20.03.2013

Bewerbungstipps

  • Bewerbungsanschreiben mit Kugelschreiber

Nützliche Infos zur Jobbewerbung

Nach der Ausbildung beginnt ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt: das Berufsleben. Da 60 Prozent der jungen Menschen nach ihrer Ausbildung nicht übernommen werden, steht für viele das Thema Jobsuche an. Zur Bewerbung hat die ver.di Jugend hilfreiche Informationen zusammengestellt.

Wer sich nach Ausbildung oder Studium nach einem Job umsehen muss, hat viele Möglichkeiten der Suche. Im Internet gibt es diverse Jobbörsen mit einer Fülle von Angeboten.

Und natürlich lohnt sich auch ein Blick in die Stellenanzeigen der Tageszeitungen. Ebenfalls eine gute Idee ist es, Familie und Freunde von der Jobsuche zu erzählen. Je mehr Leute helfen, desto besser.

Wie heißt es so schön? Wer suchet, der findet. Und für alle, die ihre passende Stellenanzeige gefunden haben, steht nur noch eine letzte Hürde vor dem Traumjob: die Bewerbung. Sie sollte optimal verfasst sein, damit sie das Interesse der Personalverantwortlichen weckt.

Elektronisch oder per Post?
Die Bewerbung ist eine persönliche Visitenkarte: Sie sollte den bestmöglichen Eindruck hinterlassen. Nur eine sorgfältig zusammengestellte Bewerbungsmappe lässt Arbeitgeber darauf schließen, dass der oder die Verfasser_in auch alle Fähigkeiten mitbringt, um die entsprechende Arbeit ordentlich zu erledigen.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der Bewerbung: postalisch und online. Aufbau, Form und Unterlagen sind bei beiden Varianten gleich. Bei der Online-Bewerbung entfallen allerdings Kosten für Papier, Mappe und Porto.

Ob eine Bewerbung auf dem Postweg oder elektronisch gewünscht wird, steht meistens in der Stellenanzeige. Wenn es allerdings weder im Stellenangebot noch auf der Firmenwebsite einen entsprechenden Hinweis gibt, ist eine schriftliche Bewerbung ratsam.

Bei Unklarheiten darüber, ob die Bewerbung per Post oder online verschickt werden soll bzw. welche Unterlagen genau gefordert werden, hilft am besten ein Anruf bei der im Jobinserat genannten Anlaufstelle.

So ein persönliches Telefonat hat einige Vorteile: Zum einen liefert es schnell die gewünschten Informationen und zum anderen zeigt es ernsthaftes Interesse und Engagement für die Stelle. Außerdem erinnert sich die personalverantwortliche Person möglicherweise im Bewerbungsgespräch an den Anruf, was Vertrauen schafft und die Chancen erhöht.

Erfolgsfaktoren der Bewerbung
Die Bewerbung ist im Prinzip der erste Einstellungstest: Die besten Kandidaten bzw. Kandidatinnen werden anhand der Qualität ihrer vorliegenden Unterlagen ausgewählt.

Die wichtigsten Bewertungskriterien sind die äußere Form (keine Fehler, Flecken und Knicke!), die Vollständigkeit der Bewerbungsmappe und die Übereinstimmung zwischen Bewerberprofil und zu besetzender Stelle.

Die klassischen Elemente einer Bewerbung sind:

  • Bewerbungsmappe (entfällt bei elektronischer Bewerbung) – sie enthält nachfolgende Unterlagen
  • Anschreiben – mit diesem Dokument entscheidet sich, ob die restlichen Bewerbungsunterlagen gelesen werden. Darum ist hier besondere Sorgfalt dringend geboten! Das Anschreiben sollte realistisch sein, aber auch Selbstbewusstsein ausstrahlen. Also kurz und prägnant formulieren und genau überlegen, was wichtig ist.
  • Lebenslauf – er stellt den bisherigen Werdegang dar. Auch hier gilt: Knackig und präzise alle wichtigen Fakten unterbringen! Dazu zählen vor allem Fachwissen und zwischenmenschliches Können – die so genannten „hard skills“ und „soft skills“.
  • Bewerbungsfoto – es fällt den Personalverantwortlichen sofort ins Auge und vermittelt den ersten Eindruck. Das Foto sollte ein aussagekräftiger Blickfang sein, der sympathisch und kompetent wirkt.
  • Zeugnisse und Nachweise – in der Regel werden hier die letzten beiden Schulzeugnisse erwartet. Im Zweifelsfall auch dazu telefonisch beim Unternehmen nachfragen. Angegeben werden kann theoretisch auch jedes Engagement über den Schulunterricht bzw. das Studium hinaus. Wichtig dabei: Es muss ein entsprechender Nachweis mitgeliefert werden und vor allem ein Zusammenhang bestehen zwischen der jeweiligen Tätigkeit und der ausgeschriebenen Stelle bzw. den dort gesuchten Qualifikationen.

Wer sich bewerben möchte, schaut am besten auf ausbildung.info nach weiteren nützlichen Bewerbungstipps.

19.02.2013

Geschönte Statistiken zur Situation von Schulabgänger_innen

  • Hand mit Kreide, Tafel mit "Wortwolke" zum Thema Ausbildung

Gerade mal zwei Drittel der jungen Menschen haben tatsächlich einen Ausbildungsplatz

Von über 800.000 jungen Menschen, die sich 2012 um eine Ausbildung bemüht haben und als "ausbildungsreif" gelten, sind weiterhin mehr als 30 Prozent ohne Ausbildungsplatz.

In Sachen Zahlentrickserei sind sich alle einig: die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, die Bundesregierung, die Bundesagentur für Arbeit (BA) und auch die Kultusministerien der Länder. Lediglich 7.700  Bewerber_innen um einen Ausbildungsplatz seien 2012 unversorgt geblieben.

