News

31.10.2019

Upgrade für deine Ausbildung

  • Alle News zum neuen BBiG

Da geht was! Der Bundestag hat die längst überfällige Reform des Berufsbildungsgesetzes beschlossen. Das neue Gesetz soll am 01.01. 2020 in Kraft treten. Aber was bringt dir die Reform des Berufsbildungsgesetzes für deine Ausbildung?

Wir geben dir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Änderungen:

  • Mindestausbildungsvergütung
  • Freistellung für die Berufsschule
  • Freistellung zur Prüfungsvorbereitung
  •  Lernmittelfreiheit
  • Freistellung für ehrenamtliche Prüfungskräfte

Ohne Moos nix los!

Auszubildende, die eine Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz machen, haben ab dem 01.01.2020 einen gesetzlichen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung, mindestens in folgender Höhe:

1. Ausbildungsjahr   2. Ausbildungsjahr   3. Ausbildungsjahr   4. Ausbildungsjahr

2020    515 Euro                    608 Euro                     695 Euro                     721 Euro

2021    550 Euro                    649 Euro                     743 Euro                     770 Euro

2022    585 Euro                    690 Euro                     790 Euro                     819 Euro

2023    620 Euro                    732 Euro                     837 Euro                     868 Euro

Die Mindestausbildungsvergütung gilt mit der Gesetzesreform auch für außerbetriebliche Berufsausbildungen.

Ab 2024 soll es daran anschließend eine automatische jährliche Anpassung an die bundesweite Durchschnittsvergütung geben. Die Datenbasis dafür erhebt das Statistische Bundesamt. Nullrunden sind damit nicht möglich.

Und wie sieht es mit Tarifverträgen und der Mindestausbildungsvergütung aus? Tarifverträge werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt. Sie sind Maßstab und Garant für eine ordentliche Ausbildungsvergütung – und bieten daneben noch viele weitere Vorteile für Auszubildende und Beschäftigte. Nahezu alle Tarifverträge, in denen Ausbildungsvergütungen geregelt sind, liegen schon heute deutlich oberhalb der Mindestausbildungsvergütung. Das ist auch gut so. Die Mindestvergütung hilft vor allem dort, wo es bisher keine Tarifverträge gab. Über Tarifverträge bekommen ver.di-Mitglieder also heute schon deutlich höhere Ausbildungsvergütungen. Welcher Tarifvertrag für dich gilt, erfährst du als ver.di-Mitglied bei deiner ver.di Jugend vor Ort.

Weiterhin gilt auch, dass 80 Prozent der branchenüblichen Ausbildungsvergütung als „angemessen“ gelten und somit auch der gesetzliche Anspruch einer Ausbildungsvergütung über der Mindestausbildungsvergütung bestehen kann. Sollte dein Tarifvertrag eine Vergütung niedriger als die Mindestausbildungsvergütung regeln, gilt vorerst die tarifliche Regelung weiterhin.

Auch wenn die Mindestausbildungsvergütung manchmal auch "Mindestlohn für Azubis" genannt wird: Den gesetzlichen Mindestlohn (2019: 9,19 Euro; 2020: 9,35 Euro) erhalten Azubis nicht.

Hintergrund: Eigentlich ist die Bezeichnung "Mindestlohn für Azubis" für die Mindestausbildungsvergütung nicht korrekt. Denn Auszubildende erhalten keinen "Lohn", da sie keine regulären Beschäftigten sind, sondern sich noch in der Ausbildung befinden. Entsprechend können sie auch keinen Mindestlohn erhalten. Die korrekte Bezeichnung für das Einkommen von Auszubildenden lautet "Ausbildungsvergütung". Dementsprechend heißt der Mindestbetrag für die Ausbildungsvergütung "Mindestausbildungsvergütung" – kurz MiAV.

Alter?! Egal!

Alle Auszubildenden haben nun eine garantierte Freistellung für die Berufsschule. Damit musst du nach einem Berufsschultag mit mindestens fünf Unterrichtsstunden – an einem Tag in der Woche – nicht mehr in den Betrieb zurück. Dieser Tag wird dir dann mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet.

