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News

29.06.2018

Kurzgefasst: Deine Rechte im Praktikum

  • Gruppe aus verschiedenen Berufsbildern

Gut zu wissen, bevor du ein Praktikum startest

Ein Praktikum dient dazu, einen Einblick in ein bestimmtes Berufsfeld zu bekommen und etwas Praktisches zu lernen. Wir liefern dazu die wichtigsten Rahmenvorgaben.

Den Kopierer korrekt zu bedienen, gehört in den meisten Fällen nicht zu den vorrangigen Lernzielen im Praktikum… Sind solche Tätigkeiten etwa Pflicht für Praktikantinnen und Praktikanten? Eindeutig: Nein.

Wir haben dir die wichtigsten Rechte und Rahmenbedingungen im Praktikum zusammengetragen.

Der Sinn der Sache: Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis.
Für Arbeitgeber lohnt es sich vor allem, wenn es lange dauert und Beschäftigte im Praktikum nach einer Einarbeitungszeit als volle Arbeitskraft zur Verfügung stehen.

So ist das aber nicht gedacht. Hilfreich ist es, wenn du bereits zu Beginn des Praktikums klärst, was du im Praktikum lernen willst – denn genau darauf hast du Anspruch.

Allerdings können sich nicht alle in jedem Fall freiwillig für ein gutes oder gegen ein schlechtes Praktikum entscheiden. Im Studium, aber auch in schulischen Ausbildungen gehören Pflichtpraktika oftmals dazu – man muss sie machen, um einen Abschluss zu bekommen.

Der gesetzliche Rahmen: Ein Praktikum ist kein rechtsfreier Raum.
Auch das gehört zu den wichtigen Erfahrungen zu Beginn des Berufslebens: Informiere dich in Bezug auf Urlaub, Praktikumszeugnis und darüber hinaus.

Am besten wendest du dich dazu in der betreffenden Arbeitsstätte an die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder an den Betriebs- bzw. Personalrat. Mit einer Gewerkschaftsmitgliedschaft bist du sowieso immer auf der sicheren Seite.

Außerdem solltest du über einige Grundregeln Bescheid wissen.

Ob zum Beispiel ein Unternehmen ein Praktikum schamlos ausnutzt, erkennst du häufig schon daran, wie viele Beschäftigte im Praktikum es in der betreffenden Firma gibt:

  • Gibt es dort mehr Praktikantinnen und Praktikanten als Festangestellte?
  • Oder leitet gar der oder die Auszubildende die Beschäftigten im Praktikum an und die eigentliche Fachkraft ist nie ansprechbar?

In solchen Fällen empfiehlt es sich, nach Möglichkeit lieber woanders ein Praktikum zu machen. Schließlich willst und musst du bei einem Pflichtpraktikum ja was lernen und dich nicht ausbeuten lassen.

Der Vertrag: Ein erfolgreiches Praktikum braucht einen guten Rahmen.
Analog zum Arbeitsvertrag für Beschäftigte solltest du auch zu deinem Praktikumsverhältnis einen Vertrag bekommen, der die Rahmenbedingungen deines Praktikums klärt.

Ein Praktikumsvertrag sollte auf jeden Fall folgende Aspekte regeln:

  • die Dauer des Praktikums klären,
  • die Arbeitszeit in Wochenstunden, dazu Arbeitsbeginn und Arbeitsende,
  • die Dauer der Probezeit,
  • die Lernziele und Tätigkeiten im Praktikum,
  • deine Urlaubstage,
  • und deine Vergütung.

Der Output: Die Bezahlung ist abhängig von der Art des Praktikums.
Bei einem Pflichtpraktikum – also im Rahmen von Studien- und Ausbildungsordnung vorgeschrieben – gilt der Mindestlohn NICHT.

Bei einem freiwilligen Praktikum vor oder während der Ausbildung muss zwar kein Mindestlohn bezahlt werden, aber eine angemessene Vergütung. Das schreibt das Berufsbildungsgesetz vor.

Ab dem ersten Tag des vierten Monats muss bei einem freiwilligen Praktikum der Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro gezahlt werden (ab 01.01.2019 voraussichtlich 9,19 Euro).

Wenn du schon eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hast und danach ein entsprechendes Praktikum absolvierst, steht dir der Mindestlohn bereits ab dem ersten Tag zu!

Darüber hinaus kann im freiwilligen Praktikum ein Kindergeldanspruch bestehen:

  • wenn Kenntnisse vermittelt werden, die als Grundlagen für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind
  • wenn es sich nicht um ein (gering bezahltes) „normales“ Arbeitsverhältnis handelt.

Der Zeitfaktor: Zur Praktikumsdauer und Arbeitszeit gibt es Richtwerte.
Freiwillige Praktika sollten je nach Ausbildungsziel und -vielfalt höchstens drei Monate dauern. Diese zeitliche Begrenzung ermöglicht es Studierenden, während der Semesterferien praktische Erfahrungen zu sammeln – und zwar ohne ein Semester aussetzen zu müssen.

Bei einer längeren Praktikumsdauer besteht außerdem die Gefahr, dass nicht der Erwerb neuer Fähigkeiten, sondern routinierte Arbeit in den Vordergrund des Praktikums rückt.

Für Pflichtpraktika im Rahmen von Studiengängen gilt die in den Studienordnungen entsprechend festgesetzte Dauer von Praktika. Diese überschreitet derzeit ggf. die hier empfohlene Dauer von drei Monaten.

Und wie viel Stunden pro Woche? Auch junge Menschen dürfen nicht unter einem übergroßen Arbeitspensum leiden. Deswegen regelt das Jugendarbeitsschutzgesetz in § 8 JArbSchG die Dauer der Arbeitszeit: Demnach dürfen Jugendliche nicht über acht Stunden täglich und nicht über 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.

Der Sonderfall: Im Schulpraktikum entscheiden die Länder.
Das sogenannte Betriebspraktikum – also ein Praktikum von Schülerinnen und Schülern in Unternehmen – ist Bestandteil der schulischen Ausbildung.

Die Organisation der Schulausbildung und das allgemeine Schulwesen fallen unter die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer. In Berlin sind Schulpraktika „Schulveranstaltungen“ im Sinne des Schulgesetzes.

Nichtsdestotrotz muss in jedem Fall das Jugendarbeitsschutzgesetz in den betrieblichen Praxiszeiten angewendet werden.

Der Tipp zum Schluss: Eine gute Rückendeckung ist schon die halbe Miete.
Was beim Praktikum wie auch sonst im Berufsleben weiterhilft: Werde Gewerkschaftsmitglied – dann sind wir als Gewerkschaft an deiner Seite!

Wenn du z. B. wissen willst, wie viel Urlaub dir zusteht, wenn du Beratung zu deinem Praktikumsvertrag brauchst oder wenn du das Gefühl hast, dass du in deinem Praktikumszeugnis schlecht wegkommst, kannst du dich als ver.di-Mitglied an uns wenden und bekommst von uns professionelle Hilfe zu deinen Fragen. Und im Ernstfall sogar Unterstützung vor dem Arbeitsgericht.

Also nichts wie los, wir freuen uns auf dich!

Und in jedem Fall wünschen wir dir ein erfolgreiches und spannendes Praktikum!

Deine ver.di Jugend