16.04.2014

Lage am Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt

  • Jugendliche mit ver.di Fahnen beim Sprechchor auf einer Demo

Zahlen und Fakten: Bewertung der Situation im März 2014

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat zum ersten Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Damit liegen nun die Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt mit Stand Ende März vor – wir lesen daraus erste Tendenzen.

Insgesamt haben 416.944 junge Menschen bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz die BA eingeschaltet. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland ist dabei ähnlich.

Bundesweit hat die BA zum 27. März 2014 insgesamt 416.944 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz registriert (plus 11.403 Personen bzw. plus 2,8 Prozent gegenüber den Zahlen von März 2013).

Ihnen allen steht ein Angebot von aktuell 412.286 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (plus 7.606 Stellen bzw. plus 1,9 Prozent im Vergleich zu März 2013), darin enthalten sind 405.843 betriebliche Ausbildungsstellen.

Und noch etwas differenzierter: In Westdeutschland stieg damit das Ausbildungsplatzangebot leicht um 1,8 Prozent, in Ostdeutschland um 2,2 Prozent.

Regionale Zahlen nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit

Was die Statistik abbildet – und was sie nicht zeigt
Zwischen der Anzahl der Bewerber_innen und denen der Ausbildungsplätze ergibt sich damit zu Beginn des Ausbildungsjahres 2014 eine leichte Differenz – und zwar zu Ungunsten derjenigen, die einen Ausbildungsplatz suchen.

„Und leider sind sogar noch mehr Ausbildungsinteressierte in einer schwierigen Lage, als es diese Zahlen auf den ersten Blick zeigen“, kommentiert Jan Duscheck, Bundesjugendsekretär der ver.di. „Die BA hat sie bisher lediglich in einer Maßnahme oder einer anderen Alternative ‘geparkt‘ – aber damit fallen diese jungen Menschen bereits aus der Statistik.“

Ebenfalls problematisch: Obwohl sie ausdrücklich weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen, zählt die BA 32.905 Bewerber_innen („Bewerber_innen mit Alternative zum 30.9.“) als versorgt. Dasselbe gilt für weitere 55.965 erfolglose Bewerber_innen („andere ehemalige Bewerber_innen“), obwohl diese eigentlich auch eine Ausbildung beginnen wollten, auch wenn sie laut BA eine Alternative haben – gemeint sind Übergangsmaßnahmen, deren Sinn und Zweck für Ausbildungssuchende wir von der ver.di Jugend kritisch sehen. Mehr zu den sogenannten berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

Deutschlandweit werden demnach 340.565 Ausbildungsplätze gesucht und momentan sind 260.909 Ausbildungsstellen unbesetzt. Allein für die registrierten Bewerber_innen fehlen also rein rechnerisch weitere 79.656 Ausbildungsstellen.

Was genau bedeuten diese Zahlen für das Gesamtjahr 2014?
Grundsätzlich haben diese ersten Zahlen im Jahr nur eine eingeschränkte Aussagekraft und können bestenfalls erste grobe Anhaltspunkte liefern. Wie sich die tatsächliche Situation am Ausbildungsstellenmarkt bis Jahresende noch entwickelt, lässt sich erst gegen Ende des Berufsberatungsjahres einschätzen.

Was sich allerdings abzeichnet: Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt! Deutschlandweit suchen 340.565 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, das entsprechende Angebot umfasst aktuell nur 260.909 unbesetzte Ausbildungsstellen. Immer noch werden viele junge Menschen ins sogenannte Übergangssystem vermittelt (insgesamt 257.600 in 2013), obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Übergangsmaßnahme benötigen. Und immer noch haben 1,4 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 keinen qualifizierenden Berufsabschluss – das entspricht 14 Prozent von dieser Altersgruppe.

Handlungsbedarf – jetzt!
Fachkräftemangel hin oder her: Dringend nötig ist eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie – nur so wird sichergestellt, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen wirklich einen Ausbildungsplatz bekommen.

„Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus, als es die Zahlen von März 2014 zeigen“, kritisiert Duscheck. „Hier besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf und zwar so schnell wie möglich. Junge Menschen haben schließlich ein Recht auf gute Ausbildung!“

15.04.2014

Chancengleichheit der Geschlechter beim Berufseinstieg? Fehlanzeige!

  • Schild MEN AT WORK mit Kreide ergänzt zu WOMEN AT WORK

Frauen haben immer noch das Nachsehen

Der Berufs(wieder)einstieg ist oft von Schwierigkeiten geprägt. Ob Gehalt, Stellung oder Arbeitszeiten: Frauen kommen dabei meist schlechter weg als ihre männlichen Kollegen. Die ver.di Jugend mit Hintergrundinfos zum Thema – und einem passenden Wochenendseminar für junge Frauen: Gleich mal anmelden, alle Infos dazu gibt es hier zum Nachlesen!

Der Übergang in den Beruf ist eine zentrale Weichenstellung – auch in Sachen Gleichstellung. Nach wie vor sind unsere Arbeitswelt und auch unser Berufsbildungssystem von der Unterteilung in männlich oder weiblich dominierte Berufe geprägt. Entscheiden sich Jugendliche für einen „nicht-traditionellen“ Beruf, steht ihre Berufswahl also im Gegensatz zu den herrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen und Geschlechterleitbildern. Es braucht daher eine ordentliche Portion Überzeugung und Selbstvertrauen, um sich in der Ausbildung und im künftigen Erwerbsleben als „Exot_in“ durchsetzen.

Woran liegt das eigentlich und wie lässt sich das umgehen?

Frauen im Nachteil
Junge Frauen dringen mit der Wahl eines männlich dominierten Berufs in eine „Männerwelt“ vor, in der sie häufig nicht nur gegen Vorurteile kämpfen müssen, sondern mitunter auch gegen sexistische Abwertungen. Eine „nicht-traditionelle“ Berufswahl ist also nicht nur eine Frage der eigenen Interessen, sondern verlangt jungen Frauen und Männern außerdem einiges an Überzeugung und Selbstvertrauen ab.