Wenn die Schule vor 9 Uhr beginnt, musst du ab jetzt auch vorher nicht mehr in den Betrieb. Bei Blockunterricht (mindestens fünf Tage mit über 25 Unterrichtsstunden) bist du ebenfalls befreit. Und wenn die Berufsschule mal kürzer ist oder der Unterricht erst nach 9 Uhr beginnt? Dann zählen die Pausen und die Wegzeit von der Schule in den Betrieb als Ausbildungszeit. Bisher galt diese Regelung nur für minderjährige Auszubildende, jetzt für alle. Das Durchschnittsalter eines Jugendlichen zu Beginn der Ausbildung liegt bei 20 Jahren. Deshalb profitiert ein Großteil der Auszubildenden von dieser neuen Regelung.

Lernen ist Arbeit

Für die Vorbereitung auf schriftliche Abschlussprüfungen wird es eine bezahlte Freistellung für den letzten Ausbildungstag vor der Prüfung geben.

Büchergeld? Kannste dir sparen!

Fachliteratur fällt jetzt endlich auch unter die Lernmittelfreiheit und muss nicht mehr von den Auszubildenden bezahlt werden.

Praxis prüft Praxis

Die ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer sind elementar für die berufliche Bildung. Das Prinzip „Praxis prüft Praxis“ zählt zu den Qualitätsmerkmalen der dualen Ausbildung. Wir stehen bei den Prüfungskräften in den kommenden Jahren vor einem echten Generationenwechsel. Doch schon heute fällt es schwer, Männer und Frauen noch für dieses Ehrenamt zu gewinnen. Aufgrund der hohen Arbeitsverdichtung werden viele Prüferinnen und Prüfer nicht mehr freigestellt. Sie müssen dann oft Urlaub für die Prüfungen nehmen oder sie prüfen am Wochenende. So wird das Ehrenamt unattraktiv. Es ist daher gut, dass im Gesetz jetzt auch die Freistellung der Prüfungskräfte geregelt ist. Wir wollten aber die bezahlte Freistellung, damit es auch keinen Verdienstausfall gibt. Hier fordern wir Nachbesserungen.

Wir bleiben dran!

Leider wurden die Praxisphasen sowohl des dualen Studiums als auch der betrieblich-schulischen Ausbildungen nicht in den Geltungsbereich des Berufsbildungsgesetzes aufgenommen. Es soll einen Prozess von Bund, Ländern und Sozialpartnern geben, um das Thema zu bearbeiten. Wir werden uns hier weiter einbringen und unsere Forderung deutlich machen.

Bachelor. Master. What?!

Jetzt soll es auch Fortbildungstitel wie „Bachelor Professional“ oder „Master Professional“ geben. Hilft das denn? Nur weil ein Bäckermeister sich künftig auch „Bachelor Professional“ nennen darf, wird die Fortbildung nicht attraktiver. Es reicht nicht, den Abschlüssen neue Etiketten aufzukleben. Um die Qualität der beruflichen Aufstiegsfortbildung zu verbessern, sind verbindliche Inhaltspläne für die Lernprozesse wichtig. Dafür werden wir uns weiter einsetzen.

Da geht noch mehr!

Als ver.di jugend sind wir deine Ansprechpartnerin für Qualität in der Ausbildung. Wir haben uns in den letzten Jahren intensiv für die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Berufsbildungsgesetz engagiert. Einige unserer Forderungen wurden in der Reform nicht übernommen – hierfür kämpfen wir weiter. Gute Ausbildung, Arbeits- und Lebensbedingungen fallen nicht vom Himmel. Sie müssen durchgesetzt und verteidigt werden. Zusammen können wir mehr erreichen, als jede und jeder für sich allein. Deshalb schließen wir uns in der ver.di Jugend zusammen. Und je mehr wir sind, desto mehr können wir gemeinsam erreichen!

Gemeinsam sind wir stark. Mit dir sind wir stärker.

mitgliedwerden.verdi.de

Beratung und Unterstützung in deiner Ausbildung

Bei allen Fragen und Problemen rund um deine Ausbildung und dein duales Studium helfen wir dir als ver.di-Mitglied weiter – persönlich und kompetent. Damit in den nächsten Jahren nichts schiefgeht! Einfach Kontakt aufnehmen: Fon 0800.8373433 oder jugend@verdi.de.