisch weitere 79.656 Ausbildungsstellen.

Was genau bedeuten diese Zahlen für das Gesamtjahr 2014?
Grundsätzlich haben diese ersten Zahlen im Jahr nur eine eingeschränkte Aussagekraft und können bestenfalls erste grobe Anhaltspunkte liefern. Wie sich die tatsächliche Situation am Ausbildungsstellenmarkt bis Jahresende noch entwickelt, lässt sich erst gegen Ende des Berufsberatungsjahres einschätzen.

Was sich allerdings abzeichnet: Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt! Deutschlandweit suchen 340.565 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, das entsprechende Angebot umfasst aktuell nur 260.909 unbesetzte Ausbildungsstellen. Immer noch werden viele junge Menschen ins sogenannte Übergangssystem vermittelt (insgesamt 257.600 in 2013), obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Übergangsmaßnahme benötigen. Und immer noch haben 1,4 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 keinen qualifizierenden Berufsabschluss – das entspricht 14 Prozent von dieser Altersgruppe.

Handlungsbedarf – jetzt!
Fachkräftemangel hin oder her: Dringend nötig ist eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie – nur so wird sichergestellt, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen wirklich einen Ausbildungsplatz bekommen.

„Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus, als es die Zahlen von März 2014 zeigen“, kritisiert Duscheck. „Hier besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf und zwar so schnell wie möglich. Junge Menschen haben schließlich ein Recht auf gute Ausbildung!“

15.04.2014

Chancengleichheit der Geschlechter beim Berufseinstieg? Fehlanzeige!

  • Schild MEN AT WORK mit Kreide ergänzt zu WOMEN AT WORK

Frauen haben immer noch das Nachsehen

Der Berufs(wieder)einstieg ist oft von Schwierigkeiten geprägt. Ob Gehalt, Stellung oder Arbeitszeiten: Frauen kommen dabei meist schlechter weg als ihre männlichen Kollegen. Die ver.di Jugend mit Hintergrundinfos zum Thema – und einem passenden Wochenendseminar für junge Frauen: Gleich mal anmelden, alle Infos dazu gibt es hier zum Nachlesen!

Der Übergang in den Beruf ist eine zentrale Weichenstellung – auch in Sachen Gleichstellung. Nach wie vor sind unsere Arbeitswelt und auch unser Berufsbildungssystem von der Unterteilung in männlich oder weiblich dominierte Berufe geprägt. Entscheiden sich Jugendliche für einen „nicht-traditionellen“ Beruf, steht ihre Berufswahl also im Gegensatz zu den herrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen und Geschlechterleitbildern. Es braucht daher eine ordentliche Portion Überzeugung und Selbstvertrauen, um sich in der Ausbildung und im künftigen Erwerbsleben als „Exot_in“ durchsetzen.

Woran liegt das eigentlich und wie lässt sich das umgehen?

Frauen im Nachteil
Junge Frauen dringen mit der Wahl eines männlich dominierten Berufs in eine „Männerwelt“ vor, in der sie häufig nicht nur gegen Vorurteile kämpfen müssen, sondern mitunter auch gegen sexistische Abwertungen. Eine „nicht-traditionelle“ Berufswahl ist also nicht nur eine Frage der eigenen Interessen, sondern verlangt jungen Frauen und Männern außerdem einiges an Überzeugung und Selbstvertrauen ab.

Aber auch das Einstellungsverhalten von (Ausbildungs-)Betrieben hat entscheidenden Einfluss auf den Berufseinstieg. Oft haben junge Frauen, die eine Ausbildung in einem männlich dominierten Beruf anstreben, größere Schwierigkeiten, im ihrem Wunschberuf tatsächlich einen Ausbildungsplatz zu finden. Und auch nach der Ausbildung können sich rauen in männlich dominierten Berufen schwerer etablieren und sind deutlich seltener als Männer ausbildungsadäquat beschäftigt.

Natürlich spielt auch der Bildungsabschluss eine große Rolle – allerdings brauchen Frauen bessere Karten als Männer. Frauen mit geringen Bildungsabschlüssen haben seltener Erfolg, eine Berufsausbildung bzw. ein (ausbildungsadäquates) Beschäftigungsverhältnis zu finden als ihre männlichen Kollegen mit vergleichbarem Abschluss. Entsprechend ist der Anteil junger Frauen an den Schulabgängen ohne oder nur mit geringem Abschluss unterdurchschnittlich.

