19.06.2012

11 deutsche „Elite-Unis“

  • Haupteingang der Humboldt Universität von Berlin

Exzellenzinitiative gegen Breitenförderung

Am vergangenen Freitag fiel zum dritten und letzten Mal die Entscheidung, welche deutschen Hochschulen im Rahmen der Exzellenzinitative gefördert werden. Neu im Kreis der Elite-Unis sind die Humboldt-Universität Berlin, die Universitäten in Köln, Bremen und Tübingen und die TU Dresden. Was nun fehlt, ist eine Breitenförderung.

9 plus 5, minus 3 macht 11 deutsche „Elite-Unis“. Diese Rechnung gilt seit vergangenen Freitag als zum dritten und letzten Mal die Förderentscheidung zur Exzellenzinitative fiel. Die Forschungsminister und Vertreter_innen aus Wissenschaft mischten die Karten neu um die begehrten Fördertöpfe: Neu unter den Spitzenunis sind die HU Berlin, die Unis in Köln, Bremen und Tübingen und die TU Dresden. Den Titel aberkannt bekamen die Universitäten in Göttingen, Karlsruhe, und Freiburg. Auf eine weitere Förderung können sich die Münchener Universitäten, die FU Berlin sowie die Unis in Konstanz, Heidelberg und die RWTH in Aachen freuen.

Ene, mene, muh, raus bist du!
Die Exzellenzinitiative bringt Schwung in die verstaubten Hallen der deutschen Universitäten. Auf dem Weg zur Profilbildung und dem ersehnten Titel haben sich einige Unis erneuert, interdisziplinäre Projekte angestoßen, eingerostete Strukturen aufgebrochen. Das ist erst einmal positiv. Während sich die neu und wieder gewählten Elite-Unis auf ordentliche Finanzspritzen für ihre Forschung freuen dürfen, gehen viele andere Hochschulen leer aus. Genauso wie die rund 2,2 Millionen Studierenden in Deutschland. Überlastetes Personal an den Hochschulen, überfüllte Seminare, ungeheizte Bibliotheksräume. Egal ob Elite-Etikett oder nicht, im Studienalltag werden die Studierende auch an einer Elite-Uni kaum Verbesserungen feststellen. Denn die Förderung gilt ausschließlich der Spitze. Das sind Graduiertenschulen für Doktorand_innen und Forschungscluster aus einem Stab an Wissenschaftler_innen.

Auseinandertriften von Forschung und Lehre
So hat die Exzellenzinitative ihren ganz eigenen Preis, wie die Wissenschaftsforscherin Dagmar Simon vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) weiß. Sie hat gemeinsam mit ihrem Team die Auswirkungen der Exzellenzinitiative auf die deutschen Hochschulen untersucht. Ergebnis des politisch geförderten und geforderten Prozesses der Profilbildung sei nicht eine Differenzierung, sondern eine strukturelle Anpassung der Universitäten. Im Wettbewerb um die Fördergelder war das entscheidende Kriterium für Exzellenz an der Hochschule ihre Grundlagenforschung. Hingegen Lehre oder kreative Lehre honorierte das Auswahlkomitee kaum. Diese Anreize sollten jedoch dringend geschaffen werden, damit Forschung und Lehre nicht weiter auseinander driften. Denn wie Humboldt schon wusste: ohne Nachwuchs, gibt es auch irgendwann keine Elite mehr. 

18.06.2012

Plagiate in der Wissenschaft

  • Füllfederhalter mit blauem Tintentropfen auf einem Blatt Papier

Eine Orientierung für Studierende

Fleißige Prüfer_innen decken immer weitere Plagiate in den wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten von Politiker_innen auf. Alle wissen: Abschreiben ohne Quellenangabe ist verboten. Aber sind die Grenzen zwischen Plagiat und Original immer so einfach zu ziehen?

