17.07.2012

Bundesfreiwilligendienst

  • Junge Frau betreut ein Kind

Eine kritische Bilanz

Seit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) vor gut einem Jahr ist das Interesse ungehalten groß. Die ver.di Jugend sieht den BFD weiterhin kritisch. Freiwilligendienste dürfen nicht in Konkurrenz mit regulärer Beschäftigung stehen.

Vor einem guten Jahr wurde der Wehrdienst abgeschafft und mit ihm der Zivildienst. Um die personelle Lücke in den Sozialverbänden und gemeinnützigen Einrichtungen zu schließen, führte die Bundesregierung kurzerhand den „Bundesfreiwilligendienst“ ein. 35.000 Stellen förderte der Bund durch Zuschüsse seitdem. Doch die Nachfrage ist weit größer als das Angebot. Sozialverbände klagen darüber, dass sie doppelt so viele Freiwillige einstellen können, wenn die Bundesregierung die Fördergelder aufstocken würde.

Auch wenn das erst einmal nicht passieren wird, so gilt der Bundesfreiwilligendienst als voller Erfolg. Niemand hätte erwartet, dass sich so viele Menschen für diesen Dienst interessieren.

Die neuen „Bufdis“ – Ehrenamt in Vollzeit?
„Bufdis“ als recht unglückliche Wortkreation nennt man vielerorts die neuen Bundesfreiwilligendienstler_innen. Praktisch alle sollen die Möglichkeit haben, ein BFD zu leisten. Allein die Vollschulzeitpflicht muss erfüllt sein. Der Dienst kann zwischen 6 und 24 Monaten geleistet werden, die Regel ist ein Jahr. Der BFD ist grundsätzlich vergleichbar mit einer Vollzeitbeschäftigung. Sofern die Freiwilligen älter als 27 Jahre sind, ist auch ein BFD in Teilzeit von mindestens 20 Wochenstunden möglich. Maximal 336 Euro bekommen Bufdis, manchmal auch die Unterkunft und Verpflegung gestellt. Den Dienst können Freiwillige im sozialen, ökologischen, kulturellen oder sportlichen Bereich und in der Integrationsarbeit leisten.

Quer durch alle Schichten
Menschen mit Behinderung betreuen, Kindern Fußball beibringen, einen Wald aufforsten - das machen jetzt nicht mehr nur junge Männer wie beim Zivildienst. Auch wenn das Interesse weiterhin unter jungen Menschen am größten ist, drängen auch Hausfrauen, Arbeitslose, Rentner_innen und Hartz-IV-Empfänger_innen in den BFD. Während in Westdeutschland laut Zeit.Online 80 Prozent jünger als 27 Jahre alt ist, sind in Ostdeutschland 70 Prozent älter.

Reguläre Beschäftigung statt Freiwilligendienst
„Wir wollen das aufrichtige Interesse an dem Bundesfreiwilligendienst nicht in Abrede gestellt“, sagt Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär, „dennoch bleiben wir dem Dienst gegenüber kritisch. Die Schaffung eines solchen Dienstverhältnisses mit geringer Bezahlung und verminderten Arbeitnehmerrechten verschärft die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und verhindert reguläre Beschäftigungsverhältnisse.“

Man müsse schon ganz genau hinsehen, wo Gemeinnützigkeit aufhöre und unlauterer Wettbewerb anfange, meinte Bischoff weiter. Wenn der Freiwilligendienst sozialversicherungspflichtige, tarifvertraglich geregelte Beschäftigung ersetzte, handele es sich mehr um Lohndumping als um ein gelungenes engagementpolitisches Projekt.

Das gilt gerade für junge Menschen, deren Berufseinstieg ohnehin schwierig verläuft. Jeder Dritte unter 35 Jahren ist mittlerweile prekär beschäftigt. Einen Freiwilligendienst sollten junge Menschen nicht aus Alternativlosigkeit auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt antreten. Ohnehin bestehen bereits für das freiwillige Engagement junger Menschen mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und den freiwilligen Auslandsdiensten genügend Möglichkeiten zur Verfügung.

17.07.2012

Europäische Jugend in Prekarität

  • Demo-Plakat Ich empöre mich


Wenn die Perspektiven fehlen

Die Jugendarbeitslosigkeit grassiert europaweit und ist seit der Euro-Krise laut Eurostat mit 22 Prozent auf einem historischen Rekordhoch. In einigen Ländern wie Griechenland oder Spanien beträgt sie sogar über 50 Prozent. Wie ein sicherer Hafen wirkt da der deutsche Arbeitsmarkt und seine niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Doch der Schein trügt. Sichere und faire Arbeitsbedingungen sind auch in Deutschland keine Selbstverständlichkeit mehr.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Dieses Mantra gilt seit den 90er Jahren für Jugendliche in Europa nicht mehr. Denn seitdem wächst die Zahl der arbeitslosen Jugend europweit und wird nach Studien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auch weiter wachsen. Von 2008 bis 2011 ist allein die Anzahl jugendlicher Arbeitsloser zwischen 15 bis 24 Jahren durchschnittlich um 26,5 Prozent gestiegen. Eine Kehrwende soll es laut ILO mittelfristig auch nicht geben. Die fortwährenden Euro-Krise tut da ihr übriges.