Noch schlechtere Chancen – beispielsweise auf eine duale Berufsausbildung – haben junge Frauen mit Migrationshintergrund, und das selbst mit einem mittleren Schulabschluss.

ver.di für mehr Chancengleichheit
Um die Gleichstellung der Geschlechter beim Berufseinstieg zu fördern, gibt es also drei Stellschrauben, an denen vor allem gedreht werden muss:

  • chancengleich orientierte schulische Bildung
  • Förderung der Berufsausbildung in „nicht-traditionellen“ Berufen
  • Abbau der traditionellen Aufspaltung am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Der Bereich Frauen- und Gleichstellungspolitik in ver.di bietet außerdem in diesem Jahr für junge Frauen zwei Wochenendseminare am Wannsee an. Unter dem Motto „We can do it! Erfolgreich mitbestimmen im Berufs(wieder)einstieg!“ setzen sich die Teilnehmerinnen – junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren – damit auseinander, wie sie typische Fallen überwinden und das betriebliche Arbeitsleben aktiv mitgestalteten können. In gleicher Weise können sie eigene, persönliche „Fallen“ bearbeiten, um sich selbstbewusst vertreten zu können.

Die Seminartermine in 2014:
04.07.2014–06.07.2014 Berlin-Wannsee
12.09.2014–14.09.2014 Berlin-Wannsee

Einen Seminarflyer gibt es hier als PDF.

Das Anmeldeformular für unsere Seminare könnt ihr direkt am Bildschirm ausfüllen, hier gibt es die Datei zum Download.

Weitere Infos für Berufeinsteiger_innen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

01.04.2014

Mindestlohn auch unter 18 – ohne Wenn und Aber!

  • Wortwolke aus Begriffen zum Thema Ausschluss der Jugend

ver.di Jugend kritisiert geplante Diskriminierung von Jugendlichen beim Mindestlohn

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plant bei der Einführung des Mindestlohns die Ausgrenzung von minderjährigen Beschäftigten. Nach ihrer Auffassung würden junge Menschen dadurch eher angeregt, eine Ausbildung zu beginnen, statt einen besser bezahlten Aushilfsjob anzunehmen. Die ver.di Jugend kritisiert Nahles und fordert einen flächendeckenden Mindestlohn ohne Ausnahmen und für alle Beschäftigten.

Bei der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland ab 2015 sollen einige Beschäftigtengruppen ausgenommen werden – auch Jugendliche unter 18 Jahren. Rechtfertigen soll das der beträchtliche Unterschied zwischen einer Ausbildungsvergütung und einem mit Mindestlohn erzielbaren Einkommen. Hierdurch werden negative Anreize befürchtet und somit ein Rückgang der ausbildungswilligen Jugendlichen.

Warum Nahles schief gewickelt ist
„Diese Begründung ist absurd“, kommentiert ver.di Bundesjugendsekretär Jan Duscheck. „Wenn junge Menschen heute einen Aushilfsjob annehmen, dann nur, weil zu wenig gute Ausbildungsplätze angeboten werden“, so Duscheck weiter. In der Tat bestätigt eine genauere Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland die Argumentation der Bundesarbeitsministerin nicht. Zumal der Einkommensunterschied bereits heute in vielen Branchen besteht – auch ohne Mindestlohn.

Vielmehr wären von der geplanten Ausnahmeregelung vorwiegend junge Minijobber_innen mit geringem Zuverdienst betroffen. Von ihnen befinden sich in der Altersgruppe bis 21 Jahre momentan rund 75 Prozent in einer Ausbildung. Das stetig anwachsende Bildungsniveau zeigt eindeutig, dass junge Menschen viel Wert auf eine gute Ausbildung legen, um das Risiko auf nur prekäre Arbeitsplatzangebote zu minimieren. Jan Duscheck bringt es auf den Punkt: „Jungen Menschen per se zu unterstellen, sie würden derart kurzfristig angelegte Entscheidungen treffen, ist eine Frechheit!“

Argumentation hinkt auch beim Vergleich mit EU-Nachbarstaaten
Und auch in europäischen Nachbarländern ist die Ursache für höhere Jugendarbeitslosigkeit nicht der Mindestlohn. Vielmehr haben es Berufsanfänger_innen in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche einfach schwerer, ein Beschäftigungsverhältnis zu finden. Und es gibt im europäischen Ausland kein duales Ausbildungssystem, dass zu einem leichteren Übergang zwischen Ausbildung und Berufseinstieg beiträgt. Probleme, nach der Ausbildung eine Beschäftigung zu finden, werden allerdings nicht durch Lohndumping gelöst.