Aber auch das Einstellungsverhalten von (Ausbildungs-)Betrieben hat entscheidenden Einfluss auf den Berufseinstieg. Oft haben junge Frauen, die eine Ausbildung in einem männlich dominierten Beruf anstreben, größere Schwierigkeiten, im ihrem Wunschberuf tatsächlich einen Ausbildungsplatz zu finden. Und auch nach der Ausbildung können sich rauen in männlich dominierten Berufen schwerer etablieren und sind deutlich seltener als Männer ausbildungsadäquat beschäftigt.

Natürlich spielt auch der Bildungsabschluss eine große Rolle – allerdings brauchen Frauen bessere Karten als Männer. Frauen mit geringen Bildungsabschlüssen haben seltener Erfolg, eine Berufsausbildung bzw. ein (ausbildungsadäquates) Beschäftigungsverhältnis zu finden als ihre männlichen Kollegen mit vergleichbarem Abschluss. Entsprechend ist der Anteil junger Frauen an den Schulabgängen ohne oder nur mit geringem Abschluss unterdurchschnittlich.

Noch schlechtere Chancen – beispielsweise auf eine duale Berufsausbildung – haben junge Frauen mit Migrationshintergrund, und das selbst mit einem mittleren Schulabschluss.

ver.di für mehr Chancengleichheit
Um die Gleichstellung der Geschlechter beim Berufseinstieg zu fördern, gibt es also drei Stellschrauben, an denen vor allem gedreht werden muss:

  • chancengleich orientierte schulische Bildung
  • Förderung der Berufsausbildung in „nicht-traditionellen“ Berufen
  • Abbau der traditionellen Aufspaltung am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Der Bereich Frauen- und Gleichstellungspolitik in ver.di bietet außerdem in diesem Jahr für junge Frauen zwei Wochenendseminare am Wannsee an. Unter dem Motto „We can do it! Erfolgreich mitbestimmen im Berufs(wieder)einstieg!“ setzen sich die Teilnehmerinnen – junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren – damit auseinander, wie sie typische Fallen überwinden und das betriebliche Arbeitsleben aktiv mitgestalteten können. In gleicher Weise können sie eigene, persönliche „Fallen“ bearbeiten, um sich selbstbewusst vertreten zu können.

Die Seminartermine in 2014:
04.07.2014–06.07.2014 Berlin-Wannsee
12.09.2014–14.09.2014 Berlin-Wannsee

Einen Seminarflyer gibt es hier als PDF.

Das Anmeldeformular für unsere Seminare könnt ihr direkt am Bildschirm ausfüllen, hier gibt es die Datei zum Download.

Weitere Infos für Berufeinsteiger_innen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

01.04.2014

Mindestlohn auch unter 18 – ohne Wenn und Aber!

  • Wortwolke aus Begriffen zum Thema Ausschluss der Jugend

ver.di Jugend kritisiert geplante Diskriminierung von Jugendlichen beim Mindestlohn

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plant bei der Einführung des Mindestlohns die Ausgrenzung von minderjährigen Beschäftigten. Nach ihrer Auffassung würden junge Menschen dadurch eher angeregt, eine Ausbildung zu beginnen, statt einen besser bezahlten Aushilfsjob anzunehmen. Die ver.di Jugend kritisiert Nahles und fordert einen flächendeckenden Mindestlohn ohne Ausnahmen und für alle Beschäftigten.

Bei der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland ab 2015 sollen einige Beschäftigtengruppen ausgenommen werden – auch Jugendliche unter 18 Jahren. Rechtfertigen soll das der beträchtliche Unterschied zwischen einer Ausbildungsvergütung und einem mit Mindestlohn erzielbaren Einkommen. Hierdurch werden negative Anreize befürchtet und somit ein Rückgang der ausbildungswilligen Jugendlichen.

Warum Nahles schief gewickelt ist
„Diese Begründung ist absurd“, kommentiert ver.di Bundesjugendsekretär Jan Duscheck. „Wenn junge Menschen heute einen Aushilfsjob annehmen, dann nur, weil zu wenig gute Ausbildungsplätze angeboten werden“, so Duscheck weiter. In der Tat bestätigt eine genauere Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland die Argumentation der Bundesarbeitsministerin nicht. Zumal der Einkommensunterschied bereits heute in vielen Branchen besteht – auch ohne Mindestlohn.

Vielmehr wären von der geplanten Ausnahmeregelung vorwiegend junge Minijobber_innen mit geringem Zuverdienst betroffen. Von ihnen befinden sich in der Altersgruppe bis 21 Jahre momentan rund 75 Prozent in einer Ausbildung. Das stetig anwachsende Bildungsniveau zeigt eindeutig, dass junge Menschen viel Wert auf eine gute Ausbildung legen, um das Risiko auf nur prekäre Arbeitsplatzangebote zu minimieren. Jan Duscheck bringt es auf den Punkt: „Jungen Menschen per se zu unterstellen, sie würden derart kurzfristig angelegte Entscheidungen treffen, ist eine Frechheit!“

Argumentation hinkt auch beim Vergleich mit EU-Nachbarstaaten
Und auch in europäischen Nachbarländern ist die Ursache für höhere Jugendarbeitslosigkeit nicht der Mindestlohn. Vielmehr haben es Berufsanfänger_innen in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche einfach schwerer, ein Beschäftigungsverhältnis zu finden. Und es gibt im europäischen Ausland kein duales Ausbildungssystem, dass zu einem leichteren Übergang zwischen Ausbildung und Berufseinstieg beiträgt. Probleme, nach der Ausbildung eine Beschäftigung zu finden, werden allerdings nicht durch Lohndumping gelöst.

Viel eher sind durch die geplante Ausnahme unerwünschte Effekte zu erwarten, die einen „Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt“ schaffen und zur Verdrängung älterer Arbeitnehmer_innen führen: Diese könnten dann verstärkt durch billigere, minderjährige Arbeitskräfte ersetzt werden.

