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12.04.2019

Explodierende Mieten

  • Plakat bei Mietenprotesten in Berlin

Die Wohnungskrise entwickelt sich zu DER sozialen Frage in Deutschland. In Universitätsstädten und Ballungsräumen steigen die Mieten jedes Jahr in neue, bisher unbekannte Höhen. In Berlin explodierten die Mieten in manchen Vierteln um 20 Prozent und mehr pro Jahr.

Solch eine Steigerung bei Löhnen und Gehältern bleibt hingegen eine Traumvorstellung. Die Mieten haben sich von der sonstigen Preisentwicklung längst entkoppelt. In Großstädten geht bei nicht wenigen Normalbeschäftigten inzwischen bis zu 50 Prozent des Haushaltseinkommens für die Miete ab.

Doch es regt sich auch Protest. Immer mehr Mieter*innen organisieren sich in Nachbarschaftsinitiativen. Anfang April 2019 gingen deutschlandweit 55.000 Menschen für eine soziale Wohnungspolitik auf die Straße und in Berlin startete ein Volksbegehren zur Enteignung großer Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen in der Stadt. Ob es gleich Enteignungen nach Paragraf 15 Grundgesetz braucht, wird seitdem deutschlandweit diskutiert. Doch zeigt die breite Unterstützung der Initiative, dass die Wohnungspolitik den Menschen auf den Nägeln brennt.

War das schon immer so?
Seit der Finanzkrise 2008 ist die Investition in Wohnungsbestände in Deutschland für Kapitalanleger aus dem In- und Ausland zunehmend interessant geworden. Niedrige Zinsen treiben die Wohnungspreise nach oben, weil die stabilen Renditen aus Wohnungsvermietung relativ attraktiver werden und deshalb die Nachfrage nach Immobilien als Kapitalanlage steigt. Gleichzeitig kostet die Finanzierung von Wohnungskäufen durch Kredite nur geringe Zinsen.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis
Ein Wohnungsmarkt ist jedoch kein Markt wie jeder andere. Schließlich sind Grundstücke und Gebäude – erstens – nicht beliebig vermehrbar. Sie eignen sich daher besonders für Anleger, die einzig auf steigende Boden- und Gebäudepreise (und damit auf leistungslose Einkommen) spekulieren. Zweitens sind Wohnungen sowohl unverzichtbar als auch unbeweglich. Wohnraumsuchende benötigen eine für sie bezahlbare, in Größe und Ausstattung passende Wohnung in der Nähe ihrer Arbeitsstätte bzw. in der Nähe von Kita und Schule ihrer Kinder. Damit sind sie finanziell und räumlich wenig flexibel.

Neben der Spekulation im Wohnungsmarkt fehlen aber auch tausende Wohnungen, vor allem in niedrigen und mittleren Preislagen. Um den Mietwohnungsbau im bezahlbaren Segment anzukurbeln, müssen also Spekulation und Grundstückspreisentwicklung zurückgedrängt werden. Solange Spekulationsgewinne nicht vollständig abgeschöpft werden, wird es weiter Spekulation geben. Solange Kommunen den Investoren keine oder kaum soziale Vorgaben machen, werden diese sich weiter im renditeträchtigen, hochpreisigen Segment bewegen. Und solange Bund, Länder und Kommunen Grundstücke an die Meistbietenden verkaufen, wird es keinen preisgünstigen Neubau geben können.

Die Alternative zur Privatwirtschaft: kommunale Wohnungsunternehmen
Der politische und demokratische Einfluss auf öffentliche Wohnungsunternehmen ist weitaus größer als der auf private. Öffentliche Wohnungsunternehmen investieren mehr in den Neubau von Mietwohnungen als private, sie halten gekaufte oder gebaute Wohnungen länger im eigenen Bestand, sie nutzen bestehende Mieterhöhungsmöglichkeiten in geringerem Umfang aus und sie berücksichtigen dabei stärker als private die individuelle Situation ihrer Mieterinnen und Mieter.

Daher sind öffentliche Wohnungsgesellschaften gerade für jene Wohnungssuchenden besonders wichtig, die es am freien Markt schwerer haben – also einkommensschwache und stigmatisierte Menschen und Familien und junge Menschen in Ausbildung oder Studium. Es gibt also viele gute Gründe, den öffentlichen Wohnungsbau zu stärken.

Mehr Infos als PDF von ver.di WiPo: "Gutes Wohnen für alle"

Wohnen für Studierende und Auszubildende
Besondere Wohnbedürfnisse haben auch Studierende und Auszubildende. Studierende können auf Wohnheime der Studierendenwerke zurückgreifen. Immerhin zwölf Prozent nutzen dieses Angebot – vor allem Studierende mit kleinem Geldbeutel. Allerdings herrscht auch hier ein zunehmender Mangel an Wohnraum. Für Auszubildende fehlt ein solches Angebot dagegen fast vollständig. Aufgrund ihrer geringen Vergütung haben sie zugleich kaum die Möglichkeit, eine preisgünstige Wohnung in der Nähe ihrer Ausbildungsstätte zu mieten.

Sinnvoll wären deshalb Auszubildendenwerke, die – ähnlich wie Studierendenwerke – unter anderem günstigen Wohnraum für Azubis anbieten. Dafür gibt es schon gute Beispiele, etwa in Hamburg und Düsseldorf: Dort stellen verschiedene Akteure unter Beteiligung kommunaler Wohnungsgesellschaften kleinräumige Wohnungen für Azubis preisgünstig zur Verfügung.

Leben in der WG – nicht nur aus Kostengründen
Eine Alternative zum Zimmer im Wohnheim oder sogar einer eigenen Wohnung sind Wohngemeinschaften (WGs). Hier teilen sich mehrere Leute eine Mehrzimmerwohnung und die Miete für die Einzelnen wird dadurch wieder erschwinglich. Wichtig ist hier nur, dass die Chemie zwischen den Mitbewohner*innen passt. Dann kann das Zusammenleben sogar schöner sein als einsam in einer eigenen Wohnung. Im Internet finden sich zahlreiche Börsen für WG-Zimmer oder auch zur Neugründung einer WG. In manchen Fällen bestehen hier Vermieter jedoch auf eine Bürgschaft der Eltern für die Miete.

Finanzielle Unterstützung vom Staat
Wenn die Ausbildungsvergütung nicht ausreicht, kann man bei der Stadtverwaltung Wohngeld beantragen. Die Voraussetzungen dafür unterscheiden sich zwischen den Kommunen. Hier einfach mal nachfragen! In manchen Fällen besteht auch Anspruch auf die Berufsausbildungsbeihilfe. Es gibt also durchaus finanzielle Hilfen für junge Menschen.

Bei Problemen mit der Mietwohnung hilft auch unser Mietrechtsservice, für ver.di-Mitglieder natürlich kostenlos!