Bei Annette Schawan, unserer Bundesministerin für Bildung und Forschung, sind sich die Experten_innen noch unsicher, ob sie ihren Doktortitel abgeben soll. Bei anderen war der Fall schon klarer: Ob Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin – reihenweise findet im Internet ein anonymer Schwarm aus fleißigen Plagiatsjäger_innen Plagiate in den Dissertationen von Spitzenpolitiker_innen. Die Liste der Angeklagten wird immer länger.

Plagiate grasieren unter Studierenden
Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt und kostet nicht nur den Doktortitel, sondern auch die Karriere. Spitzenpolitiker_innen sind aber in der Tat nur die Spitze des Eisbergs. Denn unter Studierenen sieht es nicht besser aus. Laut einer Studie der Universität Leipzig hat fast jeder vierte Studierende schon einmal für eine wissenschaftliche Arbeit falsch zitiert und bewusst fremde Textpassagen übernommen. Die steigenden Plagiatsfälle an der Universität haben viele Gründe. In Zeiten der Digitalisierung des Wortes ist die Verlockung groß: Einfach „copy and paste“ und schon ist eine Hausarbeit geschrieben. Seit Bologna kämpfen Bachelor- und Masterstudierende auch gegen einen strafferen Zeitplan an. Wenn dann noch jede Note zählt, schmücken sich viele gern einmal mit den Gedanken anderer.

Welcher Umgang mit Quellen?
Richtiges Zitieren ist fester Bestandteil von Einführungsseminaren in den ersten Semestern, unabhängig der Disziplin. Dennoch gibt es in der Tat viele Fallstricken auf dem Weg zu einer korrekt verfassten, wissenschaftlichen Arbeit. Auch unter Fachleuten ist gar nicht so klar, was genau ein Plagiat in der Wissenschaft ist. Nur wortwörtliches Abschreiben oder die Aneignungs fremden Gedankengutes? Macht es einen Unterschied, ob es bewusst oder unbewusst passiert? Was ist überhaupt zitierfähig? Nur das ehrwürdige Bibliotheksbuch oder auch der Blogeintrag im Internet?
Die Antworten darauf liegen in einer Grauzone, die Universitäten, Akademien und Forschungseinrichtungen seit den öffentlichen Debatten um Plagiatsvorwürfe verstärkt reflektieren müssen.

Studierende sollten aber wissen: Gedanken von anderen zu übernehmen ist das Tagesgeschäft in der Wissenschaft und beim Schreiben einer Hausarbeit ist das auch überhaupt nicht verwerflich. Studierende müssen beweisen, dass sie mit Gedanken und Argumenten, Quellen und Texten richtig umgehen können. Nur in ihren Sternstunden bedeutet Wissenschaft in der Tat auch ein Erkenntnisfortschritt.

 

Buchempfehlung:
Karmasin, M. und R. Ribing (2010)
Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten: Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen.
Stuttgart: UTB. 5. aktualisierte Auflage, 168 Seiten
ISBN-10: 382522774X
8 Euro

 

Linksammlung zum Thema Plagiat:

Mitmachen erlaubt - werde selbst Plagiatsjäger_in:
PlagiPedi Wiki
VroniPlag Wiki 
Initative Transparente Wissenschaft

Rechtsanwälte beraten: „Texte richtig zitieren, statt plagiieren
Fremde Federn finden: Ein Onlinekurs über Plagiat

Portal Plagiat

Fotostrecke zu Plagiator/-innen aus dem öffentlichen Leben
 

02.06.2012

Deutschlandstipendium bisher enttäuschend

  • Schwarz-weiß-Foto von vielen Menschen, dazwischen eine junge Frau in Farbe am Laptop

Erste Bilanz zur neuen Studienförderung

Nach einem Jahr zieht das Bundesministerium für Bildung eine positive Bilanz über das neue Fördermodell „Deutschlandstipendium“ – dabei hat sie mit rund 5400 Stipendien nur halb so viele Studierende unterstützt wie geplant.

Stipendien sind in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA immer noch spärlich gesät. Eine erste Abhilfe sollte das im vergangenen Jahr eingeführte Deutschlandstipendium für Studierende schaffen. Nun hat das Bildungsministerium eine erste Bilanz gezogen: Ungefähr 5400 Student_innen erhielten seit dem Sommersemester 2011 eine Studienförderung in Höhe von 300 Euro monatlich. Geplant war jedoch knapp 10.000 leistungsstarke und begabte Studierende zu fördern.