Davon abgesehen bedeutet eine solche Ausnahme eine Altersdiskriminierung, die nach Europarecht unzulässig ist. Zwischen Alter und Produktivität besteht kein direkter Zusammenhang, Jugendliche sind ebenso produktiv wie alle anderen Arbeitnehmer_innen. Somit ist nicht nachvollziehbar, weswegen Minderjährige für die gleichen Tätigkeiten weniger Lohn erhalten sollen als Volljährige. „Jugendliche dürfen nicht zu Beschäftigten zweiter Klasse gemacht werden“, bekräftigt Duscheck.

Weiterer Zeitablauf zum Gesetzesbeschluss
Laut Zeitplanung für das Gesetzgebungsverfahren ist die Verabschiedung des Kabinettsentwurfs am 02. April 2014 vorgesehen. Weitere Meilensteine sind geplant am:

  • 23. Mai 2014 – Erster Durchgang des Gesetzesentwurfs im Bundesrat
  • 05. oder 06. Juni 2014 – Erste Lesung im Bundestag
  • 25. Juni 2014 – Ausschusseinführung, gegebenenfalls mit Anhörung am 30. Juni 2014
  • 04. Juli 2014 – Zweite oder dritte Lesung im Bundestag
  • 19. September 2014 – Zweiter Durchgang im Bundesrat
  • 01. Januar 2015 – Inkrafttreten

Die ver.di Jugend fordert die sofortige Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns ohne Ausnahmeregelungen. Hierfür wollen wir vor allem die Zeit bis zum 23. Mai nutzen, also zwischen der Verabschiedung des Kabinettsentwurfes und dem ersten Durchgang im Bundesrat.

In diesem Zeitraum werden wir gemeinsam mit den anderen Mitgliedsgewerkschaften im DGB vor Ort auf die eigene Landesregierung zugehen und Lobbyarbeit gegen die geplanten Mindestlohnausnahmen betreiben. Genauso werden wir gezielt die Bundestagsabgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis ansprechen.

Würde kennt keine Ausnahmen: Gegen Diskriminierung von Jugendlichen beim Mindestlohn – gemeinsam stark!

14.03.2014

Rund um die JAV-Wahl

  • Für eine JAV mit Biss: mitdenken, mitbestimmen, wählen gehen!

Was eure JAV für euch tut und wie ihr sie wählt

Jugend- und Auszubildendenvertretungen, kurz JAVen in Betrieben oder Dienststellen – wozu sind die eigentlich gut? Ganz einfach: Sie engagieren sich für eure Themenbereiche und Interessen als Auszubildende, sorgen für die korrekte Umsetzung aller für euch geltenden Gesetze und sind eure erste Stimme und Anlaufstelle vor Ort, falls in eurer Ausbildung mal irgendetwas schief läuft. Gute Gründe also, euch an der JAV-Wahl 2014 zu beteiligen. Wann und wie das genau abläuft – hier im Überblick.

Bei der JAV-Wahl entscheidet ihr, wer die Interessen der Auszubildenden und jungen Beschäftigten an eurem Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz für die nächsten zwei Jahre vertritt, schützt und durchsetzt. Und dieses Jahr ist es in vielen Bereichen wieder soweit: 2014 ist das Jahr der JAV-Wahlen! Nach Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) sind die Wahlen bereits seit 01. März in vollem Gange und das noch bis 31. Mai. Nach Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) liegt der Wahlzeitraum zwischen 01. Oktober und 31. November.

Zum Ablauf der JAV-Wahl haben wir euch hier die wichtigsten Fragen, Antworten und Infos zusammengestellt:

Unter welchen Voraussetzungen kann überhaupt eine JAV-Wahl stattfinden?
Damit eine JAV gewählt werden darf, muss im Betrieb bereits ein Betriebsrat (BR) bzw. in der Dienststelle eine Personalrat (PR) existieren und in der Regel müssen mindestens fünf Wahlberechtigte dort beschäftigt sein.

Wann wird gewählt?
Die JAV-Wahlen finden alle zwei Jahre statt: bundesweit und in allen Branchen bzw. in allen Dienststellen und Verwaltungen.

Warum soll ich wählen gehen?
Weil eine JAV allen Auszubildenden und jugendlichen Beschäftigten im Betrieb bzw. in der Dienststelle die Möglichkeit zur Mitbestimmung bietet, zum Beispiel:

  • damit die Ausbildungsqualität passt
  • damit es genügend Ausbildungsplätze gibt
  • damit die Chancen auf Übernahme steigen
  • damit Arbeitszeit, Urlaub und Vergütung stimmen

Wer darf wählen gehen?
Alle jugendlichen Beschäftigten unter 18 und alle Auszubildenden unter 25 Jahren dürfen bei der JAV-Wahl ihre Stimme abgeben.

Wer darf gewählt werden?
Hier bestehen Unterschiede zwischen BetrVG und BPersVG:

  • Nach BetrVG dürfen alle Beschäftigten unter 25 Jahre für die JAV-Wahl kandidieren. Allerdings dürfen sie nicht gleichzeitig Mitglied im BR sein.
  • Nach BPersVG dürfen alle Beschäftigten unter 26 Jahre kandidieren – und zwar auch solche, die schon ausgelernt haben und über 18 Jahre alt sind. Kandidierende müssen allerdings seit sechs Monaten dem Geschäftsbereich der obersten Dienstbehörde angehören.

Wie wird gewählt?
Auch beim Wahlverfahren wird differenziert:

  • Nach BetrVG wird in Betrieben mit fünf bis 50 Wahlberechtigten das vereinfachte Wahlverfahren (Personen- oder Mehrheitswahl) angewendet. Dabei haben alle Wahlberechtigten jeweils so viele Stimmen, wie JAV-Mitglieder gewählt werden.
    Ab 50 Jugendlichen und Auszubildenden empfehlen wir das normale Wahlverfahren und ab 100 Wahlberechtigten ist das normale Wahlverfahren sogar zwingend vorgeschrieben.
  • Nach BPersVG wird in Dienststellen mit fünf bis 20 Wahlberechtigten das vereinfachte Wahlverfahren (Personen- oder Mehrheitswahl) angewendet. Dabei haben alle Wahlberechtigten jeweils so viele Stimmen, wie JAV-Mitglieder gewählt werden.
    Sind mehr jugendliche Beschäftigte in der Dienststelle, entscheidet die Anzahl der Wahlvorschläge: Liegt nur einer vor, gibt es ebenfalls eine Mehrheitswahl. Dagegen wird bei mehreren Vorschlägen eine Listenwahl durchgeführt, bei der Wahlberechtigte nur eine Stimme für genau eine der Listen vergeben können.