Viel eher sind durch die geplante Ausnahme unerwünschte Effekte zu erwarten, die einen „Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt“ schaffen und zur Verdrängung älterer Arbeitnehmer_innen führen: Diese könnten dann verstärkt durch billigere, minderjährige Arbeitskräfte ersetzt werden.

Davon abgesehen bedeutet eine solche Ausnahme eine Altersdiskriminierung, die nach Europarecht unzulässig ist. Zwischen Alter und Produktivität besteht kein direkter Zusammenhang, Jugendliche sind ebenso produktiv wie alle anderen Arbeitnehmer_innen. Somit ist nicht nachvollziehbar, weswegen Minderjährige für die gleichen Tätigkeiten weniger Lohn erhalten sollen als Volljährige. „Jugendliche dürfen nicht zu Beschäftigten zweiter Klasse gemacht werden“, bekräftigt Duscheck.

Weiterer Zeitablauf zum Gesetzesbeschluss
Laut Zeitplanung für das Gesetzgebungsverfahren ist die Verabschiedung des Kabinettsentwurfs am 02. April 2014 vorgesehen. Weitere Meilensteine sind geplant am:

  • 23. Mai 2014 – Erster Durchgang des Gesetzesentwurfs im Bundesrat
  • 05. oder 06. Juni 2014 – Erste Lesung im Bundestag
  • 25. Juni 2014 – Ausschusseinführung, gegebenenfalls mit Anhörung am 30. Juni 2014
  • 04. Juli 2014 – Zweite oder dritte Lesung im Bundestag
  • 19. September 2014 – Zweiter Durchgang im Bundesrat
  • 01. Januar 2015 – Inkrafttreten

Die ver.di Jugend fordert die sofortige Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns ohne Ausnahmeregelungen. Hierfür wollen wir vor allem die Zeit bis zum 23. Mai nutzen, also zwischen der Verabschiedung des Kabinettsentwurfes und dem ersten Durchgang im Bundesrat.

In diesem Zeitraum werden wir gemeinsam mit den anderen Mitgliedsgewerkschaften im DGB vor Ort auf die eigene Landesregierung zugehen und Lobbyarbeit gegen die geplanten Mindestlohnausnahmen betreiben. Genauso werden wir gezielt die Bundestagsabgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis ansprechen.

Würde kennt keine Ausnahmen: Gegen Diskriminierung von Jugendlichen beim Mindestlohn – gemeinsam stark!

14.03.2014

Rund um die JAV-Wahl

  • Für eine JAV mit Biss: mitdenken, mitbestimmen, wählen gehen!

Was eure JAV für euch tut und wie ihr sie wählt

Jugend- und Auszubildendenvertretungen, kurz JAVen in Betrieben oder Dienststellen – wozu sind die eigentlich gut? Ganz einfach: Sie engagieren sich für eure Themenbereiche und Interessen als Auszubildende, sorgen für die korrekte Umsetzung aller für euch geltenden Gesetze und sind eure erste Stimme und Anlaufstelle vor Ort, falls in eurer Ausbildung mal irgendetwas schief läuft. Gute Gründe also, euch an der JAV-Wahl 2014 zu beteiligen. Wann und wie das genau abläuft – hier im Überblick.

Bei der JAV-Wahl entscheidet ihr, wer die Interessen der Auszubildenden und jungen Beschäftigten an eurem Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz für die nächsten zwei Jahre vertritt, schützt und durchsetzt. Und dieses Jahr ist es in vielen Bereichen wieder soweit: 2014 ist das Jahr der JAV-Wahlen! Nach Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) sind die Wahlen bereits seit 01. März in vollem Gange und das noch bis 31. Mai. Nach Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) liegt der Wahlzeitraum zwischen 01. Oktober und 31. November.