Doch diese Bilanz ist eine Mogelpackung. Denn die Partner im so genannten "Ausbildungspakt" ignorieren dabei rund 250.000 Jugendliche, die zwar offiziell als versorgt gelten, aber faktisch keine Ausbildung bekommen haben.

"Arbeitgeber und Bundesregierung verschleiern die Realität", bringt ver.di-Bundesjugendsekretär Ringo Bischoff die Lage auf den Punkt. Tatsächlich kann von einem Bewerbermangel für Ausbildungsplätze in Deutschland nicht die Rede sein.

Der Ausbildungspakt zählte im September vergangenen Jahres 160.000 ausbildungsreife Jugendliche als "versorgt". Das bedeutet im Klartext, dass junge Menschen in Ersatzmaßnahmen wie Einstiegsqualifizierungen oder Praktika "geparkt" werden.

Ausbildungssituation weiter angespannt
"Die Bilanz suggeriert, der Ausbildungsmarkt sei entspannt", kritisiert auch DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock die Zahlentrickserei. "Wir brauchen allerdings eine ehrliche Ausbildungsmarktstatistik, die keine geschönte Lage vermittelt."

Umdenken ist gefragt: Junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, müssen wahrheitsgemäß in der Statistik auftauchen und dürfen nicht als "versorgt" geführt werden. In Warteschleifen geparkte Jugendliche sind als unversorgte Bewerber_innen zu zählen. Auch muss die Praxis der BA ein Ende haben, frühzeitig junge Menschen als "nicht ausbildungsreif" auszusortieren, damit diese nicht mehr von der Statistik erfasst werden.

In Deutschland haben 2,2 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 keinen Berufsabschluss. Die Partner im Ausbildungspakt müssen mehr zur Qualifizierung von jungen Erwerbslosen ohne Ausbildung unternehmen. Zum Beispiel mit einem steuerfinanzierten Bundesprogramm, das Jugendlichen eine zweite Chance gibt.

Förderung so genannter "nicht ausbildungsreifer" Jugendlicher
Die IG BCE hat mit den Chemie-Arbeitgebern vereinbart, wie in den Betrieben junge Menschen unterstützt werden können, die mit schlechteren Voraussetzungen eine Berufsausbildung beginnen. Mit dem Programm "Start in den Beruf" fördern sie erfolgreich so genannte "nicht ausbildungsreife" Schulabgänger_innen.

Das betriebliche Programm ermöglicht, die eigene Ausbildungsfähigkeit zu verbessern und im Anschluss eine Ausbildung zu absolvieren. Rund 2.500 junge Leute haben bereits an "Start in den Beruf" teilgenommen. Die Erfolgsquote liegt bei über 80 Prozent.

ver.di Jugend unterstützt auch den Vorstoß der IG BCE: Die Gewerkschaftskollegen und -kolleginnen haben Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vorgeschlagen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände an einen Tisch zu holen, um zu überlegen, wie sich dieses Modell auf andere Branchen übertragen lässt. Leider zeigte die Ministerin bisher keine Reaktion.

Es ist möglich, der angespannten Ausbildungsplatzsituation anders zu begegnen, als mit Zahlentrickserei. Die ver.di Jugend fordert vom Ausbildungspakt Ehrlichkeit – und effektive Projekte, um jungen Menschen gute Ausbildungen zu ermöglichen. Denn nur wer ausbildet, wird nicht über Fachkräftemangel klagen müssen.

22.01.2013

Kräftiger Anstieg der tariflichen Ausbildungsvergütungen

  • Auszubildende demonstrieren für mehr Vergütung

Mehr Geld für Auszubildende in Ost und West

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Ausbildungsvergütungen für das Jahr 2012 ausgewertet. Demnach bleibt es zwar beim West-Ost-Gefälle, jedoch verzeichnen alte wie neue Bundesländer einen erfreulichen Anstieg der Ausbildungsvergütungen. Wodurch einmal mehr bewiesen ist: Gewerkschaft lohnt sich – Mitglied werden!

Das BIBB hat für seine Auswertung die durchschnittlichen Vergütungen für 184 Berufe in Westdeutschland und für 149 Berufe in Ostdeutschland ermittelt. 88 Prozent aller Auszubildenden werden in diesen Berufen ausgebildet.

Der Abstand der Tarifniveaus in Ost und West ist gleich geblieben: Wie schon 2011 wurden auch in 2012 nur 91 Prozent der westlichen Ausbildungsvergütungshöhen erreicht. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen bezogen auf das gesamte Bundesgebiet betrugen 2012 im Schnitt 730 € monatlich. Der durchschnittliche Vorjahreswert von 700 € stieg in 2012 damit um 4,3 Prozent.

Deutlicher Vergütungsanstieg
Die tariflichen Ausbildungsvergütungen lagen 2012 in Westdeutschland bei durchschnittlich 737 € im Monat. Das bedeutet eine Erhöhung von 4,1 Prozent gegenüber 2011. In Ostdeutschland gab es 5,0 Prozent mehr Geld für Auszubildende: Sie erhielten 2012 durchschnittlich 674 € monatlich.

Im Osten gab es mit 4,9 Prozent bereits im Vorjahr einen ähnlich starken Zuwachs. In Westdeutschland fiel 2012 der prozentuale Vergütungsanstieg jedoch wesentlich höher aus als in 2011 – da betrug er zum Vergleichswert aus 2010 lediglich 2,9 Prozent.