Wie wird die Wahl vorbereitet und durchgeführt?
Die JAV-Wahl wird von einem Wahlvorstand organisiert und geleitet. Dieser wird vom BR bzw. PR bestellt und besteht üblicherweise aus drei Mitgliedern.

Der Wahlvorstand ist verantwortlich für die Auflistung aller Wahlberechtigten, er bestimmt die Größe und Verteilung der JAV, kümmert sich um die Ausschreibung der Wahl, sammelt und prüft die Wahlvorschläge.

Was passiert nach der Wahl?
Nachdem das Wahlergebnis feststeht, erstellt der Wahlvorstand die Wahlniederschrift u. a. mit Details zu Stimmzahlen und Stimmverteilungen.

Wenn ihr es etwas genauer wissen wollt, findet ihr auf unserem Service-Portal für JAVen weitere Details:

Und für alle, die bei der JAV-Wahl aktiv mitgestalten möchten, gibt es unsere Arbeitshilfe mit dem kommentierten BetrVG!

Wir wünschen euch gelungene JAV-Wahlen und ggf. eine erfolgreiche Kandidatur!

26.02.2014

Ausbildungsqualität im Handel? Das muss besser werden!

  • Transparent ÜBERNAHME IST KEIN VERBRECHEN!

Handelssonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports deckt gravierende Mängel auf

Für eine bundesweite Auswertung der Ausbildungsqualität im Handel hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Februar 2014 vier Handelsberufe aus Einzel-, Groß- und Außenhandel unter die Lupe genommen. Das Ergebnis alarmiert: Überstunden, fehlende Ausbildungspläne und ausbildungsfremde Tätigkeiten sind für viele Auszubildende gang und gäbe!

Handelsriesen malen in hochpreisiger Werbung für ihre Ausbildungsplätze mit bunten Farben eine schöne Welt der besonders guten Ausbildungsqualität, Karriere- und Aufstiegschancen. Offenbar erfolgreich: Handelsberufe belegen zum 30. September 2013 die ersten zwei Plätze unter den am häufigsten abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, so die neuste Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Ganz anders sieht es allerdings nach der Befragung von 3.765 Auszubildenden aus dem Handel durch den DGB aus. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, hat ein Drittel der Befragten keine Grundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung, also keinen Ausbildungsplan. 17,7 Prozent der Befragten verrichten auch ausbildungsfremde Tätigkeiten, davon 6,5 Prozent sogar häufig – der tatsächliche Lerngehalt ihrer Ausbildung ist damit fraglich. 13,2 Prozent haben nur manchmal, 8,4 Prozent sogar nur selten einen Ausbilder oder eine Ausbilderin in der Nähe. Viele Faktoren also, welche die Ausbildungsqualität erheblich in den Keller drücken.

„Die Sonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports für die Handelsbranche vom Februar 2014 zeigt, dass es bei der Qualität von Ausbildung noch erheblichen Nachholbedarf gibt“, sagt auch Franziska Foullong, Fachbereichsjugendsekretärin im Handel bei der ver.di. „Das Ziel ist eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung in Vollzeit und unbefristet, denn nur so können junge Menschen ihre Zukunft planen“, so Foullong weiter.

Regionale Befragung in vier Bundesländern
Bei seiner Sonderauswertung für die Ausbildungsqualität im Handel hat der DGB neben den bundesweiten Ergebnissen zusätzlich auch regionale Befragungen in den Bundesländern Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und NRW berücksichtigt. Hier wurden die fünf wichtigsten Themenbereiche für Auszubildende abgefragt, nämlich:

  • Vergütung – Höhe der Bruttovergütung in Euro während der Ausbildung
  • Interessenvertretung – Betriebe mit Jugend- und Auszubildendenvertretung, Betriebs- bzw. Personalrat in Prozent
  • Ausbildungsfremde Aufgaben – Auszubildende in Prozent, die eindeutig nicht zur Ausbildung zugehörige Tätigkeiten verrichten müssen (befragt wurden nur Auszubildende, die ihren Ausbildungsplan „gut“ oder „sehr gut“ kennen)
  • Wunsch nach weiterer Beschäftigung im erlernten Beruf – Auszubildende in Prozent, die nach der Ausbildung weiterhin im erlernten Beruf tätig sein möchten
  • Übernahme – Auszubildende in Prozent, die nach der Ausbildung von ihrem Betrieb übernommen werden

Besonders schockierend: 14,2 Prozent der Befragten können sich ganz klar NICHT vorstellen, nach ihrer Ausbildung im erlernten Beruf weiterzuarbeiten. Weitere 28,1 Prozent wissen es noch nicht…

Vor allem die Befragungsergebnisse der Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk fallen konstant schlechter aus als in den anderen Handelsberufen – und das, obwohl genau hier die meisten Fachkräfte fehlen!

Arbeitgeber müssen reagieren
Die Fachbereichssekretärin für die Jugend im Handel bewertet die Resultate eindeutig: „All das spricht gegen das tolle Bild der guten Ausbildungsbedingungen mit Aufstiegschancen. Eine gute Ausbildung bedeutet, dass Auszubildende einen strukturierten und gehaltvollen Ausbildungsplan haben, der auch befolgt wird. Auszubildende dürfen auch nicht als reguläre Arbeitskraft ausgebeutet werden oder Überstunden leisten müssen – hier sind die Arbeitgeber dringend gefordert nachzubessern.“

Mittlerweile haben selbst die Arbeitgeberverbände begriffen, dass durch den demografischen Wandel ein Fachkräftemangel droht. Dagegen wollen sie nun gemeinsam mit den Gewerkschaften an einem Strang ziehen, um jungen Menschen eine sichere berufliche Perspektive zu bieten. Die Tarif- und Sozialpartner haben daher vor kurzem einen Beirat gegründet, der über tarifpolitische Anforderungen an eine alternsgerechte und lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung im Einzelhandel beraten wird.