Zum Ablauf der JAV-Wahl haben wir euch hier die wichtigsten Fragen, Antworten und Infos zusammengestellt:

Unter welchen Voraussetzungen kann überhaupt eine JAV-Wahl stattfinden?
Damit eine JAV gewählt werden darf, muss im Betrieb bereits ein Betriebsrat (BR) bzw. in der Dienststelle eine Personalrat (PR) existieren und in der Regel müssen mindestens fünf Wahlberechtigte dort beschäftigt sein.

Wann wird gewählt?
Die JAV-Wahlen finden alle zwei Jahre statt: bundesweit und in allen Branchen bzw. in allen Dienststellen und Verwaltungen.

Warum soll ich wählen gehen?
Weil eine JAV allen Auszubildenden und jugendlichen Beschäftigten im Betrieb bzw. in der Dienststelle die Möglichkeit zur Mitbestimmung bietet, zum Beispiel:

  • damit die Ausbildungsqualität passt
  • damit es genügend Ausbildungsplätze gibt
  • damit die Chancen auf Übernahme steigen
  • damit Arbeitszeit, Urlaub und Vergütung stimmen

Wer darf wählen gehen?
Alle jugendlichen Beschäftigten unter 18 und alle Auszubildenden unter 25 Jahren dürfen bei der JAV-Wahl ihre Stimme abgeben.

Wer darf gewählt werden?
Hier bestehen Unterschiede zwischen BetrVG und BPersVG:

  • Nach BetrVG dürfen alle Beschäftigten unter 25 Jahre für die JAV-Wahl kandidieren. Allerdings dürfen sie nicht gleichzeitig Mitglied im BR sein.
  • Nach BPersVG dürfen alle Beschäftigten unter 26 Jahre kandidieren – und zwar auch solche, die schon ausgelernt haben und über 18 Jahre alt sind. Kandidierende müssen allerdings seit sechs Monaten dem Geschäftsbereich der obersten Dienstbehörde angehören.

Wie wird gewählt?
Auch beim Wahlverfahren wird differenziert:

  • Nach BetrVG wird in Betrieben mit fünf bis 50 Wahlberechtigten das vereinfachte Wahlverfahren (Personen- oder Mehrheitswahl) angewendet. Dabei haben alle Wahlberechtigten jeweils so viele Stimmen, wie JAV-Mitglieder gewählt werden.
    Ab 50 Jugendlichen und Auszubildenden empfehlen wir das normale Wahlverfahren und ab 100 Wahlberechtigten ist das normale Wahlverfahren sogar zwingend vorgeschrieben.
  • Nach BPersVG wird in Dienststellen mit fünf bis 20 Wahlberechtigten das vereinfachte Wahlverfahren (Personen- oder Mehrheitswahl) angewendet. Dabei haben alle Wahlberechtigten jeweils so viele Stimmen, wie JAV-Mitglieder gewählt werden.
    Sind mehr jugendliche Beschäftigte in der Dienststelle, entscheidet die Anzahl der Wahlvorschläge: Liegt nur einer vor, gibt es ebenfalls eine Mehrheitswahl. Dagegen wird bei mehreren Vorschlägen eine Listenwahl durchgeführt, bei der Wahlberechtigte nur eine Stimme für genau eine der Listen vergeben können.

Wie wird die Wahl vorbereitet und durchgeführt?
Die JAV-Wahl wird von einem Wahlvorstand organisiert und geleitet. Dieser wird vom BR bzw. PR bestellt und besteht üblicherweise aus drei Mitgliedern.

Der Wahlvorstand ist verantwortlich für die Auflistung aller Wahlberechtigten, er bestimmt die Größe und Verteilung der JAV, kümmert sich um die Ausschreibung der Wahl, sammelt und prüft die Wahlvorschläge.

Was passiert nach der Wahl?
Nachdem das Wahlergebnis feststeht, erstellt der Wahlvorstand die Wahlniederschrift u. a. mit Details zu Stimmzahlen und Stimmverteilungen.

Wenn ihr es etwas genauer wissen wollt, findet ihr auf unserem Service-Portal für JAVen weitere Details:

Und für alle, die bei der JAV-Wahl aktiv mitgestalten möchten, gibt es unsere Arbeitshilfe mit dem kommentierten BetrVG!

Wir wünschen euch gelungene JAV-Wahlen und ggf. eine erfolgreiche Kandidatur!

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