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06.02.2020

Die deutsche Bildungspolitik ist immer noch eine Baustelle!

  • Deutsche Bildungspolitik: immer noch eine Baustelle!

Wo bleibt der Aufbruch für die Bildung, fragen sich die Autoren Matthias Anbuhl und Klaus Klemm in ihrer neuen DGB-Studie „Baustelle Bildungsrepublik“. Sie ziehen eine gemischte Bilanz: Vieles steht still oder hat sich verschlechtert und Weniges ging voran.

Die Ergebnisse dieser Studie sind ernüchternd, aber leider nicht wirklich überraschend für uns alle. Es fehlen Lehrkräfte, die Leistungen der Lernenden sind im besten Falle gleichbleibend und die soziale Spaltung nimmt auch hier zu.

Die einzigen Lichtblicke sind die zunehmende Zahl der Krippenplätze und die Erweiterung der schulischen Ganztagsangebote. Obwohl auch dort der Fachkräftemangel spürbar die Erfolge bedroht. Wir haben hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie für euch zusammengefasst.

Leistungen der Lernenden

In den Fächern Mathematik, Biologie, Physik und Chemie haben sich die Leistungen (9. Klasse) seit 2012 nicht verbessert. Die Lesekompetenz vieler Lernenden hat sich seit 2012 sogar verschlechtert. Insbesondere sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche werden auch in der Bildung verstärkt abgehängt.

Es wird mittlerweile sehr deutlich, wie stark gute Noten und Bildungserfolge von der sozialen Herkunft und dem Einkommen der Eltern abhängen. Denn Lernende, die mehr Unterstützung beim Lernen und ihren Hausaufgaben bekommen oder Nachhilfe nehmen können, erreichen oft bessere Leistungen. Und diese Unterstützung ist davon abhängig wie viel Zeit, Geld und Wissen den Familien und Erziehungsberechtigten zur Verfügung stehen.

Mit mehr Lehrkräften, einer Bildungsstrategie im Allgemeinen und mehr Chancengleichheit im Speziellen ließe sich diese Spaltung abmildern. Doch an beidem mangelt es.

Wir – die ver.di Jugend – fordern einen generellen Wechsel in der bundesweiten Bildungspolitik. Wir müssen hin zu einer Bildung, die auf die einzelnen Lernenden und deren Bildungserfolge zugeschnitten ist. Dazu brauchen wir kleinere Klassen, mehr Lehrkräfte (mind. zwei Lehrkräfte pro Klasse) und mehr Investitionen in den Ausbau der Schulen!

Der Bildungsföderalismus muss aufgehoben werden. Bisher liegen die Zuständigkeiten für das Bildungswesen im Wesentlichen bei den einzelnen Bundesländern. Aufgrund der unterschiedlichen Systeme hängen Bildungschancen auch noch vom Bundesland ab. Das muss sich ändern!

Schulabschuss, Ausbildung und Weiterbildung

Die Zahl der Jugendlichen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, steigt seit 2013 wieder. Die Anzahl der jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Ausbildungsabschluss ist ebenfalls sehr hoch.

Immerhin nehmen mehr Menschen an Weiterbildungen teil. Das trifft jedoch leider vergleichsweise seltener auf diejenigen mit niedrigem Schulabschluss bzw. ohne Ausbildungsabschluss zu.

Wir fordern deshalb, dass die zahlreich vorhandenen staatlichen Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und -orientierung überprüft werden. Viele davon scheinen ungeeignet, junge Menschen beim Ausbildungsstart richtig zu unterstützen. Das gilt besonders bei einem niedrigem Schulabschluss bzw. ohne Ausbildungsabschluss.

Auch sollte der Zugang zu Weiterbildungen durch entsprechende staatliche Förderungen erleichtert werden!

Kinderkrippen und Ganztagsangebote an Grundschulen

Der Krippenausbau hat sich erfreulicherweise verdoppelt. Es gibt aber nach wie vor große Unterschiede zwischen Ost und West. So kommen die Krippen vielerorts der wachsenden Nachfrage trotzdem nicht nach – aus Mangel an Erziehungskräften.

Auch die Ganztagsangebote an Grundschulen haben sich im Vergleich zu 2008 verdoppelt – doch diese Angebote reichen ebenfalls längst nicht aus. Die regionalen Unterschiede sind hier ebenfalls sehr groß: In Hamburg liegt die Quote bei 98,3 Prozent, in Baden-Württemberg bei 17,7 Prozent.

Und auch hier droht der Fortschritt ausgebremst zu werden. Bis 2025 werden an den Grundschulen bis zu 26.000 Lehrkräfte fehlen.

Wir fordern deshalb stärkere Investitionen in den Ausbau der Krippen und Ganztagsangebote an Grundschulen!