„Ein wichtiger Schritt“, bestätigt Foullong, „denn gerade im Hinblick auf die jungen Menschen in der Branche gibt es erheblichen Nachbesserungsbedarf.“ Wir als ver.di Jugend schließen uns an – und fordern eine deutlich bessere Ausbildungsqualität für junge Menschen im Handel!

Den vollständigen Ausbildungsreport gibt es auf der Website der ver.di im Handel zum Download als PDF.

29.01.2014

Mehr Geld für Auszubildende!

  • Auszubildender mit Schild GEMEINSAM STARK FÜR MEHR GELD

Tarifliche Ausbildungsvergütungen In 2013 wieder gestiegen

Nach Auswertung der Ausbildungsvergütungen vermeldet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für 2013 erneut einen kräftigen Anstieg in Ost und West. Erfasst wurde dabei das jeweilige Entgelt von knapp 90 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass sich eine Gewerkschaftsmitgliedschaft auszahlt – auch in barem Geld!

Das BIBB ermittelte für seine diesjährige Auswertung die Durchschnittsvergütungen für 184 Berufe in Westdeutschland sowie 152 Berufe im Osten der BRD. Damit wurden 88 % aller Auszubildenden aus den nach Beschäftigtenzahlen größten Tarifbereichen Deutschlands erfasst.

Erstes erfreuliches Ergebnis: In Ost und West ging es aufwärts – und zwar im jeweils gleichen Ausmaß, wie schon im Jahr zuvor. In einigen von ver.di betreuten Tarifbereiche wurden die Ausbildungsvergütungen sogar überdurchschnittlich angehoben, beispielsweise im öffentlichen Dienst der Länder und im Einzelhandel.

Die Zahlen im Einzelnen:

Durchschnittsvergütung pro Monat

  • West: 767 € brutto, also ein Anstieg um 4,1 Prozent gegenüber 2012
  • Ost: 708 € brutto, was einem Plus von 5,0 Prozent im Vergleich zu 2012 entspricht
  • Gesamt-BRD: 761 € brutto oder 4,2 Prozent mehr als in 2012

Damit wurde im Osten 92 Prozent des westlichen Tarifniveaus erreicht und der Abstand um immerhin einen Prozentpunkt verringert.

Allerdings gab es dabei deutliche Unterschiede der Vergütungssätze je nach Ausbildungsberuf und auch nach Ausbildungsbereichen:

Schlusslichter

  • Florist_in: 571 € im Westen und sogar nur 312 € im Osten
  • Maler_in und Lackierer_in: 558 € „hier wie dort“
  • Bäcker_in: 550 € im Westen wie auch im Osten
  • Friseur_in: 469 € im Westen und leider nur 269 € im Osten
  • Vergütungen im Handwerk: Hier wurden im Westen 638 € bezahlt, im Osten 542 €

Spitzenreiter

  • Mechatroniker_in: 938 € im Westen und 921 € im Osten
  • Kaufmann_frau für Versicherungen und Finanzen: 935 € „hüben wie drüben“
  • Medientechnologe_in Druck: 905 € im Westen wie auch im Osten
  • Maurer_innen konnten sich ebenfalls freuen: 999 € gab es für sie – allerdings nur im Westen. In Ostdeutschland hatte dieselbe Berufsgruppe mit 803 € pro Monat deutlich weniger in der Tasche.
  • Industrie und Handel: Hier gab es im Westen 839 € und im Osten 764 €
  • Öffentlicher Dienst: 830 € im gesamten Bundesgebiet

Zugpferde der Entwicklung
Einerseits geht es der deutschen Wirtschaft vergleichsweise gut, wodurch auch Tariflöhne und -gehälter einen ähnlichen Anstieg wie schon in 2012 hinlegten. Andererseits spielt offenbar auch die demografische Entwicklung eine wichtige Rolle: Sie macht es mittlerweile deutlich schwerer, die betrieblichen Ausbildungsstellen zu besetzen.

Übrigens: Die Situation am Ausbildungsmarkt beeinflusste immer wieder auch die Entwicklung der tariflichen Ausbildungsvergütungen. Bei höheren Schulabgängerzahlen standen grundsätzlich viel zu wenige betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung und der Anstieg der Ausbildungsvergütungen hielt sich in deutlichen Grenzen.

Andersherum hatte eine niedrigere Nachfrage nach Ausbildungsplätzen Probleme bei Besetzung der offenen Stellen zur Folge – gegengesteuert wurde dann immer mit deutlich höheren Vergütungssätzen.

Eins bleibt aber auf jeden Fall unverändert: Gewerkschaft lohnt sich. Wie die Zahlen für 2013 mal wieder beweisen.

Super – ich will Mitglied werden!

07.11.2013

Situation am Ausbildungsmarkt bleibt angespannt

  • Auszubildende haben auf Bodenplatten Missstände ihrer Ausbildung festgehalten

Ausbildungsplatzgarantie dringend erforderlich

Die Zwischenbilanz zum bisherigen Ausbildungsjahr 2013 zeigt eine anhaltende Schieflage am Stellenmarkt. So blieben die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze nahezu unverändert, während das gegenüberstehende Angebot leicht sank. Oftmals unangemessene Warteschleifen zwischen Schule und Ausbildung verschärfen die Situation zusätzlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht von einer "krisenhaften Entwicklung".

Letztmalig in 2013 veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit (BA) die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt. Das vorläufige Fazit zum aktuellen Ausbildungsjahr verzeichnet einen – leider negativen – Rekord, denn die Zahl der Ausbildungsverträge droht auf den niedrigsten Wert seit der Deutschen Einheit zu sinken. Die Ausbildungspakt-Partner wurden ihrer Zusage nicht gerecht, neue Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsplätze zu schaffen. Und die BA registriert allzu viele Bewerber_innen gar nicht erst als Ausbildungsplatzsuchende.