Es ist Europas Jugend, die der Krise ein Gesicht gibt: In Spanien und Griechenland ist jede_r Zweite heute arbeitslos. Aber auch in Italien, Irland und Portugal ist jeder Dritte unter 25 Jahren ohne Job. Insgesamt sind das europaweit 5,5 Millionen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren. Das ist fast ein Viertel der Jugendlichen.

Es geht aber nicht nur um Arbeit haben oder nicht haben. Prekarität ist das richtige Wort und ein Gefühl, dass Europas Jugend unabhängig von Bildung und Qualifikation kennt. Ob Jungakademiker_in oder Arbeitslose, viele fühlen sich heute um eine sichere Zukunft für den eigenen Lebensweg betrogen.

„Deutschland geht´s doch gut“
Deutschland hat mit 7,9 Prozent im vergangenen Mai die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in ganz Europa. Nur während der Wirtschafts-und Finanzkrise von 2008 und 2009 kletterte die Quote bei den bis zu 24-Jährigen auf 12,5 Prozent. Doch seit die Wirtschaft dank steigender Exporte wieder brumt, ist alles wieder gut auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Leider nein. Das Spiel mit den Quoten geht für junge Leute nicht ganz auf. Aus zwei Gründen.

Welche Traumquote?
Auf der einen Seite ist die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland dem dualen Ausbildungssystem zu verdanken, das Praxisnähe schafft. Die enge Verzahnung von Wirtschaft und Ausbildung bereitet junge Leute sehr gut auf den Arbeitsmarkt vor. Dieses Erfolgssystem ist vor allem auch dem Einfluss der Gewerkschaften zu verdanken.

Auf der anderen Seite drücken aber die staatlich finanzierten Qualifizierungsmaßnahmen die Quote zusammen mit einer ohnehin längeren Schulbildung in Deutschland herunter. Jedes Jahr landet rund ein Drittel der Jugendlichen, die eine Ausbildung absolvieren möchten, in berufsvorbereitenden Maßnahmen und verzerren so die Statistik. Die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhöhen diese Maßnahmen jedoch kaum.

Wer von dieser Quote erst gar nicht erfasst wird, sind die rund sechs Prozent Jugendlichen in Deutschland, die jedes Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen. „Den stabilen Sockel der Abgehängten“ nannte kürzlich der Bildungsbericht diese Jugendlichen ohne Anbindung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Denn ohne Schulabschluss keine Ausbildung und ohne Ausbildung keine Arbeit. 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren sind von diesem Schiksal betroffen.

Atypische Beschäftigung
Deutschlands Wirtschaft wächst, neue Arbeitsplätze entstehen. Doch der Aufschwung geht nicht einher mit sicherer Beschäftigung. Das ist der zweite Grund, der den Glanz der niedrigen Jugendarbeitslosigkeitsquote mattet. Arbeit ist zwar da, aber auch hierzulande zu prekären Verhältnissen: Leiharbeit, Werkverträge, Minijobs, Teilzeit, befristete Stellen. Atypische Beschäftigung nennt sich das. Und diese ist unter Jugendlichen besonders hoch. So fehlt auch hierzulande eine echte Perspektive für junge Menschen.

Die kürzlich veöffentlichte IG Metall Jugend-Studie bestätigt erneut das Bild einer unsicheren Generation. Jede_r Dritte unter 35 Jahren befindet sich in einer atypsichen Beschäftigung. Ungewollt, wie ein zweites Ergebnis der Studie lautet. Die meisten Befragten der Studie empfinden ihre Situation als psychisch belastend. Ein schwieriger Einstieg in das Berufsleben wird zur Normalität und hat Konsequenzen für das eigene Leben wie für die Gesellschaft. Die Sorge um den Job hält junge Menschen von anderen Dingen wie Familienplanung oder gesellschaftlichen Engagement ab. Eine lebendige Demokratie benötigt aber gerade Letzteres.

Arbeitsrechte aushöhlen
Weder die Europäische Union noch die nationalen Regierungen haben bisher eine Strategie gefunden, um auf das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit und steigenden Prekarität nachhaltig zu reagieren. In Spanien, Italien und Frankreich etwa versucht man mit neuen Arbeitsvertragsformen, einer Beschneidung des Kündigungsschutzes und niedrigeren Löhne für junge Arbeitnehmer_innen gegen zu steuern. In Deutschland hat die Regierung diesen Weg bereits mit den Hartz-Gesetzen beschritten.

Die Unsicherheit und Angst vor der nächsten Konjunkturdelle veranlasste Unternehmen ganze Betriebsbereiche an externe Dienstleister auszulagern. Die Beschäftigten arbeiten dann zu schlechteren Konditionenn in Leiharbeit weiter. Solche Strategien höhlen systematisch Beschäftigtenrechte aus. Sie schaffen Flexibilität für die Unternehmen, aber um welchen Preis für junge Beschäftigte?