Erfolg sieht anders aus
Zu einer Hälfte finanziert sich das Deutschlandstipendium aus Mitteln des Bundes. Zur anderen Hälfte geben private Stifter wie Unternehmen oder auch Privatpersonen Fördergeld. Auf diese Weise möchte die Bundesregierung einmal acht Prozent aller Hochschüler_innen in Deutschland während des Studiums finanziell unterstützen. Davon ist sie bisher jedoch noch meilenweit entfernt. Nicht einmal die erste Zielmarke von 10.000 Förderungen erreichte die Bundesregierung im ersten Jahr. „Förderprogramme sind gut und wichtig, auch für Hochbegabte. Bevor man das Geld jedoch in ein weiteres bürokratisches Gespinst steckt, wäre ein Ausbau der BAföG-Förderung hilfreicher “, sagte Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär der ver.di Jugend. Das Deutschlandstipendium stellt bisher noch ein hoher Verwaltungsaufwand für viele Hochschulen dar. Für jedes Stipendium, dass eine Hochschule vergeben will, muss sie selbst die privaten Geldgeber finden. Damit liegt die Verantwortung für den Erfolg des Programms zu einem wesentlichen Anteil bei den Hochschulen und ihrem Geschick im Fundraising.

Details zur Förderung
Im vergangenen Jahr erhielten knapp die Hälfte der Stipendien junge Frauen. Auch Studierende mit ausländischer Staatsbürgerschaft wurden mit kanpp sieben Prozent finanziell unterstützt. Am häufigsten ging das Deutschlandstipendium an Begabte aus den Ingenieurwissenschaften, gefolgt von den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Naturwissenschaften/Mathematik.

Gewerkschaftlich Aktive finden insbesondere bei der Hans-Böckler-Stiftung finanzielle wie ideelle Unterstützung. Sie ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB, von dem es ebenfalls Infos zu Stipendien gibt.

 

10.05.2012

Viele Betriebe nicht ausbildungsreif

  • Ein Auszubildender in der Küche einer Gastronomie

Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse

Am Mittwoch , den 9. Mai 2012 beschloss die Bundesregierung den Berufsbildungsbericht. Die Spitzenverbände der Wirtschaft klagen bezüglich der aktuellen Zahlen über einen vermeintlichen Fachkräftemangel. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu eine Expertise verfasst: Es gebe mehr als genug ausbildungswillige junge Menschen, doch viele Betriebe seien einfach nicht ausbildungsreif.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich 2011 aufgrund der demographischen Entwicklung etwas entspannt. Fast 30.000 Stellen konnten angeblich nicht besetzt werden. Doch für zehntausende Jugendliche bleibt sie problematisch. „Denn noch immer waren zum Abschluss des Berufsbildungsjahres 2011 wesentlich mehr Ausbildungsstellenbewerber (insgesamt 76.700) auf Lehrstellensuche als Lehrstellen (29.689) noch zu besetzen waren“, heißt es in einer Expertise des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Rein rechnerisch hätte somit jede der noch offenen Stellen mehr als zweimal besetzt werden können.

Die DGB-Experten Matthias Anbuhl und Thomas Gießler haben die Ausbildungsberufe mit einem hohen Anteil unbesetzter Plätze untersucht. Das Ergebnis: In diesen Berufen gibt es hohe Abbrecherquoten, geringe Ausbildungsvergütungen sowie hohe Misserfolgsquoten bei den Prüfungen. Außerdem schneiden die Berufe in der Bewertung der Auszubildenden (Ausbildungsreport 2011 der DGB-Jugend) schlecht ab. Kurzum: Viele Betriebe in diesen Bereichen sind nicht ausbildungsreif. Sie müssen deshalb ihre Ausbildung besser und attraktiver gestalten.