Statistik…
Mit 21,7 Prozent liegt die aktuelle Quote der ausbildenden Betriebe auf dem tiefsten Stand seit 1999. Speziell kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe werden immer seltener. Nach den Zahlen für September 2013 wurden insgesamt 504.542, davon 472.260 betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Das entspricht 12.560 Ausbildungsplätzen weniger oder einem Rückgang von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (West: minus 2 Prozent, Ost: minus 4,3 Prozent).

Demgegenüber standen im Jahr 2013 insgesamt 561.168 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz (West: unverändert, Ost: minus 2 Prozent). Unterm Strich fehlen damit 50.289 Ausbildungsstellen. Und zwar allein für diejenigen jungen Menschen, die bei der BA registriert wurden. Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack schlägt Alarm: "Der Ausbildungsmarkt nimmt krisenhafte Züge an. Obwohl die Bewerberzahlen im Jahr 2013 stabil geblieben sind, bleiben mehr junge Menschen als im Vorjahr ohne Ausbildungsplatz. Mehr als 83.500 Bewerber suchen noch einen Ausbildungsplatz – und das bei rund 33.500 offenen Stellen."

… versus Realität
Tatsächlich ist der Ausbildungsplatzmangel sogar noch größer, denn nicht mal die Hälfte der Interessierten wird überhaupt in eine Ausbildung vermittelt. Während 62.530 Bewerber_innen im September 2013 weiterhin eine Ausbildungsstelle brauchen, gelten sie aus Sicht der BA als "versorgt" ("Bewerber mit Alternative zum 30.9."). Deutschlandweit meldeten sich jedoch immer noch 83.564 junge Menschen ausdrücklich als „ausbildungsplatzsuchend“.

Weitere 202.262 rechnet die BA unter "andere ehemalige Bewerber" und damit auch als "versorgt", obwohl sie trotz intensiver Suche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Stattdessen landen nach wie vor viele junge Menschen in Übergangsmaßnahmen, aktuell befinden sich 267.000 Jugendliche "in der Warteschleife". Besonders häufig vertreten sind hier diejenigen mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss. Und noch immer haben 14 Prozent bzw. 1,4 Millionen aller 20- bis 29-jährigen keinen qualifizierenden Berufsabschluss.

Während noch weitaus mehr Ausbildungsplätze gesucht werden, gibt es gleichzeitig immerhin 33.275 unbesetzte Ausbildungsstellen, die meisten davon in Problembranchen mit schlechter Ausbildungsqualität. So bleiben beispielsweise in Gaststätten- und Hotelbetrieben die angebotenen Ausbildungsplätze häufig unbesetzt.

Konsens für gute Ausbildung
Diese Zahlen zeigen die Dringlichkeit, die duale Berufsausbildung wieder auszubauen. Hierfür müssen sich Bund, Länder und Sozialpartner zusammenschließen. Auch eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie ist überfällig, denn nur sie sichert allen Ausbildungsinteressierten einen Ausbildungsplatz zu. Junge Menschen haben ein Recht auf Ausbildung und dürfen nicht in Warteschleifen oder ungewünschte Alternativen abgeschoben werden. Betriebe müssen endlich wieder mehr ausbilden, statt immer nur über vermeintlichen Fachkräftemangel zu jammern.

"Wir brauchen einen neuen Konsens für eine gute Ausbildung, der den Jugendlichen einen Ausbildungsplatz sichert, der die Ausbildungsbetriebe stärkt und der die Warteschleifen im Übergang von der Schule in die Ausbildung abbaut", erklärt Elke Hannack. "Wir müssen attraktive Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte eröffnen und die Qualität der Ausbildung auf die Tagesordnung setzen. Auf diesem Auge war der Ausbildungspakt bisher weitgehend blind."

16.10.2013

Auszeit gefällig?

  • Luftmatratze am Strand mit ver.di Jugend-Handtuch

Gut geplant ist schon halb entspannt

Auszubildende haben wie alle anderen Beschäftigten Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Und ne kleine Pause brauchen wir schließlich alle mal. Unsere Infos lotsen dich durch den Dschungel deiner Urlaubsplanung.

Urlaub muss sein – so sieht es auch das Arbeitsrecht. Demnach ist auch in der Ausbildung ein Mindestanspruch auf Erholung oder teilweise auch auf Bildungsurlaub gesetzlich festgelegt.

Dazu hier unsere Antworten auf häufig gestellte Fragen, die dir einen reibungslosen Wechsel aus dem Betrieb in die entspannteste Zeit des Jahres sichern.

Wie viel Urlaubsanspruch habe ich?
Nach § 5 BUrlG hast du für jeden vollen Monat deines Ausbildungsverhältnisses Anspruch auf 1/12 deines Jahresurlaubs (Bruchteile ab mindestens einem halben Tag werden auf volle Urlaubstage aufgerundet) – auch in der Probezeit. Die Anzahl deiner Urlaubstage pro Jahr richtet sich nach den Angaben im Gesetz und in deinem Ausbildungsvertrag.

Dabei entscheidet die Berechnungsgrundlage: Bei einem Urlaubsanspruch nach Werktagen sind es sechs Urlaubstage pro Woche (Montag bis Samstag). Wird dein Urlaubsanspruch nach Arbeitstagen geregelt, gilt dagegen die Anzahl der Tage, die du regelmäßig im Betrieb bist (normalerweise fünf Tage pro Woche).

Ist dein Ausbildungsvertrag tariflich gebunden, bekommst du oft sogar mehr Urlaubstage als gesetzlich vorgeschrieben. Du willst wissen, ob ein Tarifvertrag auch für deine Urlaubsregelung gilt? Dann frag einfach deine JAV, deinen BR oder PR oder deine ver.di Jugend vor Ort.