„Unsichere Zukunftsperspektiven zum Berufseinstieg erschweren den Aufbau der eigenen wirtschaftlichen Existenz und erschweren die Familienplanung“, äußert sich Ringo Bischoff, verdi-Bundesjugendsekretär, zu dem Phänomen zunehmender Prekarisierung junger Beschäftigter. „Junge Erwachsene sollen selbstbestimmt und mit fairen Chancen diese spannende Lebensphase verbringen können. Dafür setzen wir uns ein.“

 

29.06.2012

25 Jahre ERASMUS

  • Illustration: Erasmus 1987-2012

Das Austauschprogramm feiert Geburtstag

Vor 25 Jahren wurde das ERASMUS-Programm von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Es ermöglicht jungen Menschen in Europa, an einer ausländische Partneruniversität zu studieren. Eine tolle Idee, die gerne weiterentwickelt werden darf.

Sara ging während ihres Jurastudiums in München für eine halbes Jahr nach Amsterdam an die Uni. Ermöglicht hat ihr dies das ERASMUS-Programm der Europäischen Union. „Das war schon eine tolle Zeit. Ich habe mit Leuten aus der ganzen Welt zusammengewohnt, Party gemacht und auch ein neues Rechtssystem kennengelernt“, fasst sie ihr Auslandssemester zusammen.

Dieses Jahr wird ERASMUS 25 Jahre alt. 1987 rief die Europäische Kommission das Programm ins Leben. Mit dem Ziel, jungen Menschen die europäische Idee näher zu bringen, zusammenzuwachsen, die europäischen Nachbarn kennen und schätzen zu lernen.

Partykultur?
Horizonterweiterung, eine fremde Kultur kennenlernen, Party machen – so erleben die meisten Studierenden ihre ERASMUS-Zeit an einer ausländischen Partneruniversität. Viele ERASMUS-Studierende bleiben unter sich und lernen kaum die Einheimischen kennen. So wie Sara. Sie war an der niederländischen Kultur interessiert, wurde aber kaum mit niederländischen Kommiliton_innen zusammengebracht.

„Wie soll ich die Leute vor Ort kennenlernen, wenn in meinem Wohnheim und in meinen Unikursen nur Gaststudenten aus dem Ausland sind?“, fragt sie sich. „Das Auslandsbüro der Uni hat es uns damit viel schwieriger gemacht, in die niederländische Gesellschaft reinzuschnuppern.“ Statt Niederländisch verbesserte Sara ihr Englisch mit italienischer, französischer und polnischer Einfärbung. Auch das ist Europa.

Eine Bereicherung ist das Programm dennoch. Viele lernen eine neue Sprache, stehen das erste Mal im Leben vor der Herausforderung, sich in eine andere Kultur einzuleben und machen Erfahrungen, die sie auch beruflich weiterbringen. Sara entdeckte in Amsterdam das Europarecht für sich und wählte es als Schwerpunktthema für ihr Studium in Deutschland.

ERASMUS für Elite?
Rund 2,5 Millionen Europäer_innen nutzten in den letzten 25 Jahren die Chance, an einer ausländischen Hochschule zu studieren. In Deutschland nehmen rund 200.000 Studierende jährlich an dem Programm teil - mit steigender Tendenz. Relativ gesehen entspricht das aber nur einem Prozent aller Studierenden in Deutschland.

Da die Hälfte aller Hochschüler_innen arbeitet und das im Ausland kaum möglich ist, gehen nur die, die es sich auch wirklich leisten können. Die 80 bis 200 Euro monatliches Fördergeld aus dem ERASMUS-Programm dienen allenfalls als Taschengeld vor Ort. Eine Vollfinanzierung des Auslandsaufenthaltes ist damit aber nicht möglich. So entscheiden sich überweigend Studierende für das Ausland, die durch BAföG oder die Eltern finanziell unterstützt werden. Damit ist das ERASMUS-Programm in seiner jetzigen Form eine Art Elitenförderung.

Das bestätigt auch eine Studie der Bildungssoziologin Claudia Finger. Sie untersuchte, wie ein Auslandsstudium mit der sozialen Herkunft verknüpft ist. Mit einem ernüchternden Ergebnis: Seit der Bologna-Reform hat sich die internationale Mobilität von Studierenden aus einem Nicht-Akademikerhaushalt verschlechtert. Das ERASMUS-Programm konnte soziale Unterschiede unter Studierenden bisher also nicht ausgleichen.

Erfolgsgeschichte mit Potential
Neben den erhöhten Kosten eines Auslandsaufenthaltes hemmen auch Anerkennungsprobleme der erbrachten Studienleistungen an der Heimatuni die Mobilität. Auch für Sara verlängerte sich durch Amsterdam die Studienzeit. An der Münchener Uni konnte sie ihre Kurse aus Amsterdam nicht anrechnen lassen.