Berufsbedingte Unterschiede in der Vergütungshöhe
Je nach Ausbildungsberuf bestehen allerdings erhebliche Unterschiede in der Vergütungshöhe. Sehr hohe Vergütungsdurchschnitte gab es 2012 z. B. in den Berufen Mechatroniker_in (West: 909 €, Ost: 885 €) und Kaufmann / Kauffrau für Versicherungen und Finanzen (West und Ost: 896 €).

Auch Berufe des Bauhauptgewerbes – beispielsweise Maurer_in – verzeichneten in Westdeutschland 2012 sehr hohe tariflich vereinbarte Ausbildungsentgelte: durchschnittlich 968 € monatlich. Im Osten fielen 2012 die Vergütungen dieser Branche mit 772 € deutlich geringer aus.

Demgegenüber sind einige Beispiele für eher niedrige Vergütungsdurchschnitte in 2012 Maler_in und Lackierer_in (West und Ost: 528 €), Bäcker_in (West und Ost: 500 €), Florist_in (West: 460 €, Ost: 312 €) und Friseur_in (West: 454 €, Ost: 269 €).

Spitzenreiter: öffentlicher Dienst, Industrie und Handel
Deutliche Unterschiede im Vergütungsniveau bestanden 2012 auch in den verschiedenen Ausbildungsbereichen. Überdurchschnittlich hohe Ausbildungsvergütungen wurden sowohl in Industrie und Handel – Westen: 813 €, Osten: 730 € – als auch im öffentlichen Dienst gezahlt (in West und Ost je 792 €). „Die Zahlen des BIBB zeigen: Aktives Engagement für gute Arbeitsbedingungen zahlt sich aus“, freut sich Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär, über die positiven Entwicklungen.

Unter dem Gesamtdurchschnitt lagen beispielsweise die Vergütungen im Handwerk: In Westdeutschland wurden 606 € und in Ostdeutschland 504 € gezahlt.

Eine ausführlichere Darstellung der BIBB-Auswertung gibt es unter www.bibb.de/ausbildungsverguetungen-2012.

Die Gesamtübersicht der Vergütungsdurchschnitte in den vom BIBB erfassten Berufen ist abrufbar unter www.bibb.de/ausbildungsverguetung.

17.01.2013

Cyber-Mobbing aus rechtlicher Sicht

  • Blutige Tastatur und Mouse mit Schriftzug "Game Over"

Juristische Aspekte zur digitalen Diskriminierung

Mobbing ist kein neues Phänomen. Seit Bestehen des Internets kommt jedoch verstärkt der digitale Rufmord hinzu. Aus Sicht des Gesetzes existiert noch kein konkreter Straftatbestand des Cyber-Mobbings. Hinter diesem Oberbegriff verbergen sich allerdings verschiedene diskriminierende Handlungen, gegen die durchaus eine rechtliche Handhabung besteht.

Cyber-Mobbing, international auch "Cyber-Bullying", ist das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen von Personen via Internet oder Handy – meist über einen längeren Zeitraum. Es geschieht also beispielsweise per E-Mail, in sozialen Netzwerken, in Chatrooms und auf Foto- oder Videoplattformen.

Diese Form der Diskriminierung hat mitunter schwerwiegende Folgen und wirkt sich oft auf die gesamte Persönlichkeit der Mobbing-Opfer aus. Cyber-Mobbing verursacht nicht selten psychische Schädigungen und hat sogar schon einige Opfer in den Selbstmord getrieben. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel der ver.di Jugend zum Thema beinhaltet viele hilfreiche Tipps und weiterführende Links für Opfer bzw. Zeuginnen oder Zeugen von Cyber-Mobbing.

Was sagt das Gesetz?
Zwar wird Cyber-Mobbing an sich bisher noch nicht als konkreter Straftatbestand geführt, dennoch können gegen derartige Handlungen rechtliche Maßnahmen ergriffen werden:

  • Ohne Zustimmung veröffentlichte Videos oder Bilder verletzen das Persönlichkeitsrecht und das Recht am eigenen Bild (auch "Bildnisrecht"). Gegen die Veröffentlichung kann somit vorgegangen werden (z. B. per Unterlassungsklage bzw. einstweiliger Verfügung, siehe dazu unten).
  • Wenn Unwahrheiten verbreitet oder Beleidigungen ausgesprochen werden – z.B. in sozialen Netzwerken oder per E-Mail – kann ebenfalls ein Unterlassungsanspruch geltend gemacht werden. Möglich ist außerdem die Erstattung einer Strafanzeige wegen Verleumdung bzw. übler Nachrede (siehe dazu unten).
  • Wer per E-Mail, Instant Messenger oder SMS fortlaufend beleidigt oder belästigt wird, kann sich unter Umständen auf das Anti-Stalking-Gesetz berufen.

Wenn so genannte "Cyber-Bullys", also Täterinnen oder Täter, ihre Mobbing-Aktionen weder nach informeller Aufforderung noch per Abmahnung unter Angabe von Fristen unterlassen, können Leidtragende über ein Zivilverfahren ihre Rechte durchsetzen.

Unterlassungsklage, einstweilige Verfügung, Strafanzeige

Eine Unterlassungsklage dient dazu, einen Cyber-Bully per Gerichtsurteil zur Erfüllung der in einer Abmahnung aufgestellten Forderungen zu bringen. Gibt das Gericht der Klage statt und wird das Urteil rechtskräftig, drohen empfindliche Folgen, wenn Täterin oder Täter das abgemahnte Verhalten nicht ändert.

Einstweilige Verfügungen sind eine Art Schnellverfahren – gedacht für eilige Notfälle. Möglich ist der entsprechende Gerichtsantrag daher nur innerhalb einer bestimmten Zeit, nachdem man von der Rechtsverletzung erfahren hat (bei manchen Gerichten vier Wochen, bei anderen bis zu drei Monaten).