Wie läuft das mit der Urlaubsplanung?
In vielen Betrieben und Dienststellen werden in diesen Wochen auch die Urlaubsplanungen für nächstes Jahr abgestimmt. Das macht natürlich Sinn – gerade bei großen Teams. Dabei besteht die Herausforderung darin, alle Urlaubswünsche unter einen Hut zu bringen und die entsprechenden Verfahrensweisen sind relativ unterschiedlich.

Möglicherweise wurden dazu mit deinem BR bzw. PR Grundsätze für die Urlaubsplanung verabredet, die beispielsweise regeln, dass Beschäftigte mit Kindern in Schulferien grundsätzlich bevorzugt Urlaub bekommen. Vielleicht hat auch deine JAV entsprechende Grundsätze für Auszubildende abgestimmt. Frag am besten einfach mal nach.

Und wenn ich erst seit diesem Jahr dabei bin?
Hast du erst im aktuellen Jahr deine Ausbildung angetreten, musst du deinen Jahresurlaub auf den einzelnen Monat umrechnen:
Beispiel: 28 Urlaubstage pro Jahr geteilt durch 12 = 2,33 Urlaubstage pro Monat

Das Zwischenergebnis (bitte ggf. noch nicht aufrunden!) multiplizierst du mit deiner Beschäftigungszeit im laufenden Jahr:
Beispiel: 01.08.2013 bis 31.12.2013 = fünf Monate

und erhältst daraus deinen Urlaubsanspruch im laufenden Jahr (Bruchteile ab mindestens einem halben Tag werden auf volle Urlaubstage aufgerundet):
Beispiel: 2,333 Urlaubstage pro Monat mal fünf Monate = 11,66 = aufgerundet 12 Urlaubstage in 2013

Wann darf ich Urlaub nehmen?
Gleich vorneweg: § 4 im Bundesurlaubsgesetz sieht eine sogenannte Wartezeit vor: „Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben.“

Bedeutet: Innerhalb der ersten sechs Monate deiner Betriebszugehörigkeit hast du lediglich Anspruch auf anteiligen Jahresurlaub (siehe vorher „Wie viel Urlaubsanspruch habe ich?“). „Urlaub im Voraus“ gibt es also leider nicht, sondern nur anteilig für die Monate, die du bereits im Betrieb dabei bist.

Den günstigsten Zeitpunkt für deinen Urlaub stimmst du am besten mit deinen Vorgesetzten ab! So oder so darfst du deinen Urlaub allerdings erst nach Ablauf der Wartezeit beantragen, also ab dem siebten Ausbildungsmonat.

Achtung: Deinen Urlaub darfst du nur mit wichtigem Grund (z. B. Krankheit) ins nächste Jahr übertragen – ohne gute Begründung verfällt dein Resturlaub zum 31. März des Folgejahres!

Was gilt bei Urlaubsantrag und -bewilligung?
Dein Antrag auf Erholungsurlaub muss grundsätzlich genehmigt und darf nur aus betrieblichen Gründen (z. B. feststehender Betriebsurlaub) oder aus wichtigen sozialen Gründen (z. B. Vorrang von Beschäftigten mit Kindern) abgelehnt werden.

In jedem Fall musst du innerhalb eines Monats eine Antwort erhalten oder darfst ansonsten deinen Urlaub wie geplant antreten – theoretisch gesehen. In der Praxis solltest du aber lieber nochmal nachfragen! Im Ernstfall kannst du auch deine Interessenvertretung kontaktieren oder sogar deinen Anspruch per Schlichtung bzw. gerichtlich einfordern.

Sobald dein Urlaub bewilligt wurde, kann dein Arbeitgeber ihn nicht mehr kurzfristig zurückziehen. Gleiches gilt natürlich auch für dich! Und noch ein Tipp: Heb deinen Urlaubsantrag und die Genehmigung immer sorgfältig auf.

Bildung im Urlaub – geht das?
Auch für deine persönliche Entwicklung darfst du Urlaub beantragen. Diese „arbeitsfreie“ Zeit verschafft dir Freiraum für eine Weiterbildung im Erwerbsleben oder für politische Bildung. In zwölf Bundesländern haben Beschäftigte und auch Auszubildende Anspruch auf Bildungsurlaub, in der Regel sind fünf Arbeitstage pro Jahr erlaubt. Die ver.di Jugend bietet dir dazu ein breites Themenfeld rund um Arbeitswelt und Gesellschaft. Schau doch gleich mal rein!

Auf unserer Website rund um die Ausbildung findest du weitere Tipps und Infos zum Urlaub – beispielsweise zu Krankheit im Urlaub oder Sonderurlaub.

10.10.2013

App geht’s – mit ver.di Jugend!

  • Ausbildung von A-Z: Die Wissens-App für unterwegs

"Ausbildung von A bis Z" mit neuen Funktionen

Das große Ausbildungslexikon der ver.di Jugend gibt es bekanntlich auch als App für Android und iOS. „Ausbildung von A bis Z“ liefert einen guten Überblick durch den Ausbildungsdschungel mit vielen Begriffserklärungen für neue Auszubildende in Dienstleistungsberufen. Einfach nachschlagen und schnell Antworten finden. Übrigens: Von unserer Wissens-App gibt’s jetzt eine Neuauflage – mit vielen zusätzlichen Funktionen.

Was sollte im Ausbildungsvertrag stehen? Welche Regelungen gibt es zur Probezeit? Was ist ein Beurteilungsbogen und was bedeutet BBiG? Wem bei diesen Fachausdrücken einschlägige Infos fehlen, der ist mit "Ausbildung von A bis Z" bestens beraten. Denn unser Lexikon bündelt umfangreiche Informationen in kompakte Häppchen und erklärt Probezeit, Streikrecht und vieles mehr leicht verständlich. Die wichtigsten Begriffe rund um die Ausbildung: kurz und prägnant, von Abmahnung bis Zeugnis.

Eine bequeme, schnelle Hilfe also. Und vor allem eine handliche – zusätzlich zu unserem Online-Glossar auf ausbildung.info und unserer Print-Broschüre auch als mobile Wissens-App für unterwegs. Auch praktisch: Helft euren Freunden und leitet ihnen eure Favoriten per E-Mail weiter oder postet sie auf Facebook.