Trotz all der Widrigkeiten gilt es an den Erfolgen des ERASMUS-Programmes fest zu halten. Immerhin 4000 Hochschulen in 33 Ländern beteiligen sich an dem Programm. Und das ERASMUS-Programm wächst weiter. Ab 2014 soll es unter dem Namen „Erasmus für alle“ und der doppelten Fördersumme nicht nur mehr Studierende, sondern auch Auszubildende mobilisieren. Damit Europa noch ein bisschen mehr zusammen wächst, auch sozial.

 

25.06.2012

Übernahme Fehlanzeige

  • Junges Mädchen mit Sonnenhut und ratlosem Blick

Fachkräfte-Diskussion

Trotz angeblichem Fachkräftemangel zeigt eine von der DGB durchgeführte Studie: Auszubildende bekommen kaum eine Übernahmezusage.

Im letzten Jahr der Ausbildung haben mehr als die Hälfte der Auszubildenden noch keine Übernahmezusage. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der DGB-Jugend in sechs Bundesländern unter Auszubildenden im letzen Ausbildungsjahr.

Danach gaben nur 43 Prozent der Befragten an, dass sie bereits eine sichere Perspektive im Betrieb über die Ausbildungszeit hinaus haben. Jede_r vierte Befragte (25 Prozent) weiß, dass er bzw. sie nach der Ausbildung nicht übernommen wird. Etwa ein Drittel (32 Prozent) hat noch keinerlei Informationen darüber, ob er oder sie nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung weiterbeschäftigt wird.

Perspektive sichern!
"Die Ergebisse zeigen mit welchen Unsicherheiten jungen Menschen beim Übergang in das Erwerbsleben konfrontiert sind“, so Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär der ver.di Jugend. „Wenn vor lauter Ungewissheit und geforderter Flexibilität am Ende die Perspektive für den eigenen Lebensentwurf fehlt, läuft etwas schief.“

So zeigt die Studie auch, dass selbst nach der Übernahme oft nur ein zeitlich befristeter Arbeitsvertrag steht. Lediglich 41 Prozent der befragten Azubis, die bereits eine Übernahmezusage haben, werden unbefristet übernommen. Auf alle befragten Auszubildenden bezogen sind das lediglich 17 Prozent.Von den Auszubildenden, die bereits wissen, dass sie nicht übernommen werden, hatten drei von vier Befragten (77 Prozent) zum Zeitpunkt der Befragung noch keine Aussicht auf eine alternative Beschäftigung.

„Fachkräftesicherung ernst nehmen“
Überraschend sind diese Ergebnisse aus Sicht der ver.di Jugend und des DGB im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Fachkräftemangel, der von vielen Unternehmen beklagt wird. Schließlich kennen die Auszubildenden die Gegebenheiten des Betriebs, sind in die Abläufe involviert und müssen sich nicht erst einarbeiten.

Die ver.di Jugend kritisiert gemeinsam mit dem DGB, dass die Betriebe die Sicherung von Fachkräften vernachlässigen und die Potenziale und Erfahrungen der Auszubildenden nicht nutzen: "Es entsteht der Eindruck, dass zwar alle vom so genannten Fachkräftemangel reden, aber kaum einer etwas für die Fachkräftesicherung tut. Die unbefristete Übernahme der Auszubildenden wäre ein wichtiges Signal, dass die Unternehmen es mit der Fachkräftesicherung ernst meinen", so Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende.

In der Studie befragte die DGB-Jugend im März und April diesen Jahres 1.434 Auszubildende in ihrem letzten Ausbildungsjahr. Durchgeführt wurde die Befragung in den sechs Bundesländern Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.

25.06.2012

Generation Chancenlos

  • Junge Schülerin schreibt an die Tafel

Ergebnisse des vierten Bildungsberichts 2012

Der Bildungsbericht 2012 legt erneut schonungslos offen: Auch wenn das Bildungsniveau insgesamt steigt, schafft das deutsche Bildungswesen einen Sockel aus Verlierer_innen. Jede_r fünfte Schüler_in bekommt kaum eine echte Chance im System.

Das Bildunsniveau in Deutschland steigt. Fast jede_r Zweite macht eine Hochschulreife, immer mehr junge Menschen studieren. Der Ausbildungsmarkt entspannt sich und das Bildungssystem ist in den vergangenen zwei Jahren durchlässiger geworden. Das sind die guten Nachrichten aus dem am vergangenen Freitag vorgestellten Bildungsbericht von Bund und Länder.

Bildungsverlierer_innen
Doch den erfreulichen Entwicklungen stehen Zahlen entgegen, die Angela Merkels ausgerufene Bildungsrepublik sehr klein machen. Erneut zeigt der Bericht auf, dass die soziale Herkunft der Eltern wesentlich den Bildungserfolg eines Kindes bestimmt. Während 77 von 100 Kindern von Eltern mit Hochschulabschluss studieren, gehen nur 13 von 100 Kindern von Eltern mit Hauptschulabschluss diesen Bildungsweg.