Mängel gibt es zum einen bei den Ausbildungsvergütungen, zum anderen bei der Qualität der Ausbildung. Gleichzeitig wird von Jugendlichen heute Mobilität und Flexibilität in der Ausbildung gefordert. Vor allem die regionalen Ungleichgewichte9 auf dem Ausbildungsmarkt machen mitunter einen Umzug unumgänglich. Ohne eine faire Ausbildungsvergütung ist aber zum Beispiel ein Wechsel in eine andere Stadt kaum möglich, weil Miete und Lebenshaltungskosten von der Vergütung nicht bezahlt werden können. Wenn Betriebe und ganze Branchen Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, müssen sie gerade im eigenen Interesse der Fachkräftesicherung eine angemessene Vergütung bezahlen.

Zur DGB-Expertise "Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse - Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif"

Statement der DGB-Jugend zum Berufsbildungsbericht 2012

24.4.2012

Should I stay or should I go?

  • Vier rote Gummibären und ein ausgeschlossenes gelbes

Internationale Studierende haben schlechteren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt

Drei Viertel der internationalen Studierenden verlassen Deutschland nach ihrem Studienabschluss – obwohl viele von ihnen bleiben möchten. Das fand eine Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) heraus.

Zwar hat sich die Rechtssicherheit internationaler Studierender verbessert und ihr Zugang zum Arbeitsmarkt während und nach dem Studium wurde erleichtert. So haben Absolvent_innen in Deutschland und den Niederlanden ein Jahr Zeit, um einen Job zu finden. Trotzdem gehen die meisten Studierenden aus sogenannten Drittstaaten, also Ländern außerhalb der Europäischen Union, nach ihrem Studium an einer deutschen Hochschule wieder zurück in ihr Heimatland. Und das, obwohl sich beinahe zwei Drittel vorstellen können, in Deutschland zu arbeiten. Der Grund hierfür liegt wohl im fehlenden Informationsangebot. Fast die Hälfte der in der SVR-Studie befragten internationalen Studierenden fühlt sich kaum oder gar nicht informiert. Problematisch fanden sie vor allem, dass es zu wenig Informationen in englischer Sprache gibt. Viele Studierende haben Probleme, die komplizierten Aufenthaltsbestimmungen und die Voraussetzungen für den Verbleib in Deutschland zu verstehen.

Obwohl sie durch ihre hohe Qualifikation beste Voraussetzung als ZuwandererInnen erfüllen, haben sie auch mit anderen Problemen zu kämpfen. Ihnen fehlen oft die beruflichen Netzwerke, sie kennen die Gepflogenheiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt kaum und haben sprachliche Hürden zu überwinden. Außerdem müssen sie mit Diskriminierung im Alltag kämpfen. Da sie als temporäre Zuwanderergruppe betrachtet werden, können sie die meisten Integrationsangebote nicht nutzen. Das Informationsangebot muss also unbedingt verbessert werden. Internationale Studierende müssen besser unterstützt und betreut werden, damit sie, wenn sie möchten, auch im Land, in dem sie studierten, arbeiten können.

 

23.04.2012

Girls' Day 2012

  • Logo zum Girls' Day, dem Mädchen-Zukunftstag

Für mehr weibliche Fachkräfte in technischen Berufen

Noch immer ist die Ausbildungs- und Berufswahl rollenspezifisch gebunden. Um Mädchen für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern, findet am 26. April 2012 der Girls' Day statt.

Nur noch wenige Tage, dann ist es endlich wieder so weit: technische Unternehmen, Betriebe, Hochschulen und Forschungszentren in ganz Deutschland öffnen Türen und Tore für Schülerinnen ab der fünften Klasse. Am Girls’ Day sollen sie die Möglichkeit bekommen, Ausbildungsberufe und Studiengänge in Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften kennen zu lernen. Denn dort sind Frauen bisher eher selten vertreten, am wenigsten in Führungspositionen. Und das, obwohl sie oft bessere Schulabschlüsse als ihre Mitschüler erreichen. Nach dem Schulabschluss entscheiden sich viele junge Frauen trotzdem für Ausbildungsberufe, die als „typisch weibliche“ bezeichnet werden und schlechter bezahlt sind als die naturwissenschaftlich-technischen. Frauen, die eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen oder staatenlos sind, sind in technischen Berufen sogar noch seltener vertreten. Auf der anderen Seite fehlt gerade in den technischen und techniknahen Bereichen zunehmend qualifizierter Nachwuchs.