Was ist neu?
Die neue Version unserer App gibt es jetzt im iTunes-Store und Google Play-Store kostenlos zum Download – und das kann sie mehr:

  • Das Glossar umfasst jetzt auch alle wichtigen Erstinfos für angehende Beamten_innen sowie für Auszubildende in Pflegeberufen.
  • Die App liefert euch aktuelle Nachrichten zu den Themen Ausbildung, Studium und Berufseinstieg brandaktuell aufs Display.
  • "Gewerkschaftsarbeit im Mobilfunk": Die laufend aktualisierten ver.di-Serviceangebote rund um Ausbildung und Berufseinstieg behaltet ihr damit auch unterwegs bequem im Blick.

Hier ein kleiner Ausblick:

Startbildschirm der neuen App-VersionBegriffsliste Buchstabe A neuen App-Version Newsansicht in der neuen App-Version

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sieht gut aus? Dann gleich mal die neue App "Ausbildung von A bis Z" aufs Smartphone laden – natürlich kostenlos – für iPhone im iTunes-Store und für Android im Google Play-Store.

User_innen der alten ver.di Jugend-App werden übrigens in Kürze per Update auf die neue Version hingewiesen, denn ihr müsst zuerst die neue App herunterladen und dann die alte löschen.

Ach ja: Euer Feedback ist uns sehr wichtig, damit wir "Ausbildung von A bis Z" durch sinnvolle Updates erweitern können. Wir freuen uns auf neue Anregungen per E-Mail an jugend@verdi.de.

20.09.2013

Ausbildungsreport 2013

  • Auszubildende demonstrieren mit einer Farbaktion ihren Unmut

DGB-Ausbildungsreport deckt erneut gravierende Mängel auf

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich mal wieder die Ausbildungssituation hierzulande genauer angesehen und warnt: Es bildet sich eine Zweiklassengesellschaft und die von Frauen dominierten Berufe schneiden bei Vergütung und Ausbildungsbedingungen wieder schlechter ab, als von Männern favorisierten Berufe.

Der achte Ausbildungsreport der DGB-Jugend zeigt eine zunehmende Spaltung in der beruflichen Ausbildung. Junge Menschen mit einem guten Schulabschluss profitieren von der demografischen Entspannung bei der Ausbildungsplatzsuche. Für Hauptschüler ist dagegen annähernd die Hälfte der Ausbildungsberufe faktisch abgeschottet.

Weniger Ausbildungsplätze - nur für die Besten?!
Auch Schulabgänger_innen aus Realschulen und Gymnasien mit schlechten Noten drohen aus dem Ausbildungssystem ausgeschlossen zu werden. Im Jahr 2012 befanden sich 266.000 junge Menschen im sogenannten Überganssystem – also in berufsvorbereitenden Maßnahmen, die nur in seltenen Fällen zu einer Ausbildung führen. 1,4 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren hatten keine Ausbildung und keinen qualifizierenden Abschluss.

Gleichzeitig ist 2012 die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf 551.272 gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit 2005. Und auch die relative Anzahl der ausbildenden Betriebe ist auf 21,7 Prozent gesunken. "Während die Wirtschaft immer lauter vor dem Fachkräftemangel warnt, bildet sie selbst immer weniger aus. Das ist an Heuchelei kaum zu überbieten", so Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär.

Die ver.di Jugend fordert daher seit Jahren eine Ausbildungsplatzumlage. Die sollen Betriebe zahlen, die nicht ausbilden, damit ausbildende Betriebe finanziell unterstützt werden können.

Wenig Vergütung, viele Überstunden
Die Zunahme bei den unbesetzten Ausbildungsplätzen auf 33.275 liege in erster Linie an der schlechten Qualität der Ausbildung in bestimmten Branchen, so die DGB-Jugend. Die Vergütungen sind dort am geringsten, es gibt viele Überstunden und die Auszubildenden fallen überdurchschnittlich oft durch die Prüfung. Davon sind vor allem frauendominierte Berufe im Einzelhandel, im Gesundheitssektor und in der Gastronomie betroffen.

Auszubildende in weiblich dominierten Berufen müssen häufiger Überstunden ableisten, als in männlich dominierten Arbeitsfeldern. Dieser Unterschied fiel 2012 sogar wieder stärker aus. Zusätzlich können Auszubildende in männlich dominierten Berufen ihre Überstunden in drei von vier Fällen durch Freizeit oder Vergütung ausgleichen. In weiblich geprägten Berufen kann dies nur die Hälfte der Auszubildenden.

Höhere Zufriedenheit in Großbetrieben - und bei Gewerkschaftsmitgliedern
Die Qualität der Ausbildung hängt neben den Branchen auch stark von der Betriebsgröße ab. Bei Kleinstbetrieben mit weniger als fünf Beschäftigten wurden beispielsweise 15,1 Prozent der Auszubildenden regelmäßig mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt. Bei Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten betraf das nur 6,4 Prozent. Auch waren dort 42,3 Prozent uneingeschränkt zufrieden mit der fachlichen Qualität ihrer Ausbildung. Bei den kleineren und Kleinstbetrieben fällt diese Quote auf 27,2 bzw. 28,6 Prozent.

Die Übernahme ist eine weitere Baustelle der Gewerkschaftsjugend. Nur 40 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Studie eine Zusage auf Übernahme in ihrem erlernten Beruf. 14 Prozent wissen, dass sie nicht übernommen werden und 45 Prozent hatten keine Auskunft über ihre nahe berufliche Zukunft.

Ein positives Ergebnis hat der Ausbildungsreport für Gewerkschaftsmitglieder: 80,3 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, dass sie mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder "sehr zufrieden" sind – wenn sie Mitglied in einer Gewerkschaft waren. Unter Nichtmitgliedern äußerten sich nur 71,5 Prozent derart positiv zu ihrer Ausbildung.

Den kompletten Ausbildungsreport 2013 der DGB Jugend gibt es hier zum Download als PDF.

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