Besonders besorgniserregend ist auch ein Kern aus 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die zu einem Sockel von Bildungsverlierer_innen gehören. Sie sind funktionale Analphabeten - können also lesen, aber nicht den Text verstehen. Sie brechen die Schule oder Ausbildung ab und bleiben erfolgreichen Weiterbildungen fern.

Auch die Zahl der Förderschüler_innen steigt weiterhin. Ein Trend, den sich die Forschergruppe nur damit erklären kann, „dass die Förderschulen ein Interesse an ihrem Fortbestand haben.“ „Wie lange wissen wir jetzt schon, dass junge Menschen hierzulande in unzähligen institutionellen Warteschleifen wie den Förderschulen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen verschwinden und dennoch nicht den Absprung schaffen?“, fragt Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär der ver.di Jugend und ergänzt: „Wir müssen diese Zahlen endlich ernst nehmen und die Spaltung in Gewinner und Verlierer aufhalten. Der Schlüssel zu einem unabhängigen Erwerbsleben liegt heute in der Fähigkeit, sich weiterbilden zu können. Unser Bildungswesen muss es schaffen, diese Fähigkeiten jeder Schülerin und jedem Schüler mitzugeben.“

Streit um Bildungsbericht
Nicht nur die ver.di Jugend bemängelt die ausbleibenden Anstrengungen seitens der Politik. Der Bildungsbericht hat erneut einen Streit um die richtige Bildungspolitik für Bund und Länder ausgelöst. Besonders umstritten ist in diesem Zusammenhang auch weiterhin das von der Regierung auf den Weg gebrachte Betreuungsgeld für Eltern, die ihre unter Dreijährigen nicht in eine Kita schicken wollen. Sowohl hochrangige Forscher_innen des Berichts als auch die Opposition sehen mit diesem für 2013 geplanten Elternzuschuss eine soziale Spaltung in die frühkindliche Förderung und lehnen daher das Betreuungsgeld ab.

Mit „Bildung in Deutschland 2012" wurde der vierte Bericht einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler_innen vorgelegt. Mit diesem von der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Bericht wird das deutsche Bildungswesens alle zwei Jahre umfassend evaluiert.

Hier geht’s zum Bildungsbericht.

21.06.2012

Was bildet ihr uns ein?

  • Buchcover: Was bildet ihr uns ein?

Eine Buchempfehlung zur Bildungsrevolution

„Was bildet ihr uns ein?“ fragen 32 junge Autorinnen und Autoren zwischen 19 und Anfang 30 im Titel ihres neu erschienen Buches. Damit fordern sie zu einer Bildungsrevolution in Deutschland auf. ausbildung.info sprach mit Bettina Malter, der Mitherausgeberin des Sammelbandes.

ausbildung.info: Bettina, warum ist es gerade für junge Leute interessant, euer Buch zu lesen?

Bettina: Junge Menschen sollen sich in dem Buch wieder finden. Mit ihren eigenen Bildungsbiographien und den vielen Hürden, die sie bisher nahmen. Vielleicht hat ihr Umfeld ihnen bislang suggeriert, dass ihre Probleme in der Schule, Ausbildung oder im Studium an ihnen selbst liegen. Dabei existieren die Hürden im Bildungssystem selbst. Das wird in der Öffentlichkeit oft nicht so dargestellt. Das Buch soll auch wachrütteln. Es ist wichtig, dass sich junge Menschen mit dem Thema Bildung auseinandersetzen. Denn die Politik behandelt Bildung immer noch als Stiefkind, sie vernachlässigt sie regelrecht. Jetzt müssen sich die zu Wort melden, die genau wissen, woran es hakt und was schief läuft – und das sind wir jungen Menschen selbst.

ausbildung.info: In dem Buch sagt ihr, dass das deutsche Bildungssystem im besten Fall „Profi-Hürdenläufer“ ausbildet. Was meint ihr genau damit und warum ist das nicht wünschenswert?

Bettina: Die Metapher soll verdeutlichen, dass Bildung in Deutschland der reinste Hürdenlauf ist. Nach dem Status Quo müssten alle Kinder Profi-Hürdenläufer werden, um in unserem Bildungssystem zu bestehen. Aber welche Jugendlichen wollen das überhaupt? Die beliebtesten Berufe sind Erzieher, Koch oder Mechatroniker. Wir schreiben in dem Buch, dass Schule aufhören muss, solch ein Hürdenlauf zu sein. Damit sich Jugendliche auf ihre Ziele konzentrieren können.

ausbildung.info: Ihr wollt keine Reförmchen mehr, sondern eine Revolution für das deutsche Bildungswesen. Welche drei Dinge müssten aus eurer Sicht am besten gleich heute noch geändert werden?