Damit Mädchen und junge Frauen ihre Berufsmöglichkeiten besser nutzen können, wurde 2001 der Girls’ Day / Mädchen-Zukunftstag geschaffen. Gab es damals bundesweit nur 39 angebotene Veranstaltungen mit 1800 Teilnehmerinnen, erkundeten im vergangenen Jahr mehr als 125.000 Mädchen Technik und Naturwissenschaften und über 9.800 Unternehmen und Organisationen beteiligten sich. Dieses Jahr gilt es, diese Zahl noch zu toppen: bereits 110.000 Plätze für Mädchen sind auf der Aktionslandkarte eingetragen und täglich kommen neue hinzu.

Der Aktionstag für Mädchen zeigt Wirkung: die Anzahl der weiblichen Fachkräften in technischen Berufen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. So ist der Anteil beschäftigter Ingenieurinnen von 2007 bis 2011 um ein Viertel gestiegen, der Anteil an Naturwissenschaftlerinnen sogar um mehr als ein Drittel. Auch in den nicht-akademischen technischen Berufen nehmen die weiblichen Fachkräfte zu. Im aktuellen Girls' Day Podcast werden solche Erfolgsgeschichten dokumentiert. Wenn auch ihr Mädchen kennt, die aufgrund des Girls' Day eine Ausbildung oder ein Studium in einem „frauenuntypischen“ Beruf begonnen haben, meldet euch beim Girls' Day-Team und berichtet davon!

 

30.03.2012

Reisekosten in Studium und Ausbildung

  • Geldscheine, dazu ein Pfeil mit Aufschrift Steuern

Der Bundesfinanzhof verbessert deutlich die Absetzbarkeit von Fahrtkosten

Geänderte Rechtsprechung erleichtert Studierenden und Auszubildenden die Absetzbarkeit ihrer Reisekosten. Fahrten zwischen Wohnung und Bildungseinrichtung werden nun vollständig steuerlich angerechnet.

Gute Nachrichten für Studierende und Auszubildende: Entgegen der bisherigen Auffassung des Bundesfinanzhofes (BFH) sehen zwei kürzlich getroffene Gerichtsentscheide Bildungsmaßnahmen als „regelmäßig vorübergehend und nicht auf Dauer angelegt“. Im Ergebnis sind nun auch Fahrten zu Ausbildungsbetrieb sowie Berufs- und Hochschule in voller Höhe steuerlich abzugsfähig.

Geltend gemacht werden dazu die tatsächlichen Reisekosten oder Werbungskosten mit einer Entfernungspauschale von derzeit 0,30 € pro Kilometer – und das ab sofort für Hin- und Rückfahrt. Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär von ver.di, freut sich mit den betroffenen Steuerpflichtigen: „Für Auszubildende und Studierende ergibt das bis zu mehrere 100 € zusätzlich im Jahr – vor allem bei längeren Ausbildungszeiträumen!“

Hier alle Änderungen auf einen Blick:

  • Bildungseinrichtungen, beispielsweise Berufsschulen und Universitäten, gelten nicht länger als regelmäßige Arbeitsstätte – auch wenn diese über einen längeren Zeitraum für einen Vollzeitunterricht besucht werden.

  • In Folge dessen sind nun Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsstätte genau wie Dienstreisen in voller Höhe steuerlich absetzbar (bisher nur als Werbekosten nach Entfernungspauschale).

  • Zusätzlich dürfen dadurch jetzt in der Steuererklärung auch Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen angesetzt werden, die in den ersten drei Monaten angefallen sind.


Nach wie vor gelten einige Einschränkungen:

  • Dienstreisen dürfen steuerlich nur dann berücksichtigt werden, wenn der Fahrtaufwand tatsächlich angefallen ist (entfällt bei grundsätzlicher Anrechnung aller Reisen als Werbungskosten, d.h. mit Entfernungspauschale).