Die einstweilige Verfügung hat im Vergleich zur zivilrechtlichen Klage erhebliche Vorteile: Sie kann innerhalb von wenigen Wochen durchgesetzt werden und damit die Cyber-Attacke beenden.

Die schlimmsten Formen von Cyber-Bullying können ein Fall für eine Strafanzeige sein – unter Umständen parallel zu zivilrechtlichen Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise Fälle, in denen Opfern ernsthaft körperliche Gewalt angedroht wird. Strafrechtlich nennt sich das "Bedrohung" und ist verboten.

Ebenfalls strafbar ist es, wenn das Bullying-Opfer unter starkem Druck zu irgendetwas gezwungen werden soll. Hier besteht der Straftatbestand der "Nötigung".

ver.di-Leitfaden zu sozialen Medien am Arbeitsplatz
Neue Medien wie soziale Netzwerke schaffen abgesehen von Mobbing-Vorfällen auch leichtere, aber dennoch ernst zu nehmende Konflikte. Beispielsweise am Arbeitsplatz, wenn Arbeitgeber hinsichtlich der Nutzung solcher Medien eine andere Richtung als ihre Beschäftigten durchsetzen wollen.

"Wenn es um die Nutzung neuer Medien am Arbeitsplatz geht, haben Beschäftigte und auch Betriebs- bzw. Personalrat ein Wörtchen mitzureden – und mitzubestimmen", fasst Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär, die Situation zusammen.

Die ver.di b+b hat zu diesem Thema einen hilfreichen Leitfaden entwickelt. Er beantwortet u. a. Fragen wie:

  • Dürfen Beschäftigte soziale Medien privat am Arbeitsplatz nutzen?
  • Darf ein_e Arbeitnehmer_in gezwungen werden, dem Arbeitgeber das private Profil in sozialen Netzwerken zur Verfügung zu stellen?
  • Darf der Arbeitgeber Einfluss auf die private Nutzung sozialer Medien außerhalb des Arbeitsplatzes nehmen?
  • Darf der Arbeitgeber Beschäftigten verbieten, ein persönliches Profil in beruflichen Netzwerken wie zum Beispiel Xing oder LinkedIn zu erstellen?
  • Welche Rechte hat der Betriebs- bzw. Personalrat, wenn der Arbeitgeber Richtlinien für die Nutzung sozialer Medien (auch "Social Media-Guidelines") einführen will?
  • Darf der Betriebs- bzw. Personalrat soziale Medien nutzen?

Weiterführende Infos und Links
Juristischer Werkzeugkasten des Zivilrechts
von klicksafe.de, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz

"Cyber-Mobbing, Cyberbullying und was man dagegen tun kann" als PDF von klicksafe.de zum kostenlosen Download

Bündnis gegen Cyber-Mobbing

03.01.2013

Der Deutsche Qualifikationsrahmen

  • Schülerinnen und Schüler am PC

Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa

Mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen wird ein umfassendes, bildungsbereichsübergreifendes Profil der in Deutschland erworbenen Kompetenzen vorgelegt. Als nationale Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen soll er die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems berücksichtigen – und zur angemessenen Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa beitragen.

Im Oktober 2006 hatten sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz darauf verständigt, gemeinsam einen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) für lebenslanges Lernen zu entwickeln und die relevanten Akteure und Akteurinnen an diesem Prozess zu beteiligen. Daneben wurde auch beschlossen, eine breite Fachöffentlichkeit in die Diskussion einzubeziehen.

Mehr Entwicklungspotential für Angestellte
Nach einer langen Ruhepause ist der DQR jetzt wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Der Qualifikationsrahmen geht in die heiße Verhandlungsphase und wird nun Thema für alle Beschäftigten.

DQR-Angaben, die ab 2013 auf allen Zeugnissen stehen sollen, bewerten Bildungsabschlüsse in acht Stufen. Das soll die jeweilige Qualifikationsstufe gegenüber potentiellen Arbeitgebern besser widerspiegeln und dadurch Angestellte innerhalb der EU mobiler machen.

DGB-Vize Ingrid Sehrbrock sieht im DQR bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für Beschäftigte. Nach den jüngsten Beschlüssen erhalten beispielsweise Meistertitel im Handwerk und Bachelor jeweils die sechste Stufe. Wie auch in einigen anderen Bereichen stellt hier der DQR also berufliche und akademische Ausbildung auf dieselbe Ebene.

Zusätzlich entspricht nun die berufliche Erstausbildung bei zweijährigen Berufen der Stufe drei und bei drei- und dreieinhalbjährigen Berufen der Stufe vier. „Dieses Ergebnis stärkt das deutsche System der beruflichen Bildung“, kommentiert Sehrbrock das Verhandlungsergebnis, "es ist jetzt möglich, die höchste Stufe zu erreichen, ohne die Hochschule auch nur einen Tag lang von innen gesehen zu haben."

Konfliktpotentiale: Abitur und Stufe sieben
Andreas Schackert vom DGB-Jugend-Projekt "Students at work" sieht die Nicht-Aufnahme des Abiturs in den DQR kritisch: "Der Streit ums Abitur hat die Einigung viel zu lange hinausgezögert. Dass es nun nicht in den DQR aufgenommen wurde, ist eine verpasste Chance.“ Als positiver Schritt zur besseren Vergleichbarkeit von Qualifikationen in Europa wurden jedoch nun immerhin Meister und Bachelor gleichgestellt.

Ebenfalls diskutiert wurde über den im September 2012 beschlossenen Leitfaden für die Zuordnung einzelner Qualifikationsprofile und über die darin enthaltene Stufe sieben. Der zuständige Arbeitskreis DQR umfasst neben Bund und Ländern auch Arbeitgeber, Gewerkschaften und Hochschulen und hatte bisher einheitlich auch berufliche Fortbildungsprofile auf Niveau sieben einsortiert. Die Hochschulrektorenkonferenz hatte diese Bewertung zwischenzeitlich angezweifelt, doch letztlich wurden sich die Parteien doch noch einig.