Bettina: Wir können da nicht drei Dinge herausstellen. Wir fordern ja die Bildungsrevolution, weil die Politik bislang immer nur an einzelnen Teilen des Bildungssystems rumschraubt. Und drei Dinge wären auch einzelne Stellschrauben. Wir wollen aber, dass Bildung in Deutschland grundlegend überdacht wird und ein neues Fundament gelegt wird. Und dazu braucht es mehr.

ausbildung.info: In einem Beitrag des Buches erfährt man, wie im öffentlichen Diskurs zentrale Begriff nur noch als Worthülsen von allen Beteiligten verwendet werden. Einer davon ist „Chancengleichheit“. Was bedeutet für euch echte Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem?

Bettina: Die soziale Herkunft eines Kindes darf keine Rolle mehr für den Bildungserfolg spielen. Das bedeutet echte Chancengleichheit. Jeder muss seinen Stärken nachgehen und sich frei entfalten können. Nur so kann jeder seine eigene Zukunft bestimmen und den Beruf wählen, den er machen will. Das muss unser Bildungssystem garantieren können.

ausbildung.info: Auf welche Schule würdest du deine Kinder schicken?

Bettina: Ich würde meine Kinder gern auf eine Schule wie die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Göttingen schicken. Das ist eine Gesamtschule auf der es keine Noten gibt und Kinder bis zur 10. Klasse nicht nach Leistung getrennt sind. Diese Schule versteht sich als „Teamschule“. Solidarität und Verständnis füreinander sind Werte, die auch wichtig für das Aufwachsen von Kindern sind.

ausbildung.info: Mit dem Buch habt ihr jetzt den Startschuss gegeben. Wie geht die Bildungsrevolution weiter? Habt ihr weitere Ideen für das Projekt?

Bettina: Wir hoffen, dass sich viele junge Menschen angesprochen fühlen und sich uns anschließen - also Hoffnungstäter werden, wie wir uns nennen. Wir sind derzeit auf der Suche nach jungen Menschen, denen das Thema Bildung ebenfalls wichtig ist und die für den Blog wasbildetihrunsein.de schreiben. Es wäre schön, wenn unser Blog als Sprachrohr der jungen Generation auf die derzeitigen Missstände im Bildungssystem aufmerksam macht. Und das sowohl durch persönliche Erfahrungsberichte als auch durch gute Analysen.

Die Fragen stellte Aletta Diefenbach für ausbildung.info.

19.06.2012

11 deutsche „Elite-Unis“

  • Haupteingang der Humboldt Universität von Berlin

Exzellenzinitiative gegen Breitenförderung

Am vergangenen Freitag fiel zum dritten und letzten Mal die Entscheidung, welche deutschen Hochschulen im Rahmen der Exzellenzinitative gefördert werden. Neu im Kreis der Elite-Unis sind die Humboldt-Universität Berlin, die Universitäten in Köln, Bremen und Tübingen und die TU Dresden. Was nun fehlt, ist eine Breitenförderung.

9 plus 5, minus 3 macht 11 deutsche „Elite-Unis“. Diese Rechnung gilt seit vergangenen Freitag als zum dritten und letzten Mal die Förderentscheidung zur Exzellenzinitative fiel. Die Forschungsminister und Vertreter_innen aus Wissenschaft mischten die Karten neu um die begehrten Fördertöpfe: Neu unter den Spitzenunis sind die HU Berlin, die Unis in Köln, Bremen und Tübingen und die TU Dresden. Den Titel aberkannt bekamen die Universitäten in Göttingen, Karlsruhe, und Freiburg. Auf eine weitere Förderung können sich die Münchener Universitäten, die FU Berlin sowie die Unis in Konstanz, Heidelberg und die RWTH in Aachen freuen.

Ene, mene, muh, raus bist du!
Die Exzellenzinitiative bringt Schwung in die verstaubten Hallen der deutschen Universitäten. Auf dem Weg zur Profilbildung und dem ersehnten Titel haben sich einige Unis erneuert, interdisziplinäre Projekte angestoßen, eingerostete Strukturen aufgebrochen. Das ist erst einmal positiv. Während sich die neu und wieder gewählten Elite-Unis auf ordentliche Finanzspritzen für ihre Forschung freuen dürfen, gehen viele andere Hochschulen leer aus. Genauso wie die rund 2,2 Millionen Studierenden in Deutschland. Überlastetes Personal an den Hochschulen, überfüllte Seminare, ungeheizte Bibliotheksräume. Egal ob Elite-Etikett oder nicht, im Studienalltag werden die Studierende auch an einer Elite-Uni kaum Verbesserungen feststellen. Denn die Förderung gilt ausschließlich der Spitze. Das sind Graduiertenschulen für Doktorand_innen und Forschungscluster aus einem Stab an Wissenschaftler_innen.

Auseinandertriften von Forschung und Lehre
So hat die Exzellenzinitative ihren ganz eigenen Preis, wie die Wissenschaftsforscherin Dagmar Simon vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) weiß. Sie hat gemeinsam mit ihrem Team die Auswirkungen der Exzellenzinitiative auf die deutschen Hochschulen untersucht. Ergebnis des politisch geförderten und geforderten Prozesses der Profilbildung sei nicht eine Differenzierung, sondern eine strukturelle Anpassung der Universitäten. Im Wettbewerb um die Fördergelder war das entscheidende Kriterium für Exzellenz an der Hochschule ihre Grundlagenforschung. Hingegen Lehre oder kreative Lehre honorierte das Auswahlkomitee kaum. Diese Anreize sollten jedoch dringend geschaffen werden, damit Forschung und Lehre nicht weiter auseinander driften. Denn wie Humboldt schon wusste: ohne Nachwuchs, gibt es auch irgendwann keine Elite mehr. 