  • Für Erstausbildung oder -studium werden nur Sonderausgaben bis maximal 4000 € (bis 2011) bzw. 6000 € (ab 2012) anerkannt. Dem stehen allerdings mehrere „Musterverfahren“ entgegen, deren gerichtlichen Entscheide bislang noch ausstehen.


Für alle ver.di Mitglieder gibt es noch eine gute Nachricht: Wer Hilfe bei seiner Steuererklärung benötigt, bekommt kostenlose Beratung beim ver.di Lohnsteuerservice. Für alle Fragen dazu wendet ihr euch am besten direkt an eure ver.di Jugend vor Ort!

05.03.2012

Der Druck muss raus!

  • Überlastete Krankenschwester macht sechs Dinge gleichzeitig

ver.di fragt nach der Qualität deiner Ausbildung in der Pflege

Die ver.di Jugend hat eine neue Studie zur Ausbildungsqualität in Pflegeberufen in Auftrag gegeben und ruft zur Beteiligung auf. Der Schwerpunkt in diesem Jahr liegt auf Arbeitsbelastung und berufliche Perspektiven. Ende März wird der erste ver.di Ausbildungsreport für Pflegeberufe aus 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Überstunden, schlechte Praxisanleiter_innen und nach Ausbildungsende keine Aussicht auf Übernahme – jungen Erwachsenen im Gesundheits- und Sozialwesen sind diese Übel leider noch viel zu oft bekannt. Die Frage: „Wie sehr belastet dich die Ausbildungsbedingungen im Krankenhaus?“, scheint daher für viele Azubis nur allzu berechtigt. ver.di interessiert sich genau dafür und startete erneut eine Umfrageaktion, um das Stimmungsbild zur Ausbildungsqualität in den Pflegeberufen einzufangen.

Mitmachen ist wichtig! Denn nur so kann sich die Gewerkschaft für die Verbesserung der Ausbildungsqualität und ihrer Rahmenbedingungen einsetzen. Erst wenn man genau weiß, wo der Schuh drückt, lässt sich Abhilfe schaffen. Dieses Mal geht es darum, mehr über die Belastungen in der Ausbildung und die Übernahmesituation zu erfahren. Daher ruft ver.di bis Ende Juli auf, sich an der Umfrage zu beteiligen: Macht mit und informiert eure Azubikollegen und –kolleginnen. Alle Auszubildenden der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Altenpflege sind angesprochen. Die Ergebnisse werden dann für Anfang Winter 2012 erwartet.

Letztes Jahr um diese Zeit startete ver.di die erste Studie zur Ausbildungsqualität im Bereich Gesundheit und Soziales. Über 4000 Fragebögen wurden seither ausgewertet und in diesen Tagen als Ausbildungsreport der Öffentlichkeit vorgestellt.

Fragebogen downloaden und ausdrucken!

Ausgefüllt kannst du ihn entweder deiner JAV oder ver.di vor Ort geben oder per Post senden an:

ver.di Bundesverwaltung
Fachbereich 03 – Jugend

Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin

10.01.2012

Rechtliche Änderungen 2012

  • Aktenordner mit Unterlagen

Die Mühlen der Bürokratie drehen sich weiter: Neues zu Kindergeld, Rentenversicherung & Co.

Zum 1. Januar 2012 haben sich einige rechtliche Regelungen geändert, die unmittelbare Auswirkungen auf Auszubildende und Studierende haben. Damit ihr den Überblick behaltet, hat die ver.di Jugend die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

Kindergeld und Kinderfreibetrag
Wer Anspruch auf Kindergeld hat, musste bisher genau rechnen. Volljährige Kinder durften bisher nur 8.004 Euro im Jahr verdienen, wenn sie den Kindergeldanspruch nicht verlieren wollten. Ab dem 1. Januar 2012 gilt: Volljährige Kinder, die in Ausbildung sind, können dazuverdienen, soviel sie wollen - der Kindergeldanspruch bleibt.