Hermann Nehls, Grundsatzreferent für berufliche Bildung beim DGB-Bundesvorstand, stimmt diese Einigung zuversichtlich: „Damit ist klar, dass mehr beruflich Qualifizierte den Stufen fünf bis sieben zugeordnet werden können. Wie das geschehen soll und vor allen Dingen nach welchen Kriterien – darüber gibt es noch Gespräche. Aber ich sehe gute Chancen, dass wir auch die Hochschulen von der Qualität der Betriebswirte und Betriebswirtinnen, Berufspädagogen und Berufspädagoginnen überzeugen können.“

Nehls weist in dem Zusammenhang auf ein aktuelles Gutachten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hin, dass die Bedeutung der Fortbildungsprofile für Betriebswirtschaftler_innen hervorgehoben hat: „Diese Studie ist sehr hilfreich, um die besondere Qualität der Aufstiegsfortbildung auch auf Niveau sieben zu begründen.“

Gewerkschaften gestalten mit
Ein weiterer wichtiger Punkt sind so genannte non-formale und informelle Kompetenzen, die außerhalb von Bildungs- oder Berufsbildungseinrichtungen erworben wurden. Bei diesen Qualifikationen, beispielsweise durch Praxiserfahrung oder Privatkurse angeeignet, macht die Europäische Union jetzt Druck. Nach einer Empfehlung der EU-Kommission sollen ab 2015 alle Bürgerinnen und Bürger das Recht auf Anerkennung solcher Fähigkeiten erhalten. Dazu ist nun auf Bundesebene eine Expertengruppe im Einsatz, bei der auch Gewerkschaften beteiligt sind. „Dieses Thema wird die Bildungspolitik der Bundesrepublik in naher Zukunft erheblich beeinflussen“, prognostiziert Nehls.

Und auch bei der weiteren Entwicklung des DQR zeigen sich die Gewerkschaften engagiert. Denn es ist unklar, welche Dynamik der Deutsche Qualifikationsrahmen auslösen wird. Wird er die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen fördern? Wird die Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung gestärkt? Diese Themen sind für Beschäftigte von großer Bedeutung. Deshalb müssen sich Gewerkschaften in den Prozess einmischen und gestalten schon heute mit – für gute Zukunftsperspektiven in Deutschland und Europa.

Weiterführende Informationen zum Thema liefern die Webseiten des DQR und des Bundesinstituts für Berufsbildung.

19.12.2012

Weniger Ausbildungsplätze – trotz angeblichem Fachkräftemangel

  • "Wortwolke" zum Thema Fachkräftemangel und Ausbildungsqualität

BIBB verzeichnet deutliche Verschlechterung am Ausbildungsmarkt

Im Vergleich zum Vorjahr ist in 2012 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 3,2 Prozent auf 551.300 zurückgegangen. Zurzeit sind 76.008 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz und halten sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser.

Die Situation hatte sich in den vergangenen Jahren etwas entspannt. Der zunächst positive Trend auf dem Ausbildungsmarkt ist jedoch laut einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Jahr 2012 ins Stocken geraten.

Ursachen für den Rückgang
Als Gründe für das sinkende Ausbildungsplatzangebot sieht das BIBB insbesondere:

  • die im Lauf des Jahres 2012 nachlassende Konjunktur
  • das geringere Angebot betrieblicher Ausbildungsplätze (10.000 weniger)
  • den Abbau des außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots (minus 4.600)

Aber auch die Ausbildungsplatznachfrage ist rückläufig. In 2012 haben sich nur noch rund 627.300 Menschen für einen Ausbildungsplatz beworben. Das sind 14.200 weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang ist maßgeblich auf die demografische Entwicklung zurückzuführen, denn in Deutschland gibt es immer weniger Jugendliche.

Ausbildungschancen unverändert schlecht
Da es mit sinkendem Ausbildungsplatzangebot gleichzeitig eine geringere Nachfrage gab, sind die Ausbildungschancen der Jugendlichen insgesamt nahezu unverändert geblieben. In 2011 standen für 100 Bewerberinnen und Bewerber rein rechnerisch 93,4 Ausbildungsplätze zur Verfügung, in diesem Jahr sind es 93,2.

Rückgänge in Angebot und Nachfrage haben dazu geführt, dass bundesweit in diesem Jahr lediglich 551.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden – 18.100 Verträge weniger als in 2011. Seit der Wiedervereinigung gab es lediglich 2005 einen ähnlich niedrigen Wert.

Wunsch und reales Angebot zu weit auseinander
Die sinkenden Zahlen neuer Ausbildungsverträge lassen sich auch durch die deutlich seltenere Übereinstimmung von Angeboten und Wünschen erklären. Sowohl regional als auch beruflich lassen sich Ausbildungsplatzangebote der Betriebe nur noch schwierig mit den Ausbildungswünschen der Jugendlichen zusammenzuführen. So nahm die Zahl der noch unbesetzten Stellen um 3.600 auf insgesamt 33.300 zu – ungeachtet des insgesamt sinkenden Ausbildungsplatzangebots.

Vor allem im Handwerk wurde händeringend nach Auszubildenden gesucht. 10.500 Ausbildungsplätze blieben in dieser Branche unbesetzt. 2009 gab es hier lediglich 4.700 ungenutzte Ausbildungsplätze.