18.06.2012

Plagiate in der Wissenschaft

  • Füllfederhalter mit blauem Tintentropfen auf einem Blatt Papier

Eine Orientierung für Studierende

Fleißige Prüfer_innen decken immer weitere Plagiate in den wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten von Politiker_innen auf. Alle wissen: Abschreiben ohne Quellenangabe ist verboten. Aber sind die Grenzen zwischen Plagiat und Original immer so einfach zu ziehen?

Bei Annette Schawan, unserer Bundesministerin für Bildung und Forschung, sind sich die Experten_innen noch unsicher, ob sie ihren Doktortitel abgeben soll. Bei anderen war der Fall schon klarer: Ob Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin – reihenweise findet im Internet ein anonymer Schwarm aus fleißigen Plagiatsjäger_innen Plagiate in den Dissertationen von Spitzenpolitiker_innen. Die Liste der Angeklagten wird immer länger.

Plagiate grasieren unter Studierenden
Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt und kostet nicht nur den Doktortitel, sondern auch die Karriere. Spitzenpolitiker_innen sind aber in der Tat nur die Spitze des Eisbergs. Denn unter Studierenen sieht es nicht besser aus. Laut einer Studie der Universität Leipzig hat fast jeder vierte Studierende schon einmal für eine wissenschaftliche Arbeit falsch zitiert und bewusst fremde Textpassagen übernommen. Die steigenden Plagiatsfälle an der Universität haben viele Gründe. In Zeiten der Digitalisierung des Wortes ist die Verlockung groß: Einfach „copy and paste“ und schon ist eine Hausarbeit geschrieben. Seit Bologna kämpfen Bachelor- und Masterstudierende auch gegen einen strafferen Zeitplan an. Wenn dann noch jede Note zählt, schmücken sich viele gern einmal mit den Gedanken anderer.

Welcher Umgang mit Quellen?
Richtiges Zitieren ist fester Bestandteil von Einführungsseminaren in den ersten Semestern, unabhängig der Disziplin. Dennoch gibt es in der Tat viele Fallstricken auf dem Weg zu einer korrekt verfassten, wissenschaftlichen Arbeit. Auch unter Fachleuten ist gar nicht so klar, was genau ein Plagiat in der Wissenschaft ist. Nur wortwörtliches Abschreiben oder die Aneignungs fremden Gedankengutes? Macht es einen Unterschied, ob es bewusst oder unbewusst passiert? Was ist überhaupt zitierfähig? Nur das ehrwürdige Bibliotheksbuch oder auch der Blogeintrag im Internet?
Die Antworten darauf liegen in einer Grauzone, die Universitäten, Akademien und Forschungseinrichtungen seit den öffentlichen Debatten um Plagiatsvorwürfe verstärkt reflektieren müssen.

Studierende sollten aber wissen: Gedanken von anderen zu übernehmen ist das Tagesgeschäft in der Wissenschaft und beim Schreiben einer Hausarbeit ist das auch überhaupt nicht verwerflich. Studierende müssen beweisen, dass sie mit Gedanken und Argumenten, Quellen und Texten richtig umgehen können. Nur in ihren Sternstunden bedeutet Wissenschaft in der Tat auch ein Erkenntnisfortschritt.

 

Buchempfehlung:
Karmasin, M. und R. Ribing (2010)
Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten: Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen.
Stuttgart: UTB. 5. aktualisierte Auflage, 168 Seiten
ISBN-10: 382522774X
8 Euro

 

Linksammlung zum Thema Plagiat:

Mitmachen erlaubt - werde selbst Plagiatsjäger_in:
PlagiPedi Wiki
VroniPlag Wiki 
Initative Transparente Wissenschaft

Rechtsanwälte beraten: „Texte richtig zitieren, statt plagiieren
Fremde Federn finden: Ein Onlinekurs über Plagiat

Portal Plagiat

Fotostrecke zu Plagiator/-innen aus dem öffentlichen Leben
 

02.06.2012

Deutschlandstipendium bisher enttäuschend

  • Schwarz-weiß-Foto von vielen Menschen, dazwischen eine junge Frau in Farbe am Laptop

Erste Bilanz zur neuen Studienförderung

Nach einem Jahr zieht das Bundesministerium für Bildung eine positive Bilanz über das neue Fördermodell „Deutschlandstipendium“ – dabei hat sie mit rund 5400 Stipendien nur halb so viele Studierende unterstützt wie geplant.

