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12.12.2019

Überstunden gehören nicht zur Ausbildung

  • Mehrarbeit ist in vielen Branchen üblich, aber keineswegs vorgeschrieben!

Kenne deine Rechte!

Mehrarbeit ist nicht Teil der Ausbildung, auch wenn die Realität für viele Azubis anders aussieht. Das muss aber nicht sein – Gesetz und Gewerkschaft sind auf deiner Seite!

Überstunden sind in vielen Branchen üblich. In der Gastronomie und Hotellerie gelten sie sogar als „ungeschriebenes Gesetz“ – häufig auch noch ohne jeden Ausgleich. Das zeigte 2017 auch wieder der DGB-Ausbildungsreport.

Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben bekommen viele Auszubildende weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung für geleistete Überstunden. Das ist nicht legal und du kannst dich dagegen wehren – es ist dein gutes Recht!

Zeit zum Lernen
Grundsätzlich sind für Auszubildende keine Überstunden vorgesehen. Du bist im Betrieb, um einen Beruf zu erlernen, und dazu sollte die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit auch ausreichen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Beschäftigten dürfen Auszubildende lediglich freiwillig und auch nur solche Überstunden leisten, die tatsächlich ihrer Ausbildung dienen. Eine ausbildungsbeauftragte Person muss gleichzeitig anwesend sein.

Gesetz hat Vorfahrt!
Überstunden sind gesetzlich geregelt – für unter 18-Jährige im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und für Volljährige im Arbeitszeitgesetz (ArbZG).

Für viele Ausbildungsberufe gelten zusätzliche Tarifverträge mit eigenen Regelungen zur Ausbildungszeit.

Überstunden nur mit Ausgleich!
Diese Grenzen für Minder- und Volljährige dürfen grundsätzlich nicht überschritten werden bzw. nur in absoluten Notfällen. Solche Ausnahmen sind beispielsweise ein Brand oder eine erhebliche Störung einer Betriebsanlage – Personalknappheit gehört allerdings nicht dazu!

Und selbst im Notfall müssen zuerst die ausgelernten Beschäftigten anpacken. Auszubildende – insbesondere minderjährige – dürfen erst ganz zum Schluss herangezogen werden.

Im Gegenzug wird entweder ein entsprechender Zuschlag fällig, besser ist aber, wenn die Überstunden zur Erholung „abgefeiert“ werden. In diesem Fall wird das eigene Überstundenkontingent gegen zusätzliche Freizeit eingetauscht – ein genaues Überstundenprotokoll ist also sehr empfehlenswert!

Berufsschulzeit gleich Arbeitszeit
Dein Ausbildungsbetrieb muss dich für die Berufsschule freistellen und dir außerdem diese Unterrichtszeit auf deine Arbeitszeit anrechnen. Berufsschulzeit zählt also wie reguläre Arbeitszeit.

Ab 1. Januar 2020 gilt das neue Berufsbildungsgesetz. Alle Auszubildenden haben nun eine garantierte Freistellung für die Berufsschule. Damit müssen sie nach einem Berufsschultag mit mindestens fünf Unterrichtsstunden – an einem Tag in der Woche – nicht mehr in den Betrieb zurück. Dieser Tag wird dir dann mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet.

Wenn die Schule vor 9 Uhr beginnt, müssen Auszubildende ab 2020 auch vorher nicht mehr in den Betrieb. Bei Blockunterricht (mindestens fünf Tage mit über 25 Unterrichtsstunden) sind sie ebenfalls befreit. Und wenn die Berufsschule mal kürzer ist oder der Unterricht erst nach 9 Uhr beginnt? Dann zählen die Pausen und die Wegzeit von der Schule in den Betrieb als Ausbildungszeit. Bisher galt diese Regelung nur für minderjährige Auszubildende, jetzt für alle. Das Durchschnittsalter eines Jugendlichen zu Beginn der Ausbildung liegt bei 20 Jahren. Deshalb profitiert ein Großteil der Auszubildenden von dieser neuen Regelung.

Den Rücken stärken
Falls dein Betrieb gegen die gesetzlichen Vorgaben verstößt oder dich unter Druck setzt, darfst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen. Du musst dann zwar mit deinem Ausbildungsbetrieb in die Auseinandersetzung gehen, die Alternative wäre allerdings, dass du alles hinnimmst und auf deine Rechte verzichtest.

Lass dich auf keinen Fall einschüchtern, sondern hol dir unbedingt Unterstützung – deine Interessenvertretung kämpft an deiner Seite für dein gutes Recht in der Ausbildung!

Hier gibt es weitere Informationen zur Arbeitszeitregelung während der Ausbildung.