Ausbildungsqualität schützt vor Fachkräftemangel
Die größten Herausforderungen für die zukünftige Sicherung des Fachkräftenachwuchses sind sowohl die negative demografische Entwicklung als auch die enorme Differenz zwischen den Vorstellungen beider Seiten – Ausbildungsanbieter wie Ausbildungsplatzsuchende. Für Betriebe bedeutet das nicht zuletzt, dass sie ihre Ausbildungen besser und attraktiver gestalten müssen.

Ohne eine faire Ausbildungsvergütung ist beispielsweise ein Wechsel in eine andere Stadt kaum möglich, Miete und Lebenshaltungskosten müssen schließlich durch die Ausbildungsvergütung bezahlbar sein. Wenn Betriebe und ganze Branchen Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, müssen sie also eine angemessene Vergütung bezahlen – gerade im eigenen Interesse der Fachkräftesicherung.

Hier geht es zur Pressemitteilung des BIBB über die Entwicklung des Ausbildungsmarkts in 2012.

23.05.2013

Chancengerechtigkeit im Bildungswesen

  • Hans-Böckler-Stiftung - Fakten für eine faire Arbeitswelt

Gewerkschaftliche Studienförderung von der Hans-Böckler-Stiftung

Wer in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen will, kann sich während des Studiums von der Hans-Böckler-Stiftung fördern lassen. Auch alle, die auf dem zweiten Bildungsweg einen höheren allgemeinbildenden Schulabschluss erreichen wollen, bekommen bei der gewerkschaftsnahen Stiftung eine Chance.

Bildung für alle – dieses gesellschaftliche Credo wird durch die derzeitige Bildungspolitik nicht einmal für diejenigen verwirklicht, die sich für die Gesellschaft stark machen wollen. Auch von Chancengerechtigkeit im Bildungswesen kann angesichts früher sozialer Auslese und neu eingeführter Studiengebühren kaum die Rede sein.

Bei diesen Hürden setzt die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) an und hat sich die soziale Öffnung der Hochschulen und Universitäten auf die Fahne geschrieben. Sie fördert begabte, junge Menschen, die sich während ihres Studiums gesellschaftspolitisch oder gewerkschaftlich engagieren.

Mehr als nur Geld für gesellschaftliches Engagement
Die Hans-Böckler-Stiftung ist das zweitgrößte Begabtenförderungswerk in Deutschland – über 2.000 Stipendiat_innen lernen derzeit mit Unterstützung der HBS. Bei der Bewerbung zählen für die Stiftung aber nicht nur Zeugnisse und berufliche Erfolge. Gewerkschaftliches, gesellschaftspolitisches oder ehrenamtliches Engagement ist im Auswahlverfahren ebenso wichtig.

Entsprechend bedeutet ein Hans-Böckler-Stipendium mehr als rein finanzielle Unterstützung. Stipendiat_innen kommen auch in den Genuss einer attraktiven ideellen Förderung – durch Seminare, Netzwerke, Praktika, Exkursionen, eine persönliche Vertrauensperson und vieles mehr.

Freie Bahn für den Zweiten Bildungsweg
Insbesondere der "Zweite Bildungsweg" fördert die gesellschaftliche Chancengerechtigkeit, indem er der sozialen Auslese im ersten Bildungsweg etwas entgegensetzt. Ein guter Grund für die Hans-Böckler-Stiftung, sich hier zu engagieren – als einziges Begabtenförderungswerk.

Wer nach einer Berufsausbildung oder dreijährigen Berufstätigkeit beruflich aufsteigen, sich weiterbilden oder neu orientieren möchte, bekommt hier eine Chance. Die HBS gewährt elternunabhängiges BAföG, das Stipendium muss nicht zurückgezahlt werden. Stipendiat_innen können dadurch einen höheren allgemeinbildenden Schulabschluss an einem Abendgymnasium, einer Berufsoberschule oder an einem Kolleg erreichen.

Auswahlverfahren und Fristen
Alle Mitglieder einer im DGB zusammengeschlossenen Gewerkschaft können sich über das gewerkschaftliche Verfahren für ein Stipendium bewerben. Zusätzlich gibt es das "ergänzende Auswahlverfahren". Zur Bewerbung sind die erforderlichen Unterlagen bei der örtlichen Gewerkschaft einzureichen. Dabei sind allerdings unterschiedliche interne Regelungen der jeweiligen Einzelgewerkschaft zu beachten.

Bewerben können sich Schülerinnen und Schüler auf dem Weg ins Studium, Bachelor- und Masterstudierende sowie Promovierende. Ebenso gefördert werden alle, die sich auf dem Zweiten Bildungsweg weiterqualifizieren oder ohne Abitur studieren möchten.

Eine Förderung läuft in der Regel über drei Semester, eine Verlängerung ist möglich. Bewerbungsfrist für das Sommersemester des nächsten Jahres ist der 1. September. Für das kommende Wintersemester und auch für das Programm "Studieren ohne Abitur" gilt jeweils der 1. Februar als Stichtag.

Weitere Infos zu den Bewerbungsvoraussetzungen und Auswahlverfahren der einzelnen Förderungen gibt es als Broschüre der HBS und auf der Website der Stiftung.

05.11.2012

In der Warteschleife

  • Formular für einen Berufsausbildungsvertrag nach BBiG

In der Warteschleife

Eine Expertise des DGB deckt Mängel im Übergangssystem auf: 300.000 Jugendliche bleiben zwischen Schule und Ausbildung hängen.

Praktika absolvieren, Bewerbungstrainings machen, Schulstoff nachholen – so sieht der Alltag fast jedes dritten jungen Menschen aus, der eine berufliche Ausbildung starten will. Die Jugendlichen landen häufig in einer der zahlreichen Übergangsmaßnahmen zwischen Schule und Ausbildung. Eine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben sie allerdings kaum, denn diese Bildungsgänge vermitteln zwar berufliche Grundkenntnisse, jedoch keine anerkannten Berufsabschlüsse.