Stipendien sind in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA immer noch spärlich gesät. Eine erste Abhilfe sollte das im vergangenen Jahr eingeführte Deutschlandstipendium für Studierende schaffen. Nun hat das Bildungsministerium eine erste Bilanz gezogen: Ungefähr 5400 Student_innen erhielten seit dem Sommersemester 2011 eine Studienförderung in Höhe von 300 Euro monatlich. Geplant war jedoch knapp 10.000 leistungsstarke und begabte Studierende zu fördern.

Erfolg sieht anders aus
Zu einer Hälfte finanziert sich das Deutschlandstipendium aus Mitteln des Bundes. Zur anderen Hälfte geben private Stifter wie Unternehmen oder auch Privatpersonen Fördergeld. Auf diese Weise möchte die Bundesregierung einmal acht Prozent aller Hochschüler_innen in Deutschland während des Studiums finanziell unterstützen. Davon ist sie bisher jedoch noch meilenweit entfernt. Nicht einmal die erste Zielmarke von 10.000 Förderungen erreichte die Bundesregierung im ersten Jahr. „Förderprogramme sind gut und wichtig, auch für Hochbegabte. Bevor man das Geld jedoch in ein weiteres bürokratisches Gespinst steckt, wäre ein Ausbau der BAföG-Förderung hilfreicher “, sagte Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär der ver.di Jugend. Das Deutschlandstipendium stellt bisher noch ein hoher Verwaltungsaufwand für viele Hochschulen dar. Für jedes Stipendium, dass eine Hochschule vergeben will, muss sie selbst die privaten Geldgeber finden. Damit liegt die Verantwortung für den Erfolg des Programms zu einem wesentlichen Anteil bei den Hochschulen und ihrem Geschick im Fundraising.

Details zur Förderung
Im vergangenen Jahr erhielten knapp die Hälfte der Stipendien junge Frauen. Auch Studierende mit ausländischer Staatsbürgerschaft wurden mit kanpp sieben Prozent finanziell unterstützt. Am häufigsten ging das Deutschlandstipendium an Begabte aus den Ingenieurwissenschaften, gefolgt von den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Naturwissenschaften/Mathematik.

Gewerkschaftlich Aktive finden insbesondere bei der Hans-Böckler-Stiftung finanzielle wie ideelle Unterstützung. Sie ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB, von dem es ebenfalls Infos zu Stipendien gibt.

 

10.05.2012

Viele Betriebe nicht ausbildungsreif

  • Ein Auszubildender in der Küche einer Gastronomie

Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse

Am Mittwoch , den 9. Mai 2012 beschloss die Bundesregierung den Berufsbildungsbericht. Die Spitzenverbände der Wirtschaft klagen bezüglich der aktuellen Zahlen über einen vermeintlichen Fachkräftemangel. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu eine Expertise verfasst: Es gebe mehr als genug ausbildungswillige junge Menschen, doch viele Betriebe seien einfach nicht ausbildungsreif.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich 2011 aufgrund der demographischen Entwicklung etwas entspannt. Fast 30.000 Stellen konnten angeblich nicht besetzt werden. Doch für zehntausende Jugendliche bleibt sie problematisch. „Denn noch immer waren zum Abschluss des Berufsbildungsjahres 2011 wesentlich mehr Ausbildungsstellenbewerber (insgesamt 76.700) auf Lehrstellensuche als Lehrstellen (29.689) noch zu besetzen waren“, heißt es in einer Expertise des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Rein rechnerisch hätte somit jede der noch offenen Stellen mehr als zweimal besetzt werden können.

Die DGB-Experten Matthias Anbuhl und Thomas Gießler haben die Ausbildungsberufe mit einem hohen Anteil unbesetzter Plätze untersucht. Das Ergebnis: In diesen Berufen gibt es hohe Abbrecherquoten, geringe Ausbildungsvergütungen sowie hohe Misserfolgsquoten bei den Prüfungen. Außerdem schneiden die Berufe in der Bewertung der Auszubildenden (Ausbildungsreport 2011 der DGB-Jugend) schlecht ab. Kurzum: Viele Betriebe in diesen Bereichen sind nicht ausbildungsreif. Sie müssen deshalb ihre Ausbildung besser und attraktiver gestalten.

Mängel gibt es zum einen bei den Ausbildungsvergütungen, zum anderen bei der Qualität der Ausbildung. Gleichzeitig wird von Jugendlichen heute Mobilität und Flexibilität in der Ausbildung gefordert. Vor allem die regionalen Ungleichgewichte9 auf dem Ausbildungsmarkt machen mitunter einen Umzug unumgänglich. Ohne eine faire Ausbildungsvergütung ist aber zum Beispiel ein Wechsel in eine andere Stadt kaum möglich, weil Miete und Lebenshaltungskosten von der Vergütung nicht bezahlt werden können. Wenn Betriebe und ganze Branchen Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, müssen sie gerade im eigenen Interesse der Fachkräftesicherung eine angemessene Vergütung bezahlen.

Zur DGB-Expertise "Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse - Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif"

Statement der DGB-Jugend zum Berufsbildungsbericht 2012

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