Aber: Nach wie vor gilt der Anspruch auf Kindergeld und Kinderfreibetrag nur für Kinder bzw. junge Erwachsene unter 25 Jahren in einer Erstausbildung. Er entfällt, wenn sich der junge Erwachsene in einer weiteren Ausbildung befindet und in einer Nebentätigkeit mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet.

Mehr dazu hier:
Im Studium
In der Ausbildung

Lohnsteuerkarte
Nichts ist dauerhafter als ein Provisorium - Seit langem will die Bundesregierung die Lohnsteuerkarte aus Papier ersetzen. Der erste Schritt war denn auch, die papierne Karte nicht mehr auszugeben. Brauchte man bisher jedes Jahr eine neue Lohnsteuerkarte, galt zuletzt: Die Lohnsteuerkarte von 2010 gilt auch 2011 weiter. Diese Übergangsregelung wurde nun "wegen großen Erfolgs" verlängert.

Auch 2012 braucht man nur die Lohnsteuerkarte von 2010 beim Arbeitgeber abzugeben bzw. kann sie gleich dort liegen lassen. Wer 2010 keine Lohnsteuerkarte bekommen hat, kann sich bei seinem Finanzamt eine Ersatzbescheinigung ausstellen lassen. Ersatzbescheinigungen aus dem Jahr 2011 gelten natürlich ebenfalls 2012 weiter. Und irgendwann kommt dann mal die elektronische Lohnsteuerkarte. Vielleicht ja 2013?

Mehr zum Thema beim Bundesfinanzministerium

Rentenversicherung
Auszubildende und Studierende, die in einer abhängigen Beschäftigung regelmäßig mehr verdienen als 400 (Studierende ) bzw. 325 (Auszubildende) Euro pro Monat, müssen aus diesem Einkommen Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Der Beitragssatz sinkt am 1. Januar 2012 von 19,9 auf 19,6 Prozent. Der Anteil des Arbeitnehmers liegt dann bei 9,8 Prozent (statt bisher 9,95 Prozent).

Mehr zur Situation von Studierenden

Sonderausgabenabzug für Ausbildungskosten
Der Sonderausgabenabzug für Ausbildungskosten steigt im kommenden Jahr von 4.000 auf maximal 6.000 Euro. Diese Regelung gilt für Auszubildende und Studierende.

Werbungskostenpauschale
Wer Geld in einer abhängigen Beschäftigung verdient, muss auch Steuern zahlen. Aber zum Glück gibt's ja den Freibetrag von 8.004 Euro pro Jahr. Dazu kommt noch die Werbungskostenpauschale für abhängig Beschäftigte. Die wurde jetzt rückwirkend zum 1. Januar 2011 erhöht: Statt bisher 920 Euro werden nun pauschal 1.000 Euro Werbungskosten im Jahr vom Finanzamt angesetzt.

Mehr dazu bei der DGB Jugend

Duales Studium
Für duale Studierende gilt ab dem Jahreswechsel einheitlich: Wenn sie mehr als 325 Euro von ihrem Betrieb bekommen, müssen davon Beiträge in alle Sozialversicherungszweige gezahlt werden. Der so genannte Werkstudentenstatus greift nicht. Zuletzt galt diese Regelung nicht für dual Studierende in praxisintegrierten dualen Studiengängen - wegen eines Gerichtsurteils aus dem Sommer 2010. Jetzt wurden die Regeln wieder vereinheitlicht.

Mehr dazu bei der DGB Jugend

Absetzbarkeit der Kosten für Kinderbetreuung
Ab 2012 können alle Eltern Betreuungskosten für jedes Kind bis zum 14. Lebensjahr als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen. Damit entfällt die bisherige Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen und die Unterscheidung von erwerbs- und nicht erwerbsbedingtem Betreuungskosten.

Zukünftig können Eltern zwei Drittel der jährlichen Kosten maximal aber 4.000 Euro, steuerlich als Sonderausgabe geltend machen. Diese Regelung gilt für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr und zeitlich unbeschränkt für alle Kinder mit Behinderung.

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