Nach einer aktuellen Expertise des DGB befanden sich Im Jahr 2011 rund 294.000 Jugendliche in einer solchen Maßnahme. Das heißt 28,4 Prozent der Neuzugänge im gesamten Berufsbildungssystem mündeten in diesen Teilbereich, der keinen qualifizierten Berufsabschluss bietet. Und dabei viel Geld kostet: Zurzeit belastet er die öffentlichen Haushalte mit rund 4,3 Milliarden Euro.

Betriebe haben die freie Wahl
Zwar steht formal allen Jugendlichen eine betriebliche Ausbildung offen – ganz unabhängig vom Schulabschluss. Auf dem realen Arbeitsmarkt aber entscheidet der Arbeitgeber über den Einstieg in das duale System. Aufgrund der Fülle von Bewerber_innen betreiben Personalabteilungen seit Jahren quasi eine „Bestenauslese“.

Die Folgen sind gravierend: 2,2 Millionen Menschen zwischen 20 bis 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss. „Diese abgehängte Generation wird größte Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Fast jede und jeder dritte Jugendliche im Übergangsbereich hat auch nach zwei Jahren noch keinen Ausbildungsplatz. Diese jungen Menschen sind von andauernder Ausbildungslosigkeit bedroht“, warnt Beate Mensch vom Bundesvorstand der ver.di.

Auswege aus der Situation
Nichts ist in Stein gemeißelt – es gibt gute Optionen, dem Problem effektiv zu begegnen:

  • Intensivere Berufsorientierung gewährleisten: Die individuelle Berufswegplanung muss fest in der Schule verankert werden.
  • Leistungs- und Beratungsangebot vor Ort bündeln: Sinnvoll sind Jugendberufsagenturen als zentrale Anlaufstelle, die Jugendliche umfassend informieren und ihnen Beratung aus einer Hand bieten.
  • Neue Strukturen für den Übergang schaffen: Jugendliche, die nur wegen mangelnder Angebote keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, sollten spätestens sechs Monate nach Beginn des Ausbildungsjahres einen Rechtsanspruch auf eine Ausbildung erhalten.
  • Einstellungsverhalten der Betriebe ändern: Die Abschottung vieler Ausbildungsberufe für Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen muss beendet werden. Ebenso ist der Ausbau ausbildungsbegleitender Hilfen notwendig.
  • Tarifverträge für die Ausbildung nutzen: Die Tarifparteien können sich für Jugendliche mit schlechten Startchancen einsetzen.
  • Betriebliche Ausbildung honorieren: Immer weniger Betriebe tragen Verantwortung für die Ausbildung. Branchenfonds zwischen den Tarifpartnern können hierbei einen fairen finanziellen Ausgleich zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben schaffen.

Politik ist gefragt
Die große Anzahl junger Menschen im Übergangsbereich ist ein zentrales gesellschaftliches Problem. Viele von ihnen geraten in dauerhafte Schwierigkeiten bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz.

„Derartig schlechte Perspektiven können wir uns nicht leisten. Schon gar nicht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels“, warnt Beate Mensch. „Der Abbau der Warteschleifen im Übergangsbereich muss definitiv in die Mitte der Bildungspolitik rücken.

02.10.2012

Herbstzeit gleich Grippezeit

  • Junge Frau muss gerade heftig niesen

Was tun bei Krankheit in der Ausbildung?

Wer krank ist, legt sich am besten ins Bett. Eine Krankmeldung bei deinem Chef oder deiner Chefin bleibt aber nicht aus. Was du sonst noch alles zum Thema Krankheit beachten musst, erfährst du hier.

Nass-kaltes Wetter und hustende Kolleg_innen – die herannahende kalte Jahreszeit birgt für viele Menschen die Gefahr einer Erkältung oder Grippe. Die beste Medizin gegen Schnupfen, Husten und Fieber ist bekanntermaßen viel Schlaf und eine Auszeit in der guten Stube.

Damit du dich ohne negative Folgen auskurieren kannst, solltest du bei der Krankmeldung keine Fehler machen. Sonst drohen womöglich neben schmerzenden Gliedern auch eine gekürzte Vergütung, eine Abmahnung oder in schweren Fällen sogar eine fristlose Kündigung. Und das tut noch mehr weh.

Sofort Bescheid sagen
Am ersten Tag deiner Fehlzeit – und zwar noch vor Arbeitsbeginn – musst du deinem_r Ausbilder_in sofort telefonisch Bescheid geben. Zum Grund deiner Krankheit bist du zu keinen Angaben verpflichtet, allerdings dazu, wie lange du voraussichtlich fehlen wirst. Dein Arbeitgeber weiß dadurch, wie er deinen Ausfall am besten ausgleichen kann.

Deine Meldepflicht gilt auch, wenn du vom Betrieb am Tag deiner Krankheit für die Berufsschule oder für eine andere Ausbildungsmaßnahme freigestellt bist. In diesem Fall musst du dich zusätzlich auch in der Berufsschule bzw. bei deiner Ausbildungsmaßnahme krank melden. Hierzu reicht auch eine schriftliche Entschuldigung, die du sofort per Post abschickst.

Hast du dich ordnungsgemäß krank gemeldet, kannst du dich in Ruhe erholen. Wenn du dagegen die Krankmeldung versäumst, können dir deine Vorgesetzten eine Abmahnung erteilen und bei einer Wiederholung kann das sogar ein Kündigungsgrund sein.

Attest vorlegen
Falls du es mit deinem_r Ausbilder_in so vereinbart hast, kann dein Betrieb bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest von dir verlangen. Ansonsten muss du laut §5 Entgeltfortzahlungsgesetz spätestens ab drei Kalendertagen Krankheit am darauffolgenden Arbeitstag ein Attest vorlegen.

In jedem Fall solltest du sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, da ein Attest in der Regel nicht rückwirkend ausgestellt werden kann. Wenn du also womöglich am dritten Tag wirklich „flach liegst“ und es nicht mal mehr bis zur Arztpraxis schaffst, bekommst du Probleme, falls du dir dann noch kein Attest besorgt hast. Bist du länger krank als angegeben, musst du dir außerdem ein Folgeattest ausstellen lassen.

Vergütung während der Krankheit
Der Lohn wird während der Krankheit und bis zur sechsten Woche der Krankheit weiterhin gezahlt. Wer länger ausfällt, bekommt von der Krankenkasse bis zu 78 Wochen lang ein Krankengeld.

Arzttermine
Nicht wirklich dringende Arzttermine solltest du möglichst immer in deiner Freizeit vereinbaren und nur im Notfall während der Arbeitszeiten. In so einem Notfall musst du dich in der Personalabteilung abmelden und solltest auch eine Bescheinigung über den Arztbesuch vorlegen.

Schnell gesund werden
Leichter gesagt als getan – aber du hast tatsächlich die Pflicht, möglichst schnell arbeitsfähig und gesund zu werden! Dazu gehört vor allem, dass du dich an alle ärztlichen Anweisungen hältst. Es kann allerdings auch bedeuten, dass du mit gebrochenem Arm zwar arbeitsunfähig bist, aber trotzdem ins Kino gehen darfst!

11.09.2012

Ausbildungsreport 2012

  • Grafische Darstellung zur Übernahme-Situation

Geltendes Recht in Betrieben einfordern

Nicht einmal jedes vierte Unternehmen bildet aus und vielen Betrieben mangelt es an der nötigen Ausbildungsreife, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Auch an Berufsschulen lässt die Qualität noch erheblich zu wünschen übrig. Zu diesen Ergebnissen kommt der diesjährige Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

„Der siebte Ausbildungsreport legt wieder offen, dass die Ausbildungssituation in Deutschland prekär bleibt. Auszubildende berichten von den gleichen Problemen. Es hat sich kaum etwas getan“, kommentiert Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär, die Veröffentlichung des Ausbildungsreports 2012 am Dienstag in Berlin.

Nur die Hälfte empfindet die Qualität der Berufsschulen als „gut“ oder „sehr gut“
Das Sonderthema der diesjährigen Befragung war die Qualität der Berufsschulen. Zwar bewertet eine knappe Mehrheit der befragten Auszubildenden die fachliche Qualität der Berufsschulen als „gut“ oder „sehr gut“ – was eine Verschlechterung zum Vorjahr von fünf Prozent bedeutet. Mehr als ein Viertel bezeichnet die Unterrichtsqualität als „befriedigend“, immerhin 14,6 Prozent bewerten sie sogar nur als „ausreichend“ bis „mangelhaft“. Die Zufriedenheit unter den Auszubildenden steigt bei kleineren Klassen und zeitgemäßerer Ausstattung mit Unterrichtsmaterial, Schulbüchern und technischen Geräten an den Berufsschulen.

Die rote Laterne bleibt beim Hotel- und Gaststättengewerbe
Wenige Veränderungen gab es im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe. Die besten Beurteilungen zur Ausbildungsqualität gab es erneut von angehenden Bank- und Industriekaufleuten sowie Mechatroniker_innen. Auf den letzten drei Rängen sind wie im Vorjahr die Ausbildungsgänge für Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk, Restaurant- und Hotelfachleute. Die rote Laterne behält damit das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten und fachliche Betreuung
Der Anteil von Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten müssen, ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben erhält fast jede_r Fünfte weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung der geleisteten Überstunden. Fast jede_r zehnte Auszubildende muss nach eigenen Angaben auch ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Zudem gibt es weiterhin Defizite bei der Betreuung durch eine_n Ausbilder_in.

Schlechtere Bedingungen in weiblich dominierten Berufen
Nach wie vor gibt es auffällige, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Noch immer entscheiden sich Frauen und Männer für unterschiedliche Ausbildungen, was zu deutlich männlich bzw. weiblich dominierten Berufsbildern führt. Zu den typischen „Männerberufen“ gehören unter anderem Metallbauer und Anlagenmechaniker. Frauen entscheiden sich häufiger als Männer für eine Ausbildung zur Friseurin oder Medizinischen Fachangestellten. Das hat Folgen für die Vergütung: Frauen erhalten in den von ihnen bevorzugten Berufen weniger Geld als männliche Auszubildende. Auszubildende in weiblich bzw. männlich dominierten Berufen näherten sich lediglich in der Anzahl zu leistender Überstunden an. In „Männerbrufen“ erhalten jedoch 75 Prozent der Azubis einen Freizeitausgleich oder eine entsprechende Vergütung, bei „Frauenberufen“ sind es lediglich 60 Prozent.

Übernahme häufig ungeklärt
Sehr problematisch für Auszubildende ist die oft ungeklärte Übernahmesituation. Zum Zeitpunkt der Befragung wusste ein gutes Viertel der Befragten, dass sie übernommen werden, knapp jeder Zehnte hatte bereits eine Absage. Die Mehrheit von fast zwei Dritteln wusste noch nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Schulen und Betriebe mehr auf ihre Ausbildungsqualität achten müssen. Auch sie stehen in der Verantwortung, jungen Menschen im erlernten Beruf eine Perspektive für die Lebensplanung zu sichern. Die Rhetorik des Fachkräftemangels passt dazu nicht“, so Ringo Bischoff.

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